Person of Interest 5x05

Person of Interest 5x05

Die neue Person of Interest hat ein sehr gutes Gehör und lässt sich keinen Schuss für einen Böller vormachen. Das bringt ihn in große Gefahr. Gleichzeitig kommt es zu einem Wiedersehen mit einem alten Bekannten, der seinen guten Freund Elias rächen will.

Es gibt doch nichts Schöneres als ein entspanntes Gespräch beim Friseur... / (c) CBS
Es gibt doch nichts Schöneres als ein entspanntes Gespräch beim Friseur... / (c) CBS

Das passiert in der Person of Interest-Folge ShotSeeker:

Reese (Jim Caviezel) geht einer neuen Nummer nach, die die Maschine ausgespuckt hat: Ethan Garvin (Will Connolly). Garvin ist Mitarbeiter im Überwachungszentrum der New Yorker Polizei. Ausgestattet mit einem besonders feinen Gehör ist er für das „ShotSeeker“-System der Stadt zuständig. „ShotSeeker“ ist ein Computer, der über ein Netz von Mikrofonen, die über das gesamte Stadtgebiet verteilt sind, Schüsse registrieren soll. New York hätte, wie Reese von Ethans Chefin erfährt, das System fast wieder abgeschafft, weil es zu viele Fehlalarme gab. Durch Ethan hat sich die Trefferquote jedoch beträchtlich verbessert. Er ist ein Genie darin, einen Schuss von jeder anderen Art von Knall zu unterscheiden.

Neben seiner Arbeit zeigt Ethan ein auffallend großes Interesse an einer jungen Chemikerin. Finch (Michael Emerson) und Reese vermuten zunächst, dass er ein Stalker sein könnte. Tatsächlich verhält es sich jedoch ganz anders: Die junge Frau ist verschwunden - und Ethan hat eine rätselhafte Beobachtung gemacht. Genau zu der Zeit, als die Chemikerin verschwand, registrierte „ShotSeeker“ drei Schüsse, die aus ihrem Wohnhaus kamen. Die Polizei wurde jedoch nicht alarmiert, weil „ShotSeeker“ die Schüsse fälschlich als Feuerwerksexplosionen deklarierte.

Damit stellen sich zwei Fragen: Wer ist für das Verschwinden der Frau verantwortlich? Und steckt hinter dem Fehler von „ShotSeeker“ eine bewusste Manipulation?

Fusco (Kevin Chapman) hat unterdessen ein ganz anderes Problem: Bruce Moran (James LeGros) lauert ihm bei einem Hockeyspiel seines Sohnes auf. Moran will wissen, was mit seinem Chef und engen Freund Elias (Enrico Colantoni) tatsächlich geschehen ist. Der Buchhalter, der nun offenbar Elias' Geschäfte übernommen hat, glaubt die offizielle Version der Ereignisse nicht. Er spricht sogar eine kaum verhohlene Drohung gegen Fuscos Sohn aus, sollte ihm der Polizist nicht die Wahrheit sagen.

Während Fusco bei der Suche nach der verschwundenen Chemikerin mithilft, übernimmt es Reese, ein Wörtchen mit Bruce zu wechseln, um ihm klar zu machen, dass er die Wahrheit über Elias' Tod gar nicht wissen will. Leider erweist sich Bruce jedoch als überaus hartnäckig.

Fusco geht derweil einer heißen Spur nach: Die Chemikerin hatte gerade ein revolutionäres Verfahren zur längeren Haltbarmachung von Lebensmitteln entwickelt - und dieses Verfahren einer Welthungerhilfeorganisation zur Verfügung gestellt. Sehr zum Ärger von JD Carrick (Peter Gray Lewis), Chef eines großen Lebensmittelkonzerns. Ein Hacker hat die Datei mit den Forschungsergebnissen vom Computer der Hilfsorganisation gestohlen, genau in dem Moment, als auch deren Verfasserin verschwand.

Glücklicherweise hat Fusco einige sehr gute „IT guys“ an der Hand. Tatsächlich kann Root (Amy Acker) die Spur zu Carricks Computer zurückverfolgen. Die Datei auf seinem Laptop ist jedoch mit einer extrem elaborierten Verschlüsselung versehen. Das und ein Anschlag auf Ethan, bei dem ein eigentlich funktionsuntüchtiger öffentlicher Fernsprecher eine Rolle spielt, bringen Root und Finch auf den Verdacht, dass Samaritan seine Finger im Spiel hat. Offensichtlich möchte der Supercomputer nicht, dass die Forschungsergebnisse publik werden. Und ist dazu bereit, über Leichen zu gehen.

Apropos Samaritan: Aus dem Code, den Finch in Truth Be Told kopiert hat, ist es ihm gelungen, eine Art Miniausgabe von Samaritan zu klonen. Diese lässt er in einer Simulation gegen eine Miniausgabe der Maschine antreten, um darüber Aufschluss zu erhalten, was eine siegreiche Strategie gegen Samaritan sein könnte. Das Problem ist nur: Die Maschine wird in der Simulation wieder und wieder und wieder geschlagen...

Fusco im Dunkeln

Es gibt an ShotSeeker eigentlich nur einen größeren Punkt auszusetzen - und das ist die völlig Absurdität, dass Fusco von den anderen, vermeintlich zu seinem eigenen Besten, immer noch über die Maschine und deren Kampf mit Samaritan so vollkommen im Dunkeln gelassen wird. Das ist einerseits nicht nur für ihn, sondern auch für das Publikum unglaublich frustrierend. Angesichts der allgegenwärtigen Bedrohung durch Samaritan ergibt die Strategie des Schweigens gegenüber Lionel absolut keinen Sinn mehr. Man möchte fast den Fernsehapparat anschreien: Jetzt sagt es ihm doch endlich!

Andererseits - und das mag so ein bisschen die Zwickmühle sein, in der auch die Autoren gesteckt haben - wäre ein simples „Ach, übrigens das hier ist die künstliche Intelligenz, die uns seit fünf Jahren mit den Nummern versorgt...“ ein bisschen fad. Lionel derart entschlossen zu sehen, selbst hinter das Geheimnis zu kommen, macht natürlich viel mehr Spaß. Und meine Güte! Mehr noch als in B.S.O.D. wird in ShotSeeker deutlich, wie sehr Fusco als Figur gewachsen ist! Er lässt sich vom CEO nicht einschüchtern, sondern dreht ganz im Gegenteil den Spieß herum. Und auch von Harold lässt er sich nicht länger so ohne Weiteres an der Nase herumführen. Er weiß genau, dass ihm die anderen etwas verheimlichen, und er zögert nicht damit, ihnen ganz genau zu sagen, was er davon hält.

Darüber hinaus hat er längst damit begonnen, selbst erste Zusammenhänge herzustellen: Der Rückgang der Mordziffer bei gleichzeitigem Anstieg der Selbstmorde und der Vermisstmeldungen. Fusco ahnt, dass hier etwas sehr, sehr Merkwürdiges vor sich geht. Es ist so blödsinnig, dass ihn die anderen nicht einweihen. Gleichzeitig ist es gerade diese Unkenntnis, die aus Lionel das Beste herausholt: Er ist mit hundertprozentiger Hingabe, Aufmerksamkeit und Intelligenz bei der Sache, und hat dabei überhaupt keine Hemmungen mehr, auch selbst das Kommando zu übernehmen, etwa als Reese entführt wird. Es ist so toll, ihn endlich in seinem ganzen Potenzial aufblühen zu sehen, dass man darüber (fast) das Ärgernis vergisst, das dieser Situation zu Grunde liegt.

Ein Klassiker

Davon abgesehen ist ShotSeeker geradezu ein perfektes Beispiel für die klassische, formvollendete Person of Interest-Folge: Fall der Woche und fortlaufender Handlungsstrang sind geschickt miteinander verschlungen. Darüber hinaus gibt es nicht nur einen, sondern streng genommen zwei fortlaufende Plots (Samartian und Elias), die sich stellenweise überkreuzen, ohne dass dies zum Teil den Figuren selbst bewusst ist. Finch und Root glauben, Samaritan hätte Reese geschnappt, dabei ist es Bruce gewesen, der wiederum Antworten auf den Tod von Elias sucht, der seinerseits Samaritan zum Opfer gefallen ist.

Es ist genau dieses reichhaltige Storygewebe, das Person of Interest so faszinierend macht. Bruce hatte zuvor erst einen Auftritt gehabt (in The Devil You Know), doch die Serie hat ihn nicht vergessen.

Blackwell

Auch Jeff Blackwell (Joshua Close) aus SNAFU ist nicht in Vergessenheit geraten. Er hat bei Samaritan Arbeit als Handlanger gefunden, ohne überhaupt genau zu wissen, für wen er da arbeitet. Angesichts der großen Anzahl von Leuten, die für Samaritan arbeiten, ist es sicherlich durchaus sinnvoll, die unteren Ränge nicht in die näheren Details einzuweihen. Schließlich steigt mit jedem Mitwisser das Risiko, dass das Geheimnis der Existenz von Samaritan trotz aller Gegenmaßnahmen an die Öffentlichkeit gelangt. So ähnlich, wie es ja letztlich auch mit dem Forschungsbericht in dieser Episode geschieht. Mit der Zahl der Publikationen, die den Bericht erhalten, schwindet Samaritans Fähigkeit, länger etwas gegen die Veröffentlichung zu unternehmen.

Durch Root erhält Blackwell nun immerhin einige Bruchstücke an Informationen über seinen Arbeitgeber. Die Frage ist, was er in den kommenden Folgen damit anfangen wird. Mein Gefühl sagt mir, dass er sich gegen Samaritan wenden könnte - und genau damit in einem überraschenden Augenblick für eine Kehrtwende sorgen könnte. Dieses unberechenbare, menschliche Element, das die Maschinen in ihrem Duell möglicherweise nicht ausreichend berücksichtigen und antizipieren.

Nur so eine Gedanke.

Simulationen

Ansonsten bleibt noch darauf hinzuweisen, dass nach 6,741 bereits zum zweiten Mal nacheinander das Thema Simulation eine prominente Rolle in der Serie spielt. Diesmal in Form des Scheingefechts, das die Miniversionen von Maschine und Samaritan miteinander austragen. Für den Zuschauer ist es dabei ebenso wie für Harold deprimierend mitzuschauen, wie die Maschine Mal um Mal von Samaritan geschlagen wird. Dass er Root aus dem Faradayschen Käfig aussperrt (eine interessante Verkehrung gegenüber der dritten Staffel) mag weniger einem generellen Misstrauen als vielmehr dem Wunsch geschuldet sein, die Information über den Ausgang des Experiments selbst zu kontrollieren - samt der Schlüsse, die daraus zu ziehen sind.

Intellektuelles Highlight der Folge ist (wieder mal) ein Gespräch zwischen Root und Harold, in dem die beiden Notwendigkeit und Gefahren eines Selbsterhaltungstriebs der Maschine diskutieren. Dabei nimmt die Unterhaltung eine interessante Wendung, als Root ihr Gegenüber auffordert, der Maschine doch mehr zu vertrauen, Harold jedoch erwidert, dass er genau das tue. Er vertraut darauf, dass die Maschine so intelligent ist, dass sie (als Konsequenz der Auseinandersetzung mit Mini-Samaritan) selbst die entsprechende Anpassung ihres Programms vornehmen wird.

Die Folge markiert einen bemerkenswerten Wendepunkt - sowohl in der Beziehung zwischen Harold und Root als auch zwischen Harold und der Maschine. Er lässt sich auf Roots Standpunkt ein, dass sie größere Risiken eingehen müssen, um Samaritan zu schlagen. Gleichzeitig bedeutet das für ihn jedoch, ein größeres Vertrauen in die Maschine zu setzen.

Das Gespräch darüber, wie unser Umgang mit künstlicher Intelligenz aussehen könnte, stellt mehr denn je einen zentralen Bestandteil von Person of Interest dar. Ebenso weist es die Serie selbst als eine Art Simulation aus, die Gestalt künstlicher Intelligenzen annehmen könnte und wie unsere Reaktion darauf aussieht.

Kuck' mal wer da liegt

Zum Ende des Reviews muss natürlich noch kurz das Ende der Folge zur Sprache kommen: Ein paar Sätze zuvor hatte ich geschrieben, dass Elias Samaritan zum Opfer gefallen ist. Das Finale der Folge zeigt, dass dies überhaupt nicht stimmt. Elias hat überlebt! Das Team Machine hat ihn unter maßgeblicher Mithilfe von Fusco gerettet - und es durch das Inbrandsetzen des Transporters nur so aussehen lassen, als sei er bei dem Anschlag gestorben. Tatsächlich erholt er sich in der sicheren Wohnung des Teams von seinen Verletzungen.

Anders als Fusco scheint Elias mittlerweile darüber eingeweiht zu sein, welch übermächtiger Gegner draußen lauert. Er ermahnt Bruce deshalb, sich im Schatten verborgen zu halten. Die Tatsache, dass die Autoren Elias nicht haben sterben lassen, deutet natürlich darauf hin, dass er bei den kommenden Ereignissen, also etwa dem Kampf gegen Samaritan womöglich eine beträchtliche Rolle als Verbündeter des Team Machine spielen wird.

Diese Wiederkehr war auf jeden Fall sehr gelungen. Während bei Sarah Shahi sehr schnell klar war, dass sie in die Serie zurückkommen würde, hatte es so ausgesehen, dass es für Enrico Colantoni nach YHWH tatsächlich vorbei gewesen ist. Umso größer war die Freude, ihn wiederzusehen.

Fazit

Person of Interest liefert wieder einmal ein mitreißendes Stück Fernsehen. 45 Minuten, die einen gespannt an den Bildschirm fesseln und viel zu schnell vorüber sind.

Verfasser: Christian Junklewitz am Mittwoch, 18. Mai 2016
Episode
Staffel 5, Episode 5
(Person of Interest 5x05)
Deutscher Titel der Episode
Fusco folgt der Fährte
Titel der Episode im Original
ShotSeeker
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Dienstag, 17. Mai 2016 (CBS)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 29. August 2016
Regisseur
Maja Vrvilo

Schauspieler in der Episode Person of Interest 5x05

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?