Person of Interest 3x22

Person of Interest 3x22

Die Ereignisse überschlagen sich. Während man innerhalb der US-Regierung noch darüber debattiert, ob man den Vorschlag von Decima annehmen will, schlägt Vigilance zu. Und Mr. Greer entfaltet eine erschreckende Zukunftsvision für die Menschheit.

Reese (Jim Caviezel) und Root (Amy Acker) in „A House Divided“ / (c) CBS
Reese (Jim Caviezel) und Root (Amy Acker) in „A House Divided“ / (c) CBS

Das passiert in der Person of Interest-Folge A House Divided:

Reese (Jim Caviezel) und Shaw (Sarah Shahi) sind auf der Suche nach Finch (Michael Emerson), der von Greer (John Nolan) entführt worden ist. Doch auf Grund einer sehr speziellen Versicherungspolice stürzen sich die Decima-Mitarbeiter, die sie aufspüren, lieber in den Tod, als ihnen etwas zu verraten. Root (Amy Acker) überzeugt sie davon, dass die Suche nach Finch keine Dringlichkeit habe, weil sich dieser nicht in unmittelbarer Gefahr befinde.

Stattdessen hat die Maschine fünf neue Nummern für sie: Control (Camryn Manheim), Senator Garrison (John Doman), US-Sicherheitsberater Manuel Rivera (Joseph Melendez) und NSA-Chef General Holcombe (Alex Webb). Die fünfte Nummer liegt zunächst im Dunkeln.

Die vier Genannten haben sich zu einem geheimen Treffen in einem New Yorker Hotel versammelt. Control und Garrison versuchen Rivera davon zu überzeugen, dass die US-Regierung die Dienste von Decima und Samaritan in Anspruch nehmen soll. Das sei für die nationale Sicherheit unverzichtbar; außerdem eröffne die Tatsache, dass das System von einem Privatunternehmen betrieben wird, die Möglichkeit, hinterher jedes Wissen von Grundrechtsverletzungen abstreiten zu können, falls doch etwas herauskommen sollte.

Shaw ist davon überzeugt, dass die vier Regierungsvertreter die Täter sein müssen, auf welche die Maschine sie aufmerksam machen will. Da taucht jedoch auf einmal Collier (Leslie Odom Jr.) mit seinen Vigilance-Terroristen auf...

Leben retten und zerstören

Empfehlenswert ist es, A House Divided mindestens zweimal zu schauen; nach der ersten Sichtung kann es nämlich leicht passieren, dass einem schwindelig wird, so viel geht in dieser Episode vor sich.

Da ist zum einen die Überwachungsthematik, die in A House Divided noch mal zugespitzt problematisiert wird: Wir haben auf der einen Seite Garrison und Control, die ehrlich um die nationale Sicherheit besorgt zu sein scheinen. Controls Präsentation gegenüber Rivera ist - geradezu erschreckend - überzeugend. Die Totalüberwachung rettet Menschenleben; sie rettet vielleicht sogar das Leben Deines Kindes. Wer könnte sich diesem Argument verschließen?

Wir haben jedoch auf der anderen Seite die Rückblende in die Vergangenheit von Collier, dessen Bruder (Marc Damon Johnson) in die Mühlen der Sicherheitsmaschinerie geraten ist. Ein, zwei Steine des Überwachungs-Puzzles werden falsch zusammengesetzt. Und auf einmal wird aus einem unschuldigen Mann ein Terrorverdächtiger. Kommen dann noch Gesetze hinzu, welche die rechtsstaatlichen (Beweis-) Standards herabsetzen - alles im Namen der Sicherheit! -, dann kann der Überwachungsstaat Menschenleben ruinieren, ja vernichten.

Collier

Zwei Seiten der gleichen Medaille. Person of Interest bringt dies sehr schön auf den Punkt. Zugleich wird damit auch die Motivation von Collier deutlich. Sein Fanatismus kommt nicht von ungefähr; auch das ist eine Lehre, die man aus dieser Storyline mitnehmen kann. Ein Rätsel bezüglich Colliers Vergangenheit lässt die Episode allerdings offen: Wer hat ihn da per SMS kontaktiert, als er das Büro der Staatsanwaltschaft verlässt? Wir dürfen wohl davon ausgehen, dass dieser Kontakt sehr viel mit der Gründung von Vigilance zu tun haben dürfte.

Colliers größter Wunsch war es, wie er am Anfang gegenüber seinem Bruder sagt, Ankläger zu werden. Dieser Wunsch erfüllt sich am Ende auf höchst ungewöhnliche und spektakuläre Weise: Vigilance entführt nicht nur Control und ihre Verbündeten, sondern auch Greer und Finch, um sie vor ein selbst eingesetztes Gericht zu stellen. Das ist eine in der Tat überaus bemerkenswerte Wendung: die vermeintlich allmächtigen Strippenzieher aus Politik und Wirtschaft sehen sich auf einmal an das Licht der Öffentlichkeit gezerrt.

Zeichen der Schwäche

Zugleich ist dieser Wendepunkt vor allem im Hinblick auf Greer jedoch etwas problematisch: so ist es - nach Beta - zum wiederholten Male sehr erstaunlich, mit wie wenig Schutz sich der Decima-Boss umgibt. Schien es zuvor so, als stünden Decima nahezu unbeschränkte (Personal-) Ressourcen zur Verfügung, sieht es in A House Divided fast so aus, als stünde Greer allein auf weiter Flur. Oder haben sich alle seine Gefolgsleute bereits in den Abgrund gestürtzt? Dieser Mangel an man power reduziert so ein bisschen Greers Status als badass Bösewicht.

AI

Zum Ausgleich bekommen wir allerdings reichlich intellektuellen Schlagabtausch geboten: Die Debatte, welche Finch und Greer miteinander führen, geht dabei weit über die Fragen der Cyber-Überwachung hinaus. Es geht bei ihrem Gespräch um die Rolle, welche das Auftreten von künstlicher Intelligenz für das Schicksal der Menschheit spielen wird. Ihre Auseinandersetzung kann man grob als ein Zusammentreffen von humanistischen und posthumanistischen Positionen charakterisieren.

Finch hat seiner Maschine Grenzen gesetzt, weil er sich vor den Konsequenzen einer entfesselten künstlichen Intelligenz fürchtet. „Was ist, wenn die Maschine eines Tages beschließt, dass die gesamte Menschheit irrelevant ist?“ In seinem Verständnis hat die Technik eine dienende Funktion gegenüber den Menschen. Die Maschine ist dazu da, Menschenleben zu retten. Greer - dessen Vergangenheit als Überlebender des London blitz und als ehemaliger MI6-Agent erstmals näher beleuchtet wird - hat demgegenüber eine gänzlich konträre Auffassung. Seine Vision von Samaritan ist die einer Maschine, welche frei von menschlichen Schwächen über uns herrscht. Als der perfekte Führer.

Das klingt wie Science Fiction. Und im Augenblick ist es das vielleicht auch noch. Gleichzeitig kommt darin jedoch ein Bedürfnis zum Vorschein, welches immer wieder in Umfragen und Studien artikuliert wird: das Bedürfnis nach dem „starken Führer“. Das wirklich Erschreckende an Greers Vision ist wohl: es ist gar nicht einmal unvorstellbar, dass sich in der von Greer imaginierten Wahl tatsächlich (die meisten?) Menschen dafür entscheiden würden, sich von den Mühsalen des freien Willens zu entlasten und die Herrschaft an einen vermeintlich perfekten technologischen Gott zu übertragen. Ja, schaut man sich den Zustand an, in dem sich selbst demokratisch organisierte Gesellschaften befinden, in denen oft nur noch nominell aller Wille vom Volke ausgeht, dann kann man kaum bestreiten, dass der Gedanke einer unbestechlichen elektronischen Regierungsinstanz durchaus etwas Verführerisches hat. Auch wenn es mit der Bankrotterklärung der Menschheit einherginge.

Es sind große Themen und Gedanken, mit denen sich Person of Interest hier beschäftigt.

Marionetten der Maschine

Unsere Protagonisten befinden sich derweil im Blindflug durch die Episode. Sie haben sich notgedrungen praktisch völlig der Maschine überantwortet; doch selbst die Maschine blickt kaum noch durch. Zu komplex ist das Kräftefeld aus Regierung, Decima und Vigilance.

Bemerkenswert ist, dass in Harolds Abwesenheit de facto Root zur Chefin des Teams aufsteigt (was aber natürlich maßgeblich damit zu tun hat, dass sie das Sprachrohr der Maschine ist). Im Grunde ist das gar nicht mal so weit von Greers Vision entfernt: die Maschine sagt an, was zu machen ist, ohne dass die menschlichen Akteure genau wissen oder verstehen, wieso, weshalb, warum sie jetzt gerade so handeln, wie sie handeln (etwa als Shaw zu Beginn zur Beobachtung des Hotels abkommandiert wird). Die Maschine hat das so gesagt. Und - konfrontiert mit einer höchst unübersichtlichen Lage - sind die Menschen darauf angewiesen, der Maschine zu vertrauen.

Der Stromausfall, der New York in Dunkelheit taucht, ist nicht nur eine sehr beeindruckende Machtdemonstration / Ablenkungsmanöver von Vigilance, sondern in gewisser Weise auch ein Sinnbild dafür, wie sehr unsere Protagonisten in A House Divided im Dunkeln tappen.

Und, als wäre es nicht schon ein großer Brocken zu schlucken, dass sie Control & Co. retten statt töten sollen (wie es Shaw eigentlich vorschwebt), sind sie am Ende sogar gezwungen, sich mit Hersh (Boris McGiver) zu verbünden!

Hacker-Team

Ein Wiedersehen gibt es mit Roots Hacker-Team, welches sie in den vergangenen Episoden zusammengestellt hat: Daizo (Alex Shimizu), Daniel Casey (Joseph Mazzello) und Jason Greenfield (Michael Esper), die für sie an einem noch unbekannten Projekt arbeiten, welches jedoch offenbar mit der Infiltration von Samaritan (beziehungsweise des Gebäudekomplexes, in dem die Server des Systems untergebracht sind) zu tun hat. Unbekannt ist auch, warum sie das Team zunächst nach Kolumbien geschickt hat.

Fazit

A House Divided ist eine ungemein komplexe Episode, welche uns den Hintergründen und dem Denken gleich mehrerer Gegenspieler - allen voran Collier und Greer - näher bringt. Gleichzeitig passiert so viel, dass man auch als Zuschauer kaum noch den Überblick hat; eines ist jedoch am Ende klar: sollte durch die Aktion von Vigilance wirklich bekannt werden, wer Finch ist und was er getan hat, dann dürfte uns mit dem Staffelfinale von Person of Interest ein gigantischer Wendepunkt innerhalb der Serie ins Haus stehen!

Verfasser: Christian Junklewitz am Donnerstag, 8. Mai 2014
Episode
Staffel 3, Episode 22
(Person of Interest 3x22)
Deutscher Titel der Episode
Rache auf Eis
Titel der Episode im Original
A House Divided
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Dienstag, 6. Mai 2014 (CBS)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 25. August 2014
Regisseur
Chris Fisher

Schauspieler in der Episode Person of Interest 3x22

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?