Person of Interest 4x18

Person of Interest 4x18

Reese gerät an eine schlagkräftige und schlagfertige Kopfgeldjägerin, die ihm Avancen macht, während Iris ihm die kalte Schulter zeigt. Harold arbeitet weiter an seinem Plan, über Beth einen Trojaner bei Samaritan einzuschleusen. Da schaltet sich jedoch Root ein.

Würde zum Schutz eines Freundes alles tun: Root (Amy Acker). / (c) CBS
Würde zum Schutz eines Freundes alles tun: Root (Amy Acker). / (c) CBS

Das passiert in der Person of Interest-Folge SKIP:

John (Jim Caviezel) besucht ein illegales Spielcasino und räumt - wenig überraschend bei seiner Mimik - groß beim Pokern ab. Der eigentliche Grund für seine Anwesenheit ist aber natürlich eine neue Nummer: Frankie Wells (Katheryn Winnick, Vikings) arbeitet als Hostess in dem Casino. Wie Reese allerdings schon sehr bald herausfindet, hat sie es auf ihren Chef abgesehen. Nach einer ersten unsanften Begegnung mit ihr findet Reese heraus, dass sie in Wahrheit eine Kopfgeldjägerin ist. Allerdings geht es ihr in diesem Fall offenbar noch um etwas anderes als bloß einen Kautionsflüchtling.

Harold (Michael Emerson) pflegt unterdessen weiterhin einen sehr freundschaftlichen Umgang mit Beth (Jessica Hecht, Breaking Bad), jener IT-Unternehmerin, die er auf der Konferenz in Hongkong (Pretenders) kennen gelernt hat. Harolds Plan steht kurz vor der Vollendung: Er erfährt, dass Beth kurz davor ist, ihr Projekt an Greer zu übergeben. Gegenüber Root (Amy Acker) bestätigt Harold, wenn auch zuerst zögerlich, was die Zuschauer bereits ahnen konnten: Er hat einen Trojaner auf Beths Laptop eingeschmuggelt, mit der er Samaritan infizieren will. Harold hofft, auf diese Weise Code aus dem Kern von Samaritan herausfischen - und damit Gegenmaßnahmen gegen die feindliche Maschine entwickeln zu können. Da wird jedoch auf einmal in Professor Whistlers Büro eingebrochen. Und die Maschine gibt ihm Beths Nummer...

Clone Club, PoI Edition

Ist das noch Person of Interest oder schon Orphan Black? Angesichts der Armada von Shaw-Klonen, welche die Autoren uns in den letzten Folgen mit schöner Regelmäßigkeit untergejubelt haben, kann man diese Frage schon mal stellen. Mit der taffen und äußerst schlagkräftigen Kopfgeldjägerin Frankie präsentiert uns die Serie eine weitere Shaw-Nachfolgekandidatin. Sie ist, das muss man ihr zugute halten, eine Spur weniger nervig als die Betrügerin Harper Rose (Annie Ilonzeh), mit der es in Skip das bereits befürchtete Wiedersehen gibt.

Und die Autoren haben für Frankie immerhin einen zusätzliches Spin gefunden: Sie ist heiß auf Reese Bislang hat es Person of Interest eigentlich sehr gut verstanden, Liebesdinge im Hintergrund zu halten. In Skip findet sich John dagegen auf einmal in einem regelrechten Liebesdreieck wieder. Denn auch Iris (Wrenn Schmidt) offenbart, nachdem sie ihn zunächst ohne Erklärung als Patient abgewiesen hat, dass sie Gefühle für ihn hat. Welche von John offenkundig erwidert werden.

Personal Interest

Nun ist es durchaus verständlich, dass die Autoren für John auf der Suche nach einer neuen Geschichte sind. Die Backstory Wound(s) mit Jessica (Susan Misner) und dem Einsatz in Ordos wurden in den Staffeln 1 und 2 abgehandelt. In Staffel 3 hatte er den Verlust von Carter (Taraji P. Henson) zu verarbeiten. Nun sind wir in Staffel 4 - und die Autoren fragen sich mit Recht: Was können wir mit John als Figur eigentlich anfangen, außer ihn bloß als coole Sau durch die Szenerie laufen und mit unbewegter Miene irgendwelchen Leuten die Kniescheiben wegschießen zu lassen?

Da ist der Gedanke, ihm eine Beziehung ins Drehbuch zu schreiben, gar nicht so abwegig. Paige Turco (Zoe) ist wegen The 100 nicht dauerhaft verfügbar. Also musste jemand Neues her. Auch der Gedanke, John gerade nicht mit jemandem zusammenzubringen, wo es vermeintlich passt (wie es bei Zoe aber auch Frankie der Fall wäre), ist vom Autoren-Standpunkt aus durchaus nachvollziehbar. Man will die Figur schließlich in eine neue, für sie ungewohnte Situation bringen. Das Problem dabei ist noch nicht mal so sehr, dass die Serie damit zur „Soap of Personal Interest“ werden könnte. Das Problem ist, dass es die Macher nicht wirklich verstanden haben, den Iris-Handlungsstrang mit den Wünschen des Zuschauers aufzuladen. Ja, er läuft ihnen sogar tendenziell entgegen.

Zuschauerwünsche

Wir wollen doch überhaupt nicht, dass John aufhört, Kniescheiben zu zerschießen. Dafür hat Harold ihn engagiert. Das ist sein primärer Daseinszweck in der Serie. Von daher waren schon die Therapiesitzungen völlig witzlos, weil es hier nichts gibt, von dem der Zuschauer John geheilt sehen möchte. Und was die Beziehung zu Iris angeht: So voller Esprit und Erotik das Verhältnis von John zu Zoe gewesen ist, hat es die unscheinbare Psychologin sehr, sehr schwer, einen vergleichbaren Stellenwert (beim Publikum) zu erreichen. Vielleicht hätte es einen Weg gegeben, im Zuschauer den Wunsch danach zu wecken, dass Iris zur neuen (romantischen) Partnerin von John wird. Bisher hat die Serie ihn jedoch nicht gefunden.

Lange Rede, kurzer Sinn: Es ist absolut nachvollziehbar, warum die Autoren mit John in der vierten Staffeln den Weg eingeschlagen haben, den wir hier sehen. Im Hinblick auf die Zuschauer-Emotionen ist es jedoch leider eine Sackgasse.

Skip

Der Fall der Woche liefert in Skip ein paar schöne Szenen, allen voran der Kampf, den John und Frankie den Bad Guys liefern müssen, während sie noch mit je einer Hand aneinander gefesselt sind. Ansonsten ist der Fall der Woche allerdings völlig belanglos. Und man muss schon der Versuchung widerstehen, die entsprechenden Passagen - dem Episodentitel gehorchend - zu überspringen.

Denn der Plot mit Harold und Root ist natürlich um mehrere Zehnerpotenzen interessanter und spannender.

Hardware

Ja, lasst uns das gleich aus dem Weg räumen: Manches an dem Plot wirkt vielleicht etwas konstruiert. Dass zur endgültigen Aktivierung des Trojaners ein spezielles Gerät vonnöten ist, welches nur einmal auf der Welt zu existieren scheint - und offenbar unmöglich nachzubauen ist, nachdem Root es einmal zerstört hat, das kann einem schon etwas eigenartig vorkommen.

Das ändert aber nichts daran, dass Skip hier ein ganz starkes Drama erzählt. Im Kern geht es dabei um die Frage, wie weit die Figuren gehen würden für das, was ihnen am meisten bedeutet. Und die Antwort lautet: es gibt nichts, wovor sie zurückschrecken würden.

Für die Freundschaft

Root würde Beth töten, um zu verhindern, dass Harold in Gefahr gerät. Nach Shaws Tod/Verschwinden ist er für Root der wichtigste Mensch auf Erden. Dabei geht es keineswegs nur um die Maschine. Es geht um die persönliche Beziehung, die zwischen den beiden entstanden ist. Am Anfang der Folge erinnert Root daran, welch weiten Weg sie zurückgelegt haben - von dem Kidnapping in Firewall bis hin zum Entstehen ihrer Freundschaft.

Freundschaft - das ist für Root ein ganz wichtiger, ein zentraler Begriff. Die Freundschaft mit Harold bedeutet ihr alles. Und um ihren Freund vor Gefahr zu bewahren, würde sie alles tun, sogar die Freundschaft mit ihm aufs Spiel setzen. Das ist ein ganz großer, geradezu atemberaubender Moment in der Charakterentwicklung von Root; und wieder einmal eine Episode, die Amy Acker Gelegenheit gibt zu glänzen.

Auch Harold würde alles dafür tun, um einen Freund / eine Freundin vor dem Tod zu bewahren. Er würde sich dafür sogar selbst opfern. Das Faszinierende daran: Genau wie bei Shaw spielt der Verlust von Shaw eine große Rolle dabei, dass er zu einem derart extremen Verhalten greift.

Harolds stärkster Augenblick kommt allerdings erst am Schluss: Natürlich ist er verärgert, dass Root seine Pläne torpediert hat. Sie erklärt, dass sie es verstehen würde, wenn das das Ende ihrer Freundschaft wäre. Doch er legt ihr - zuerst etwas zögerlich - die Hand auf die Schulter und sagt, dass er sie nur eine Weile lang nicht mehr sehen möchte. Es ist eine unglaublich emotionale Szene. Und sie weckt gerade deshalb so starke Emotionen, weil hier - anders als bei John und Iris - ein ganz starker Wunsch auf Seiten des Zuschauers (oder zumindest des Rezensenten) berührt wird, der das Band der Freundschaft zwischen Harold und Root nicht zerreißen sehen möchte.

Fazit

Mit Shaw-Klon Nr. 567, einem mäßigen Fall der Woche und Reese in Love leistet sich Skip zwar so Einiges, was kritisch zu sehen ist. Der starke Plot mit Harold und Root reißt jedoch - auch sternetechnisch - Vieles wieder raus.

Die Folge entlässt uns mit einigen spannenden Fragen: Ist Harolds Trojaner wirklich tot und erledigt - oder wird er sich doch noch nützlich machen? Arbeitet Root - wie wir seit Blunt annehmen dürfen - an einem ähnlichen Projekt? Und warum schickt die Maschine ausgerechnet Harper SMS-Nachrichten?

Verfasser: Christian Junklewitz am Mittwoch, 25. März 2015
Episode
Staffel 4, Episode 18
(Person of Interest 4x18)
Deutscher Titel der Episode
Entwischt
Titel der Episode im Original
SKIP
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Dienstag, 24. März 2015 (CBS)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 20. Juli 2015
Autor
David Hyde Pierce
Regisseur
Helen Shaver

Schauspieler in der Episode Person of Interest 4x18

Darsteller
Rolle
Kevin Chapman

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?