Person of Interest 5x01

Person of Interest 5x01

Die neue Staffel von Person of Interest beginnt genau dort, wo die vergangene aufgehört hat: Das Team Machine ist auf der Flucht vor Samaritan. Wird es rechtzeitig das Versteck erreichen, um die Maschine wieder zum Leben erwecken zu können?

Finch und Reese auf der Flucht. / (c) CBS
Finch und Reese auf der Flucht. / (c) CBS

Das passiert in der Person of Interest-Folge B.S.O.D.:

Die Handlung setzt nur wenige Stunden nach YHWH ein: Reese (Jim Caviezel), Root (Amy Acker) und Harold (Michael Emerson) sind auf der Flucht vor den Agenten Samaritans. Dabei haben sie sich getrennt oder sind getrennt worden. Jedenfalls versucht jeder von ihnen, auf unterschiedlichen Wegen den Untergrund-Unterschlupf in Chinatown zu erreichen, was jedoch leichter gesagt als getan ist. Denn Samaritan wird immer besser darin, über die Tarnidentitäten des Team Machine hinwegzusehen. Mehrfach kommt es zu höchst gefährlichen Begegnungen.

Zum Teil beweist der gegnerische Super-Computer dabei ein geradezu verblüffendes Improvisationstalent: Um Root in einer U-Bahn festzusetzen, schickt Samaritan den anderen Fahrgästen einen News-Alert aufs Smartphone, in dem Root als gefährliche Attentäterin dargestellt wird. Zwei Männer versuchen daraufhin, Root zu überwältigen, was für die beiden jedoch denkbar schlecht ausgeht.

Die Zeit drängt: Der Koffer, in dem die Maschine transportiert wird, ist beschädigt worden. Darüber hinaus wird die Energie der Batterien schwächer. Harold muss dringend eine neue Stromversorgung für die Maschine finden. Dazu müssen er und Reese, nachdem sie sich wiedergefunden haben, jedoch umgehend ihr Versteck erreichen. Doch selbst das ist noch keine Garantie dafür, dass Harold die Maschine am Leben erhalten kann. Denn nicht nur die Energie ist ein Problem; es fehlt Harold auch an ausreichendem Speicherplatz, um den Code der Maschine zu dekomprimieren.

Root sucht derweil Unterschlupf bei einem ehemaligen Klienten (Dikran Tulaine), dem sie, damals noch auf der anderen Seite des Gesetzes, bei der Flucht vor dem russischen Geheimdienst behilflich gewesen ist. Zunächst sieht es so aus, als würde er ihr die Gefälligkeit erwidern und sie mit einer neuen Identität ausstatten. Doch dann erhält er ein Angebot von Samaritan, das er meint, nicht ablehnen zu können.

Fusco (Kevin Chapman) hat unterdessen ganz eigene Probleme: Elias (Enrico Colantoni) und Dominic (Winston Duke) sind vor seinen Augen ermordet worden. Weder FBI-Agent LeRoux (David Aaron Baker) noch Detective Soriano (Ned Eisenberg) aus der Abteilung Interne Ermittlungen wollen ihm jedoch die Version abkaufen, dass da ein Scharfschütze mit einem Gewehr gewesen ist.

Zu Fuscos unbändigem Staunen behauptet der ballistische Bericht, dass die Kugeln, mit denen Dominic erschossen worden ist, aus seiner Waffe abgefeuert worden sind. LeRoux stellt die ganze Sache so dar, als hätte Fusco in heldenhafter Weise die Flucht der beiden Verbrecher verhindert. Fusco selbst weiß jedoch, dass es anders gewesen ist - und beginnt auf eigene Faust Nachforschungen anzustellen, obwohl ihm Reese eingeschärft hat, wie gefährlich es sein könnte, die offizielle Version der Ereignisse in Frage zu stellen. Mehr und mehr hat Fusco den Eindruck, in der „Twilight Zone“ gelandet zu sein - und ahnt gar nicht, wie Recht er damit hat. Eine nahezu allmächtige künstliche Intelligenz hat jedenfalls jeden seiner Schritte im Auge - bereit, ihn zu eliminieren, sollte er sich als „Querulant“ herausstellen...

Wenig pfleglicher Umgang

Fast ein Jahr hat CBS die Zuschauer auf die Fortsetzung von Person of Interest warten lassen. Sicher, es gibt handfeste ökonomische Gründe für die Art, wie der Sender mit der Serie umgeht, ebenso dafür, dass die fünfte Staffel aller Voraussicht nach die letzte Staffel von Person of Interest sein wird, egal wie viele qualitative Gründe auch für die Serie sprechen.

Trotzdem hätte man sich einen anderen Umgang mit PoI gewünscht. Gerade in Zeiten allgemein fallender Ratings hätte man meinen sollen, dass eine etablierte Serie mit einer loyalen Anhängerschaft für ein Network von besonders großem Wert ist, egal von welchem Studio die Serie stammt. Doch so wird in den Vorstandsetagen der Networks und Medienkonzerne offenbar nicht gedacht.

Einstieg

Sei es wie es sei: Person of Interest ist zurück. Und das Warten hat sich so was von gelohnt! B.S.O.D. ist ein mitreißender Thriller, der den Zuschauer von der ersten bis zur letzten Sekunde vollkommen in seinen Bann zieht und an den Bildschirm fesselt.

Los geht es mit einem Blick in die „Bathöhle“ von Person of Interest und einer Vorausschau in die offenbar nicht all zu ferne Zukunft: Das Untergrund-Depot ist leer, der U-Bahn-Waggon verschwunden. Ähnlich wie zuvor die Bibliothek scheint auch dieser Unterschlupf nicht für die Dauer Sicherheit geboten zu haben. Ein Telefon klingelt. Root ist dran und wendet sich offenbar an das Publikum. Sie lässt uns wissen, dass sie keine Ahnung habe, ob das Team Machine gewonnen hat oder nicht. Sie wisse noch nicht einmal, was Gewinnen überhaupt noch bedeute. Sie wolle uns jedoch erzählen, wie das Team zurückgeschlagen habe.

(Interessant, das nur am Rande, ist die Tatsache, dass es wie zuvor schon am Ende von Deus Ex Machina Root ist, die uns als Voice-over-Erzählerin begegnet; wie man das auch immer analytisch deuten will... Vielleicht damit, dass sie durch ihre Verbindung mit der Maschine, Stichwort God Mode, die Figur mit dem größten Überblick ist? Oder dass sie durch ihre Begeisterung für Harold am ehesten dem Fanblick nahekommt?)

Es ist eine erste Szene, die vieles in der Schwebe hält. Ein Ende wird in Aussicht gestellt, gleichzeitig ist unklar, wie dieses genau aussehen wird. Am wichtigsten scheint der letzte Satz zu sein. Er gibt das Thema der Staffel vor, wie es im Vorfeld auch von den Machern skizziert worden ist: Das Team Machine schlägt zurück, welchen Ausgang dies auch immer haben wird.

Auf den Knien, aber nicht geschlagen

In den vergangenen beiden Staffeln hat das Team ein ums andere Mal verloren: In Staffel 3 hat es nicht verhindern können, dass Samaritan online geht, in Staffel 4 hat Samaritan sogar, wie es scheint, den Krieg gegen die Maschine gewonnen. Jedenfalls ist die Maschine reduziert worden auf den Status eines hilflosen Flüchtlings in den Händen der letzten noch verbliebenen Menschen, welche nicht bereit sind, sich mit der unumschränkten Herrschaft Samaritans über den Planeten abzufinden. Wieder und wieder hat das Publikum mitansehen müssen, wie die schlimmsten Befürchtungen Wirklichkeit geworden sind. Erfolg hatte das Team nur insoweit, das es - meist - die eigene Haut retten konnte, um an einem späteren Tag weiterkämpfen zu können.

Es hat etwas von einem Boxkampf: Wieder und wieder hat der Kontrahent unseren Favoriten auf die Bretter geschickt. Und wir hoffen inständig, sehnsüchtig, dass er aufsteht und zurückschlägt. Genau diese Stimmung fängt B.S.O.D. hervorragend ein. Und das ist es, was die Folge so spannend macht. Spannung ist ein emotional sehr interessantes Gemisch. Es setzt sich aus zwei höchst unterschiedlichen Gefühlen zusammen: Die Angst, die wir um eine geliebte Figur haben, und die Hoffnung, dass sie am Ende obsiegt.

Angst

Anlass zu Angst gibt es in B.S.O.D. reichlich: Samaritan veranstaltet eine regelrechte Hetzjagd auf das Team Machine. An jeder Straßenecke lauert die Gefahr. Und die Maschine ist nicht mehr da, um ihnen zu helfen. Die Welt gehört jetzt ganz und gar Samaritan. Und es stellt bereits den reinsten Parforceritt dar, auch nur den - jedenfalls vorerst - sicheren Unterschlupf zu erreichen.

Wie groß die Anspannung ist, die daraus resultiert, ist mir besonders bei der Szene in Chinatown aufgefallen, als Harold und Reese kurz davor sind, ihr Versteck zu erreichen, sich ihnen dann aber doch noch Hindernisse in den Weg stellen: Herzklopfen, gefolgt von einem tiefen Durchatmen - und einem kurzen Kichern, als der Schokoriegel aus dem Automaten fällt und der Arbeiter damit zumindest eine kleine Entschädigung für den K.O.-Schlag erhält. Ein wenn auch geringfügiger Comic Relief war an der Stelle allerdings auch dringend notwendig. Es spricht für das beträchtliche dramaturgische Geschick der Autoren, dass sie uns zwischendurch solche Momente der Erleichterung spendieren.

Angst haben wir derweil auch um die Maschine, welche damit ihren Status als Figur in der Serie weiter zementiert. Wir fiebern mit ihr mit, als wäre sie eine Gestalt aus Fleisch und Blut. Als der erste Versuch von Harold, sie mit neuer Energie zu versorgen, scheitert und stattdessen das technische Equipment in Flammen aufgeht, ist das einer der niederschmetterndsten Momente der Episode. Umso größer ist das Gefühl der aufkeimenden Hoffnung, als Root auf die Gaming-Konsolen im Lagerhaus stößt.

Hoffnung

Für einen Moment mag sich hier der ein oder andere gefragt haben, wie viel Sony wohl dafür bezahlt hat, dass in Person of Interest die Welt mittels einer Playstation (beziehungsweise gleich 300 davon) gerettet wird. Weitaus größer ist jedoch das Vergnügen daran, dass die Macher hier erneut einen Weg gefunden haben, eine ganz und gar alltägliche Technologie für den revolutionären Kampf umzufunktionieren, ähnlich wie sie es schon mit den terrestrischen Fernsehantennen in der vierten Staffel gehandhabt haben. Während auf allen anderen Computern bereits im Hintergrund ein Programm von Samaritan läuft, scheint die Playstation davon noch unberührt zu sein.

Hoffnung liegt jedoch nicht nur darin, dass die Figuren ein Mittel finden, um - zumindest theoretisch - die Maschine wiederauferstehen zu lassen. Die Hoffnung liegt auch und insbesondere in den Figuren selbst: Der Zusammenhalt im Team Machine ist größer denn je. Reese lässt sich von keinerlei Bedenken aufhalten, um Root zu Hilfe zu kommen. Umgekehrt weigert sich Root, zu verschwinden und Reese im Kampf allein zu lassen.

Ein neues Verhältnis

Derweil setzt sich bei Harold fort, was bereits in YHWH begonnen hat: eine grundsätzliche Neubewertung seines Verhältnisses zur Maschine. Flashbacks, in denen es ein Wiedersehen mit Nathan (Brett Cullen) und Grace (Carrie Preston) sowie den ersten TV-Auftritt von Prestons und Emersons gemeinsamen Hund Chumley gibt, führen uns zurück zu jenem Schlüsselmoment, als Harold die Entscheidung getroffen hat, den Löschmechanismus einzubauen - und der Maschine damit die Möglichkeit des Lernens und des Wachstums zu nehmen. In der Gegenwart erkennt Harold, dass das möglicherweise der entscheidende Fehler gewesen ist, welcher die Maschine der Möglichkeit beraubt hat, sich effektiv gegen Samaritan zu verteidigen.

Er beginnt, wenn auch noch etwas zögerlich, zu akzeptieren, was Nathan ihm bereits vor zehn Jahren sagen wollte, und was ihm heute Root sagt: Dass er der Maschine vertrauen kann und keine Angst vor ihr haben muss, weil es doch seine eigene Moralität ist, welche sich in der Maschine spiegelt. Damit verändert sich zugleich seine Haltung ihr gegenüber: Er spricht von ihr nicht länger als von einem „es“, sondern von „ihr“. Er verwendet das weibliche Pronomen „Sie“. Er akzeptiert, dass sie mehr als nur ein elektronisches Ding ist. Sie ist eine Person, ein Leben, das er geschaffen hat. Und dessen Auslöschung er fast hat mitansehen müssen.

Umso größer ist seine sehnsuchtsvolle Hoffnung, als er am Ende versucht, die Maschine zu neuem Leben zu erwecken. Wir schauen in die Gesichter von Harold, Root und Reese und fiebern ganz mit ihnen mit, während sie am Bildschirm auf ein Lebenszeichen der Maschine warten. Da, der Cursor blinkt auf.

Hoffnung.

T-Bone

Es gibt auch ein paar Kritikpunkte an B.S.O.D., zwei kleine und einen großen. Fangen wir mit den beiden kleinen an: Erstens, das T-Boneing. Ernsthaft, soll das ein Running Gag des Stunt Koordinators sein? Wieso werden in Person of Interest sämtliche Angriffe per Auto auf die gleiche Art und Weise, nämlich durch ein Rammen im 90-Grad-Winkel, ausgeführt? In der Szene mit Root macht es zwar zumindest noch halbwegs Sinn, weil ihr Auto in dem Moment gerade steht und damit eine attraktive Angriffsfläche bietet. Trotzdem: wir haben diesen Stunt mittlerweile so oft gesehen, dass ich ihn ihn einfach nicht mehr sehen kann. Kommt, Leute, das muss auch etwas einfallsreicher gehen!

Fusco

Zweitens, Fusco. Die Folge hat geradezu schmerzhaft deutlich ins Bewusstsein gerufen, wie weit, weit überfällig es doch ist, dass die anderen ihn endlich, was die Situation mit der Maschine und Samaritan angeht, voll und ganz ins Vertrauen ziehen. Das Nicht-Einweihen diente ja ursprünglich dem Zweck, nicht unnötig weitere Personen in Gefahr zu bringen. B.S.O.D. hat jedoch sehr deutlich gemacht, dass es gerade Fuscos Unkenntnis der tatsächlichen Lage ist, die ihn in Lebensgefahr bringen könnte.

Schön ist allerdings, dass wir auch bei Fusco ganz klar sein Wachstum als Figur erkennen können: Schon früher sind ihm ja allerlei Merkwürdigkeiten begegnet, die er jedoch viel zu oft abgetan hat. Man denke etwa an die berühmte Szene in No Good Deed gegen Ende der ersten Staffel, als ihm Peck (Jacob Pitts) die Existenz der Maschine ja gewissermaßen hergeleitet hat, er das jedoch nur als verrücktes Geschwätz angesehen hat. In B.S.O.D. zeigt er dagegen eine ausgeprägte Neugier, den Ungereimtheiten auf den Grund zu gehen. Möglicherweise verfolgen die Autoren hier den Plan, Fusco selbst auf die Wahrheit stoßen zu lassen.

Der größte Mangel von B.S.O.D. ist derweil, dass die Folge schon nach einer Dreiviertel Stunde wieder zu Ende ist. Nein, nein, es kann doch noch nicht zu Ende sein... Zugleich ist diese Reaktion natürlich auch das Beste, was man über die Folge sagen kann! So gesehen kommt es geradezu einem Segen gleich, dass wir ab der kommenden Woche auf CBS zwei Folgen pro Woche serviert bekommen.

Fazit

Person of Interest ist zurück. Und wie! B.S.O.D. ist ein rasanter, stringent und actionreich erzählter Thriller, der mit seiner ganz eigenen Mixtur aus Angst und Hoffnung das Publikum in Hochspannung versetzt. Gleichzeitig ist die Episode angereichert mit einigen sehr schönen Charaktermomenten und philosophischen Reflektionen zum Thema künstliche Intelligenz. Kurz: Der Staffelauftakt enthält so ziemlich alles, was Person of Interest auszeichnet. Vielversprechender hätte die neue Staffel kaum beginnen können.

Auch großartig: Nichts wird in Person of Interest vergessen. Der Internal-Affairs-Cop ist derselbe, der Fusco schon in In extremis das Leben schwer gemacht hat. Und auch an Harolds schlechte Erinnerungen an Fähren wird gedacht.

In eigener Sache: Der ungewöhnliche Ausstrahlungsrhythmus in den USA, montags und dienstags, stellt auch uns vor planerische Herausforderungen. Die Reviews zu den Montagsfolgen werden voraussichtlich immer dienstags um 20 Uhr auf Serienjunkies.de erscheinen, die Dienstagsfolgen wie gehabt am Mittwochnachmittag.

Verfasser: Christian Junklewitz am Mittwoch, 4. Mai 2016

Person of Interest 5x01 Trailer

Episode
Staffel 5, Episode 1
(Person of Interest 5x01)
Deutscher Titel der Episode
In der Welt des Feindes
Titel der Episode im Original
B.S.O.D.
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Dienstag, 3. Mai 2016 (CBS)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 1. August 2016
Regisseur
Chris Fisher

Schauspieler in der Episode Person of Interest 5x01

Darsteller
Rolle
Kevin Chapman

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