Person of Interest 4x16

Das passiert in der Person of Interest-Folge Blunt:
Die Maschine macht Harold (Michael Emerson) und John (Jim Caviezel) auf eine neue Person of Interest aufmerksam: Harper (Annie Ilonzeh) ist eine junge, vermeintlich ganz normale College-Studentin, die nebenher in einer Ausgabestelle für medizinisches Marihuana jobbt. Ihr Freund - ebenfalls Student, dazu ein Gamer und Kiffer - hat ihr die Stelle besorgt. Die Ausgabestellen für medizinisches Marihuana haben ein Problem: Nach dem Recht des Bundesstaats New York sind sie legal; nach Bundesrecht jedoch verboten. Deshalb haben die Ausgabestellen große Schwierigkeiten, Banken zu finden, die sie Konten führen lassen.
Dominic (Winston Duke) ist nur all zu gerne behilflich, für die Ausgabestellen in die Rolle des Finanzdienstleisters zu schlüpfen, der für Transport und „Wäsche“ der Gelder sorgt. Doch auch die mexikanischen Kartells - sauer darüber, dass der Staat ihnen mit den legalen Ausgabestellen das Geschäft vermiest - wollen sich diese lukrative Gelegenheit nicht entgehen lassen. Schnell findet John heraus, dass Harper eine Trickbetrügerin ist, die Dominic und die Kartells aufeinanderhetzt, um sich inmitten des Chaos' selbst mit dem Geld aus dem Staub zu machen. Damit bringt sie jedoch sich selbst und ihren Kifferfreund in große Gefahr...
Legal/Illegal
Die (tatsächlich existierenden) Differenzen zwischen Bundes- und Staatsrecht in Sachen medizinisches Marihuana zum Ausgangspunkt einer Person of Interest-Folge zu machen, ist an sich keine schlechte Idee. Trotzdem hat man ein bisschen das Gefühl, dass die Episode Blunt unter ihren Möglichkeiten bleibt.
50 Shades of Shaw
Das liegt zum einen an der Person of Interest. Seit Shaw weg ist, scheinen die Autoren der Ansicht zu sein, uns in den Fällen der Woche Variationen der Figur in Form weiblicher Bad-Ass-Charaktere unterjubeln zu müssen. Das ist mir ein bisschen zu penetrant. Die letzte Szene fungiert offensichtlich als eine Art Türöffner für eine Rückkehr Harpers. Ganz ehrlich: Ich bin - anders als im Falle von Dani Silva - überhaupt nicht scharf darauf, Harper wiederzusehen.
Die Art, mit der sie John, Harold und auch Fusco (Kevin Chapman) analysiert, soll wohl ein tiefes psychologisches Verständnis ihrerseits - und damit eine Differenz zu Shaw - demonstrieren. Trotzdem sind die beiden von ihrer Grundanlage her - vermeintlich gefühlloser Profi, der aber trotzdem ein Herz besitzt - viel zu ähnlich gestrickt. Das Team Machine soll meinetwegen gerne Nachwuchs für den Kampf gegen Samaritan rekrutieren. Aber bitte nicht sie.
Dominic
Zum anderen sind Vorgehen und Motivlage von Dominic nicht so ganz klar. Zuerst will er Harper töten. Und das auf einen vagen Verdacht hin, dass sie seinem genialen Gaming-Geldwäsche-Plan auf die Schliche gekommen ist. Das ist ein Schluss, den der Zuschauer zu diesem Zeitpunkt in keiner Weise nachvollziehen kann. Klar ist jedoch, dass es vielleicht nicht sonderlich klug von Dominic gewesen ist, so offenherzig mit Harpers Stoner-Freund darüber zu plaudern.
Zwischendurch scheint er bereit, ihr Leben und das ihres Freundes zu schonen, wenn John ihm nur endlich offenbart, wer oder was tatsächlich hinter „Detective Riley“ steckt. Und am Ende ist er so sehr von ihren Fähigkeiten beeindruckt, dass seine Sorgen vergessen sind. Stattdessen bietet er ihr einen Job in seiner Crew an. Dominic fährt da in meinen Augen eine etwas unklare Linie.
Ungeschickt
Unbefriedigend an Blunt sind auch Momente wie die Szene, in der John - in grob fahrlässiger Weise - Harper den Rücken zukehrt und natürlich prompt von ihr niedergeknüppelt wird. Das Blöde an dieser Szene ist, dass der Zuschauer ihre Attacke schon von weitem kommen sieht, was John furchtbar inkompetent aussehen lässt.
Und es hätte so einfach vermieden werden können. Die Autoren hätten dazu bloß ihr (und nicht Fusco) den Taser geben müssen: Sie reicht John die Tasche mit dem Geld; plötzlich wird er von einem Stromstoß getroffen, weil sie einen Taser im Ärmel versteckt hat. Das Ziel der Szene, sie entkommen zu lassen, wäre erreicht gewesen, ohne John dabei wie einen Trottel aussehen zu lassen.
Überraschende Rückkehr
Das bedeutet nun nicht, dass die Folge ganz und gar schlecht wäre. Sie hat auch viele gute Szenen. Das Treffen von John und Dominic etwa fällt ganz klar unter die Kategorie „Gänsehaut-Momente“. Sehr schön ist auch Johns Ausflug ans College zu Beginn der Folge (mit dem Protest gegen Big Data am Rande).
Eine gelungene Überraschung ist die Rückkehr des genialen Programmierers Caleb Phipps (Luke Kleintank), der es in den zwei Jahren, die seit 2 Pi R) vergangen sind, offenkundig weit gebracht hat - zum Chef einer eigenen Software-Firma, in die sich Root (Amy Acker) einschleicht.
Root
Per se ist der Root-Handlungsstrang einschließlich der Frage, ob das Team Machine im Kampf gegen Samaritan Unterstützung rekrutieren sollte, der beste Teil der Folge. Wenngleich es auch hier verwirrende Momente gibt. Warum zum Beispiel beschattet Harold Root? Ja, sie ist infolge von Shaws Verschwinden deutlich bitterer als zuvor. Das ist aber keineswegs unverständlich. Und so sehr sich ihr Verhältnis zur Maschine (wegen der mangelnden Hilfe bei der Suche nach Shaw) abgekühlt hat, so folgt sie mit der Konstruktion der App immer noch, wie es scheint, dem Plan der Maschine.
Fazit
Das war nun definitiv kein Highlight der Serie. Eine Bemerkung generell zum bisherigen Verlauf der vierten Staffel: Mit Deus Ex Machina, dem Finale der dritten Staffel, haben die Macher einen ungemein radikalen Wende- und Höhepunkt geschaffen, dem die Serie seither nur leider nicht ganz gerecht wird. Statt genauso radikal weiterzuerzählen (wie dies etwa The Good Wife nach den extremen Veränderungen in der fünften Staffel getan hat), geht die Serie lieber auf Nummer sicher und verzettelt sich dabei mit dem nur mäßig spannenden Brotherhood-Plot und dem alles andere als gelungenen Umgang mit der Sarah Shahi-Schwangerschaft.

(Person of Interest 4x16)
Schauspieler in der Episode Person of Interest 4x16
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?