Person of Interest 2x03

Person of Interest 2x03

Harold ist zwar aus den Fängen von Root befreit. So ganz genesen ist er von den Folgen der Entführung allerdings noch nicht. Auch wenn er gerne so tun würde, als wäre er es. Das ist nur eine Masquerade, von der die Folge handelt.

Reese (Jim Caviezel, r.) ist der neuen „Person of Interest“ und deren Bodyguard auf der Spur. / (c) CBS
Reese (Jim Caviezel, r.) ist der neuen „Person of Interest“ und deren Bodyguard auf der Spur. / (c) CBS

Das passiert in der Person of Interest-Folge Masquerade:

Harold (Michael Emerson) ist von der Entführung immer noch sehr mitgenommen. Mehr als er sich selbst zunächst eingestehen will. Trotzdem muss die Arbeit weitergehen. Denn die Maschine liefert schon wieder eine neue Nummer. Diesmal handelt es sich bei der Person of Interest um die Tochter (Paloma Guzman) des brasilianischen Botschafters (Gary Perez), dem Ambitionen auf die Präsidentschaft in seine Heimatland nachgesagt werden. Das macht seine Tochter natürlich zu einer möglichen Zielscheibe. Reese (Jim Caviezel) schleicht sich als Bodyguard in die Botschaft ein, um die junge Dame beschützen zu können. Was jedoch gar nicht so leicht ist, da es sich um eine höchst widerspenstige Person handelt.

Fusco (Kevin Chapman) hat unterdessen im Hotelzimmer der ermordeten Alicia Corwin (Elizabeth Marvel) einige Beweisstücke gefunden, welche Hersh (Boris McGiver) offenbar entgangen sind. Carter (Taraji P. Henson) will die Untersuchungen zu Corwin weiterführen, auch wenn Fusco ihr davon dringend abrät. Ihm erscheint die Sache, in die sie dort geraten, eine Nummer zu groß. Das er damit Recht haben könnte, merkt Carter, als sie in der Gerichtsmedizin dem Leichnam der Ermordeten einen Besuch abstatten will - und dort auf den CIA-Agenten Mark Snow (Michael Kelly) trifft...

Diplomaten-Göre

Man kann sich Masquerade auf drei unterschiedliche Weisen nähern. Erstens, über den Fall der Woche, der leider - da gibt es nichts zu beschönigen - ziemlich enttäuschend ist. Die Story um das reiche, verzogene Mädchen, welches ja ach so verloren ist in der Welt, ist nach den Maßstäben von Person of Interest schrecklich klischeehaft und ohne die gewohnten Twists und Finessen umgesetzt. Dass es in Wahrheit nicht um die politischen Ambitionen ihres Vaters, sondern um die Folgen ihrer privaten Eskapaden geht, ist sehr schnell klar. Auch sonst halten sich die Plotwendungen in sehr bescheidenen und vorhersehbaren Grenzen.

Da hat Melissa Scrivner-Love, die in der zweiten Staffel neu zum Autorenteam von Person of Interest hinzugestoßen ist, nachdem sie zuvor bei CSI: Miami tätig war, wahrlich kein Glanzstück abgeliefert. Oder sie hat einfach nur, als im Writers Room die Folgen an die Autoren vergeben wurden, den Kürzeren gezogen.

Wenigstens taugt der Plot, um den Zuschauer dann und wann zum Lachen zu bringen. Vor allem in den Momenten, in denen Reese seine Überlegenheit ausspielt. Man denke nur daran, wie er den Job als Bodyguard dadurch bekommt, dass er allen seinen Mitbewerber vorher die Brieftaschen geklaut hat. Und natürlich sind auch die Szenen nicht schlecht, in denen er der Diplomaten-Göre mal zeigt, wo es lang geht. Ansonsten kann man sich den Fall der Woche ziemlich schenken.

Kuck mal wer da humpelt!

Zweitens ist da aber auch noch der Plot um Carters Ermittlungen zu Alicia Corwin. Und hier wird die Folge schon bedeutend interessanter. Wenn man einmal von der Unlogik absieht, dass Hersh zwar alle Beweise aus dem Polizeirevier hat verschwinden lassen, ebenso mittlerweile den RFID-Chip aus Alicias Arm, aber nicht daran gedacht hat, sich ihr Hotelzimmer anzuschauen. Ansonsten macht Person of Interest hier genau das, was die Serie mit am besten kann: Handlungsstränge miteinander verknüpfen, von denen dem Zuschauer bislang gar nicht so richtig bewusst war, dass sie miteinander in Verbindung stehen.

Der Alicia-Handlungsstrang drehte sich schließlich bislang hauptsächlich um jene Gruppe von Verschwörern innerhalb der Regierung, welche die Kontrolle über die Maschine zu erlangen sucht. Plötzlich humpelt jedoch Agent Snow auf die Bildfläche, den wir zuletzt in Matsya Nyaya gesehen haben. Was uns nicht nur daran erinnert, dass es da ja noch einen Cliffhanger gibt, der bislang nicht aufgelöst wurde, sondern auch daran, dass es in besagter Folge Alicia gewesen ist, die Reese und seiner damaligen Kollegin Cara (Annie Parisse) den Auftrag gegeben hatte, einen Laptop mit einem Stuxnet-ähnlichen Virus aus China zurückzuholen. Schon damals lag die Spekulation in der Luft, dass es sich dabei in Wahrheit um eine Komponente der Maschine gehandelt haben könnte. Ein Verdacht, der jetzt näher liegt, denn je.

Was diesen Plot so unterhaltsam macht, ist das undurchschaubare Dickicht aus unterschiedlichen Parteien, die darin involviert sind - und dabei je eigene Interessen verfolgen. Cara will wissen, was hinter jener fatalen China-Mission steckte. Deshalb setzt sie den mittels eines Bombengürtels rekrutierten Agent Snow als Ermittler ein. Die CIA wiederum will wissen, wo Snow abgeblieben ist. Die Verschwörer wollen verhindern, dass irgendeine Information über die Maschine nach außen dringt. Und Carter würde einfach nur gerne verstehen, was überhaupt um sie herum vorgeht.

Es ist eben diese Komplexität, die Person of Interest so spannend macht - und der Serie auch ein besonderes Gefühl der Authentizität gibt. Denn die Zuschauer sind sich wohl mehr und mehr der Tatsache bewusst, dass auch in der Welt um sie herum zumeist nicht einfach nur zwei entgegengesetzte Kräfte, nach dem Muster Gut vs. Böse, am Werke sind, sondern zahlreiche, einander kreuzende Einflussfaktoren. Diese Einsicht spiegelt sich in der Narration von Person of Interest wider.

Muss es wirklich Bier sein?

Schließlich gilt es, in Masquerade noch einen dritten Punkt zu würdigen: Das Verhältnis von Reese und Finch nach der Entführung. In vielen Serien wäre man umstandslos zur Tagesordnung übergegangen und hätte ignoriert, welch ein einschneidendes Ereignis eine gewaltsame Entführung für eine der Figuren ist. Nicht aber Person of Interest. Die Serie nimmt die traumatischen Konsequenzen für Harold ernst - und beleuchtet eingehend, wie sich die Beziehung von Reese und Finch in Folge dessen verändert hat. Gegenüber Harold gibt sich John jetzt geradezu fürsorglich. Dass er nach wie vor Root (Amy Acker) auf der Spur ist, versucht er von ihm möglichst fernzuhalten. Gleichzeitig wird deutlich, dass der Grund, warum Bear nun bei Harold lebt, wohl weniger in Johns Mietvertrag als vielmehr in dem Umstand zu suchen ist, dass er einen ständigen Schutz bei Harold wissen will. Und wenn es „nur“ ein Hund ist.

Das hat, gerade weil es von Mr. Terminator kommt, etwas ungemein Rührendes. In seinem Gespräch mit Sofia hebt John schließlich die Dankbarkeit hervor, die er Harold gegenüber empfindet, und nennt ihn explizit einen Freund. Es ist kaum anzunehmen, dass John vergessen hat, dass Harold das Gespräch mithören kann. Und der rasche Schnitt auf Harold legt sogar nahe, dass diese Worte für dessen Ohren bestimmt gewesen sind. John demonstriert eindringlich, dass er für Harold da ist. Dieser wiederum revanchiert sich gewissermaßen, indem er sich mehr und mehr mit dem anfangs wenig geliebten Hund in seiner Wohnung anfreundet. Und schließlich sogar Johns Einladung annimmt, etwas trinken zu gehen. Es ist einfach schön zu sehen, wie die beiden im Anschluss an Harolds Entführung näher zusammenrücken.

Fazit

Masquerade ist ein gemischtes Vergnügen: Ein Fall der Woche, den man getrost abhaken kann. Ein sehr gelungenes Aufgreifen des fast schon in Vergessenheit geratenen Cliffhangers aus Matsya Nyaya. Und ein sehr berührender Blick auf die Freundschaft der beiden Protagonisten. Plus: eine überarbeitete Version des Vorspanns, mit der zumindest der Rezensent noch nicht so ganz warm geworden ist.

Trailer zu Folge 2x04 „Triggerman“

Verfasser: Christian Junklewitz am Samstag, 20. Oktober 2012
Episode
Staffel 2, Episode 3
(Person of Interest 2x03)
Deutscher Titel der Episode
Maskerade
Titel der Episode im Original
Masquerade
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Donnerstag, 18. Oktober 2012 (CBS)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Dienstag, 9. Juli 2013
Autor
Melissa Scrivner-Love
Regisseur
Jeffrey G. Hunt

Schauspieler in der Episode Person of Interest 2x03

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