Person of Interest 1x16

Person of Interest 1x16

Ein Börsenhändler ist für Finch und Reese die neue Person of Interest. Wir lernen, dass Leerverkäufe einen sehr reich machen, aber auch in Lebensgefahr bringen können, was für eine ebenso spannende wie sympathische Folge gut ist. Und das ist kein leeres Versprechen.

Diese „Person of Interest“ lässt sich nur ungern in die Karten schauen... / (c) CBS
Diese „Person of Interest“ lässt sich nur ungern in die Karten schauen... / (c) CBS

Leerverkäufe (englisch short sales) sind eine Strategie an den Finanzmärkten: Man verkauft Aktien, die man noch gar nicht besitzt, mit dem Versprechen, sie zu einem bestimmten Zeitpunkt in der Zukunft, bis zu dem man die Aktie selbst erworben haben muss, an den Käufer zu liefern. Steigt der Preis der Aktie in der Zwischenzeit, ist man in den Allerwertesten gekniffen, weil man für die Aktie mehr Geld ausgeben muss, als man eingenommen hat. Man macht also Verlust. Fällt der Preis der Aktie dagegen, kann man einen hübschen Gewinn einstreichen, da man sie für mehr Geld verkauft hat, als man selbst dafür bezahlen musste. Leerverkäufe sind also stets eine Wette auf fallende Kurse.

Wegen der hohen Risiken, die mit diesen Wetten verbunden sind, sind sogenannte ungedeckte Leerverkäufe in Deutschland seit 2010 verboten. Auch in anderen Ländern gibt es Bestrebungen, Leerverkäufe zu regulieren oder gänzlich zu verbieten, gegen die sich jedoch der Finanzmarktsektor mit aller (Lobby-) Macht stemmt.

Dieser kleine Grundkurs in aktueller Wirtschaftskunde ist vielleicht ganz nützlich, wenn man die jüngste Folge von Person of Interest verstehen will: Eine neue Nummer führt Reese (Jim Caviezel) und Finch (Michael Emerson) auf die Spur von Adam Saunders (Matt Lauria), einem jungen, aufstrebenden Börsenhändler bei einer großen Wall-Street-Investmentfirma. Um mehr über Saunders zu erfahren, gibt Finch vor, als Vermögensverwalter für einen großen Investor zu arbeiten.

Schnell merken er und Finch, dass sie nicht die einzigen sind, die sich für Saunders interessieren. Ein Beamter der US-Finanzaufsicht ist ihm auf den Fersen. Dabei geht es um Vorwürfe des Insider-Handels (die Leerverkaufswetten sind natürlich bedeutend risikoloser, wenn man vor allen anderen Marktteilnehmern über Insider-Wissen verfügt, welches einem eine sichere Vorhersage des Kursverlaufs ermöglicht; Insider-Handel ist deshalb verboten). Und das ist noch nicht alles: Irgendjemand hört Saunders' Telefon ab und verübt schließlich sogar einen Mordanschlag auf ihn. Was steckt dahinter?

Mit Risk liefert Person of Interest in dieser Woche einen spannenden Wirtschaftskrimi, in dem es letzten Endes weniger darum geht, ob es Finch und Reese gelingt, das Leben des jungen Börsenhändlers zu retten, sondern darum, ein - gar nicht mal so weit von der Realität entferntes - Betrugsmanöver zum Schaden argloser Anleger zu verhindern.

Die Folge wirft einen kritischen Blick auf die Welt der Hochfinanz, ohne dabei jedoch ins Dozieren oder Moralisieren zu geraten. Die Motivation des Finanzaufsehers, der - ohne irgendeine echte Macht oder Befugnis ausgestattet - resigniert und lieber die Seiten wechselt, als sich weiter von irgendwelchen elitären Schnöseln demütigen zu lassen, ist sehr gut nachvollziehbar. Nicht nur an dieser Stelle schimmert der implizite Ruf nach einer konsequenteren Regulierung der Finanzmärkte durch, ohne dass das eine der Figuren explizit aussprechen müsste.

Dass Reese seinen Schützling zwischendurch ausgerechnet bei den Obdachlosen versteckt, bei denen er selbst einige Zeit gelebt habt, unterstreicht zusätzlich den thematischen Anspruch der Folge: Die sozialen Gegensätze der amerikanischen Gesellschaft werden in ihrer ganzen Krassheit vor Augen geführt („150 Millionen, das ist nur das Geld, das wir Ihnen für den Probelauf geben...“); dabei schlägt die Folge jedoch einen durchweg versöhnlichen Ton an: Nachdem Saunders anfangs als übermütiger risk taker gezeigt wird, kommt nach und nach seine menschliche Seite zum Vorschein, welche schließlich, nachdem er fast seinen Onkel um dessen Ersparnisse gebracht hätte, bei ihm einen Sinneswandel auslöst: Künftig soll nicht mehr in Finanzmarktspielereien, sondern in realwirtschaftliche Dienstleistungen investiert werden, welche den Bedürftigen Arbeitsplätze bringen. Man könnte es auch den Wunsch nach einer sozialeren Marktwirtschaft nennen, der hier zum Ausdruck kommt.

Das ist durchweg sehr sympathisch umgesetzt, ohne all zu dick aufgetragen zu werden. Berührend ist dabei vor allem eine kurze Szene gegen Ende der Folge, als Reese sich bei der Obdachlosen bedankt, die ihm während seiner Zeit „unter den Brücken“ geholfen hat.

Ein wenig kurz kommt in Risk die Interaktion zwischen Finch und Reese (die Teasersequenz bildet in dieser Hinsicht eine um so vergnüglichere Ausnahme: „Banking is mostly looking clever and wearing the right clothes. And we managed the second part...“ Die beiden geben auch ein wunderbares Comedy-Gespann ab!). Dafür bietet die Episode ein Wiedersehen mit Enrico Colantoni als the big bad Elias, dessen Auftritt als der eigentliche Hintermann am Ende für wohlige Gänsehaut sorgt - und einer ohnehin schon sehr gelungenen Folge durch die Einbindung in den übergreifenden Handlungsbogen das i-Tüpfelchen verleiht.

Verfasser: Christian Junklewitz am Samstag, 25. Februar 2012
Episode
Staffel 1, Episode 16
(Person of Interest 1x16)
Deutscher Titel der Episode
Risiko!
Titel der Episode im Original
Risk
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Donnerstag, 23. Februar 2012 (CBS)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Dienstag, 27. November 2012
Autor
Sean Hennen
Regisseur
Jeff T. Thomas

Schauspieler in der Episode Person of Interest 1x16

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