Person of Interest 5x07

Person of Interest 5x07

Frustrationen stehen im Mittelpunkt der Folge QSO. Fusco ist es endgültig leid, dass ihm die anderen die Wahrheit verschweigen. Aber auch Root verliert die Geduld mit der Maschine. Sie will endlich Fortschritte bei der Suche nach Shaw machen.

„Sie existieren“ - Das T-Shirt zeigt UFOs. Künstliche Superintelligenzen sind schließlich auch schwer darstellbar. / (c) CBS
„Sie existieren“ - Das T-Shirt zeigt UFOs. Künstliche Superintelligenzen sind schließlich auch schwer darstellbar. / (c) CBS

Das passiert in der Person of Interest-Folge QSO:

Fusco (Kevin Chapman) liegt schwer verletzt im Krankhaus. Finch (Michael Emerson) und Reese (Jim Caviezel) wachen vor seiner Tür. Offensichtlich traut sich jedoch keiner von beiden hineinzugehen. Nach wie vor sind sie davon überzeugt, dass sie Fusco zu seinem eigenen Schutz die Wahrheit vorenthalten müssen. Einzig Root (Amy Acker) wagt sich zu Fusco ins Zimmer. Sie hat ein furchtbar schlechtes Gewissen, weil eigentlich sie auf die Mission hätte gehen müssen, die ihn in Lebensgefahr gebracht hat. Als sichtbares Zeichen dafür, wie sehr sie um Fusco besorgt ist, hat sie ein Notfallpaket für ihn dabei: gefälschte Papiere, mit denen sein Sohn und er untertauchen könnten, sollte es zum Äußersten kommen.

Lange kann Root jedoch nicht bei Fusco verweilen. Die Maschine verleiht ihr in rascher Folge wechselnde Identitäten, mit denen sie vor Samaritan unerkannt bleibt - und nebenher ihre Missionen erfüllt. Als Ballerina verkleidet rettet sie etwa einen Berater (Kushtrim Hoxha) des russischen Kulturministers. Doch Root hat die Nase voll von diesen Aufträgen. Sie setzt der Maschine gewissermaßen die Pistole auf die Brust: Sie geht auf keine weiteren Missionen, es sei denn, die Maschine führt sie endlich auf die Spur von Shaw (Sarah Shahi).

Dazu schickt die Maschine sie jedoch erst mal zu einer Radiostation. Der Verschwörungstheoretiker Max Greene (Scott Adsit, 30 Rock) moderiert dort die Sendung „Mysteriöse Übertragungen“, in der er Anrufe rund um übernatürliche und paranormale Themen entgegennimmt. Darunter sind natürlich einige Spinner. Gemeinsam mit einem seiner Anrufer ist Max jedoch einem Phänomen auf der Spur, hinter dem keine Spinnerei steckt. Ganz im Gegenteil.

Max hat in seinen eigenen Radioübertragungen eine Kette von Störsignalen entdeckt, die offenbar der Übermittlung raffiniert codierter Nachrichten dienen. Kurz bevor er damit an die Öffentlichkeit geht, passiert etwas Unheimliches: Max spricht mit dem Anrufer, welcher kundtut, seinem Leben ein Ende setzen zu wollen. Gleichzeitig dringt Reese jedoch in die Wohnung des besagten Anrufers ein - und findet dessen Leiche, noch während Max das Telefonat mit ihm führt. Kurz darauf verkündet auch Max live im Radio, dass er sich das Leben nehmen will. Das heißt: Es ist Max' Stimme, er selbst sagt die Worte jedoch gar nicht. Die Übertragung ist offensichtlich von Samaritan gehijackt worden.

Obwohl mehrere Samaritan-Agenten unterwegs sind, bringt sich Root nicht in Sicherheit. Stattdessen sorgt sie lediglich dafür, dass Max sich versteckt. Sie hingegen nutzt das System der Störsignale, um Shaw eine Botschaft zu senden.

Sameen ist in der Zwischenzeit von Lambert (Julian Ovenden) auf einen weiteren Ausflug mitgenommen worden. Sie glaubt, dass es sich dabei wieder nur um eine Simulation handelt. Tatsächlich stellt sich jedoch heraus, dass es diesmal die Realität gewesen ist. Dumm nur, dass Shaw dies erst bemerkt, nachdem sie versehentlich für Samaritan einen Auftragsmord begangen hat. Als ihr das klarwird, hat sie endgültig genug davon, ein Versuchskaninchen zu sein. Sie schafft es, eine Ärztin zu überwältigen und ihr die Spritze zu entwenden. Bevor sie sich umbringt, hört sie jedoch im Radio das Störsignal, das Root ausgesendet hat. Sie hat damit nicht nur die Bestätigung, dass sie sich in der Realität befindet, sondern weiß nun auch, dass die anderen sie nicht aufgegeben haben...

Fusco

Auch wenn es unwahrscheinlich war, dass Fusco durch die Explosion in A More Perfect Union tatsächlich umgekommen ist, so stellt der Auftakt von QSO trotzdem eine große Erleichterung dar: Fusco hat überlebt, ist jedoch verständlicherweise mehr als sauer auf seine Freunde, die ihn nach wie vor im Unklaren belassen, was eigentlich vor sich geht. Und ja, man kann es Fusco nicht verdenken. Wie die anderen immer noch denken können, dass sie Fusco einen Gefallen tun, indem sie ihm die Wahrheit verschweigen, ist mehr denn je unbegreiflich. Geradezu unfreiwillig komisch wird es, wenn man sich Finchs Empörung über die Maschine gegen Ende der Folge vergegenwärtigt: „Eine Lüge durch Auslassung ist immer noch eine Lüge.“ Wie wahr!

Ein Leser hatte neulich in den Kommentaren angemerkt, dass Fusco in besonderer Gefahr schwebt, weil er anders als die anderen nicht durch eine der fest verdrahteten Tarnidentitäten geschützt ist. Das ist richtig. Trotzdem gilt: Samaritan ist zwar mächtig. Gedanken lesen kann der Computer allerdings nicht. Allein das Wissen um die Wahrheit kann Fusco nicht in Gefahr bringen. Im Gegenteil: Die Kenntnis der Wahrheit könnte ihn dazu bringen, nun tatsächlich mit besonderer Vorsicht vorzugehen - und sich zumindest nicht versehentlich in Gefahr zu bringen.

Die Sorge, welche die anderen um Fusco zeigen, ist zwar durchaus rührend. Allen voran das Notfallpaket, das Root für ihn zusammengestellt hat. Trotzdem bleibt die Hartnäckigkeit, mit der sie bei ihrer Einschätzung bleiben, ein Ärgernis. Gleichermaßen niederschmetternd wie verständlich ist dagegen Fuscos Entschluss, seine Mitgliedschaft im Team Machine aufzukündigen und Finch das Tarnhandy zurückzugeben.

Conspiracy for real

Fusco ist derweil nicht der einzige, dem in QSO die Heimlichtuerei auf die Nerven geht. Auch Root fällt es zunehmend auf die Nerven, dass die Maschine sie nicht auf die Spur von Shaw führt.

So unterhaltsam in der Theorie auch der Gedanke gewesen sein mag, Root mit dem Moderator einer verschwörungstheoretischen Radioshow zusammenzubringen, so vergleichsweise uninspiriert und unspannend plätschert die erste Hälfte der Folge dahin. Richtig gut wird QSO erst ab der Stelle (ziemlich genau in der Mitte), als Reese die Leiche des Anrufers entdeckt, während selbiger im Radio immer noch spricht. Ab diesem Punkt nimmt die Handlung tüchtig Fahrt auf. Und zwar so sehr, dass man sich an der einen oder anderen Stelle vielleicht sogar einen etwas weniger rasant vorgetragenen Dialog zu dem Trick gewünscht hätte, mit dem Samaritan sich der Radiowellen bemächtigt hat (Funtenna-Hack? Wie? Was?).

Four Alarm Fire

Wirklich genial ist die Szene, in der Root die Botschaft an Shaw sendet. Dabei muss ich gestehen, dass ich die Auflösung, was hinter der Nachricht steckt, selbst zunächst gar nicht verstanden habe, sondern recherchieren musste, weil ich die betreffende Passage aus If-Then-Else nicht mehr genau im Ohr hatte. „Four Alarm Fire“. Kurz vor der tragischen Fahrstuhlszene in If-Then-Else sagt Shaw zu Root: „Root. No offense. You're hot. You're good with a gun. Those are two qualities I greatly admire. But, you and me together would be like a four alarm fire at an oil refinery.

Ein Grund, weshalb ich das „Four Alarm Fire“ nicht genau abgespeichert hatte, war wohl auch, dass ich den Ausdruck selbst gar nicht kannte. „Feuer in einer Ölraffinierie“ reichte schließlich aus, um den Sinn dieser Dialogpassage zu verstehen. Mit „One... Two... Three... Four Alarm Fire“ wird im Amerikanischen die Größe eines Feuers danach bemessen, wie viele Löschzüge ausrücken müssen. Ein „Four Alarm Fire“ ist ein Großfeuer, das vier Löschzüge zu seiner Bekämpfung benötigt. Ist mir vorher nicht klar gewesen. So lernt man dank Person of Interest immer noch was hinzu...

Freier Wille

Scott Adsit macht seine Sache sehr gut - als Verschwörungstheoretiker, der zu seiner eigenen Verblüffung feststellen muss, dass an einer seiner Theorien tatsächlich etwas dran ist. Umso größer ist am Ende seine Frustration über die Anrufer, die ihn weiterhin mit Absurditäten bombardieren. Das ist eines der vielen Probleme mit Verschwörungstheorien: Es gibt so viele davon, dass diejenigen, die tatsächlich wahr sind, untergehen. Samaritan geht jedoch trotzdem kein Risiko ein: Als Max entgegen seines ursprünglichen Versprechens mit der Nachricht über die verborgenen Störsignale auf Sendung geht, wird er von seiner Assistentin eliminiert.

Innerhalb des Teams Machine bricht daraufhin eine Diskussion darüber aus, ob die Maschine hätte anders handeln müssen, um Max weiterhin zu schützen. Root und die Maschine selbst verweisen auf Harolds ureigenstes Argument, das als Leitidee der Programmierung der Maschine zugrunde lag - nämlich den freien Willen des Menschen. Max hat sich im Bewusstsein der damit verbundenen Gefahren dafür entschieden, das Risiko einzugehen. Da konnte auch die Maschine nichts mehr tun.

Das klingt absolut nachvollziehbar. Gleichzeitig ist aber auch Harolds Unwohlsein nicht ganz unbegründet: eine Maschine, die entschiedet, dass da nichts mehr zu machen ist - und den Fall deshalb als erledigt erklärt.

Auch wenn die grundlegende moralische Codierung innerhalb der Serie darauf beruht, dass die Maschine „gut“ und Samaritan „böse“ ist, so machen Szenen wie diese deutlich, dass auch das Verhältnis zwischen unseren Hauptfiguren und der Maschine keineswegs ein ungetrübtes ist.

Fazit

Nach einem langsamen Start entwickelt sich QSO zu einer sehr interessanten und spannenden Folge, deren Hauptkritikpunkt das schwer begreifliche Verhalten von Finch und Co gegenüber Fusco ist. Man könnte es auch den durchgehenden Kritikpunkt der gesamten bisherigen fünften Staffel von Person of Interest nennen.

Verfasser: Christian Junklewitz am Mittwoch, 25. Mai 2016
Episode
Staffel 5, Episode 7
(Person of Interest 5x07)
Deutscher Titel der Episode
Impulse
Titel der Episode im Original
QSO
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Dienstag, 24. Mai 2016 (CBS)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 12. September 2016
Regisseur
Kate Woods

Schauspieler in der Episode Person of Interest 5x07

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