Person of Interest 5x04

Person of Interest 5x04

Sarah Shahi hat wegen ihrer Schwangerschaft eine Weile bei Person of Interest pausieren müssen. In 6,741 kommt sie wieder mit dem Team Machine zusammen. Vor allem ihr Wiedervereinigung mit Root ist ein denkwürdiger Moment der Serie.

Finch (Michael Emerson) entschuldigt sich bei Shaw (Sarah Shahi). / (c) CBS
Finch (Michael Emerson) entschuldigt sich bei Shaw (Sarah Shahi). / (c) CBS

Das passiert in der Person of Interest-Folge 6,741:

Shaw (Sarah Shahi) liegt festgeschnallt auf dem Operationstisch: Sie kann nicht verhindern, dass ihr Samaritans Ärzte unter Aufsicht von Greer (John Nolan) einen Chip ins Gehirn implantieren. Trotz des Implantats zeigt sich Shaw jedoch aufsässig wie eh und je. Sie ist weit davon entfernt, sich etwa von den Psychospielen, die Lambert (Julian Ovenden) an ihr ausprobiert, brechen zu lassen. Im Gegenteil: Als sich ihr die Gelegenheit zur Flucht bietet, ergreift sie sie.

Es gelingt ihr sogar, sich bis nach New York durchzuschlagen. Direkt Kontakt zu ihren Freunden kann und will sie nicht aufnehmen, da sie fürchtet, dass Samaritan sie über den Chip orten kann. Ein erster Versuch, den sie selbst unternimmt, das Implantat zu entfernt, bringt ihr außer blutigen Händen wenig ein. Daher entscheidet sie sich für eine andere Strategie: In einem Supermarkt nimmt sie den Verkäufer als Geisel und droht via Telefon damit, ihn zu töten. Das ruft einerseits einige Agenten von Samaritan auf den Plan, andererseits aber auch ihre Freunde, allen voran Root (Amy Acker).

In der U-Bahn improvisieren sie eine Operation. Tatsächlich gelingt es Root und Reese (Jim Caviezel) den Chip, der hinter Shaws Ohr eingepflanzt gewesen ist, zu entfernen. Finch (Michael Emerson) will ihn untersuchen, um etwaige Hinweise darauf zu finden, wie sich Samaritan schlagen lässt. Vorerst verstecken sie Shaw in Roots Wohnung, wo sich die beiden gleich in der ersten Nacht näher kommen. Sehr viele näher.

Etwas irritiert Shaw jedoch: Obwohl der Chip nicht mehr in ihrem Kopf steckt, leidet sie immer noch an blitzartig aufzuckenden Visionen und Erscheinungen. Doch davon will sie sich nicht beirren lassen. Obwohl insbesondere Finch zur Vorsicht mahnt, will Shaw den Kampf zum Feind tragen. Sie ist fest entschlossen, den „Kopf des Drachen“ abzuschlagen. Gemeinsam mit Root und Reese lockt sie zwei Samaritan-Agenten in die Falle und kann über deren letztes Telefonat mit Greer dessen Standort aufspüren.

In einer gewagten Kommandoaktion gelingt es dem Team Machine, Greer in seine Gewalt zu bringen. Tatsächlich findet Shaw sogar einen in Greers Unterarm implantierten USB-Stick, der möglicherweise eine Art Kill Switch für Samaritan enthält, also ein Programm, mit dem sich Samaritan ein für alle mal abschalten ließe.

Als Shaw mit ihm allein ist, enthüllt Greer ihr jedoch, dass der Kill Switch eine ganz andere Funktion hat als die, welche sich ihre Freunde erhoffen. Es sei auch keineswegs so, dass Sameen entkommen sei. Vielmehr habe Samaritan sie entkommen lassen, weil das alles zum Plan gehöre. Shaw sei schon vor Monaten gebrochen worden. Das ganze Szenario ist eine Scharade, die nur einem einzigen Zweck dient: die Maschine aufzuspüren und ihre Anhänger - Finch, Reese und Root - durch Shaw töten zu lassen...

Simulationen

6,741 ist eine in vielerlei Hinsicht bemerkenswerte Folge: Es ist nach If-Then-Else die erste Folge von Person of Interest, in der Sarah Shahi alias Sameen Shaw wieder in voller Kapazität mit von der Partie ist (ihre Szenen zwischendurch waren ja allenfalls kurze Fragmente).

If-Then-Else und 6,741 bilden auch in anderer Hinsicht eine interessante Klammer: Hier wie dort stehen Simulationen im Mittelpunkt. In If-Then-Else hatte die Maschine unterschiedliche Szenarien simuliert, um einen Weg zu finden, wie das Team Machine wohl behalten aus dem Keller der Börse fliehen kann. Das Ende vom Lied kennen wir: Finch, Reese, Fusco und Root konnten entkommen, aber auf Kosten von Shaw, die sich für ihre Freunde geopfert hat.

In 6,741 ist Shaw wieder zurück. Doch am Ende stellt sich das durchlebte Abenteuer als eine Simulation heraus. Die 6.741. Simulation, um genau zu sein. Denn Samaritan will um jeden Preis den Standort der Maschine herausbekommen. Deshalb täuscht ihr der Computer über eine VR-Brille - offenbar mit Rückkopplung an den Chip, der tatsächlich in Sameens Gehirn eingepflanzt worden ist - Szenarien vor, welche sie dazu bringen sollen, ihre Freunde zu verraten, ja zu ermorden, und Samaritan zum Versteck der Maschine zu führen. Bislang allerdings nur mit überschaubarem Erfolg.

Doctor: „Good news: She waited an extra hour, before she shot you.“ / Greer: „How uplifting!

Illusion oder Realität?

Anders als bei If-Then-Else, wo die Begeisterung kein Halten kannte, weckt 6,741 etwas zwiespältige Gefühle, was vor allem daran liegen mag, dass bei If-Then-Else klar war, dass dem Ganzen eine reale Situation von hoher Gefahr zu Grunde lag, welche die unterschiedlichen Simulationen motivierte. Entsprechend wurde die Folge von einer starken Spannungsstruktur getragen.

In 6,741 liegen die Dinge jedoch etwas anders. Die Folge beruht vor allem auf der Frage, ob das, was wir sehen, real ist oder nicht. Für beides gibt es Hinweise: Gleich zu Beginn der Folge werden uns Chip und VR-Brille gezeigt. Darüber hinaus passiert in der Folge so vieles, von dem der Zuschauer sagen muss: Das war zu einfach! Das kann unmöglich die Wirklichkeit sein! Egal ob Shaws Flucht oder die Gefangennahme von Greer - alles geht viel zu problemlos über die Bühne und scheint damit eher dem Wunschdenken Shaws oder auch des Zuschauers zu entsprechen. Wenn wir etwa an ihre Liebesnacht mit Root denken...

Auch das Verhalten unserer Protagonisten ist sonderbar. Während Root sich mehr oder weniger so benimmt, wie wir es von ihr kennen, ist an der Art und Weise, wie Reese und Finch sich geben, etwas, das nicht stimmig erscheint. Ein großes Kompliment geht hier an Jim Caviezel und Michael Emerson, die ihre Rollen im Großen und Ganzen wie gewohnt spielen, nur um eine winzige Nuance verschoben. Finch beispielsweise kommt in der Art, wie er spricht, besonders zu Beginn eine Spur zu kalt und automatenhaft herüber. Es sind fast unmerkliche Details, welche die Figuren unwirklich erscheinen lassen.

Dagegen stehen jedoch jeweils Hinweise, die auf das Gegenteil hindeuten. Die Bilder der Überwachungskameras mit den Statusberichten von Samaritan („Suche Ziel“). Die wären doch kaum Teil eines Traums? Und dann ist da die Wende mit Greer, als er für das, was vorher so seltsam erschien, nicht dafür, warum alles so einfach ging, die Erklärung gibt: Weil das alles Teil seines Plans war. An der Stelle kann man als Zuschauer durchaus noch mal ins Wanken geraten: Ist es etwa doch Realität, was wir da sehen?

Spannungsbremse

Dieses Spiel mit dem epistemischen Status der Handlung entfaltet durchaus einen nicht unbeträchtlichen intellektuellen Reiz. Die ganz große Spannung kann sich unter diesen Umständen aber nicht entfalten. Damit Spannung aufkommt, muss klar sein, dass für die Figuren eine reale Gefahr besteht. Das wird durch die Verwirrung darüber, ob wir Illusion oder Wirklichkeit vor Augen haben, konterkariert. Zumal keineswegs durchgängig klar ist, dass es sich tatsächlich um eine Simulation von Samaritan handelt. Zwischendurch bringt die Folge ja geradezu explizit die Möglichkeit ins Spiel, dass es Sameen ist, die sich angesichts der Samaritan-Folter hier zu ihrem safe place, zu einem sicheren Ort in ihrer Vorstellung begeben hat.

Mag die Folge in Sachen Spannung auch nicht ganz an If-Then-Else herankommen. Für einen gehörigen Gänsehautmoment ist die Enthüllung, dass Shaw, wie vom Publikum zwischendurch schon vermutet, tatsächlich Gefangene in der VR-Welt Samaritans ist, allemal gut. Ein besonderes Kompliment geht dabei an die Musik von Ramin Djawadi, welche in diesem Moment perfekt die Dramatik eines Orchester-Score mit „kalten“, elektronisch distanzierten Synthesizer-Klängen mischt.

Shoot

Die eigentliche Stärke von 6,741 liegt aber bei den Figuren. Erstens, ist es natürlich schon mal per se großartig, Shaw wieder in Aktion zu sehen. Dabei gibt die Folge Sarah Shahi erstmals Gelegenheit, in der Szene mit dem Taxifahrer Farsi zu sprechen. Zweitens, liefert die Folge bei aller Angst, dass Shaw doch noch brechen könnte, durchaus so etwas wie einen Hoffnungsschimmer: 6.741 Versuche - und Shaw ist bislang nicht gebrochen. Sie hat rechtzeitig die Reißleine gezogen, um nicht etwa doch noch das Versteck der Maschine zu verraten. Martine (Cara Buono) hat mit ihrer Behauptung in Asylum, dass Shaw schon längst gebrochen worden sei, also gelogen.

Woran sich Shaw festhält, ist insbesondere ihre Beziehung zu Root, die wir in dieser Folge zum ersten Mal aus Shaws Perspektive beleuchtet sehen. Während uns schon seit einiger Zeit klar war, was Root für Shaw empfindet, konnten wir umgekehrt ja nie so ganz sicher sein, wie es umgekehrt um Shaws Gefühle steht. Ja, es gab da diesen Kuss in If-Then-Else, der in seiner Bedeutung jedoch recht ambivalent war - und offenließ, inwieweit Shaw tatsächlich selbst etwas für Root empfindet oder sie damit nur zu überrumpeln versucht, damit sich Root mit den anderen in Sicherheit bringt.

6;742 lässt dagegen keinen Zweifel daran, dass Shaw ebenso in Root verliebt ist wie umgekehrt. Das gegenseitige sexuelle Begehren der beiden wird - zur grenzenlosen Freude aller Shoot-Shipper - in maximaler, noch networktauglicher Form auf den Bildschirm gebracht. Noch bedeutsamer ist jedoch das intime Sich-An-Vertrauen, welches sich an den Liebesakt anschließt. Ebenso die Geste am Schluss, als Shaw ihre Freundin auf den Spielplatz ihrer Kindheit mitnimmt, den sicheren Ort, von dem Root nun ein Teil ist.

Samaritan wird keinen Erfolg bei Shaw haben, solange sie an ihrer Liebe zu Root festhält. Das ist doch eine Botschaft, bei der selbst dem hartgesottensten Actionfan warm ums Herz wird.

Fazit

Eine erzählerisch und visuell sehr ambitionierte Folge, die ganz anders funktioniert als man das von Person of Interest gewohnt ist. In Sachen Spannung gibt es ein paar Abzüge in der B-Note. Das macht die Folge aber allein schon dadurch wieder wett, dass sie ein Fest für Shaw- (und Shoot-) Fans ist. Und uns jetzt natürlich umso mehr dem Tag entgegenfiebern lässt, an dem sie und ihre Freunde tatsächlich wiedervereint werden. Und an dem Root Samaritan in einen Atari verwandelt...

Verfasser: Christian Junklewitz am Mittwoch, 18. Mai 2016
Episode
Staffel 5, Episode 4
(Person of Interest 5x04)
Deutscher Titel der Episode
6741
Titel der Episode im Original
6,741
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Montag, 16. Mai 2016 (CBS)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 22. August 2016
Regisseur
Chris Fisher

Schauspieler in der Episode Person of Interest 5x04

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