Person of Interest 4x17

Person of Interest 4x17

Ein Psychiater auf Abwegen ist die neue Person of Interest. DarĂŒber hinaus erfĂ€hrt der Zuschauer von einem dunklen Kapitel in Finchs Vergangenheit. Er ist keineswegs immer ĂŒber den Gedanken an Rache erhaben gewesen.

FÀngt an, sich in der Therapie zu öffnen: Reese (Jim Caviezel, l.). / (c) CBS
FÀngt an, sich in der Therapie zu öffnen: Reese (Jim Caviezel, l.). / (c) CBS

Das passiert in der Person of Interest-Folge Karma:

Das Team Machine hat den Psychiater Dr. Shane Edwards (Patrick Kennedy, zuletzt: Downton Abbey) im Visier. Finch (Michael Emerson), Reese (Jim Caviezel) und Fusco (Kevin Chapman) versuchen herauszufinden, warum die Maschine ihnen die Nummer des Therapeuten gegeben hat. Es dauert nicht lange, bis sie herausfinden, dass Edwards - Ă€hnlich wie sie - im Selbstjustiz-Business tĂ€tig ist. ErfĂ€hrt er von einem Patienten, dass diesem Unrecht widerfahren ist, nimmt er die Bestrafung der ÜbeltĂ€ter selbst in die Hand. Er tut ihnen jedoch nichts zuleide, sondern sorgt dafĂŒr, dass sie fĂŒr ein Verbrechen, das er ihnen in die Schuhe schiebt (etwa fĂŒr einen versuchten Bankraub), von der Polizei gefasst werden.

Edwards geht dieser BeschĂ€ftigung nach, seit seine Ehefrau vor sieben Jahren ermordet worden ist. Morris (Daniel Sauli), der TĂ€ter von damals, wird aus dem GefĂ€ngnis entlassen. Und kurze Zeit spĂ€ter wird ein Bombenanschlag auf Dr. Edwards verĂŒbt. Hat es der Mörder nun auf den Ehemann abgesehen, dessen Aussage ihn einst ins GefĂ€ngnis gebracht hat? Oder verhalten sich die Dinge am Ende ganz anders?

Verlust, Trauer, Rache

Nach der in vielerlei Hinsicht eher enttĂ€uschenden Episode Blunt ist Karma eine richtige Wohltat. Der Fokus der Folge liegt zwar ausschließlich auf dem Fall der Woche. Das gereicht der Episode aber keineswegs zum Nachteil. Sie erzĂ€hlt eine interessante Geschichte, in der es gleich auf mehreren Ebenen um den Umgang mit Verlust geht.

Reese gesteht gegenĂŒber seiner Psychiaterin Dr. Campbell (Wrenn Schmidt), dass er nicht weiß, wie er mit seiner Trauer ĂŒber den Verlust von Jessica umgehen soll. In RĂŒckblenden sehen wir, wie Finch nach dem Mord an seinem Freund Nathan (Brett Cullen) fest entschlossen gewesen ist, Rache zu nehmen - Rache an Alicia Corwin (Elizabeth Marvel), die er fĂŒr schuldig hĂ€lt. Einzig das bestĂ€ndige Klingeln der Maschine und Alicias aufrichtige Worte halten ihn am Ende davon ab, selbst zum Mörder zu werden.

Gerechtigkeit und Ungewissheit

Auch im Fall der Woche dreht sich alles um die Frage von Rache und (außergerichtlicher) Gerechtigkeit. Um den Mann hinter Gitter zu bringen, den er fĂŒr den Mörder seiner Frau hĂ€lt, hat Edwards eine Falschaussage getĂ€tigt. Und um den Mann, der in seinen Augen viel zu glimpflich davon gekommen ist, wieder ins GefĂ€ngnis zu bringen, geht Edwards sogar so weit, dass er seinen eigenen Suizid als Mord inszeniert.

Person of Interest setzt sich hier mit einem spannenden Dilemma auseinander: Einerseits ist es ein fĂŒr uns unertrĂ€glicher Gedanke, dass jemand, der ein schweres Verbrechen begangen hat, dafĂŒr nicht seine gerechte Strafe erhalten hat. In der Episode vertritt vor allem Fusco diese Position. Wenn Edwards auf diese Weise einen Mörder erneut hinter Gitter bringen kann - warum soll das Team Machine ihn dann nicht gewĂ€hren lassen?

Andererseits ist da die nagende Ungewissheit. Es gibt FĂ€lle, da ist die Sachlage ganz klar. Allzu hĂ€ufig ist das jedoch nicht der Fall. Es gibt Verdachtsmomente, die gegen Morris sprechen. Aber keinen sicheren Beweis. Edwards hat gelogen, um den Mann ins GefĂ€ngnis zu bringen. Es ist absolut vorstellbar (und die Empörung, mit der Morris ihn auf dem Ball konfrontiert, spricht dafĂŒr), dass es Morris ist, dem hier ein Unrecht geschehen ist. Wie dem auch sei: Gott kennt die Wahrheit. Und vielleicht auch die Maschine. Das Team Machine kennt sie jedoch nicht.

Keine Auflösung

Was Karma vielleicht mehr als alles andere auszeichnet, ist die Tatsache, dass die Folge es dabei auch bewenden lĂ€sst. Dass es - auch fĂŒr den Zuschauer - keine Auflösung des Mordfalls gibt. Wir werden in der Ungewissheit belassen. Vielleicht ist Morris der Mörder. Vielleicht aber auch nicht.

In einer Zeit, in der vorschnelle Vorverurteilungen an der Tagesordnung sind, ist Finchs PlĂ€doyer dafĂŒr, dass wir bisweilen mit der Ungewissheit zu leben haben (und nicht einfach irgendwelche Leute bestrafen können, nur damit jemand bestraft worden ist), ein dermaßen aufgeklĂ€rter und progressiver Gedanke, dass man schon allein dafĂŒr den Person of Interest-Autoren Danke sagen möchte.

Nostalgische GefĂŒhle

Ähnlich wie vor kurzem bereits Guilty erinnert Karma mit seiner Konzentration auf den Fall der Woche stark an die ersten beiden Staffeln, als die Serie noch viel hĂ€ufiger mit (abgeschlossenen) FĂ€llen der Woche operiert hat.

Positiv hervorzuheben ist, dass es die Folge versteht, tatsĂ€chlich alle HandlungsstrĂ€nge und -elemente thematisch zusammenzufĂŒhren. Gelungen ist die Parallelisierung zwischen Edwards und Finch (bis hin zu der Tatsache, dass beide einen Hund haben). Und sogar Dr. Campbell kommt - bei allen Vorbehalten, die man nach wie vor gegen sie als Figur haben kann - einem in dieser Folge weit weniger deplatziert vor.

Fazit

Eine interessante, grundsolide Fall-der-Woche-Episode mit einer bemerkenswerten Botschaft, was das Aushalten von Ungewissheit im Hinblick auf Bestrafung und Gerechtigkeit angeht.

Spruch der Folge

Fusco: „Hey, Brille, erzĂ€hl ihm von Deinen durchgeknallten Freunden. Vielleicht kann er Euch ja fĂŒr die Therapie Gruppenrabatt geben...

Verfasser: Christian Junklewitz am Mittwoch, 11. MĂ€rz 2015
Episode
Staffel 4, Episode 17
(Person of Interest 4x17)
Deutscher Titel der Episode
Schicksalsspiele
Titel der Episode im Original
Karma
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Dienstag, 10. MĂ€rz 2015 (CBS)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 13. Juli 2015
Regisseur
Chris Fisher

Schauspieler in der Episode Person of Interest 4x17

Darsteller
Rolle
Kevin Chapman

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