Penny Dreadful 2x10

Penny Dreadful 2x10

Pünktlich zum Staffelfinale läuft Penny Dreadful zu Höchstform auf. In And They Were Enemies kulminieren sämtliche Charakterentwicklungen, die über den Verlauf der Staffel behutsam aufgebaut wurden. Drehbuch und visuelle Umsetzung verschmelzen zu einem grandiosen Ganzen.

Nach einem langen Tag verabschiedet sich Malcolm (Timothy Dalton) von seinem Schützling Vanessa (Eva Green). / (c) Showtime
Nach einem langen Tag verabschiedet sich Malcolm (Timothy Dalton) von seinem Schützling Vanessa (Eva Green). / (c) Showtime

Die zweite Staffel der Showtime-Horrorserie Penny Dreadful musste manch Tal durchschreiten, bevor sie sich nun im Staffelfinale zu bisher ungekannten Höhen aufschwingen konnte. Die Episodenzahl war von acht auf zehn aufgestockt worden, womit Showrunner John Logan nicht immer etwas anzufangen wusste. Es gab ein paar Handlungsbögen, die sich einige wenige Redundanzen erlaubten. Außerdem wurde nicht eindeutig herausgearbeitet, wie groß die Bedrohung durch die von Evelyn Poole (Helen McCrory) angeführten Hexen wirklich ist.

Life only leads forward

Die Episode And They Were Enemies räumt nun schnell mit einigen unglücklich verlaufenen Handlungsabschnitten auf und widmet sich dann dem, was diese Serie am besten kann - die komplizierten Beziehungen ihrer Figuren auszuleuchten. Nach einem knappen Drittel des Finales sind die Hexen (bis auf eine) erledigt, und die Helden kehren zusammen, was von der Schlacht übriggeblieben ist. Gleichzeitig werfen mögliche Handlungsbögen der bereits bestellten dritten Staffel ihre düsteren Schatten voraus.

Im Pool'schen Puppenkabinett kommt es zur endgültigen Konfrontation mit Vanessa Ives (Eva Green). Von ihrer eigenen, sprechenden Puppe wird ihr das verlockende Angebot gemacht, eine sorgenfreie Existenz mit Ethan (Josh Hartnett) leben zu können. In den vergangenen Episoden haben wir herausgefunden, dass der aus dem Himmel verbannte Luzifer einen Weg sucht, um dorthin zurückkehren zu können. Dieser Weg führt offensichtlich nur über Vanessa, über deren wahres Wesen ich immer noch im Unklaren bin, wenngleich sie über sich selbst sagt: „I know what I am.

Laut der Recherchen von Ferdinand Lyle (Simon Russell Beale) suchen Luzifer und sein Bruder, der Master, eine vessel, mit der sie in den Himmel gelangen können. Am Ende des Kampfes zwischen Vanessa und ihrem Ebenbild, aus dem nach meinem Verständnis der Master spricht, raunt Vanessa ihrer zerstörten Puppenform zu: „Beloved, know your master.“ Ist also Vanessa selbst der Master? Ist sie die Schwester des Teufels? Wirklich schlau bin ich aus dieser Szene nicht geworden.

Das soll aber nicht heißen, dass mir das Verbis Diablo-Gefecht nicht gefallen hat. Man braucht als Drehbuchautor schon eine gehörige Portion Chuzpe, um eine finale Konfrontation zwischen der Heldin und ihrem puppenhaften Ebenbild stattfinden zu lassen. Für Evelyn Poole geht der von ihr heraufbeschworene Kampf jedenfalls schlecht aus. Nicht nur sorgt Vanessas Machtdemonstration für ein furchtbar lärmendes Erdbeben, auch Evelyns eigene Tochter Hecate (Sarah Greene) verwandelt im richtigen Moment ihre geistige Opposition in eine tatsächliche.

Know yourself

Die intrigante Junghexe wusste genau, warum sie Ethan in der vergangenen Episode einsperrte. Nun kann sie den Mörder von Sembene (Danny Sapani) aus seinem Gefängnis lassen, damit er sich ihrer Mutter widmet. Werwolf-Ethan verliert denn auch keine Zeit, um die Oberhexe zu zerfleischen. Vor Vanessa macht der Lykanthrop jedoch ehrfurchtsvoll Halt. Vielleicht gibt es ja einen ungeschriebenen Code zwischen den Wesen diverser Unter-, Zwischen- und Sagenwelten, der besagt, dass man trotz blinder Wut aufeinander aufzupassen hat.

Ethan zieht jedenfalls von dannen, ohne sich weiteren potenziellen Opfern zu widmen. Dabei ist das Hexenhaus gerade voll von solchen. Willkommener Nebeneffekt von Vanessas Verbis Diablo-Eskapaden ist nämlich der Abzug der Geister, die Victor Frankenstein (Harry Treadaway) und Sir Malcolm (Timothy Dalton) heimsuchten. Sie hätten beide von den Geistern ihrer Familien - Malcolm von seiner tatsächlichen, Victor von seiner kreierten - zum Selbstmord überredet werden sollen, was Vanessa rechtzeitig zu verhindern weiß.

Gemeinsam schlagen sie sich einen Weg heraus aus dem Schloss, das kurze Zeit später von der lässig dreinblickenden Hecate niedergebrannt wird. Sie könnte in der kommenden Staffel eine etwas dynamischere, weil handlungsfreudigere, irrationalere und niemandem dienende Version ihrer Mutter abgeben. Oder sie schließt sich gleich mit der Übermenschenarmee von Lily Frankenstein (Billie Piper) zusammen. Das wäre doch überaus begrüßenswert.

Nach den turbulenten, wenngleich zügig abgeschlossenen Ereignissen im Hexenhaus fassen die Figuren ihre ganz eigenen Schlüsse aus dem Erlebten. Diese werden sie an unterschiedliche Enden der Welt führen und Vanessa alleine im Malcolm'schen Herrenhaus zurücklassen. Für den Auftakt der kommenden Staffel könnte das John Logan vor größere Herausforderungen stellen - schließlich ist es nie einfach, einmal auseinandergerissene Cliquen auf kohärente Weise wieder zusammenzuführen.

So we walk alone

Für diese Episode war die Entscheidung jedoch dramaturgisches Gold wert. Malcom beschließt, die Gebeine seines treuen Dieners in dessen afrikanische Heimat zu überführen und dort über seine Sünden zu sinnieren. Ethan schlägt indes das großzügige Angebot von Vanessa aus, mit ihr London zu verlassen. Sie ist die einzige lebende Person, die seine wahre Identität kennt, was sich jedoch bald ändern könnte. Sein Geständnis gegenüber Inspektor Rusk (Douglas Hodge) endet nämlich nicht am gewünschten Strang, sondern auf einem Ozeandampfer, auf dem ihn Rusk nach Amerika ausliefert.

Schiffe sind das Leitmotiv dieser letzten Minuten, denn auch John Clare (Rory Kinnear) schickt sich auf einem solchen ins selbstgewählte Exil am Nordpol. Zuvor hat er sich den perfekten Moment ausgesucht, um seine Kidnapper möglichst effektreich ins Jenseits zu befördern. Deren Tochter, seine Verräterin Lavinia (Tamsin Topolski), lässt er indes am Leben, um ihr so einen größeren Horror als den schnellen Tod aufzubürden. Schließlich bittet er Vanessa, gemeinsam mit ihm dem Moloch den Rücken zu kehren. Sie lehnt mit einem gutgemeinten, jedoch leicht an der Realität vorbeischrammenden Kompliment ab: „You are the most human man I have ever known.

Bevor Vanessa das Kreuz des Gottes, an den sie nicht mehr glaubt, verbrennen kann, darf Victor Frankenstein einen erneuten Versuch unternehmen, seine Kreatur Lily aus dem Gray'schen Bildersaal heimzuholen. Er wird von ihr und Dorian (Reeve Carney) aber nur mit Hohn und Spott und der Ankündigung einer übermenschlichen Untotenarmee übergossen: „When our day has come, you will know terror.“ Hört sich nicht wirklich verlockend an. Schluchzend zieht er von dannen, während die beiden weiter ihre blutigen Tanzkreise ziehen. Einfach wunderbar, was John Logan aus seinen bis vor wenigen Episoden noch uninteressantesten Figuren gemacht hat.

Reue über vergangene Missetaten, die ja alle irgendwann einmal mit guten Absichten eingeleitet worden waren, ist das verbindende Element zwischen unseren Hauptcharakteren. Dabei ist ein feiner Trennstrich zu ziehen zwischen denjenigen Figuren, denen ihre Monstrosität aufgezwungen wurde, wie Lily, Ethan oder John, und denjenigen, deren Monstrosität aus edlen, aber eitlen Absichten entstand. Gleichzeitig gibt es unterschiedliche Ausformungen der Monstrosität: Das fremdbestimmte Monster Lily verbündet sich mit dem selbstbestimmten Dorian, während sich Frankensteins erste überlebensfähige Kreatur ins Exil flüchtet, um die Menschheit vor sich selbst zu schützen.

Diese Widersprüche werden in And They Were Enemies wunderbar herausgearbeitet und bilden so den emotional mitreißenden, hinreißend inszenierten Abschluss einer nur phasenweise exzellenten zweiten Staffel von Penny Dreadful.

Verfasser: Axel Schmitt am Montag, 6. Juli 2015
Episode
Staffel 2, Episode 10
(Penny Dreadful 2x10)
Deutscher Titel der Episode
Sie waren Feinde
Titel der Episode im Original
And They Were Enemies
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 5. Juli 2015 (Showtime)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 10. Juli 2015
Regisseur
Brian Kirk

Schauspieler in der Episode Penny Dreadful 2x10

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