Person of Interest 4x01

Das passiert in der Person of Interest-Folge Panopticon:
Samaritan hat mehr oder minder die Weltherrschaft übernommen. Jeder, der auch nur in die Nähe kommt, dieses Geheimnis zu entdecken, wird von den Agenten der künstlichen Intelligenz eliminiert. Und das weltweit. Selbst Decima Technology scheint keine Rolle mehr zu spielen. Das Unternehmen hat sich aufgelöst. Senator Garrison (der allgegenwärtige John Doman: Rizzoli & Isles, Borgia, Gotham...) fürchtet, dass es nun keinen „Schuldigen“ geben wird, sollte die Sache je auffliegen. Er begreift nicht, dass Greer (John Nolan) alle Kontrolle an Samaritan übertragen hat. Und dass es Samaritan ist, welches die Fäden zieht.
Das Team Machine ist derweil in den Untergrund gegangen: Harold (Michael Emerson) arbeitet als Ethik-Professor an der Uni. Shaw (Sarah Shahi) ist eine - wenig enthusiastische - Parfümverkäuferin in einem Kaufhaus. Und John (Jim Caviezel) arbeitet als Polizist in der Drogenfahndung. Sie alle haben neue (Nach-) Namen, neue Identitäten. Über die Kalenderfunktion ihrer Handys hält die Maschine jedoch den Kontakt zwischen ihnen aufrecht - und ermöglicht heimliche Treffen. Von seinem neuen Alltag angeödet, wartet vor allem John sehnsüchtig auf eine neue Nummer.
Tatsächlich erhält er einen Anruf der Maschine. Ali (Navid Negahban), der Betreiber eines kleinen Elektronikladens, ist die neue Person of Interest. John hofft, dass Harold ihm dabei helfen wird, sich um diesen Fall zu kümmern. Doch Harold steckt in einer schweren Sinnkrise. Seit die Maschine von ihnen einen Mord verlangt hat (Death Benefit), ist sein Verhältnis zu ihr und sein Glaube an ihre gemeinsame Arbeit zutiefst erschüttert. Harold glaubt, dass - gerade wegen der Bedrohung durch Samaritan - sie nur eines tun können: den Kopf einziehen und versuchen zu überleben...
Samaritan und die Folgen
Die lange Zeit des Wartens ist vorüber „60554“, Person of Interest ist endlich zurück! Und die CBS-Serie zeigt sich gleich zum Staffelauftakt in Top-Form! Natürlich ist zunächst einmal etwas Exposition vonnöten. Deus Ex Machina hat mit der Geburt von Samaritan die Serienwelt gehörig auf den Kopf gestellt. Die Bibliothek ist als Unterschlupf weggefallen, die Figuren sind mit neuen Identitäten in alle Himmelsrichtungen verstreut worden. Am Ende der dritten Staffel musste man sich ja ernsthaft fragen: Wie soll die Serie überhaupt weitergehen, nachdem die Guten so arg geschlagen worden sind und das Böse so umfassend triumphiert hat?
Panopticon ist insofern eine Folge, die sehr stark von der anderen Seite der Spannung lebt: Nicht so sehr von der Angst um die Figuren, sondern von der Hoffnung, dass sie wieder zusammenfinden und ihren Kampf fortsetzen. Dazu müssen einerseits die Protagonisten seelisch wieder aufgerichtet werden. Dazu müssen sie andererseits die nötigen Mittel und Ressourcen an die Hand bekommen, um ihre Arbeit unter den veränderten Bedingungen wiederaufnehmen zu können.
Sinnkrise
Seelisch gebrochen ist vor allem Harold: Er hat den Glauben an den Sinn der Mission verloren. Das ist durchaus verständlich. Schließlich hat sich alles, wofür er in den letzten Jahren, ja, Jahrzehnten gearbeitet und gekämpft hat, in das Gegenteil dessen verkehrt, was seine Intention war: Das große und potenziell segensrechte Projekt einer künstlichen Integlligenz ist zu einem furchteinflößenden Instrument der Kontrolle und Beherrschung geworden.
Und die Maschine, die er geschaffen hat, um Menschenleben zu retten, hat ihm und dem Team Machine in Death Benefit einen Mordauftrag erteilt. Dabei stört sich Harold offenkundig nicht nur an dem Mordauftrag als solchen, sondern daran, Befehlsempfänger eines Computers zu sein. Während Greer kaum glücklicher sein könnte, die Kontrolle an Samaritan abzugeben, ist Harold stets von dem Gedanken menschlicher Freiheit und Selbstbestimmung beseelt gewesen. Deshalb stellt er im Gespräch mit Root (Amy Acker) auch die scharfe Nachfrage, ob das was sie sagt, wirklich von ihr oder von der Maschine kommt.
Root, die Humanistin
Harolds Sinnkrise ist in vielerlei Hinsicht mit der vergleichbar, durch die John in der dritten Staffel gegangen ist. Auch Harold stellt sich die Frage, was die Rettung einiger Menschenleben nützt, wenn so viele trotzdem (oder sogar deswegen) verloren gehen. An dieser Stelle ist es ausgerechnet Root, welche die argumentative Rolle einnimmt, welche Harold zuvor sowohl John als auch ihr selbst gegenüber bezogen hat: Jedes einzelne Leben zählt! Und jedes einzelne Leben ist es wert, dass man darum kämpft.
Nur zur Erinnerung: Root, das ist diejenige, die noch im Auftakt zur dritten Staffel mit der Maschine darüber gestritten hat, ob sie ihren Psychiater umbringen darf oder nicht. Atemberaubend ist nicht nur, mit welch riesigen Schritten sie sich als Figur entwickelt hat, sondern auch der Umstand, dass sie letztlich durch eine Maschine, die ihr ins Ohr flüstert, zur Humanistin geworden ist! Das sind genau die Volten, die Person of Interest so interessant und auch intellektuell anregend machen!
Neue Ressourcen
Während Harold vor allem der Motivation und Überzeugungsarbeit bedarf, sich wieder in das Nummerngeschäft zu begeben (wobei neben dem Besuch von Root auch die Parallelisierung mit der Figur Alis eine wichtige Rolle spielt), ist es damit allein aber noch nicht getan. Das Team Machine benötigt dringend neue Ressourcen, um nicht umgehend dem Samaritan-Überwachungsstaat zum Opfer zu fallen. Dazu gehören überraschende Bündnisse: Im Kampf gegen den Drogenring sucht John den Schulterschluss mit Elias (Enrico Colantoni) und Scarface (David Valcin).
Witzige Beobachtung am Rande: Colantoni und Valcin scheinen mittlerweile nur noch im Doppel gebucht zu werden; auch in der Pilotfolge von The Mysteries of Laura spielen sie zusammen (einer der wenigen Pluspunkte der Produktion). Mal schauen, wann Valcin als Patient in Remedy auftauchen wird...
Das Fernsehen ist die Rettung!
Die wichtigste neue Ressource ist aber natürlich das Ersatz-Mobilfunk-Netz, welches Gegenstand des Falls-der-Woche ist. Dadurch ergibt sich für das Team Machine (und offenbar auch für Elias; das scheint der Deal mit ihm gewesen zu sein...) die Möglichkeit, an der Total-Überwachung vorbei kommunizieren zu können.
Was nicht nur ein sehr bedenkenswerter Kommentar zum Thema Überwachung und Sicherheit ist (Jede Überwachungsmaßnahme sorgt - in einer Art evolutionärem Rüstungswettrennen - dafür, dass Dealer, Terroristen oder wer auch immer neue kreative Wege ersinnen, die Überwachung zu umgehen, so dass am Ende des Überwachungsstaates nur ein Gefühl der vermeintlicher Sicherheit steht), sondern auch ein sehr spaßiger Gedanke: Die Überbleibsel des terrestrischen Fernsehens als Instrumente der kommunikativen Freiheit! Ich sehe vor meinem inneren Auge bereits medientheoretische Dissertationen zu diesem Thema entstehen („...mit Brechts Radiotheorie...“, „...aber wir müssen natürlich Adorno bedenken...“).
Apropos Dissertation: Durch Tippfehler in seiner gefakten Doktorarbeit, die natürlich nicht nur einem Versehen geschuldet sind (Für alles gibt es einen Plan!), macht die Maschine Harold auf einen neuen möglichen Unterschlupf aufmerksam.
The Mayhem Twins
Am Ende von Panopticon steht ein Gefühl der Hoffnung: Unser Team wird sich von dem Rückschlag erholen! Shaw nimmt einen - wie es scheint: nicht ganz legalen - Nebenjob an, der nicht nur ihre Fähigkeiten besser zur Geltung bringt als die Kosmetik- und Parfümabteilung des Kaufhauses, sondern auch irgendwie zum Plan der Maschine gehört. Und John wird Fuscos (Kevin Chapman) neuer Partner (was mit einem sehr schönen emotionalen Moment einhergeht, als John einen Augenblick zögert, bevor er seine Sachen auf den ehemaligen Schreibtisch von Carter stellt).
Zugleich hat die Folge auch viele leichte, heitere Szenen: Etwa die Begegnungen von Root und Shaw oder auch Roots neue Bezeichnung für Shaw und Reese: „The Mayhem Twins“ („die Katastrophen-Zwillinge“). Sollte es für Person of Interest jemals ein Comedy-Spin-Off geben, wäre der Titel damit auf jeden Fall schon mal gefunden!
Fazit
Das Team Machine auf der Misssion Hoffnung: Panopticon ist ein - auch und gerade im Vergleich zu Liberty im Vorjahr - sehr gelungener Staffelauftakt, welcher Figuren wie Zuschauern Mut macht, dass das Team Machine noch lange nicht erledigt. Gleichzeitig führt die Folge mit Cara Buono eine ebenso hübsche wie gefährliche neue Gegenspielerin ein, die auf Seiten von Samaritan kämpft und Reese schon einmal gefährlich nahe kommt.
Verfasser: Christian Junklewitz am Mittwoch, 24. September 2014(Person of Interest 4x01)
Schauspieler in der Episode Person of Interest 4x01
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