Person of Interest 3x10

Person of Interest 3x10

Selbst die zivilisatorisch aufgeklärtesten Zuschauer kommen kaum umhin, eines zu fordern: Simmons muss sterben! Er muss einfach! Er muss bekommen, was er verdient hat. Genau das denken auch Reese und Shaw.

Finster und zu allem entschlossen: Reese (Jim Caviezel). / (c) CBS
Finster und zu allem entschlossen: Reese (Jim Caviezel). / (c) CBS

Just when I think life with you people couldn't get any weirder one of you takes it to the next level...“ (Allein für Sätze wie diesen muss man Fusco einfach lieben!)

Das passiert in der Person of Interest-Folge The Devil's Share:

Eine Herzschlag. Eine Hoffnung. Könnte es sich bewahrheitet haben, was so viele Fans nach The Crossing ersehnt haben? Dass Carter (Taraji P. Henson) gar nicht tot ist? Doch die Hoffnung trügt. Es ist Reese (Jim Caviezel), dessen Lebenszeichen wir zu Beginn hören. Doch Reese lässt sich nicht lange ans Krankenbett fesseln. Unabhängig voneinander machen er und Shaw (Sarah Shahi) sich auf die Suche nach Simmons (Robert John Burke). Finch (Michael Emerson) erhält währenddessen von der Maschine Simmons' Nummer. Es ist ziemlich klar: einer seiner eigenen Leute will Simmons für den Mord an Carter umbringen.

Finch will das verhindern. Zugleich muss er Reese jedoch noch aus einem anderen Grund finden: denn dieser hat sich auf die Jagd nach Simmons begeben, obwohl er selbst immer noch an schwersten Verletzungen leidet, die ihn - unbehandelt - das Leben kosten könnten. Um Reese zu retten, bleibt Harold keine andere Wahl. Er muss sich an die eine Person wenden, deren Hilfe er auf keinen Fall in Anspruch nehmen wollte: Root (Amy Acker)...

Wer wird ihn töten?

Dass Simmons in The Devil's Share sterben würde, war im Grunde klar. Darüber konnte es im Vorfeld wohl keinen Zweifel geben. In diesem Sinne war die Folge von ihrem Ausgang her nicht spannend. Das, was die Folge spannend gemacht hat, war lediglich die Frage, wer es sein würde. Wer würde ihn ins Jenseits befördern? In gewisser Weise hat Person of Interest damit die Fragestellung der beiden letzten Folgen umgekehrt: dort war im Vorfeld die Erwartungshaltung geweckt worden, dass einer aus dem Team sterben würde, was die Frage nach dem Wer? Und Wie? offen ließ. Das tut The Devil's Share auch, aber eben genau mit der spiegelverkehrten Grundsituation. Wer wird Simmons töten?

Reese ist der offensichtlichste Kandidat dafür. Und tatsächlich lässt er sich in bester Terminator-Tradition von nicht und niemandem abbringen, Carter zu rächen. Er spürt Quinn (Clarke Peters) auf, der von einer ganzen Einheit US-Marshals bewacht wird. Die Beamten sind für Reese, obwohl er selbst übel zugerichtet ist, kein Problem. Er schaltet sie nacheinander aus. Er ist fest entschlossen, Quinn zu töten. Auch Finch kann ihn davon nicht abbringen, so sehr dieser auch an seinen Freund appeliert, dass Carter das nicht gewollt hätte. Am Ende ist es nur eine Fehlfunktion der in Blut getränkten Pistole, durch die Quinn mit dem Leben davonkommt.

Interviews

Über die Episode verteilt erhalten wir vier Rückblicke, in denen unsere verbliebenen PoI-Teammitglieder Finch, Shaw, Reese und Fusco (Kevin Chapman) an unterschiedlichen Punkten ihres Lebens beim Psychiater (beziehungsweise in einer vergleichbaren Interview-Situation sitzen) und über ihr Gefühlsleben Auskunft geben müssen. Über die Schuld, die Harold wegen Nathans Tod empfindet. Über die Gefühlskälte, mit der Shaw anderen Menschen begegnet. Über die Fähigkeit, rücksichtlos zu töten, die Reese für seinen Beruf braucht. Und über Fuscos Empfindungen, nachdem er zum ersten Mal im Dienst einen Menschen erschossen hat.

Fast jede dieser Sitzungen geht mit einer handfesten Überraschung einher: Shaw ist vor ihrer Agentenzeit also Ärztin gewesen (worauf mit Sicherheit niemand getippt hätte; auch wenn sie ihre medizinischen Fertigkeiten schon in Relevance) eindrucksvoll zur Schau stellen konnte). Reese legt kurzerhand seinen (verräterischen) Psychiater um, was die sicherlich eigentümlichste Wendung ist. Und Fusco offenbart eine dunkle, geradezu mordlustige Seite, die einen unwillkürlich fragen lässt, wie er unter diesen Umständen überhaupt diensttauglich geschrieben werden konnte (sofern der Psychiater nicht auf der Gehaltsliste von HR stand).

Badass Fusco

Und auf einmal erscheint es möglich, dass Fusco zum Rächer seiner Partnerin werden könnte. Tatsächlich lauert er Simmons auf. Doch statt ihn zu erschießen, fordert er ihn zum Faustkampf hinaus. Ehrlich, Fusco? Das klingt, selbst wenn man Simmons' angeschossene Schulter in Rechnung stellt, nach einem höchst, höchst riskanten Vorhaben! Fusco muss mächtig Prügel einstecken, doch am Ende kommt der Moment, der wohl so ziemlich jeden Person of Interest-Fan innerlich - oder sogar äußerlich - jubeln lässt: als Lionel seinem Kontrahenten mit einem Gewaltstreich den Arm bricht. Du brichst nie wieder irgendjemandem die Finger!

Die Stelle, die sich anschließt, hat der Rezensent zwei Mal gesehen - mit sehr unterschiedlichen emotionalen Reaktionen: beim ersten Mal bin ich enttäuscht gewesen. Dass Fusco Carter auf diese Weise rächt, wäre ein unglaublich aufwühlender und spannender Moment für die Figur gewesen. Dass die Autoren es ihn dann nicht tun ließen, kam mir falsch und wie eine billige Ausflucht vor. Vielleicht hatte ich aber auch nur Sorge, dass Simmons die Folge doch noch überleben konnte.

Nachdem ich jedoch wusste, dass Simmons am Ende das Zeitliche segnet, habe ich die Szene noch einmal gesehen. Und auf einmal schossen mir Tränen der Rührung in die Augen. Fusco hat ja vollkommen Recht: Carter hat ihn verändert. Von Reese ist er zu Beginn (und eigentlich die gesamte erste Staffel hindurch) zur Mitarbeit gezwungen und erpresst worden. Es war Carter, die ihm ein positives Vorbild gesetzt hat, wie ein guter Polizist sein kann. Sie hat ihm ihr Vertrauen geschenkt (zuletzt in Endgame, als sie ihm den Schlüssel zu den Beweisen in Aufbewahrung gegeben hat); das hat ihm immens viel bedeutet. Er hat dafür Folterqualen erduldet und hätte sogar seinen Sohn dafür geopfert. Nein, wenn jemand Carters Erbe in der Serie bewahren kann, dann ist das Fusco. Deshalb ist es völlig richtig, dass er Simmons nicht tötet.

Something... older

Dafür gibt es schließlich jemanden, der viel besser geeignet ist: Elias (Enrico Colantoni) mit seinem Freund Scarface (David Valcin) im Gepäck. Carter hat sein Leben gerettet, als HR ihn für die Russen aus dem Gefängnis geholt hat und ihn exekutieren wollte (God Mode). Sie hat ihn versteckt gehalten. Dafür steht er in ihrer Schuld. Elias mag in vielerlei Hinsicht ein skurpelloser Schwerverbrecher sein, aber er ist auch ein Mafioso alter Schule - mit einem ausgeprägten Ehr- und Gerechtigkeitsempfinden. Er ist genau der richtige Mann, um Simmons zu erledigen (beziehungsweise erledigen zu lassen - und genüsslich aus dem Schatten dabei zuzuschauen).

Erinnern wir uns an The Perfect Mark, als Elias Carter zur Weinprobe geladen hat. Ja, wenn er sagt, dass er sie mochte, ist das absolut glaubhaft. Er wusste sie zu schätzen, gerade weil sie sich bis zur letzten Konsequenz an die zivilisatorischen Regeln gehalten - und keinen einfachen Aus- oder Umweg gesucht hat. Das ist etwas, das Elias Respekt abnötigt. Zugleich gibt er sich damit selbst - wieder einmal - nicht nur als einer der kultiviertesten, sondern auch als einer der reflektiertesten Verbrecher-Gestalten im US-Fernsehen zu erkennen. Colantoni schafft es mit seiner Figur, mehr Ausstrahlung, mehr Faszination in zwei Minuten zu transportieren als viele andere Schauspieler im Laufe einer ganzen Folge.

Root

The Devil's Share ist im Grunde ein Rächerfilm - hart, blutrünstig, gut. Erzählerisch erstklassig konstruiert - angefangen bei dem ungewöhnlichen, musikalischen Einstieg (Johnny Cashs „Hurt“) bis hin zu der Zirkel-Struktur mit dem EKG, welches das erste und das letzte Bild der Folge ist. Die Dialoge sind wie gewohnt superb: pointiert, witzig, in einer reichen, abwechslungsreichen Sprache. Es macht Spaß, Person of Interest zu sehen. Aber Folgen wie diese unterstreichen auch noch mal: es macht ungemein Spaß, Person of Interest zu hören („That's theatrical amateur hour!“).

Für Harold hat die Folge eine ganz besondere Herausforderung in petto: will er nicht schon wieder - durch eigene (Mit-) Schuld - einen Freund verlieren, muss er Root, seine ehemalige Entführerin, freilassen und ihr - zumindest ein Stück weit - Vertrauen schenken. Das kann ihm nicht leicht fallen. Umso größer ist sein und unser Erstaunen, als Root die sich ihr bietende Möglichkeit zur Flucht nicht nutzt, sondern am Ende wieder artig in ihrem Käfig sitzt. Weil, wie sie sagt, der bevorstehende Kampf ihre vereinten Kräfte erfordert. Da kann man doch auf jeden Fall schon einmal sehr gespannt sein!

Fazit

The Devil's Share ist ein sehr gelungener Abschluss der großen HR-Trilogie. Eine Folge, die nicht nur von ihrem actiongeladenen Rächer-Plot, sondern vor allem von den starken, facettenreichen Figuren lebt, die sich nach Carters Tod in einer emotional extrem aufgeladenen Situation wiederfinden. Selbst Finch kann die Tränen kaum zurückhalten. Carter war, wie die Showrunner Jonathan Nolan und Greg Plageman sagen, das Herz der Serie. Ihr Verlust ist ein Einschnitt, der noch lange zu spüren sein wird. Um so schöner und ergreifender ist es zu sehen, dass zumindest Fusco (der in dieser Folge wieder einmal absolut brillante Kevin Chapman!) fest entschlossen scheint, ihr Andenken zu bewahren und in ihrem Sinne zu handeln.

Ganz ehrlich: Im Augenblick bin ich geradezu froh, dass Person of Interest jetzt drei Wochen Pause einlegt. So haben meine Lebenszeichen eine Chance, sich nach dieser mitreißenden Tour de Force ein wenig zu erholen...

Verfasser: Christian Junklewitz am Donnerstag, 28. November 2013

Person of Interest 3x10 Trailer

Episode
Staffel 3, Episode 10
(Person of Interest 3x10)
Deutscher Titel der Episode
Teufels Beitrag
Titel der Episode im Original
The Devil's Share
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Dienstag, 26. November 2013 (CBS)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 2. Juni 2014
Regisseur
Chris Fisher

Schauspieler in der Episode Person of Interest 3x10

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?