Person of Interest 4x19

Person of Interest 4x19

Der Entwickler einer Antiviren-Software verliert nach einem Hacker-Angriff die Kontrolle über seine Firma und sein Leben. Schon bald vermutet er eine künstliche Intelligenz dahinter. Und hat keine Ahnung, wie Recht er damit hat.

Aasif Mandvi (l.) und Michael Emerson (r.) in „Person of Interest“ / (c) CBS
Aasif Mandvi (l.) und Michael Emerson (r.) in „Person of Interest“ / (c) CBS

Das passiert in der Person of Interest-Folge Search and Destroy:

Sulaiman Khan (Aasif Mandvi, „The Daily Show with Jon Stewart“) ist ein extrem erfolgreicher IT-Unternehmer. Seine Antiviren-Software ist auf 80 Prozent aller Rechner installiert. Auf einmal wird ausgerechnet er zum Opfer von Hackern: Über Nacht werden zahlreiche private Dokumente veröffentlicht. Nacktfotos seiner Frau, medizinische Akten, aber auch Unterlagen, die beweisen sollen, dass Khan Firmengelder unterschlagen hat. Was er vehement bestreitet. Mehr und mehr glaubt er, dass es keine menschlichen Hacker sind, die hinter ihm her sind, sondern dass es sich um eine künstliche Intelligenz handeln muss.

Er bricht in seine ehemalige Firma ein, um herauszufinden, was hinter dem ungewöhnlich hohen Stromverbrauch der Server steckt. Er wird jedoch gefasst - und landet unverzüglich im Gefängnis. Sogar ein Telefonanruf wird ihm verweigert, weil die Daten der Gefängnisverwaltung besagen, dass er seinen Anruf schon hatte. Kaum hinter Gittern angekommen, wird Khan das Opfer eines Mordanschlags, der nur deshalb scheitert, weil ein als Wärter verkleideter Mann dazwischengeht: Reese (Jim Caviezel). Das Team Machine ist Khan bereits eine ganze Weile auf den Fersen. Und für sie ist inzwischen klar, dass der Mann eine Zielscheibe für Samaritan ist. Die Frage ist nur: warum?

Senior Software Correspondent

Zwei ehemalige Korrespondenten von Jon Stewarts „The Daily Show“ haben sich in dieser Woche beispielhaft hervorgetan, um auf das Thema Massenüberwachung aufmerksam zu machen: John Oliver mit seinem Edward-Snowdon-Interview in „Last Week Tonight“. Und Aasif Mandvi als Gaststar in Person of Interest.

Bereits in der Vergangenheit haben wir gesehen, wie die Verletzung der Privatsphäre das Leben eines Menschen zerstören kann. Aber möglicherweise noch nie so eindringlich. Das liegt zum einen daran, wie die Rolle angelegt ist. Khan ist - mehr noch als die PoI-Hauptfiguren - der eigentliche Protagonist von Search and Destroy.

Man sieht es auch an der obigen Zusammenfassung der Handlung: Khan ist derjenige, der die Handlung vorantreibt - mit seinem unermüdlichen Streben nach der Wahrheit. Er will herausfinden, was hinter der Attacke auf ihn steckt. Und er ist getrieben von einer leidenschaftlichen Neugier. Nachdem er einmal auf die Theorie mit der künstlichen Intelligenz gekommen ist, kann er nicht eher ruhen, bis er dieser künstlichen Intelligenz „ins Auge geblickt“ hat. Auch wenn das sein Untergang ist.

Spannend

Khan ist eine ganz starke Gastfigur, die von Mandvi kraftvoll zum Leben erweckt wird. Damit kommen wir auch schon zum anderen: Ich wusste zwar, dass Mandvi Schauspieler ist, ich hatte ihn aber noch nie bewusst in einer Rolle wahrgenommen. Ich kannte ihn bislang nur als Korrespondent - sprich: Comedian - in der „Daily Show“. Und es ist genau dieses vorangegangene Engagement, welches Mandvi noch zusätzlich als Sympathieträger „auflädt“ und dafür sorgt, dass einem das Schicksal seiner Figur nahe geht.

An Khan sehen wir, was es heißt, hilflos einer totalitären künstlichen Intelligenz ausgeliefert zu sein. Das ist es, was Search and Destroy so spannend macht. Außerdem kommt man natürlich nicht umhin, sich an die realen Turbulenzen im Leben von John McAfee, seines Zeichens Entwickler einer Antiviren-Software und 2012 von der Polizei als eine „Person of Interest“ in einem Mordfall geführt, erinnert zu fühlen.

Das Unheimliche im Alltäglichen

Search and Destroy ist genau so, wie man sich Person of Interest wünscht. Ein starker Fall der Woche, der sich um das Grundthema der Serie dreht - und dabei aufs Engste mit der Haupthandlung verknüpft ist. Samaritan macht sich also das weltweit auf Milliarden von Rechnern installierte Antiviren-Programm von Khan zu Nutze, um nach der Maschine zu suchen. Das ist die beste Art von Thriller-Plot - nämlich diejenige, die es versteht, etwas vollkommen Alltägliches, in diesem Fall eine Antiviren-Software, zu nehmen und es mit etwas Sinistren in Verbindung zu bringen. Das sind genau die Momente, in denen Person of Interest dem Zuschauer die Gänsehaut über den Rücken jagt.

Über den angesprochenen Biochip, den Khan aktuell entwickelt, stellt die Folge außerdem eine Verbindung zu den Experimenten her, die John und Root in M.I.A. aufgedeckt haben. Und mit der Luke im Boden kommt sogar etwas Lost-Feeling auf!

Blöd

Die Folge ist natürlich nicht frei von Schwächen. So könnte man sich maßlos darüber ärgern, dass Martine (Cara Buono) ihre Waffe wegwirft, um sich mit Root (Amy Acker) zu prügeln. Schon bei Männern ist das eine unerträglich blöde Macho-Allüre. Beim besten Willen kann ich mir nicht vorstellen, dass irgenjemand - egal ob Mann oder Frau - so etwas in einer echten tödlichen Auseinandersetzung tun würde. Martine ist eine Killerin - und wenn sie die Möglichkeit hat, Root zu erschießen, dann sollte sie das auch tun. Ansonsten, so muss man leider festhalten, ist Martine vielleicht doch keine so gute Killerin, wie es bislang den Eindruck gemacht hat.

John und die Frauen

Paige Turcos Auftritt kommt einem etwas vergeudet vor. So schön auch jedes Wiedersehen mit Zoe ist. Es ist viel zu kurz. Immerhin haben sie und John Gelegenheit, ein wenig über Beziehungsdinge zu plaudern. Zoe weiß von seinem Techtelmechtel mit der Therapeutin. Und sie sieht, ähnlich wie wohl die meisten Zuschauer, dafür keinen guten Ausgang.

Natürlich stellt sich die Frage, was es mit Johns grimmigen Worten auf sich hat, die er zu Beginn an Harold (Michael Emerson) richtet, dass er nicht immer da sein wird - und er Harold deshalb im Umgang mit Waffen schulen will. Ist das für den Fall gedacht, dass John eines Tages doch im Kampf den Kürzeren zieht? Oder plant er etwa den Ausstieg aus dem „Mann mit dem Anzug“-Business, um der neuen Beziehung wegen ein etwas weniger gefährliches Leben zu führen?

Reese (Jim Caviezel) scheint der Frühlingsrolle nicht ganz zu vertrauen... © CBS
Reese (Jim Caviezel) scheint der Frühlingsrolle nicht ganz zu vertrauen... © CBS

Diesen Koffer kann man aus dem Flugzeug werfen

Einen hübschen, kleinen Nebenstrang erhält Root: Sie bringt mit größter Mühe einen Koffer an sich, wobei es, wie ihr allerdings auch erst gegen Ende klar wird, nicht um den Inhalt, sondern um das aus höchst solidem Material gefertigte Behältnis selbst geht. Aus Gründen, die uns sicherlich spätestens im Staffelfinale klar werden dürften. Warum Root das Fabergé-Ei so achtlos wegwirft und kaputt macht, anstatt es als Geldanlage aufzuheben, ist indes nicht so clever.

Großartig sind natürlich - wie immer - ihre One-Liner: „Wanna really blow his mind? Tell him, there are two of these things!

Fazit

Endlich nimmt die Haupthandlung wieder Fahrt auf. Spannend, actiongeladen - und mit einem tollen Gaststar: Search and Destroy ist wieder das Person of Interest, das wir lieben!

Verfasser: Christian Junklewitz am Mittwoch, 8. April 2015
Episode
Staffel 4, Episode 19
(Person of Interest 4x19)
Deutscher Titel der Episode
Suchen & Vernichten
Titel der Episode im Original
Search and Destroy
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Dienstag, 7. April 2015 (CBS)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 27. Juli 2015
Regisseur
Stephen Surjik

Schauspieler in der Episode Person of Interest 4x19

Darsteller
Rolle
Kevin Chapman

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