Person of Interest 5x03

Person of Interest 5x03

Eine neue Nummer stellt Reese vor eine besondere Komplikation: Sein ehemaliger CIA-Chef hat mit dem Fall zu tun und sollte Reese besser nicht entdecken. Schließlich hält die CIA ihn für tot. Root hat unterdessen eine neue Identität als Paketfahrerin und stößt auf ein rätselhaftes Phänomen.

Reese maskiert sich. / (c) CBS
Reese maskiert sich. / (c) CBS

Das passiert in der Person of Interest-Folge Truth Be Told:

Wir schreiben das Jahr 2010: John Reese (Jim Caviezel) und Kara Stanton (Annie Parisse) werden in das Büro von Terence Beale (Keith David, Community) gerufen, ihrem Chef bei der CIA. Beale schickt die beiden auf eine Mission nach Afghanistan, wo eine Lieferung von Stinger-Raketen in die Hände der Taliban gefallen ist. Der US-Militärberater Brent Tomlinson (David Goldstein, American Odyssey) steht im Verdacht, den Taliban gegen Bezahlung einen Tipp gegeben zu haben. John und Kara durchsuchen seine Unterkunft und befragen ihn, können jedoch zunächst keinen Hinweis darauf finden, dass er ein Verräter ist. Trotzdem drückt John am Ende den Abzug und erschießt den Mann.

In der Gegenwart: Iris (Wrenn Schmidt) will John ihren Eltern vorstellen. Ihr Freund verspätet sich jedoch ein wenig, weil er sich noch um eine Nummer kümmern muss und sich in einem Austausch schlagkräftiger Argumente befindet.

Und die nächste Nummer lässt nicht auf sich warten, jetzt da die Maschine wieder einigermaßen zuverlässig läuft: Alex Duncan (Stephen Plunkett). Duncan arbeitet bei einem Sicherheitsunternehmen, das unter anderem auch für das US-Militär tätig ist. Schnell entdeckt Reese, dass Duncan in geheimen Unterlagen herumschnüffelt. Das entgeht auch der CIA nicht. Und damit fangen die Probleme für Reese an: Denn als Duncan vom Geheimdienst einkassiert wird, kann er nichts unternehmen, da sein ehemaliger Chef Beale unter den Agenten ist. Würde Beale ihn sehen, könnte das zu erheblichen Schwierigkeiten führen. Schließlich ist John Reese, soweit die CIA weiß, tot.

Ungeachtet der Gefahr macht sich John daran, Duncan aus den Händen der Regierung zu befreien. Duncan versichert ihm, dass er kein Spion ist. Stattdessen ist er auf der Suche nach Informationen über seinen Bruder, der im militärischen Dienst gestorben ist. John staunt nicht schlecht, als er ein Foto des Bruders zu Gesicht bekommt: Es ist „Tomlinson“, der Mann, den er selbst in Afghanistan getötet hat. Wie sich herausstellt, ist Duncans Bruder unter einer Tarnidentität im Land gewesen - als ein Agent des Pentagons. Mit der Lieferung der Stinger-Raketen, um die es damals ging, hatte es nämlich eine besondere Bewandtnis: Hohe Pentagon- und CIA-Kreise hatten ohne Genehmigung des US-Kongresses ihre afghanischen Alliierten mit diesen Waffen versorgen wollen. Die CIA fürchtet nun wohl, dass Duncan diese illegale Aktion publik machen könnte.

Root (Amy Acker) ist unterdessen von der Maschine mit einer neuen Identität ausgestattet worden - als UPS-, äh, APS-Fahrerin. In ihrer neuen Position stellt sie bald fest, dass Elektronik-Sendungen gezielt umgeleitet werden. Der Umweg dient offenbar dazu, auf die betreffenden Computer eine Malware aufzuspielen. Root gelingt es, den Versandprozess so weit aufzuhalten, dass Harold (Michael Emerson) einen Blick auf die entsprechenden Geräte werfen kann. Und tatsächlich findet er einen verdächtigen Code in der Firmware. Dieser Code weist das Gerät nicht nur an, alle Informationen an Samaritan zu schicken. Er dient scheinbar auch noch einem anderen Zweck, den Harold aber noch nicht durchschaut hat. Allen Risiken zum Trotz infiziert Root einen Computer mit der Malware, um zu sehen, was passiert ...

Frag doch mal die Maschine!

Mit Truth Be Told kehrt Person of Interest zum Fall-der-Woche-Format zurück, was nicht ganz unproblematisch ist. Schließlich ist die Maschine jetzt ein offenes System. Damit stellt sich dem Publikum genau die Frage, die auch Reese am Anfang hat: Warum fragen wir die Maschine nicht einfach, was vor sich geht? Die Ermittlungen, die in der Vergangenheit notwendig waren, weil man ja eben nur die Nummer und keine weiteren Informationen besaß, erscheinen damit überflüssig.

Harolds Einlassung, die Maschine abseits der Nummern noch nicht für ganz zuverlässig zu erachten, kommt einem - ich versuche das Wort „konstruiert“ zu vermeiden - wie eine Behelfslösung der Autoren vor, um das etablierte Format der Serie zumindest für eine weitere Folge beibehalten zu können. Denn so richtig überzeugend ist das Statement nicht. Nur, weil die Maschine ihm diese merkwürdige Zahlenkolonne geschickt hat (welche sich schließlich als codiertes Emily-Dickinson-Gedicht erweist), verzichtet er darauf, auch nur die Frage zu stellen?

Geist aus der Vergangenheit

Was uns dabei hilft, über diese Merkwürdigkeit hinwegzusehen, ist die Verbindung, welche zwischen dem Fall der Woche und der Vergangenheit von Reese hergestellt wird: sowohl in Gestalt seines früheren Bosses als auch durch den Fall des von Reese erschossenen Bruders. Geschickt stürzt uns die Folge dabei in Verwirrung: Schließlich sieht es ja zunächst wirklich so aus, als sei der Bruder unschuldig. Als Reese ihn trotzdem tötet, weckt dies Assoziationen zur vorangegangen Folge SNAFU und den schrecklichen Dingen, welche die Maschine in Johns Vergangenheit gesehen hat.

Erst am Ende stellt sich heraus, dass der Bruder tatsächlich der Verräter gewesen ist. Trotzdem lastet, wie wir sehen, die Vergangenheit und alles, was er dort tun musste, immer noch schwer auf John. In Truth Be Told sehen wir ihn als jemanden, der einerseits deutlich über die Person hinausgewachsen ist, die er damals gewesen ist: Gegenüber Beale betont John, dass er heute keine Menschen mehr tötet. Und gegenüber Duncan gibt er sich sehr mitfühlend, als er ihm die Wahrheit über seinen Bruder verschweigt und ihm ein positives Angedenken bewahrt.

Normales Leben

Andererseits ist John vor dem Hintergrund seiner Vergangenheit und seiner kaum minder gefahrvollen Gegenwart davon überzeugt, dass er - zumindest aktuell - kein „normales Leben“ haben kann. Was am Ende die Trennung von Iris zur Konsequenz hat. In gewisser Hinsicht ist das durchaus erfreulich: Die Beziehung zu Iris ist eine der großen Verirrungen der vierten Staffel gewesen. Zwischen ihr und John hatte nicht ein Bruchteil der Chemie bestanden, die zwischen ihm und Zoe (Paige Turco, bitte komm zurück!) spürbar gewesen ist.

In anderer Hinsicht ist es allerdings auch ein bisschen schade: John hatte sich insbesondere nach seinem Nah-Tod-Gespräch mit Carter (Taraji P. Henson) in Terra Incognita für andere Menschen zu öffnen begonnen. Höhepunkt dieser Entwicklung war sicherlich sein Einstieg in die Bowlingmannschaft des Polizeireviers in SNAFU. Auf diesem Hintergrund kommt einem dieses ganze „Ich kann kein normales Leben haben“ ein bisschen wie ein Rückschritt vor. Es bleibt zu hoffen, dass sich Reese nun nicht wieder sozial verschließt.

Macht auch in einer Paketausfahrer-Uniform eine gute Figur: Root (Amy Acker; l.). © CBS
Macht auch in einer Paketausfahrer-Uniform eine gute Figur: Root (Amy Acker; l.). © CBS

Neuer Verbündeter?

Die Auflösung des Falls der Woche kommt etwas schnell und - trotz des Autoüberschlags - unspektakulär daher. Positiv ist jedoch zu verbuchen, dass ganz in typischer Person of Interest-Manier, wo man nie so recht sicher sein kann, auf welcher Seite die Figuren am Ende stehen, sich Gegenspieler Beale als gar nicht mal so übler Kerl herausstellt. Und durchaus in die Kategorie möglicher künftiger Verbündeter fällt.

Neuer Vorspann

Wenig Neues gibt es im Samaritan-Handlungsstrang: Harold und Root gehen der verborgenen Malware nach, von der bereits in B.S.O.D. die Rede gewesen ist. Dabei hat sich inzwischen eine feste Rollenverteilung etabliert: Root ist diejenige, die im Kampf gegen Samaritan und auf der Suche nach Shaw (Sarah Shahi) aufs Ganze gehen will, während Harold immer noch zur Vorsicht mahnt. Das ist durchaus kurzweilig, aber - auch auf die Gefahr hin, das Wort zu wiederholen - unspektakulär.

Den größten Eindruck macht in Truth Be Told der neu gestaltete Vorspann, in dem sich der bekannte Text von Finch („You are being watched...“) mit einem neuen Text abwechselt, der von Greer (John Nolan) gesprochen wird: „You granted it the power to see everything, to index, order and control the lives of ordinary people...“ Kombiniert mit der auf Samaritan hin modifizierten visuellen Gestaltung plus einigen neuen Geräuscheffekten ist der neue Vorspann für mehr als nur ein wenig Gänsehaut gut!

Fazit

Nach dem starken Staffelauftakt mit B.S.O.D. und SNAFU kehrt Person of Interest in etwas ruhigeres Fahrwasser zurück. Die Reese zentrierte Folge bietet solide Unterhaltung ohne jedoch die ganz großen erzählerischen Highlights.

Verfasser: Christian Junklewitz am Mittwoch, 11. Mai 2016
Episode
Staffel 5, Episode 3
(Person of Interest 5x03)
Deutscher Titel der Episode
John Reese und das Spiel des Lebens
Titel der Episode im Original
Truth Be Told
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Dienstag, 10. Mai 2016 (CBS)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 15. August 2016
Regisseur
Stephen Surjik

Schauspieler in der Episode Person of Interest 5x03

Darsteller
Rolle
Kevin Chapman

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