Person of Interest 3x21

Person of Interest 3x21

Finch ist verschwunden. Um ihn aus der Reserve zu locken, versucht Decima, die eine Person in die Finger zu bekommen, die Harold mehr bedeutet als jede andere: Grace. Reese, Shaw und Root wollen sie beschützen.

Carrie Preston als Grace Hendricks in „Person of Interest“ / (c) CBS
Carrie Preston als Grace Hendricks in „Person of Interest“ / (c) CBS

Das passiert in der Person of Interest-Folge Beta:

Senator Garrison (John Doman) hat sich überzeugen lassen, Decima die New Yorker Überwachungsdaten für einen Beta-Test von Samaritan zur Verfügung zu stellen. Mr. Greer (John Nolan) und seine Leute haben auch bald schon die ersten Erkenntnisse zu terroristischen Gefahren in der Stadt. Doch lassen sie sich damit Zeit, sie auch zu melden. Schließlich soll der Beta-Test noch eine Weile laufen. Greer will ja weniger Terroristen, sondern vielmehr Finch (Michael Emerson) aufspüren. Dieser ist wie vom Erdboden verschwunden.

Auch Reese (Jim Caviezel) und Shaw (Sarah Shahi) haben keine Ahnung, wo er steckt. In Finchs Abwesenheit wendet sich die Maschine mit ihren Nummern direkt an Reese. Root (Amy Acker) warnt die beiden jedoch davor, dass Decima auch hinter ihnen her ist. Auf einmal befindet sich das Trio in der ungewohnten Situation, dass sie den Überwachungskameras aus dem Weg gehen müssen. Genau in diesem denkbar schlechten Moment hat die Maschine eine neue Nummer für sie: Grace Hendricks (Carrie Preston). Decima ist durch Samaritan der Tatsache auf die Schliche gekommen, dass zwischen ihr und Harold eine Verbindung besteht.

Einen ersten Entführungsversuch können Reese und Shaw zwar abwenden. Doch am Ende gerät sie schließlich doch in die Fänge von Mr. Greer, der sie nur gegen eine Person austauschen will: Harold.

In eigener Sache

Entschuldigung, dass das „Person of Interest“-Review in dieser Woche etwas länger auf sich hat warten lassen! Der Autor hat sich am Mittwoch auf einer Medientagung in München herumgetrieben. Mehr dazu am Freitag auf Serienjunkies.de.

Unvermeidlich

Es ist schon so wie Harold sagt: Letztlich war dieser Moment unvermeidlich. In Beta kommt Decima seiner Achillesferse auf die Spur: seine frühere Verlobte Grace, die er ja nur deshalb in dem Glauben gelassen hat, dass er bei dem Bombenanschlag vor vier Jahren gestorben ist, weil er gerade vermeiden wollte, dass sie wegen ihm zu Schaden kommt. Und nun passiert es also doch.

Das ist schlecht für Harold und das Team Machine. Das ist gut für den Zuschauer, weil es nicht nur Material für eine sehr spannende Folge liefert, sondern zugleich die Rückkehr von Carrie Preston bedeutet. Preston ist im wirklichen Leben die Ehefrau von Harold-Darsteller Michael Emerson. Und sie ist ein wahres Multitalent. Sie gehört zum Cast der HBO-Serie True Blood, hat eine wiederkehrende Rolle in The Following und ist für ihren Part als hyperintelligente, aber unkonzentrierte Anwältin Elsbeth Tascioni in The Good Wife gerade erst mit einem Emmy ausgezeichnet worden.

Grace

In Person of Interest bestand ihr Part bislang vor allem darin, der tragisch perfekte love interest für Harold zu sein. Grace ist die Frau, die wie keine andere zu ihm passt. Seine Seelenverwandte: intelligent, kultiviert, etwas in sich gekehrt, dabei aber zugleich ungemein lieb und verständnisvoll. Die Rückblenden, in denen wir die beiden zusammen gesehen haben (vor allem in Til Death), haben uns eine Liebe offenbart, die erwachsen und unschuldig zugleich ist. In der nicht gerade romantiklastigen Welt von Person of Interest gibt es kein süßeres Paar als Harold und Grace.

Zugleich war damit aber auch immer ein Stück weit die Funktion von Grace in der Serie definiert. In ihren Szenen ging es eigentlich nicht wirklich um sie, sondern immer darum, was Harold für die Maschine geopfert hat. Genau deshalb sticht Beta heraus, weil wir hier zum ersten Mal Grace selbst näher kennen lernen. Wir erfahren etwas über sie - und auch darüber, was Harold für sie bedeutet. Einer der ergreifendsten Momente der Folge ist die Szene, in der sie Greer von ihrem alkoholkranken Vater und ihrem quasi in die Wiege gelegten Misstrauen gegen andere Menschen erzählt, welches Harold überwunden hat. Er ist der Mensch, dem sie vertraut und von dem sie weiß, dass er ihr Vertrauen niemals missbraucht oder enttäuscht hätte.

Vertrauen

Berührend ist diese Szene nicht nur wegen des bewegenden Spiels von Preston, sondern auch wegen ihrer Worte, die beim Zuschauer einen eifrigen Abwägungsprozess in Gang setzen: Einerseits hat sie ganz und gar Unrecht. Harold hat sie auf die drastischste Art und Weise getäuscht, in er man nur einen anderen Menschen täuschen kann, indem er vorgibt, gestorben zu sein. Und natürlich fragen wir uns, was passieren wird, wenn Grace jemals die Wahrheit erfahren wird (insofern ist es etwas frustrierend, dass Greer ihr beim Austausch die Augen verbindet; auch wenn es verständlich ist, dass er Harold für sich einnehmen möchte - und wahrscheinlich mehr noch einen reibungslosen Austausch ohne emotionalen Aufruhr gewährleisten will).

Andererseits hat Grace aber auch irgendwo Recht: Harold würde alles für sie tun. Er würde sie eher aufgeben und in Trauer stürzen, als dass er es zulassen würde, dass ihr etwas passiert. Und er lässt sich, ohne mit der Wimper zu zucken, für sie austauschen. Weil sie für ihn der wichtigste Mensch auf Erden ist. Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang natürlich vor allem das, was Harold Reese und Shaw aufträgt. Er bittet sie, Gewalt zu vermeiden. Sollte Grace aber etwas passieren: „...then kill them all!“ Nur eine Folge, nachdem Finch es vehement abgelehnt hat, von der Maschine einen Mordauftrag entgegenzunehmen (der zu ihrer aller Besten gewesen wäre), erteilt er selbst einen! Das ist das Maß, mit dem zu ermessen ist, wie viel Grace ihm bedeutet.

Nervenstarke Künstlerin

Sie selbst erweist sich in Beta als eine überraschend starke Frau. Natürlich ist sie geschockt und verwirrt von dem, was da mit ihr und um sie herum passiert. Trotzdem gerät sie nicht in Panik. Sie bleibt umsichtig und aufmerksam. So fällt ihr etwa das Vermisstenplakat von Detective Stills auf, dessen Identität Reese gerne benutzt, wenn er sich als Polizist ausgibt. Auch gegenüber Greer behält Grace einen bemerkenswert klaren Kopf. Und riskiert sogar eine ziemlich kesse Lippe („Jetzt hören Sie mal zu, alter Mann...“). In der zarten Künstlerin steckt eine ganze Menge mehr, als man auf den ersten Blick glauben könnte!

Die Charaktermomente mit ihr (beziehungsweise mit Harold) sind das emotionale Rückgrat dieser Thriller-Folge. Weil es um Grace und damit um eine der wichtigsten persönlichen Beziehungen in Person of Interest geht, ist einer der wichtigsten Faktoren für die Spannung in Beta.

Die Kamera, Dein Feind

Der andere ist natürlich das Katz-und-Maus-Spiel, welches sich unsere Protagonisten mit Decima und dem New Yorker Überwachungsapparat liefern. Das, was uns allen eigentlich Sicherheit bringen soll, ist hier Ausgangspunkt der Bedrohung. Vor allem die Kameras, die uns auf Schritt und Tritt beobachten. Die Problematik des Überwachungsstaats, sie wird überaus greifbar in der kleinen Menschenjagd, die Decima hier veranstaltet.

In Finchs Abwesenheit ist es Root, welche die Abwehrmaßnahmen gegen Decima ersinnt - und dabei sogar von Fusco (Kevin Chapman) Anerkennung erhält. Er hält sie zwar immer noch für verrückt, er attestiert ihr jedoch auch, dass sie zu den „good guys“ gehört.

Kampfmaschine

Fusco spielt auch eine große Rolle in der vielleicht witzigsten Szene der Folge: Decima schickt einen vermeintlichen Bundesagenten ins Polizeirevier, der Grace abholen soll. Fusco führt ihn in ein Vernehmungszimmer, in dem jedoch schon Reese auf ihn wartet. Fusco schließt die Tür und lauscht feixend dem Kampfgetümmel. Ach, es muss herrlich sein, wenn man mit dem Terminator befreundet ist!

Ein schwieriges Manöver

Auszusetzen sind an Beta derweil eigentlich nur ein paar Kleinigkeiten. Die Bewachung der Decima-Anlagen erscheint überrraschend schwach. Von der bösen Über-Organisation sollte man eigentlich erwarten können, dass es etwas schwieriger ist, ihr sieben Server zu klauen. Auch die Unterkunft von Decima mit dem Samaritan-Aufbau kommt ein bisschen enttäuschend klein und amateurhaft daher. Das empfindet nicht nur Senator Garrison so.

Eine Augenbraue hebt sich außerdem angesichts des Lieblings-Stunts der Person of Interest-Macher. Wie schon mehrfach in der Vergangenheit (am prominentesten in Prisoner's Dilemma) wird wieder mal ein Auto seitlich im 90-Grad-Winkel gerammt. Das sieht ganz nett aus, erscheint aber doch reichlich unrealistisch. Also, ich bin kein Experte und hab das noch nie versucht... mir scheint aber doch, dass dieses Manöver unglaublich präzise Vorausberechnungen erfordert, damit man als Angreifer das Ziel nicht verfehlt.

Überholen und rammen oder auch entgegenkommen und rammen - auf jeden Fall: parallel fahren und rammen - scheinen mir persönlich die bedeutend erfolgversprechenderen Angriffsvarianten. Aber wie gesagt: ich behaupte kein Expertentum auf diesem Gebiet. Das ist nur mein laienhafter Eindruck.

Fazit

Eine sehr spannende und emotional sehr bewegende Folge mit einer tollen Gastdarstellerin! Person of Interest hält in einer durch und durch großartigen dritten Staffel konsequent auf den krönenden Abschluss zu.

Verfasser: Christian Junklewitz am Donnerstag, 1. Mai 2014
Episode
Staffel 3, Episode 21
(Person of Interest 3x21)
Deutscher Titel der Episode
Samaritan sieht alles
Titel der Episode im Original
Beta
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Dienstag, 29. April 2014 (CBS)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 18. August 2014
Regisseur
Fred Toye

Schauspieler in der Episode Person of Interest 3x21

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