Person of Interest 4x13

Person of Interest 4x13

Root glaubt fest daran, dass Shaw noch am Leben ist. Die Spur führt sie und Reese in eine Kleinstadt, die ganz unter dem Einfluss von Samaritan steht. Die Wirtschaftskrise macht die Menschen dort zu willigen Befehlsempfängern.

Unterwegs in der Kleinstadt: Reese (Jim Caviezel) und Root (Amy Acker). / (c) CBS
Unterwegs in der Kleinstadt: Reese (Jim Caviezel) und Root (Amy Acker). / (c) CBS

Das passiert in der Person of Interest-Folge M.I.A.:

Root (Amy Acker) und John (Jim Caviezel) verfolgen die Spur eines LKW, der seinen Weg von der New Yorker Börse in die vermeintlich idyllische Kleinstadt Maple gefunden hat. Root ist davon überzeugt, dass Shaw (Sarah Shahi) in dem Wagen transportiert worden ist - und dass sie noch am Leben ist. Tatsächlich, so stellen Root und John fest, gehen in Maple allerlei sonderliche Dinge vor sich. Die Stadt steht klar unter dem Einfluss von Samaritan. Es gelingt ihnen, den LKW aufzuspüren. Doch statt Shaw finden die beiden im Laderaum medizinische Gerätschaften und blutige Verbände. Offenbar ist eine schwer verwundete Person in dem Fahrzeug befördert worden. Um die Wahrheit über Shaws Verbleib herauszubekommen, gehen Root und John sogar so weit, dass sie die Bürgermeisterin kidnappen.

In New York fällt Fusco (Kevin Chapman) - mit der Unsicherheit wegen Shaw und der Abwesenheit seines Partners - die Decke auf den Kopf. Von daher ist er ganz froh, als Harold (Michael Emerson) eine neue Nummer für ihn hat: Albert Weiss (Mason Pettit). Fusco ist gerade dabei den linkischen, fast ängstlichen wirkenden Mann zu beobachten, als er feststellt, dass sich auch Detective Silva (Adria Arjona, Point of Origin) für Weiss interessiert. Von ihr erfährt Lionel, dass Albert Zeuge in zwei verschiedenen Vermisstenfällen gewesen ist. In beiden Fällen ging es um Leute mit Gangverbindungen. Die beiden Polizisten glauben zunächst, dass Weiss durch Zufall in eine böse Sache geraten ist - und nun in Gefahr schwebt. Damit liegen sie jedoch ganz und gar verkehrt...

Die alte TV-Weisheit

Es gibt ein Problem mit M.I.A.. Eigentlich war es auch schon in Control-Alt-Delete präsent. Da konnte man es jedoch wegen des Fokus auf Control (Camryn Manheim) noch ignorieren. Das Problem ist: Wie kommt Team Machine überhaupt darauf, dass Shaw noch am Leben sein könnte. Eine alte TV-Weisheit besagt, dass in Serien niemand wirklich tot ist, solange wir die Leiche nicht gesehen haben. Sarah Shahi hat diese Weisheit auch in einem der Interviews im Anschluss an If-Then-Else zitiert.

Die Figuren wissen jedoch nicht, dass sie in einer Serie sind. Sie kennen diese Weisheit nicht. Nach ihrem Kenntnisstand müsste Shaw tot sein. Sie haben gesehen, wie Shaw angeschossen wurde. Sie haben gesehen, wie Martine (Cara Buono) die Waffe auf Shaws Kopf gerichtet hat. Und sie haben, nachdem sich die Aufzugtüren geschlossen hatten, den Schuss gehört. Egal, wie groß Roots Liebe zu Shaw auch ist: Der Kenntnisstand, mit dem Zuschauer und Figuren aus If-Then-Else herausgehen, lässt eigentlich keinen anderen Schluss zu als den, dass Shaw wirklich und wahrhaftig tot ist. Dass sie einen heldenhaften Tod gestorben ist, um ihren Freunden die Flucht zu ermöglichen.

Gefangennahme

Ich vermute dringend, dass so ziemlich jeder Zuschauer nach If-Then-Else den gleichen Schluss gezogen hat. Und dass erst die Interviews im Anschluss an die Episode daran einen Zweifel geweckt haben, weil darin von einer möglichen Rückkehr Sarah Shahis die Rede war. Again: Die Figuren haben diese Interviews nicht gelesen. Das lässt a) ihre Handlungsweise etwas unverständlich erscheinen. So sehr man als Zuschauer nachvollziehen kann, dass vor allem Root daran glauben möchte, dass ihre geliebte Sameen überlebt hat.

Und b) nimmt es der Suche nach Shaw auch irgendwo die Spannung. Ohne dass der Zuschauer einen echten Anhaltspunkt dafür hat, dass Shaw noch lebt, fehlt der Suche das Gefühl der Dringlichkeit. Das ändert sich erst mit der letzten Szene von M.I.A., in der wir die Bestätigung dafür erhalten, dass Shaw tatsächlich von Greer (John Nolan) gefangen genommen wurde. Da stellt sich einem die Frage, ob es nicht sowohl für die Stringenz als auch für die Spannung des Plots besser gewesen wäre, wenn man das Ganze von vornherein als Gefangennahme und nicht als vermeintlichen Heldentod inszeniert hätte. Das hätte dem Finale von If-Then-Else zwar etwas von der Dramatik genommen, wäre aber schlüssiger (und spannender) gewesen.

Hintertür

Ich ahne natürlich, warum die Autoren dies nicht so gelöst haben. Sie wollten zwar für die Rückkehr von Sarah Shahi eine Hintertür offen lassen. Da jedoch nicht absehbar ist, wann und in welchem zeitlichen Umfang die Schauspielerin, welche Zwillinge erwartet, zurückkehren wird, durfte die Suche nach Shaw (wie sie die Kenntnis einer Gefangennahme nach sich gezogen hätte) aber auch nicht zum dominierenden Moment der weiteren Staffel werden.

Totale Überwachung

Nun gut, dramaturgisch steht der Maple-Plot auf etwas wackligen Beinen. Was aber nicht heißt, dass er nicht trotzdem gute Momente hat. Dass uns die Handlung aus New York heraus führt, gibt uns Gelegenheit zu sehen, dass Samaritans Wirken bei weitem nicht nur auf die Stadt beschränkt, sondern viel großflächiger angelegt ist. Der Blick in die Fabrik verschafft uns außerdem einen gruseligen Eindruck davon, wie umfassend die Kontrolle ist, welche Samaritan für die Menschheit angedacht hat (GPS-Mikrotracker und Neuroimplantate).

Glaubenskrise

M.I.A. ist außerdem eine wunderbare Folge für Amy Acker: Sie hat einen der lustigsten Momente der Episode, als sie den grapschigen Polizeichef niederstreckt. In Erinnerung bleibt aber vor allem die grimmige Entschlossenheit, mit der sie um jeden Preis den Deckel heben und die Wahrheit über die „Katze“ in Erfahrung bringen will. Weit mehr noch als in Control-Alt-Delete sehen wir hier wieder die dunkele Seite von Root. Ihren Sadismus.

Zugleich erleben wir vor allem am Ende der Episode eine Root, deren Glaube an die Maschine erschüttert wird. Ihre Hinwendung zur Maschine hatte schon immer etwas Quasi-Religiöses. In M.I.A. sehen wir sie am Ende (großartig ins Bild gesetzt!) regelrecht zur Maschine beten und flehen. Doch ihre Göttin erhört sie nicht. Das stürzt Root sichtlich in die Krise - und lässt sie (vorerst jedenfalls) Abschied nehmen vom Team Machine.

Dani Silva

Geradezu überraschend gut funktioniert in M.I.A. der Fall der Woche. Dass sich ein vermeintliches Opfer als Täter herausstellt, ist zwar schon häufiger der Fall gewesen. Was dem Plot jedoch die besondere Würze - und Spannung! - gibt, ist die Parallelisierung zwischen Silva und Shaw. Und da ging es mir zumindest ganz ähnlich wie Fusco: Allein der Umstand, dass wir Shaw verloren haben, hat dazu geführt, dass ich mir um die ähnlich gestrickte Dani Silva deutlich größere Sorgen gemacht habe als das vielleicht unter anderen Umständen der Fall gewesen wäre.

Silva und Fusco ergeben außerdem ein sehr gutes Team. Auch wenn Silva ein wenig den Geruch des Shaw-Ersatzes trägt, so hätte ich nichts dagegen, sie häufiger in der Serie zu sehen.

Arbeiten gut zusammen: Fusco (Kevin Chapman) und Silva (Adria Arjona) © CBS
Arbeiten gut zusammen: Fusco (Kevin Chapman) und Silva (Adria Arjona) © CBS

Fazit

M.I.A. ist nicht der ganz große Knaller. Die Konstruktion, mit der Sarah Shahi einerseits aus der Serie geschrieben wurde, andererseits aber doch irgendwie noch drin gehalten werden soll, bringt halt ein paar Probleme mit sich. Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang, dass der Fall der Woche diesmal spannender daherkam als die fortlaufende Handlung. Normalerweise ist es ja eher umgekehrt.

Verfasser: Christian Junklewitz am Mittwoch, 4. Februar 2015

Person of Interest 4x13 Trailer

Episode
Staffel 4, Episode 13
(Person of Interest 4x13)
Deutscher Titel der Episode
Tod und Spiele
Titel der Episode im Original
M.I.A.
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Dienstag, 3. Februar 2015 (CBS)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 15. Juni 2015
Regisseur
Kevin Bray

Schauspieler in der Episode Person of Interest 4x13

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