Person of Interest 2x04

Person of Interest 2x04

Wer hat es eher verdient, von Reese beschützt zu werden: ein Mafia-Schläger oder eine unschuldige Frau? Vor diesem Dilemma stehen die Protagonisten in Triggerman, einer neuen Folge von Person of Interest.

Handfeste Aussprache zwischen Riley (Jonathan Tucker, l.) und Reese (Jim Caviezel, r.). / (c) CBS
Handfeste Aussprache zwischen Riley (Jonathan Tucker, l.) und Reese (Jim Caviezel, r.). / (c) CBS

Das passiert in der Person of Interest-Folge Triggerman:

Eine neue Nummer führt Finch (Michael Emerson) und Reese (Jim Caviezel) zu Riley Cavanaugh (einmal irische Mafia, immer irische Mafia: Jonathan Tucker, The Black Donnellys), der als Schläger für den irischen Mafiagangster George Massey (Kevin Conway) arbeitet. Anfangs sieht alles nach einer klaren Sache aus: Riley soll gemeinsam mit Masseys Sohn Eddie (Matt McTighe) die aufmüpfige Serviererin Annie (Liza J. Bennett) zum Schweigen bringen. Reese will das verhindern.

Doch die Dinge liegen ganz anders, als zunächst gedacht: Riley ist in Wahrheit mit Annie zusammen - und denkt wohl schon länger darüber nach, Masseys Organisation zu verlassen, weshalb er auch schon etwas Geld auf die Seite gebracht hat. Massey weiß davon - und will, dass sein Sohn den Abtrünnigen umbringt. Doch Riley ist schneller. Er tötet Eddie und begibt sich mit Annie auf die Flucht. Massey setzt ein Kopfgeld von einer Million Dollar auf die beiden aus. Und Reese hat auf einmal beide Hände voll zu tun, um die beiden vor einem Ansturm von Auftragsmördern zu beschützen. Er und Finch sehen sich deshalb sogar gezwungen, sich hilfesuchend an einen alten Bekannten zu wenden, den sie selbst hinter Gittern gebracht haben...

Ein würdiger Gegner

Allein die Nennung von Enrico Colantoni in der Auflistung der Gaststars ist bereits dazu geeignet, den Person of Interest-Fan in Aufregung zu versetzen. Schließlich verkörpert Colantoni mit dem geradezu unheimlich mächtigen und doch zugleich ungemein kultivierten und zurückhaltenden Mafiaboss Elias eine der faszinierendsten Figuren der Serie - und einen in jeder Hinsicht würdigen Gegner für Finch und Reese. Und die Zuschauer werden nicht enttäuscht. Colantonis Screen Time fällt zwar vielleicht ein wenig kurz aus. Doch das ist im Rahmen der Folge auch absolut in Ordnung.

Für die Episodenhandlung ist der Auftritt von Elias von eher untergeordneter Bedeutung. Viel wichtiger scheint es den Produzenten zu zeigen, dass sie ihn nicht vergessen haben - und dass mit Sicherheit noch mehr von ihm zu erwarten ist. So, wie er die Gefängniswärter kommandiert, hat er die Dinge in seiner neuen Unterkunft ja offenbar sehr gut im Griff - und hat nichts von seinem Einfluss verloren. Die erste Begegnung zwischen Finch und Elias, beide auf ihre Weise Masterminds des Verbrechens beziehungsweise der Verbrechensbekämpfung, ist natürlich ein ganz besonderer Moment in der Serie. Und Colantoni lässt in seinem Spiel deutlich die Freude hervorscheinen, die Elias darüber empfindet, einen ebenbürtigen Kontrahenten vor sich zu haben. Dass die beiden am Ende zu Schachpartnern werden, unterstreicht die intellektuelle Qualität ihrer Gegnerschaft - und lässt einen (im positiven Sinne) an Professor Xavier und Magneto in „X-Men“ denken.

Bad Code

Der Fall-der-Woche in Triggerman ist sicher nicht überragend, aber doch solide und spannend erzählt. Sehr schön ist vor allem gleich zu Beginn der Twist, dass ausgerechnet ein Mafia-Schläger derjenige ist, den es zu beschützen gilt. Das stellt Finch und Reese vor das nicht zuletzt moralische Dilemma, wessen Rettung wichtiger ist: die von Riley oder die von Annie? Dabei vertritt Harold eine etwas überraschende Auffassung: Hatte er in Flesh and Blood noch den Schutz für die New Yorker Mafiapaten damit begründet, dass er und Reese nach einem höheren moralischen Standard streben sollten, ist davon hier nicht mehr viel zu spüren. Stattdessen ist er in Triggerman der Meinung, dass sie die unschuldige Frau beschützen und den Mafioso sich selbst überlassen sollten.

Das ist ein verblüffender Wandel. Oder so verblüffend auch wieder nicht. Denn die Folge zeigt ja deutlich, wessen Kind dieser Gedanke ist: So rutscht Harold in einer Szene heraus, dass Riley doch nichts weiter sei als „bad code“. Oha. Harolds Phobie, das Haus zu verlassen, hat sich inzwischen zwar etwas gelegt, Root (Amy Acker) spukt ihm aber offenkundig immer noch im Kopf herum (in einer Einstellung von Harolds PC-Monitor sieht man auch ihr Foto in einem der geöffneten Fenster). Das ist das Tolle an Person of Interest: Seine Befreiung liegt zwar jetzt schon zwei Episoden zurück, die Folgen seiner Entführung sind jedoch immer noch spürbar.

John, der selbst schon seine Erfahrungen als Killer gemacht hat, bringt für Riley bedeutend mehr Empathie auf. Entsprechend überraschend ist es, dass es ihm am Ende nicht gelingt, auch ihn zu retten. Als der Killer auf Riley anlegt, wartet man regelrecht auf die Rettung in letzter Sekunde, die jedoch ausbleibt. Allerdings hätte es nach der Enthüllung, dass Riley Annies Mann ermordet hat, wohl ohnehin kein Happy End mehr zwischen den beiden gegeben. So dass sich die Autoren lieber entschieden haben, Riley einen noblen Tod in der Schießerei finden zu lassen, nachdem er sichergestellt hat, dass John zuerst Annie in Sicherheit gebracht hat.

Details

Was eine gute von einer weniger guten Serie unterscheidet, ist nicht zuletzt der Blick für die Details, welche erst ein Gefühl für die Stimmigkeit einer Geschichte hervorrufen. In Triggerman findet Finch - nicht durch Voodoo, sondern durch Trigonometrie - über ein Bild, das er auf Annies Computer entdeckt hat, das Gebäude, von dem aus das Foto aufgenommen wurde. Viele Serien hätten es dabei bewenden lassen - und darauf vertraut, dass der Zuschauer dem keine weitere Aufmerksamkeit schenkt. Nicht so Person of Interest. Bei der anschließenden Szene auf dem Dach sehen wir im Hintergrund, dass das Foto tatsächlich von hier aus aufgenommen worden ist.

Ebenfalls in die Kategorie Details fällt die Rückkehr von Detective Szymanski (Michael McGlone), der glücklicherweise von seiner Schussverletzung in Baby Blue) genesen ist. Es wäre ein Leichtes für die Produzenten, kleine Nebenrollen wie diese namenlos zu halten und mit wechselnden Schauspielern zu besetzen. Dass sie es nicht tun, verleiht der Serie jedoch ein Gefühl der Kontinuität und auch der Authentizität. Carter (Taraji P. Henson) wechselt schließlich auch nicht alle Nase lang die Abteilung, warum sollte es an anderen Stellen des Reviers anders sein. Entsprechend ist es ganz natürlich, dass sie, wenn sie es mit Fällen zu tun bekommt, in denen es um organisiertes Verbrechen geht, sie auch immer wieder auf die gleichen Kollegen trifft.

Fazit

Schöne, solide Folge, die einen mit großer Spannung und Neugier darauf warten lässt, was wohl Elias' nächster Zug sein wird.

Trailer zu Folge 2x05 „Bury the Lede“

Verfasser: Christian Junklewitz am Samstag, 27. Oktober 2012
Episode
Staffel 2, Episode 4
(Person of Interest 2x04)
Deutscher Titel der Episode
Finger am Abzug
Titel der Episode im Original
Triggerman
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Donnerstag, 25. Oktober 2012 (CBS)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Dienstag, 16. Juli 2013
Autor
Erik Mountain
Regisseur
James Whitmore Jr.

Schauspieler in der Episode Person of Interest 2x04

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