Person of Interest 3x18

Das passiert in der Person of Interest-Episode Allegiance:
Shaw (Sarah Shahi) heftet sich einer neuen Nummer an die Fersen: Maria Martinez (Nazneen Contractor, 24) arbeitet für eine international operierende Energiefirma - und ist darauf spezialisiert, Stromanlagen in Krisenregionen aufzubauen. Als sie sich mit dem Bruder eines des Terrorismus verdächtigen Irakers trifft, fürchten Shaw und Reese (Jim Caviezel), dass Maria Teil einer Terrorzelle sein könnte. Finch (Michael Emerson) glaubt das nicht. Schließlich hätte die Maschine ihre Nummer sonst der Regierung gegeben. Shaw und Fusco (Kevin Chapman) beobachten, wie die Frau den UN-Flüchtlingskommissar LaPointe (Michael Gill) verfolgt. Doch statt einen Anschlag auf ihn zu verüben, versucht sie ihm lediglich Materialien zukommen zu lassen, die beweisen sollen, dass der inhaftierte Iraker unschuldig ist. Unmittelbar darauf gerät Maria selbst in das Visier von Fremdenlegionären.
Root (Amy Acker) verfolgt unterdessen die Spur von Mr. Greer (John Nolan). Sie ist davon überzeugt, dass es nur noch einen Weg gibt, die Inbetriebnahme von Samaritan zu stoppen. Indem sie Greer ausschaltet. Doch sie merkt schnell, dass es gar nicht so leicht ist, jemanden zu verfolgen, der genau weiß, wie die Maschine funktioniert - und Gegenmaßnahmen treffen kann...
Der Spoiler, der aus der Grafik kam
Wer am Ende der vergangenen Episode, Root Path, gut aufgepasst hat, der wird sich vielleicht erinnern, dass in der Computergrafik am Schluss eine Verbindungslinie vom Samaritan-Programm zu einer Bedrohung für jemanden namens Maria Martinez gezogen wurde (mit einer kalkulierten Todeswahrscheinlichkeit von 78,24 Prozent). Die Frage, wer Maria Martinez ist und was es mit der Bedrohung für sie auf sich hat, wird nun bereits eine Folge später, in Allegiance, aufgeklärt.
Zugleich ist allen, denen der Name bereits in der vergangenen Episode aufgefallen ist, natürlich klar, dass das, was hier zunächst wie ein Fall-der-Woche aussieht, in Wahrheit mit dem Samaritan-Plot in Verbindung steht. Ihnen entgeht damit ein bisschen der Überraschungseffekt, der sich für alle anderen Zuschauer einstellt, als Mr. Greer sich auf einmal mit Marias Boss Mr. Davis (Casey Biggs, Star Trek: Deep Space Nine) trifft. Aber dafür können sie sich selbst auf die Schulter klopfen - und sich an ihrer scharfen Beobachtungsgabe erfreuen... Das ist ja auch etwas wert!
Vielschichtig
Person of Interest stellt damit einmal mehr die eigene Vielschichtigkeit unter Beweis, mit der natürlich auch ganz unterschiedliche „Belohnungen“ für den Zuschauer einhergehen. Wer den Namen Maria Martinez schon in der vergangenen Woche entdeckt hat, der hatte in Allegiance einen kleinen Wissensvorsprung. Alle anderen konnten dagegen voll und ganz die Überraschung genießen, als sich herausstellt, dass die Stromgeneratoren, um die es in der Folge geht, einen neuen Verwendungszweck gefunden haben: als Energieaggregate für Samaritan.
UNO
Ein Punkt, der in Allegiance etwas für Verwirrung sorgt, ist sicherlich die UN-Thematik. Zumindest dem Rezensenten ging es so, dass er sich die ganze Zeit über gefragt hat, was die Vereinten Nationen mit der Genehmigung von Asylanträgen in den Vereinigten Staaten zu tun haben sollen. Das ist in der Episode stellenweise etwas missverständlich dargestellt. Tatsächlich geht es, wie LaPointe auch kurz erwähnt, darum, dass das UN-Flüchtlingskommissariat für die Prüfung zuständig ist, wer als Flüchtling im Sinne der entsprechenden internationalen Vereinbarungen zu gelten hat - und kann damit gegenüber den US-Behörden eine Art Empfehlung aussprechen. Nähere Informationen zu dem Thema finden sich auf der Seite des US-Flüchtlingskommitees USCRI.

Bedauerlich ist, wie schlecht die UNO in Allegiance wegkommt. Beide UN-Diplomaten, die wir in der Folge kennen lernen, stellen sich als korrupt und verbrecherisch heraus. Die Episode tut nicht gerade viel, um Fuscos schlechte Meinung - die wohl ein Stück weit typisch für den einfachen Joe American gelten darf - von den Vereinten Nationen zu korrigieren.
Weltgewandt
Nun ist es zwar erst mal grundsätzlich zu begrüßen, dass Person of Interest hier das Thema Weltgewandtheit (beziehungsweise deren Mangel) aufgreift. Sehr schön ist zum Beispiel die Szene im Lokal, als die - berufsbedingt weitgereisten - Shaw und Reese über das beste Schawarma (Bagdad oder Beirut?) fachsimpeln. Wir erfahren etwas über die iranischen Wurzeln von Shaw. Zugleich darf sie zwischendurch Fusco ermahnen, sich doch mal etwas mehr in der Welt umzuschauen. Ein wenig Bauchschmerzen bereitet allerdings, wie die Folge das Thema dann am Ende auflöst. Fuscos „Ach, die ganze Welt kommt doch nach New York“ ist doch eine ziemlich... amerikanische Sichtweise. Nun gut, es ist natürlich auch eine amerikanische Serie!
Nicht verschwiegen werden soll, dass besagte Szene im Hinblick auf die Figurenentwicklung natürlich wunderschön ist: Fusco lädt Shaw auf ein Glas Champagner zum iranischen Neujahrsfest ein - das ist eine zu Herzen gehende Geste! Umgekehrt sehen wir hier (wie zuvor auch im Gespräch mit Maria), dass sich Shaw wieder ein Stück weit mehr nach außen hin öffnet. Unter den Fans wird ja immer mal wieder die Frage diskutiert, ob und inwieweit Shaw eine Soziopathin ist. Gerade nach Allegiance muss diese Frage eigentlich negativ beantwortet werden. Ihre (sozialen) Gefühle und Kompetenzen mögen gedämpft sein (so wie es schon in Razgovor anklang), aber sie ist definitiv in der Lage zu anderen Menschen eine emotionale Beziehung herzustellen. Und das gelingt ihr von Folge zu Folge besser.
Root und ihr Partner mit der kalten Schnauze
Root hat gegenüber der vorangegangenen Episode eine etwas kleinere Rolle. Dessen ungeachtet ist jede einzelne Szene mit ihr, jede einzelne Dialogzeile ein unvergleichlicher Genuss! Angefangen damit, dass sie sich bei ihrem Verwechslungsopfer mit den Worten entschuldigt „O, ich dachte, sie wären mein Onkel“ (Greer-Darsteller John Nolan ist bekanntlich der Onkel von Person of Interest-Schöpfer Jonathan Nolan). Bis hin zu ihrem wunderbaren Verbalduell mit Greer. „Entweder Sie versuchen, Samaritan in Betrieb zu nehmen. Oder Sie sind der ehrgeizigste Gamer der Welt.“ Köstlich, einfach köstlich!
Beunruhigend ist, dass es am Ende so scheint, als würde Root zumindest über Greers Angebot nachdenken. Wird sie tatsächlich die Seite wechseln? Gerade nach Root Path und der gewachsenen Nähe zu Harold scheint dies eigentlich wenig wahrscheinlich. Andererseits ist sie viel zu unberechenbar, als dass man irgendetwas ausschließen könnte.
Fazit
Allegiance ist sicher nicht ganz so stark wie Root Path. So hoch wie das Niveau ist, auf dem Person of Interest derzeit spielt, kommt abei aber immer noch eine vorzügliche und höchst unterhaltsame Folge heraus. Mein Gott, allein das „Was ist denn schon dabei?“-Schulterzucken von John „Captain America“ Reese nach seinem Fenstersturz wäre das Einschalten wert gewesen!
Verfasser: Christian Junklewitz am Mittwoch, 26. März 2014(Person of Interest 3x18)
Schauspieler in der Episode Person of Interest 3x18
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