Person of Interest 4x05

Person of Interest 4x05

Dieser Wahlkampf hat tödliche Folgen: In der Folge Prophets muss das Team Machine sich um den Hausdemoskopen eines Gouverneurs kümmern. Und stößt dabei auf Machenschaften seines gefährlichsten Gegners.

Waren nicht immer gute Kameraden: Root (Amy Acker) und Harold (Michael Emerson). / (c) CBS
Waren nicht immer gute Kameraden: Root (Amy Acker) und Harold (Michael Emerson). / (c) CBS

Das passiert in der Person of Interest-Folge Prophets:

In mehreren US-Bundesstaaten finden Gouverneurswahlen statt. Im Staat New York rechnet sich Amtsinhaber James Murray (Michael Bryan French) beste Chancen aus, seinen Posten zu verteidigen. Sein Demoskop Simon Lee (Jason Ritter, The Event) sagt ihm einen knappen, aber doch zweifelsfreien Sieg über seine Herausforderin Michelle Perez (Caris Vujcec) voraus. Und Simon liegt in solchen Dingen niemals daneben. Er hat die Zahlen hinsichtlich der politischen Stimmungslage fest im Griff. Da geschieht auf einmal das Undenkbare: Murray verliert die Wahl. Simon versteht die Welt nicht mehr.

Nach kurzen Nachforschungen steht für ihn fest, dass die Wahl manipuliert worden ist. Er wendet sich an den Wahlleiter Kevin Hatch (Ned Van Zandt), in dessen Büro er fast zum Opfer eines amoklaufenden Exangestellten wird. Der Anschlag schlägt jedoch fehl, weil Unbekannte eingreifen - und auch fortan ihre schützende Hand über Simon halten, der sich immer sicherer ist, dass er im Zentrum einer groß angelegten Verschwörung steht.

Was Simon nicht ahnt: dass die Maschine ihn als neue „Person of Interest“ ausgegeben hat. Während John (Jim Caviezel) aus dienstlichen Gründen zum Zuschauen verdammt ist, versuchen Harold (Michael Emerson), Shaw (Sarah Shahi) und Root (Amy Acker), Simon vor den Folgen seiner eigenen Neugier zu beschützen. Die Sache, der er dabei ist, auf die Spur zu kommen, ist nämlich weit größer, als er sich in seinen kühnsten Albträumen ausmalen könnte...

Schattenmacht

Im letzten Review habe ich Person of Interest attestieren müssen, dass die Serie in Brotherhood unter ihren Möglichkeiten geblieben war. Diesen Vorwurf kann man Prophets nun wahrlich nicht machen. Die Serie feuert in dieser Folge aus praktisch allen Zylindern.

Prophets bringt die Haupthandlung voran: Samaritan baut seine Kontrolle über die Menschheit aus, indem es landesweit Dutzende von Politikern ins Amt bringt, die sich - unter Anleitung von Greer (John Nolan) - lenken lassen. Person of Interest dürfte damit den Nagel ziemlich genau auf den Kopf treffen. Auch in der Wirklichkeit wird - anders als in den meisten Verschwörungsthrillern dargestellt - vielen Politikern ihre eigene Korruption und Fremdgesteuertheit überhaupt nicht bewusst sein.

Terminatrix

Genauso verhält es sich in Prophets: Vizegouverneur Nick Dawson (Kevin Kilner, House of Cards), der mit dem Tod von Perez das Amt übernimmt, ist in dem Sinne kein Bösewicht. Er ist einfach nur ein Karrierist und Blender, der durch seine „Politiker“-Eigenschaften (verstanden in dem Sinne des Wortes, welches auch Finch nicht gerade als Kompliment begreift...) ein vielversprechendes Instrument in den Händen des Bösen, nämlich Samaritan, ist. Ohne dass er sich selbst dessen überhaupt bewusst ist...

Wie gesagt: Das dürfte der Realität, in der im Augenblick noch andere Kräfte als künstliche Intelligenzen Einfluss über unsere Politiker haben, ziemlich nahekommen.

Aktive (und sich ihrer Rolle höchst bewusste) Gegenspieler aufseiten Samaritans sind Greer und seine „Terminatrix“ Martine (Cara Buono), die wir zuletzt in Panopticon gesehen haben - und die in Prophets maßgeblich für die Bedrohung und damit für die Spannung in der Episode sorgt. Und zwar als eiskalte, fast maschinenartige Killerin, der Samaritan direkt ins Ohr flüstert, wodurch sich eine faszinierende Parallele zu Root ergibt. Root ist es auch, die den Zustand Martines - in Anlehnung an God Mode - umgehend als „God Mode“ identifiziert.

Todessehnsucht

Damit kommen wir auch schon zur zweiten großen Stärke von Prophets. Neben aller Plotgetriebenheit ist es auch eine sehr schöne Charakterepisode. Vor allem Root erhält Gelegenheit, sich in ihrer Rolle als geläuterte Sünderin zu profilieren, die von ihrer Göttin, der Maschine, zwar ein Stück weit verlassen wurde, aber trotzdem in ihrem Glauben unverbrüchlich zu ihr hält. Und sie scheint geradezu von dem Wunsch beseelt zu sein, einen „guten“ Opfertod als Buße für ihre früheren Sünden zu sterben. Hier zeigt Person of Interest regelrecht katholische Züge.

Zugleich ist gerade dieser letzte Punkt, die anklingende Todessehnsucht Roots, auch eine grandiose Finte, mit der uns die Autoren hereinlegen. So wie sich das Verhältnis von Root und Finch nämlich in Prophets entwickelt - er nennt sie eine Kameradin und Freundin, nachdem er sie vor ziemlich genau einem Jahr noch in der Bibliothek im Käfig eingesperrt hatte! -, muss man als Zuschauer geradezu davon ausgehen, dass Prophets die Abschiedsfolge von Root sein wird, was erheblich zur Spannung in ihrer Auseinandersetzung mit Martine beiträgt.

Nicht mehr Miss Groves

Spätestens, als Harold sie nicht als Miss Groves, sondern erstmals mit ihrem Wunschrufnamen Root anspricht, muss man förmlich glauben, dass ihr letztes Stündlein geschlagen hat. Auch der Dialog über das, was Harold doch bitte im Falle eines Falles Shaw ausrichten soll (was allen „Shoot“-Shippern das Herz aufgehen lassen dürfte...), passt sehr gut in diese Kategorie. Das Drehbuch enthält damit genau jene Elemente, die wir aus vielen US-Serien als Indikatoren für das bevorstehende Ableben einer Figur erlernt haben. Umso erleichterter sind wir natürlich, als sich herausstellt, dass Root die Schießerei mit Martine überlebt hat.

Die Szenen zwischen Root und Harold sind definitiv eines der großen Highlights der Episode: Und das nicht nur wegen der intellektuellen Brillanz, welche beide Figuren in ihren Dialogen an den Tag legen, sondern auch wegen der emotionalen Wärme, die darin Ausdruck findet. Harold ist für Root immer eine Art Idol gewesen. Jemand, von dem sie sich wünschte, akzeptiert zu werden. Root ist erfreut und berührt (und mir ihr das Publikum), als Harold sie um Hilfe bittet. Seite an Seite mit ihm hacken zu dürfen („Ich mach' Google, du Yahoo.“), ist für sie so etwas wie ein Traum, der in Erfüllung geht.

Entwicklungspsychologie für Maschinen

Die Rückblenden in die Zeit der frühen Entstehungsgeschichte der Maschine liefern den Kontext für das Misstrauen, welches Harold gegenüber den künstlichen Intelligenzen hegt (und welches auch dazu geführt hat, dass er die Maschine „verkrüppelt“ hat, um eine unkontrollierte Entwicklung ihrerseits zu verhindern). Die Flashbacks bescheren uns ein willkommenes Wiedersehen mit Nathan (Brett Cullen). Und sie sind gleichzeitig der Hintergrund für das wohl beste Argument Roots, was die Maschine und Samaritan voneinander unterscheidet: Die Maschine hatte in Harold einen Vater, der ihr mühsam den Unterschied zwischen Richtig und Falsch beigebracht hat. Genauso wie menschliche Kinder dies von ihren Eltern lernen. Warum sollte sich das auch bei künstlichen Intelligenzen anders verhalten?

Harold ist in Prophets wohl diejenige Figur, die die größte Entwicklung durchmacht. Nicht nur in der Art, wie er sich gegenüber Root öffnet, sondern am Ende sogar der Maschine gegenüber seine Gesprächsbereitschaft signalisiert.

Traumduo: Shaw (Sarah Shahi) und Root (Amy Acker) © CBS
Traumduo: Shaw (Sarah Shahi) und Root (Amy Acker) © CBS

Durchschaut

Apropos Gesprächsbereitschaft: Damit die Root-Story in Prophets funktioniert, muss unser Terminator vom Dienst, Reese, dafür auf ein Nebengleis geschoben werden. Zum Auftakt sehen wir deshalb, wie eine weitere Kniescheibe den Weg aller Person of Interest-Kniescheiben geht - und Reese deshalb von seiner Dienststelle zur Therapeutin (Wrenn Schmidt) geschickt wird. Damit seine Tarnidentität erhalten bleibt, muss Reese sich - widerwillig - fügen. Und sich am Ende zumindest so weit gegenüber der Psychologin öffnen, dass er ihr - für den Zuschauer erkennbar - von Carter erzählt... Und wie sehr ihr unermüdlicher Kampf für das Gute für ihn eine Motivation für das ist, was er tut.

Für den Zuschauer ein ungemein berührendes Statement.

Fazit

Prophets ist eine spannende, intellektuell anregende, emotional berührende Folge, die übergreifenden Plot und Figurenentwicklung nahezu perfekt ausbalanciert, mit vielen wunderbaren Dialogzeilen glänzt - und eine unheilvolle Prophezeiung für die Zukunft in sich trägt (nämlich, dass der Krieg gegen Samaritan Opfer auf der Seite von „Team Machine“ fordern wird...). Mit anderen Worten: beste Person of Interest-Unterhaltung.

Verfasser: Christian Junklewitz am Samstag, 25. Oktober 2014
Episode
Staffel 4, Episode 5
(Person of Interest 4x05)
Deutscher Titel der Episode
Propheten
Titel der Episode im Original
Prophets
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Dienstag, 21. Oktober 2014 (CBS)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 20. April 2015
Regisseur
Kenneth Fink

Schauspieler in der Episode Person of Interest 4x05

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