Person of Interest 3x11

Person of Interest 3x11

Das Team steht immer noch unter Schock. Doch die nächste Nummer lässt nicht lange auf sich warten: Ein IT-Experte, der wegen eines Hirntumors ohnehin nicht mehr lange zu leben hat. Wer könnte es auf ihn abgesehen haben?

Genies unter sich: Finch (Michael Emerson, l.) und Claypool (Saul Rubinek, r.) / (c) CBS
Genies unter sich: Finch (Michael Emerson, l.) und Claypool (Saul Rubinek, r.) / (c) CBS

Das passiert in der Person of Interest-Folge Lethe:

Carters Tod macht allen schwer zu schaffen. Reese (Jim Caviezel) hat sich, kaum dass er wieder senkrecht steht, nach Colorado abgesetzt, wo er sich in der Bar, die sein Vater früher immer aufsuchte, volllaufen lässt. Finch (Michael Emerson) zürnt der Maschine und ignoriert ihre Anrufe, während Shaw (Sarah Shahi) ungeduldig auf die nächste Mission wartet. Es ist Root (Amy Acker), die Finch schließlich dazu bewegt, sich auf die nächste Nummer einzulassen. Und diese hat es gleich in sich: Arthur Claypool (Saul Rubinek, Warehouse 13) wird wegen eines Gehirntumors im Krankenhaus behandelt. Er hat nur noch Wochen zu leben. Trotzdem scheint es jemand auf ihn abgesehen zu haben.

Shaw fällt es gar nicht so leicht, überhaupt an Arthur heranzukommen, da er von einer Abordnung des Secret Service bewacht wird. Soll diese ihn vor einer Gefahr beschützen? Oder geht es darum, dass die Agenten ihn am Ausplaudern von Regierungsgeheimnissen hindern sollen? Denn Arthur hat als IT-Fachmann für die NSA gearbeitet. Und durch den Hirntumor ist in seinem Verstand Einiges durcheinander geraten. Seine Frau Diane (Camryn Manheim, The Practice) scheint er völlig vergessen zu haben. Dafür spricht er jedoch immer mal wieder gerne über frühere Projekte, an denen er gearbeitet hat. Finch hält derweil auffallend Distanz zu ihm...

Kein Durchatmen

Nach dem Abschluss des großen HR-Handlungsbogens in The Devil's Share hätte es wohl niemand übel genommen, wenn die Serie in Lethe einfach mal wieder einen Fall-der-Woche eingestreut hätte. So zum Durchatmen. Ein bisschen männliche Trauer-Bewältigung mit Reese und Fusco (Kevin Chapman) in Colorado. Ein bisschen Finch-und-Shaw-müssen-sich-allein-zusammenraufen. Dazu die Flashbacks in Harolds Kindheit und Jugend. Das hätte bereits eine schöne Folge ergeben.

Doch damit geben sich die Macher von Person of Interest nicht zufrieden. Kaum haben sie einen großen Handlungsbogen zu Ende gebracht, da fangen sie schon den nächsten an. Beziehungsweise setzen gleich zwei bereits früher eingeführte Handlungsstränge fort. Denn Ungemach droht Arthur gleich von zwei Seiten: Die Vigilants um Collier (Leslie Odom Jr. wollen ihn entführen, um hinter die Geheimnisse der NSA zu kommen. Hinter seiner Bewachung durch den Secret Service stehen wiederum Hersh (Boris McGiver) und Arthurs vermeintliche Ehefrau, die sich in Wahrheit als Control herausstellt.

Control

Diese Wende am Schluss ist nicht hundertprozentig überraschend. Das hochkarätige Casting mit Manheim deutete schon an, dass es mit ihrer Rolle etwas Besonderes auf sich hat. Zumindest dem Rezensenten ging es so, dass er während des Anschauens der Folge zwischen zwei Hypothesen schwankte: Entweder Diane würde sich als eine irgendwie geartete Verräterin/Spion herausstellen, was - wie sich dann ja auch tatsächlich erwies - der Grund dafür war, warum Arthur sich nicht an sie erinnern konnte. Oder aber es würde - im Einklang mit dem generellen Oberthema der Folge Erinnern/Vergessen - am Ende zu einem Moment kommen, in dem Arthur sich schließlich doch an seine Frau erinnert. Was im Rahmen von Person of Interest zwar vielleicht ungewohnt rührselig, aber letztlich doch möglich gewesen wäre, wenn die Autoren auf die Bedeutung von Partnerschaft hätten abzielen wollen (was ja für Harold eine durchaus interessante Einsicht hätte sein können: statt auf eine Maschine zu setzen, die dem Vergessen entgegenwirkt, den menschlichen Faktor zu berücksichtigen).

Stattdessen erfahren wir, dass Diane in Wahrheit Control ist. Das ist auf jeden Fall eine Überraschung; hatten doch viele Fans (der Rezensent eingeschlossen) geglaubt, sie hätten am Ende von God Mode die Stimme von Kate Mulgrew erkannt. Doch es ist Manheim, welche also die Chefin des „Northern Lights“-Programms spielt. Und sie ist hinter Samaritan her, einer Maschine, die Arthur im Begriff gewesen ist zu bauen, als sein alter Studienfreund Harold ihm unbekannterweise zuvor gekommen ist. Control will die Kontrolle über mindestens eine der beiden Maschinen erlangen. Da Harolds Maschine nach unserem letzten Kenntnisstand immer noch brav die relevanten Nummern abliefert, kann es ihr dabei wohl kaum um die viel beschworene Landesverteidigung vor terroristischen Gefahren gehen. Vielmehr dürfen wir jetzt schon annehmen, dass sie die Fähigkeiten der Maschine(n) zu eigenen Zwecken einsetzen will.

Die zweite Maschine

Immerhin zeichnet sich mit Lethe ab, worin der große Kampf bestehen könnte, von dem Root bereits seit einiger Zeit spricht: Wenn es tatsächlich eine zweite Maschine gibt, die in ihrer Funktionalität im Prinzip dem entspricht, was Harold gebaut hat, und die falschen Leute bekämen sie in die Hände... dann wäre das wohl nicht gut.

(Die Frage, wie Root und die Maschine derzeit kommunizieren, obwohl Root doch in einem Farraday'schen Käfig sitzt, stellen wir mal für den Augenblick zurück - als etwas, worauf die Serie sicher noch zu einem späteren Zeitpunkt eingehen wird.)

Demenz

Saul Rubinek gibt ein gleichermaßen überzeugendes wie sympathisches Genie mit Gedächtnisproblemen ab, dem man als Zuschauer ohne weiteres zutraut, in einer Liga mit Finch zu spielen. Apropos Finch: der Rückblick in seine Kindheit und Jugend ist durchaus aufschlussreich („If they don't want you to get inside they ought to build it better...“), wenngleich die Geschichte mit seinem an Demenz erkrankten Vater (Tuck Milligan) vielleicht ein bisschen sehr küchenpsychologisch geraten ist (Finch fängt an, sich mit Computern zu beschäftigen, um künstlich das abnehmende Gedächtnis seines Vaters auszugleichen).

Sehr gelungen ist dagegen das Zusammenspiel zwischen ihm und Shaw, welches mittlerweile schon viel reibungsloser funktioniert als noch zu Beginn der Staffel. Auch gelingt es ihr, sich viel besser auf andere Menschen einzulassen; nehmen wir nur einmal das Gespräch mit „Diane“, in dem sie nur einmal ihre wahre Natur („Talking is overrated“) durchscheinen lässt und sich ansonsten recht gut in die Rolle der mehr oder weniger einfühlsamen Gesprächspartnerin begibt.

Fusco the Great

Die beste Charakter-Szene hat jedoch ohne Frage Fusco, der - mit etwas Hilfe von Finch - Reese nach Colorado gefolgt ist und ihn an der Bar zur Rede stellt. Die gesamte erste Staffel und auch noch ein gutes Stück die zweite Staffel hindurch ist Fusco stets gegenüber Reese in einer unterlegenen Position gewesen. Doch hier an der Bar verkehrt sich das Verhältnis der beiden auf einmal ziemlich radikal ins Gegenteil. Während Reese seinen Kummer im Alkohol zu ertränken versucht, ist Fusco der Standhafte, der im Gespräch die Oberhand hat - und schließlich sogar Reese zu einem Faustkampf herausfordert. Mein Gott, die Schlägerei mit Simmons (Robert John Burke) in The Devil's Share scheint seinem Selbstvertrauen ja sehr gut getan zu haben. Fast etwas zu gut! Er kann wohl von Glück sagen, dass Reese schon ziemlich einen in der Krone hat. Anders hätte er wohl ein deutlich größeres Problem.

Lethe endet mit zwei Cliffhangern: Finch, Shaw und Arthur sind in den Händen von Hersh und Control. Und Reese und Fusco sind nach ihrer Prügelei im Regen mit anschließender Polizei-Begegnung kaum in einer Lage, dass sie ihren Freunden helfen könnten.

Fortsetzung folgt... Anfang Januar.

Fazit

Eine Folge, die uns erst glauben lässt, wir bekämen es mit einem normalen Fall-der-Woche zu tun, uns dann jedoch sehr zügig in den nächsten großen Handlungsbogen verwickelt, dabei die Konsequenzen, die sich aus Carters Tod ergeben, aber nicht ignoriert. Ja, es hat schon seine Gründe, warum Person of Interest für mich zu den besten Serien des Jahres zählt „55989“.

Verfasser: Christian Junklewitz am Mittwoch, 18. Dezember 2013
Episode
Staffel 3, Episode 11
(Person of Interest 3x11)
Deutscher Titel der Episode
Fluss des Vergessens
Titel der Episode im Original
Lethe
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Dienstag, 17. Dezember 2013 (CBS)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 9. Juni 2014
Autor
Raquel Cassidy
Regisseur
Richard J. Lewis

Schauspieler in der Episode Person of Interest 3x11

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