Person of Interest 4x09

Person of Interest 4x09

Prodesse et delectare. Nützen und Erfreuen - das ist Horaz zufolge die Funktionsbestimmung der Dichtung. Person of Interest leistet in dieser Woche beides. Die Folge erfreut mit actiongeladener Spannung. Und sie nützt, indem sie nebenbei noch etwas Lateinunterricht einstreut.

Enrico Colantoni alias Elias ist „The Devil You Know“ / (c) CBS
Enrico Colantoni alias Elias ist „The Devil You Know“ / (c) CBS

Das passiert in der Person of Interest-Episode The Devil You Know:

John (Jim Caviezel) warnt Elias (Enrico Colantoni) davor, dass Dominic (Winston Duke) es auf ihn abgesehen hat. Elias nimmt die Warnung zwar nicht auf die leichte Schulter. Er glaubt jedoch zunächst, die Dinge noch im Griff zu haben. Er ändert seine Meinung, als er feststellen muss, dass viele seiner Geschäftspartner und Verbündeten zur Brotherhood übergelaufen sind. Gemeinsam mit John und Scarface (David Valcin) flüchtet Elias in einen vermeintlich sicheren Unterschlupf. Doch auch dort spüren ihn Dominics Leute auf. Scarface wird angeschossen und gefangen genommen. Und Dominic stellt Elias vor die Wahl: wenn er kapituliert, dann will Dominic Scarface und John gehen lassen.

John bräuchte in dieser Situation dringend Unterstützung. Mit Shaw (Sarah Shahi) kann er jedoch nicht rechnen. Diese steckt selbst in allergrößten Schwierigkeiten. Mit Roots (Amy Acker) Hilfe gelingt es ihr zwar, die Kaufhaus-Schießerei mit Martine (Cara Buono) unbeschadet hinter sich zu lassen. Doch Samartian ist ihr jetzt auf der Spur. Root versucht, Shaw unbemerkt von den Überwachungskameras in der Stadt zu Harolds (Michael Emerson) Untergrund-Versteck zu bringen, und hat dabei gegen den Widerstand ihrer Begleiterin anzukämpfen, die partout darauf besteht, ungeachtet aller Gefahren für sie selbst John zu helfen...

The Elias Show

Würden wir in einer gerechten Welt leben, in der Network-Serien nicht prinzipiell abqualifiziert und von Kritikern mit Missachtung gestraft werden, dann hätte sich Enrico Colantoni allerspätestens mit The Devil You Know zumindest eine Nominierung für den Gastdarsteller-Emmy gesichert. Sein nuanciertes, facettenreiches Spiel trägt maßgeblich dazu bei, aus Elias jene wunderbar komplexe Figur zu machen: das kriminelle Mastermind mit Herz, das wir als Zuschauer sowohl lieben als auch fürchten.

In Wissenschaft und Presse wird ja häufig danach gefragt, wie es eigentlich kommt, dass Zuschauer positive Gefühle für den bad guy entwickeln. Dafür bietet The Devil You Know den perfekten Anschauungsunterricht. Ja, Elias ist fraglos ein Bösewicht. Er ist der Kopf einer kriminellen Organisation. Und zu wirklich schlimmen Dingen fähig: Erinnern wir uns nur daran, wie er in Baby Blue John mit dem Baby zusammen in den Kühlwagen eingesperrt hat. Gleichzeitig offenbart er jedoch auch viele positive Eigenschaften.

Loyalität

Er hat sich zu einer Art Verbündeten von Team Machine entwickelt und sorgt laut Harold für Ordnung auf den Straßen (was, nur so nebenbei bemerkt, ursprünglich auch das Argument von HR für eine Zusammenarbeit mit Elias gewesen ist...). Vor allem aber erweist er sich als bedingungslos loyal. Ohne zu zögern ist er bereit, für Scarface und John sein Leben zu opfern. Er weiß, was er dem einen wie dem anderen zu verdanken hat. Sein Handeln wird hier von einem Gerechtigkeitsempfinden diktiert, welches die Reziprozität sozialer Unterstützung zum Inhalt hat. Das zeigt sich, als er von John Hilfe einfordert - unter Verweis auf die Gefälligkeiten, die er dem Team Machine gewährt hat. Und es zeigt sich, als er sich für Scarface opfern will, weil er ihm dies für all die Gelegenheiten, bei denen er ihm umgekehrt das Leben gerettet hat, schuldig ist.

Männer in gehobener Position fordern ja gerne Loyalität ein, sind sich jedoch dann, wenn sie für einen Untergebenen einstehen müssten, oft selbst der Nächste. Nicht so Elias. Das ist eine Eigenschaft, die ihn ohne jeden Zweifel höchst sympathisch macht. Gleichzeitig enthält sie aber auch den Kern dessen, was ihn nun wiederum bedrohlich erscheinen lässt. Denn die Kehrseite der Gerechtigkeit ist Rache. Und Elias macht keinen Hehl daraus, dass er für Scarface Rache zu nehmen gedenkt - und ihm das Team Machine dabei besser nicht im Weg stehen sollte.

Anthony

Apropos Scarface: Spätestens in dem Augenblick, als sein Name fällt (Anthony), dürfte wohl manchem Zuschauer der Verdacht gekommen sein, dass in dieser Folge sein letztes Stündlein geschlagen hat. Und genau so kam es dann auch. Ähnlich wie Hersh am Ende der vergangenen Staffel bekommt er in The Devil You Know einen ganz großartigen Abgang spendiert: Gefoltert, aber nicht gebrochen schleudert er seinen Peinigern ein triumphierendes „Morior invictus“ (Ich sterbe unbesiegt) entgegen, bevor schließlich die ganz Etage in die Luft fliegt. Das nennt man ein Ende mit Stil!

Zuvor erfahren wir endlich auch ein wenig von den Hintergründen, die zu seiner Freundschaft, ja, Schicksalsgemeinschaft mit Elias geführt haben: Vereint im Hass auf ihre Väter sind sie unter schwierigsten Umständen gemeinsam in einem wenig fürsorglichen Heim aufgewachsen. Eine simple, aber durch und durch überzeugende Erklärung für die starke emotionale Bande, die zwischen den beiden Figuren existiert. Wie wir erfahren gehört noch ein dritter Mann zu dieser „Bruderschaft“: Bruce (James Le Gros, Ally McBeal), der Buchhalter des Elias-Imperiums, mit dem der Boss nun die Vergeltung an jenen plant, die ihn verraten haben.

Das Leben als rechte Hand

Nicht unerwähnt bleiben sollte eine weitere starke Szene, die Anthony in dieser Folge hat: und zwar der kurze, aber intensive Dialog, den er mit Link (Jamie Hector) führt - von „rechter Hand“ zu „rechter Hand“. Dabei sieht es am Ende so aus, als ob er seinem Gegenüber mit dem „Eines Tages wirst DU auf so einem Stuhl sitzen“ tatsächlich zu denken gegeben hat. Auch Dominics etwas unvorsichtiges „Ach, die Soldaten lassen sich ersetzen“ könnte dazu führen, dass Link vielleicht noch mal seine Loyalitäten überdenkt.

Könige

The Devil You Know überzeugt als erster großer actiongeladener Showdown zwischen Dominic und Elias, die mehr denn je als Gegner auf Augenhöhe inszeniert werden. Beide sind intelligente, gebildete, kultivierte Männer, die nicht nur auf Kugeln setzen, sondern ihr Gegenüber zu durchschauen und sein Spiel zu durchkreuzen versuchen. Sie sind beschlagen in Geschichte, Philosophie und Latein, was die Serie geschickt einsetzt, um zu veranschaulichen: es sind nicht einfach nur irgendwelche Straßengangster, die hier um die Vorherrschaft streiten, es sind Könige. Die Bildung, die sie offenbaren, ist dabei ein Stück weit auch ein Statussymbol. Es ist das, was beide über den Stand eines gewöhnlichen Banditen heraushebt.

In höchster Bedrängnis

Was The Devil You Know nun so spannend macht, ist das Verweben des Bandenkriegs mit der Samaritan-Bedrohung. Shaw ist enttarnt - und fällt als Unterstützung für Reese aus. Fusco (Kevin Chapman) hat bei ihrer Flucht helfen müssen, weshalb Samaritan nun auch ihm auf die Spur kommt. Und er ebenfalls als Hilfe ausfällt. Das Team Machine steckt damit in höchster Bedrängnis, was genau das Level an Spannung erzeugt, das wir in Person of Interest sehen wollen.

Und die Folge schafft die nötigen Ausgangsvoraussetzungen, damit es genau so weitergeht: Greer (John Nolan) und Martine wissen jetzt, dass es dem Team Machine gelungen ist, Samaritan einen blinden Fleck zu geben. Sie intensivieren die agentenbasierte Suche nach Shaw. Außerdem ist nicht auszuschließen, dass sie über kurz oder lang doch noch die Manipulation am Samaritan-Server entdecken werden. Dominic ist sich bewusst, dass eine dritte Partei - nicht Cops, nicht Gangster - im Spiel ist und will hinter deren Geheimnis kommen. Und dann ist da Elias, der seinen Rachefeldzug plant. Das klingt doch schon mal alles sehr vielversprechend!

Cool, cooler, Fusco

Zurück noch mal zu der Szene, in der Martine bei Fusco vorstellig wird: Kevin Chapman hat in The Devil You Know nicht viel zu tun. Wie Fusco jedoch die Samaritan-Agentin auflaufen lässt, gehört zu den ganz großen Momenten der Figur. Er bewahrt die Ruhe und versteht es geschickt, die Oberhand zu gewinnen. Es zeigt, wie weit sich der einstige Fußabtreter Johns entwickelt hat. Und mehr denn je fragt man sich als Zuschauer, warum er von den anderen immer noch nicht in das Geheimnis der Maschine eingeweiht worden ist. Dass er ein wertvoller und fähiger Teil des Teams Machine ist, hat er doch nun wirklich nachdrücklich unter Beweis gestellt!

Shoot

Sehr schön sind auch die Szenen zwischen Shaw und Root: Shaw, die anfangs ja so ihre Schwierigkeiten damit gehabt hat, sich ins Team einzufinden, kann sich ein Leben ohne Nummern offenbar gar nicht mehr vorstellen. Auch hier sehen wir eine enorme Entwicklung von der Shaw, wie wir sie zu Beginn kannten. Leute zu beschützen - damit hat sie ihre Lebensaufgabe gefunden. Und sie kann sich nur ganz schwer mit dem Gedanken anfreunden, dass sie selbst momentan des Schutzes bedarf. Das läuft ihrem gesamten Selbstbild so vollkommen zuwider.

Root wiederum zeigt, dass sie echte Gefühle für Shaw hegt. Sie geht nicht nur gerne auf Tuchfühlung mit ihr, sondern riskiert auch einen ernsten (und sicher noch nicht ausgestandenen) Konflikt mir ihr, als sie sie zu ihrem eigenen Schutz betäubt und in das Versteck bringt.

Fazit

Ganz ohne Frage: die bisher mit Abstand stärkste Folge der vierten Staffel! Der Showdown zwischen Dominic und Elias und die Bedrohung durch Samaritan sorgen dafür, dass aus The Devil You Know großes und spannendes Actionkino wird, welches ganz maßgeblich von Enrico Colantoni und seiner Performance als Elias getragen wird.

Invictus maneo“. Ich bleibe unbesiegt.

Verfasser: Christian Junklewitz am Mittwoch, 26. November 2014

Person of Interest 4x09 Trailer

Episode
Staffel 4, Episode 9
(Person of Interest 4x09)
Deutscher Titel der Episode
Fürchte deinen Nächsten
Titel der Episode im Original
The Devil You Know
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Dienstag, 25. November 2014 (CBS)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 18. Mai 2015
Autor
Raquel Cassidy
Regisseur
Richard J. Lewis

Schauspieler in der Episode Person of Interest 4x09

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