Person of Interest 4x12

Person of Interest 4x12

Hat sich ein Computer aufgehängt, dann hilft die Tastenkombination Control-Alt-Delete dabei, ihn wieder unter Kontrolle zu bringen. Eine ähnliche Funktion hat die gleichnamige PoI-Folge. Sie startet die Serie neu - mit einem radikalen Perspektivwechsel.

Das Team Machine ist auf der Suche nach Sameen - und geht dafür jedes Risiko ein. / (c) CBS
Das Team Machine ist auf der Suche nach Sameen - und geht dafür jedes Risiko ein. / (c) CBS

Das passiert in der Person of Interest-Folge Control-Alt-Delete:

Samaritan hat eine Schläferzelle islamistischer Terroristen identifiziert. Die vier Männer planen angeblich eine Serie von Anschlägen in Detroit. Als Control (Camryn Manheim) über die Gefahr informiert wird, gibt sie umgehend den Befehl, die Zelle auszuschalten. Ein Team, zu dem unter anderem auch Grice (Nick E. Tarabay) und Brooks (Theodora Woolley) gehören, nimmt den Zugriff vor. Drei Zielpersonen werden dabei getötet.

So weit ist es für Control ein ganz normaler Tag im Büro. Doch plötzlich ist nichts mehr normal: Der vierte Mann ist auf der Flucht - und Samaritan weigert sich, Control Einblick auf den Laptop des Flüchtigen zu gestatten. Es kommt zur Machtprobe zwischen ihr und dem Samaritan-Vertreter Travers (Michael Potts, True Detective), welche Control verliert. Doch sie gibt nicht auf. Sie weiß, dass Grice vor einigen Wochen Shaw (Sarah Shahi) hat entkommen lassen. Und sie benutzt dieses Wissen, um ihn - vorbei an Samaritan - auf eine verdeckte Mission zu schicken. Er soll den Flüchtigen finden und herausfinden, was sich auf dem Laptop befindet.

Bei der Jagd nach dem Islamisten gerät Control jedoch unerwartet in das Visier von Root (Amy Acker) und Reese (Jim Caviezel), die sie gefangen nehmen - und von ihr wissen wollen, wo Shaw ist...

Tot oder nicht?

Das Spiel mit den Erwartungen geht weiter. If-Then-Else hatte das Publikum - oder zumindest den Rezensenten - in dem Glauben zurückgelassen, dass Shaw gestorben ist. Dann kam jedoch die große Interview-Offensive der Macher. Es wurde bekannt, dass Sarah Shahi mit Zwillingen schwanger ist und deshalb vorerst nicht mehr in der Serie auftreten kann „64920“. Von allen Seiten wurde jedoch die Möglichkeit beschworen, dass die Schauspielerin in die Serie zurückkehren könnte, was bedeuten würde, dass Shaw gar nicht tot ist. Der Trailer zu Control-Alt-Delete legte außerdem bereits nahe, dass sich die kommende Folge um die Suche nach Shaw drehen würde.

Perspektivwechsel

Das ist auch gar nicht mal so falsch. Der Schwerpunkt von Control-Alt-Delete ist jedoch ein ganz anderer. Ähnlich wie - welch bewunderswerte Symmetrie! - bei Shaws erstem Auftritt in Person of Interest, Relevance, nimmt Control-Alt-Delete einen radikalen Perspektivwechsel vor. Im Mittelpunkt stehen nicht die gewohnten Hauptfiguren, sondern eine Nebenfigur, die bislang vor allem als Antagonistin bekannt gewesen ist: Control.

Entsprechend ist es auch die formidable Camryn Manheim, die zu Beginn den Vorspanntext (in seiner ursprünglichen Form) einsprechen darf: „Sie werden beobachtet...

Control

Schon bei ihren früheren Auftritten hatte sich abgezeichnet, dass sie eine wunderbar vielschichtige Figur ist: Eine Frau, die besessen von der Sicherheit ihres Landes ist, was sie gleichzeitig zu Taten von ungeheurer Grausamkeit (etwa als sie Root in Aletheia foltert und verstümmelt), aber auch von Heldenmut antreibt (etwa als sie sich im Vigilance-Prozess in Deus Ex Machina schützend vor Harold (Michael Emerson) stellt).

Diese Vielschichtigkeit setzt sich auch in Control-Alt-Delete fort: Sie wird als liebevoll besorgte Mutter gezeigt, die es gar nicht gerne hat, wenn ihre Tochter all zu gewalttätige Videospiele spielt. Gleichzeitig ist sie für die Beseitigung (sprich: Ermordung) von mehr als 850 „Gefahren“ verantwortlich - und macht gegenüber Stabschef Mike Richelli (Michael Gaston, Unforgettable) deutlich, dass sie darüber keine schlaflosen Nächte verbringt.

Ihre Haltung geht deutlich in Richtung „Erst schießen, dann Fragen stellen.“ Es ist nicht so, dass sie sich vollkommen blind Samaritan anvertraut. Sie verlangt schon, gewisse Beweise für die Schuld der angeblichen Terroristen zu sehen. Ihre Beweisstandards sind allerdings beklagenswert niedrig. Und wie wir am Ende sehen: Trotz aller Zweifel, die sie mittlerweile selbst an der Vertrauenswürdigkeit von Samaritan hegt, immerhin geht sie zur Börse und prüft Harolds Geschichte nach, bringt sie es nicht über sich, den flüchtigen „Terroristen“ am Leben zu lassen.

Können Sie für eine Sekunde die Möglichkeit bedenken, dass Sie angelogen worden sind?“ / „Nein.

Timing

Control-Alt-Delete zeigt, dass die Verkehrung der Rechtsmaßstäbe eine mindestens genau so große Gefahr wie die Massenüberwachung per se ist. Control ist die Verkörperung des Grundsatzes, im Zweifel gegen den Angeklagten zu entscheiden.

Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang natürlich auch das (von den Produzenten natürlich nicht vorhergesehene) Timing der Episode. Die US-Ausstrahlung erfolgte genau eine Woche nach dem weltweit Aufsehen erregenden Anschlag auf die Redaktion des Satiremagazins Charlie Hebdot in Paris, welcher die Gefahr islamistisch motivierter Terrorattacken nachdrücklich in das Bewusstsein des Publikums zurückgeholt hat. Entsprechend plausibel erscheint das Bedrohungsszenario, vor dem Control ihr Land unbedingt schützen will.

Das wird auch geschickt durch die Inszenierung der Folge untermauert: Zwar stellen sich schon bei der Erstürmung des Hauses am Anfang gewisse Zweifel darüber ein, ob wir es dort tatsächlich mit islamistischen Terroristen zu tun haben. Auch die Weigerung Samaritans, Einblick auf die Festplatte zu gewähren, nährt diese Bedenken. Lange Zeit hält die Folge die Möglichkeit jedoch immer noch offen. Erst als Yasin (Ryan Shams) den Schnecken-Wettbewerb aus Nautilus erwähnt, wissen wir als Zuschauer, dass er tatsächlich kein Islamist ist, sondern ein Opfer von Samaritan. Das weiß Control natürlich nicht. Für sie ist das, was Yasin ihr erzählt, genau so wie das, was Harold ihr zuvor gesagt hat, zunächst mal nichts anderes als ein Märchen. Was man von ihrer Warte aus auch irgendwie nachvollziehen kann.

Eine neue Verbündete?

Die große Leistung von Control-Alt-Delete besteht nicht zuletzt darin, dass es der Episode gelingt, gerade mal eine Woche nach If-Then-Else, eine Geschichte zu erzählen, in der es nicht primär um die Trauer von Team Machine oder um die Suche nach Shaw geht, sondern deren Spannung in der Frage liegt, ob (wann?) Control sich gegen Samaritan wenden und möglicherweise ja sogar tatsächlich eine Verbündete von Team Machine werden wird, während gleichzeitig Samaritan seine Macht immer mehr ausweitet - und über sein analoges Interface Gabriel (Oakes Fegley) direkten Zugang zum US-Präsidenten zu erlangen versucht.

Am Ende von Control-Alt-Delete bleibt die Frage offen, was mit Shaw passiert ist. Root und Reese wollen nicht daran glauben, dass sie tot ist, solange sie dafür keinen handfesten Beweis haben. Harold ist da skeptischer: er würde sich nichts mehr wünschen als dass Shaw noch lebte, er glaubt jedoch nicht wirklich daran. Es bleibt abzuwarten, welche neuen Erkenntnisse M.I.A. (lies: Missing in Action; Bezeichnung für Soldaten, die im Einsatz verschollen sind) in dieser Richtung liefern wird.

Superheld

Control-Alt-Delete ist nicht ganz frei von Schwächen. Die größte gehört zu den altbekannten Person of Interest-Malessen: Reese ist in der vergangenen Folge in den Rücken geschossen worden. Trotzdem läuft er in Control-Alt-Delete herum, als wäre praktisch nichts passiert. Er blutet ein bisschen - und ist im Zweikampf mit Grice ein wenig geschwächt. Das war's.

Leute, man kann es mit der Superhelden-Nummer auch übertreiben! Ihr hättet, nachdem klar war, dass Reese für die Actionszenen in Control-Alt-Delete benötigt wird, ihn in If-Then-Else zumindest eine schusssichere Weste tragen lassen können. Sein mutiger Einsatz, um Harold zu retten, wäre damit kaum weniger heldenhaft gewesen.

Fazit

Dessen ungeachtet ist Control-Alt-Delete eine wieder mal vorzügliche Episode, welche unter Beweis stellt: Person of Interest funktioniert auch beziehungsweise gerade dann am besten, wenn die Serie erzählerisch völlig unerwartete Wege einschlägt.

Root (Amy Acker) ist zu allem bereit; um Sameen zu finden. © CBS
Root (Amy Acker) ist zu allem bereit; um Sameen zu finden. © CBS
Verfasser: Christian Junklewitz am Mittwoch, 14. Januar 2015

Person of Interest 4x12 Trailer

Episode
Staffel 4, Episode 12
(Person of Interest 4x12)
Deutscher Titel der Episode
Steuerung-Alt-Löschen
Titel der Episode im Original
Control-Alt-Delete
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Dienstag, 13. Januar 2015 (CBS)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 8. Juni 2015
Regisseur
Stephen Surjik

Schauspieler in der Episode Person of Interest 4x12

Darsteller
Rolle
Kevin Chapman

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