Person of Interest 4x21

Person of Interest 4x21

Das kalte Krieg läuft heiß - und das an beiden Fronten: Samaritan lockt Root aus der Reserve, um über sie an die Maschine heranzukommen. Gleichzeitig geraten Reese und Fusco mitten in den Bandenkrieg zwischen Elias und der Brotherhood.

Die Folge ist der schiere Wahnsinn... / (c) CBS
Die Folge ist der schiere Wahnsinn... / (c) CBS

Das passiert in der Person of Interest-Folge Asylum:

Elias (Enrico Colantoni) lässt mehrere Leute aus Dominics (Winston Duke) Organisation töten. John (Jim Caviezel) fragt sich, wie das passieren konnte, ohne dass die Maschine davon Wind bekommen hat. Harold (Michael Emerson) sieht zwei Möglichkeiten: Entweder ist die Maschine bereits Samaritan zum Opfer gefallen. Oder Elias hat einen Weg gefunden, an der Maschine vorbei zu kommunizieren.

Tatsächlich scheint Letzteres der Fall zu sein. Ein Zylinder, der am Tatort gefunden wurde, führt Harold auf die Spur eines pneumatischen Röhrensystems, welches zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Manhattan zum Postversand benutzt worden ist. John und Lionel (Kevin Chapman) folgen dieser Spur - und finden Elias. Unglücklicherweise tut dies auch Dominic. Seine rechte Hand, Link (Jamie Hector), rät ihm dazu, Elias sofort zu töten. Doch zuerst will Dominic herausbekommen, was hinter der symbiotischen Beziehung zwischen Elias und John steckt. Und er will wissen, wo Harold steckt, von dem er durch Harper Rose (Annie Ilonzeh) erfahren hat.

Root (Amy Acker) erhält unterdessen einen Anruf von Shaw (Sarah Shahi)! Harold warnt sie, dass es eine Falle sein könnte. Doch das ist Root egal. Für sie zählt nur, dass Shaw am Leben ist. Sie erpresst die Maschine, ihnen beim Auffinden von Shaw zu helfen. Die Spur führt sie in eine psychiatrische Anstalt, in die sie und Harold sich einschleichen. Sie als Ärztin, er als Patient. Sie entdecken, dass die Anstalt das Hauptquartier von Greer (John Nolan) und Martine (Cara Buono) ist. Und ja, es handelt sich um eine Falle, die Greer und Martine - angeblich unter Shaws Mithilfe - ersonnen haben, um über die menschliche Schnittstelle, Root, endlich an die Maschine heranzukommen.

Fernab in Washington hat Control (Camryn Manheim) derweil eine Lehrerin (Erin Dilly) in ihre Gewalt gebracht, welche, davon ist Control überzeugt, Samaritans Maulwürfe im Geheimdienst führt. Die Lehrerin streitet zunächst alles ab. Als Control sie jedoch mit nicht mehr wegerklärbaren Beweisen konfrontiert, lässt die Frau die Maske fallen. Sie rät Control dazu, besser wegzuschauen, weil die Korrektur bevorstünde...

Die wundersame Genesung des Mr. Reese

Es ist nicht so, dass Asylum gänzlich fehlerfrei wäre. Wie bereits zu befürchten gewesen ist, hat Reese seine lebensgefährliche Verletzung aus Terra Incognita in Nullkommanichts überwunden. Das verlangt dem Zuschauer ein gerüttelt Maß an Suspension of Disbelief ab. Wenigstens ist John noch ein bisschen angeschlagen. Und zum Glück die meiste Zeit über an einen Stuhl gefesselt. Das mildert die irritierende Wirkung etwas ab. Schlimmer wäre es gewesen, wenn er sofort wieder als Actionheld durch die Gegend gesprungen wäre.

Wenn man mal Dinge wie Johns wundersame Genesung beiseite lässt, dann ist Asylum jedoch eine absolut herausragende Folge, die auf jeden Fall fünf Sterne verdient hat. Die Episode ist so dicht, temporeich und spannend erzählt wie zu Person of Interests allerbesten Zeiten.

Gänsehaut

Es gibt so viel, was es hier zu erörtern gibt. Fangen wir mal mit dem Gänsehautmoment schlechthin an. Das Licht geht aus - und Gott spricht zu Harold: „Du bist nicht austauschbar.“ Und dann geht dieser Gott hin, um sich für Harold und Root zu opfern. Man muss, glaube ich, kein Christ sein, um angesichts dieser Szene einen geradezu religiösen Schauder zu empfinden. Gefolgt von der Faszination, dem Dialog der beiden Computer beizuwohnen. Diesmal gibt es (anders als in The Cold War) kein menschliches Interface. Die Maschinen reden Bildschirm zu Bildschirm. Die Menschen sind in diesem Augenblick nur noch Statisten. Wer das Person of Interest-Vorbild „Colossus - The Forbin Project“ kennt, wird sich an die entsprechende Szene dort erinnert fühlen „60554“.

Nur eine Nummer?

Zugleich markiert die Szene aber auch innerhalb der Serie eine bemerkenswerte Entwicklung: Harold hat schon immer ein distanziertes Verhältnis zu seiner Schöpfung gehabt. Seit jenem Moment, als die Maschine begonnen hat, zu ihm eine persönliche Beziehung aufzubauen (siehe den Flashback in The Contingency), hat er alles unternommen, um einer persönlichen Beziehung zu ihr aus dem Weg zu gehen. Der Mordauftrag in Death Benefit hat sein Verhältnis zu ihr weiter verkompliziert. Zu Beginn der vierten Staffel gibt es dieses Gespräch zwischen ihm und Root, in dem sie seinem Vorwurf, dass die Maschine nicht zu ihm spreche, entgegenhält, dass er aufgehört habe, ihr zuzuhören.

Hier nun befindet er sich in einer Situation, in der er gar nicht anders kann als ihr zuzuhören. Und was sie zu ihm sagt, wendet sich unmittelbar gegen seine lang gehegte Überzeugung (siehe etwa Prophets), dass er und das übrige Team Machine ihr nichts bedeuten. Er ist nicht nur eine Nummer für sie. Er ist jemand, der ihr so wichtig ist, dass sie sich dafür selbst aufgibt. Das ist ein ungemein dramatischer Augenblick, der seine Wirkung gerade deshalb so kraftvoll entfaltet, weil sich hier nicht nur eine Figur (die Maschine) für eine andere opfert, sondern dieses Opfer für Harold so unerwartet kommt. Er wird nicht nur gerettet, sondern gleichzeitig in seiner skeptischen Grundhaltung der Maschine gegenüber herausgefordert.

Humorvolle Momente

Auch bei John macht sich ein Wandel bemerkbar. Die Ereignisse aus Terra Incognita sind - zumindest psychologisch - nicht spurlos an ihm vorübergegangen. Er scheint ernsthaft entschlossen zu sein, sich stärker seiner Umwelt zu öffnen. Was gleich zum Auftakt der Folge für einen der witzigsten Momente in Asylum sorgt:

Reese: „Du hast Recht. Du bist ein guter Detective und ein verdammt guter Freund.
Fusco: „Hast Du Fieber, oder was?

Der andere ist Harolds Einlieferung in der Psychiatrie, bei der er und Root nichts als die Wahrheit sagen. Fun Fact: Der Arzt, der Harold aufnimmt, ist John G. Preston, der Bruder von Carrie Preston - und damit Michael Emersons Schwager.

Zwei Kriege, zwei Fallen

Packend ist Asylum nicht zuletzt deshalb, weil in der Episode beide Haupthandlungsstränge der Staffel einen neuen Höhepunkt erreichen: sowohl der Krieg der Maschinen als auch der Krieg der Verbrechergangs. In beiden Strängen stellt die eine Seite der anderen eine Falle.

Root und Harold sehen zwar bereits, dass es sich wohl um eine Falle handelt. Wenn es um ihre geliebte Sameen geht, lässt sich Root von so etwas jedoch nicht abhalten. Das ist auf dem Hintergrund ihrer Beziehung zu Shaw durchaus schlüssig.

Ich habe in der Vergangenheit bereits häufiger kritisiert, wie die Autoren mit Sarah Shahis Schwangerschaft umgegangen sind. Shaw nicht sterben zu lassen (und damit ihre großartige „Todes“-szene zu entwerten), kam mir dumm und inkonsequent vor. Nun muss ich allerdings sagen, dass ich von der Aussicht, dass Shaw tatsächlich gebrochen und umgedreht worden ist - und nun, wie es aussieht, für Samaritan arbeitet, durchaus angetan bin. Wenn es ein Schicksal gibt, das schlimmer als der Tod ist, dann das. Und die Möglichkeiten, die das für die Zukunft eröffnet, sollten Shaw und Root nun wieder aufeinandertreffen, während sie auf unterschiedlichen Seiten stehen, sind in der Tat verlockend.

Die Rache des Elias

Dass sich Dominic erneut von Elias aufs Kreuz legen lässt, ist ein bisschen enttäuschend. So bereitwillig, wie Elias auf einmal die Kontonummer des vermeintlichen Verräters preisgibt, wäre auf Dominics Seite etwas mehr Misstrauen angezeigt gewesen, bevor er seinen engsten Vertrauten hinrichtet. Aber gut, der Handlungsstrang steht natürlich auch unter einem gewissen Zeitdruck. Da konnte man die Falle, die Elias für Dominic aufstellt, wohl nicht elaborierter gestalten. (In einer perfekten Welt, in der man jeden Gaststar jederzeit bekommt, hätte man die Falle schon in einer früheren Folge vorbereitet.)

Von Elias' Standpunkt aus gesehen, ist es natürlich die perfekte Rache für Anthonys Tod: Er will Dominic nicht umbringen, er will ihn spüren lassen, was es heißt, Schuld am Tod des besten Freundes zu haben. Das ist natürlich ebenfalls ein Faktor, der möglicherweise dazu führt, dass Dominic die Falle übersieht: Elias legt es ja gar nicht darauf an, den Krieg mit Dominic zu gewinnen. Seiner Ansicht nach, hat er gegen die Brotherhood langfristig ohnehin keine Chance. Er will Dominic diese eine, entscheidende Verletzung zufügen. Und das gelingt ihm. Genüsslich offenbart er seinen Hinterhalt und kann sich voller Genugtuung an dem vor Entsetzen und Schmerz verzerrten Gesicht seines Gegners weiden.

Ein Abschied?

Wie gewohnt liefern Enrico Colantoni und Winston Duke eine glanzvolle Darbietung. Nicht unerwähnt bleiben soll dabei Colantonis neuer, bärtiger Look, der Elias rauher, aber auch älter als zuvor aussehen lässt.

Sehr schön ist, nebenbei bemerkt, auch der Respekt, den Elias Reese gegenüber bezeugt. Er attestiert ihm, ein Mann von Ehre zu sein, was aus dem Munde des Anführers der New Yorker Cosa Nostra das größte nur denkbare Kompliment ist. Ein wenig weckt es allerdings auch Sorge, denn Elias' Worte klingen fast nach einem Abschied. Wird hier etwa das Ende von Elias vorbereitet?

Gegenmaßnahmen

Bereits zum zweiten Mal in dieser Staffel präsentieren die Macher von Person of Interest eine vermeintlich antiquierte Medientechnologie (in Panopticon waren es die umfunktionierten Fernsehantennen, in Asylum) sind es die pneumatischen Röhren), mit der sich die elektronische Massenüberwachung aushebeln lässt. Je nach dem, wie weit unsere eigenen Politiker den Überwachungsstaat noch auszubauen gedenken, sollten wir uns vielleicht von Person of Interest inspirieren lassen - und in eine ähnliche Richtung denken.

Wie schon Harold so schön sagt: Es ist nicht Paranoia, wenn sie wirklich hinter Dir her sind...

An der Symbolik, dass sich der zentrale Ort der Überwachung in Asylum als ein Irrenhaus herausstellt, werden unterdessen nicht nur Kulturwissenschaftler ihre helle Freude haben (Ich sehe schon eine Welle von Hausarbeiten heranrollen mit Themen wie „Person of Interest im Lichte von Michel Foucault betrachtet“...).

Fazit

Asylum ist ganz großes Kino! Die Folge führt alle zentralen Handlungsstränge der Staffel zu einem packenden Geflecht zusammen - und leitet perfekt auf das Staffelfinale hin: Wird sich der Untergang der Maschine noch abwenden lassen? Wird das Team Machine den großen Anschlag verhindern können, mit dem Samaritan die Menschheit entgültig unter seine Fittiche bekommen und die große Correction vornehmen möchte?

So wie die Situation momentan aussieht, mit Harold und Root auf sich allein gestellt und John und Lionel in den Fängen der Brotherhood, ist kurioserweise ausgerechnet Control unsere größte Hoffnung. Das nenne ich mal einen Wendepunkt!

Ach, wenn doch nur schon nächste Woche wäre...

Verfasser: Christian Junklewitz am Mittwoch, 29. April 2015
Episode
Staffel 4, Episode 21
(Person of Interest 4x21)
Deutscher Titel der Episode
Korrektur verändert die Welt, Teil 1
Titel der Episode im Original
Asylum
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Dienstag, 28. April 2015 (CBS)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 10. August 2015
Regisseur
Fred Toye

Schauspieler in der Episode Person of Interest 4x21

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