Parenthood 2x22

Julia und Joel wollen adoptieren, Jasmine geht auf Crosby zu, Haddie ist ein rundum glücklicher normaler Teenie, Max lernt Empathie, Sarah scheint ihre Berufung gefunden zu haben, und Amber ist zurück auf dem Weg der Tugend. Für so komplexe Figuren hat die US-Familienserie Parenthood uns mit der Episode Hard Times Come Again No More ein recht simples Happy End für die meisten Charaktere beschert.
Das ist nicht schlimm, auch nicht sonderlich überraschend. Immerhin gibt es ja noch Adam (Peter Krause) und Kristina (Monica Potter), die neben den anhaltenden adoleszenten Spinnereien von Crosby (Dax Shepard) und den Babyproblemen von Julia (Erika Christensen) und Joel (Sam Jaeger) in der gesamten zweiten Staffel hervorstechen und so auch wieder im Finale.
Für Adam Braverman endet die private und berufliche Angespanntheit in der letzten Folge fürs Erste mit einem ambivalenten Glücksmoment, als seine Frau ihm mitteilt, dass sie schwanger ist. Erst glaubt er, der Test sei Haddies (Sarah Ramos), wird jedoch schnell eines Besseren belehrt und damit vor eine neue Herausforderung gestellt.

Adams Reaktion - ein lachendes Weinen/weinendes Lachen je nach Perspektive - fasst den Charakter bestens zusammen: Er managed gemeinsam mit Kristina die schwierige Situation seiner Familie so gut es geht, ohne dass dabei typische Elternängste den anderen Sprössling betreffend auf der Strecke blieben. Nachdem in der ersten Staffel und zu Beginn der zweiten Max' Aspergers sehr exponiert behandelt wurde, sind diese Storylines inzwischen weitestgehend mit den anderen verschmolzen, was sie wie einen natürlichen und dadurch umso eindrücklicheren Teil der Handlung macht.
Kinderdarsteller Max Burkholder zeigt weiterhin, was für ein ausgesprochenes Talent er besitzt. Doch das Syndrom seiner Figur wurde zuletzt auch immer mehr genutzt, um die Herausforderungen für die Umwelt zu zeigen. Etwa im Finale durch den Verlust der Zahnspange, wodurch Adam an den Rand seiner Beherrschung gelangt und zum ungünstigsten Zeitpunkt Dampf ablässt.
So verliert er zu allem Überfluss seinen Job. Man wünschte, Adam hätte sich viel früher darauf besonnen, was für ein starker und fähiger Mann er ist, anstatt darauf zu warten, von einem skateboardenden Kindskopf auf Drogen gefeuert zu werden. Aber immerhin verspricht diese neue Situation der Familie eine zusätzliche Belastungsprobe in der potentiellen dritten Staffel. Das ist schön, wäre aber nicht nötig, da die Konflikte der Familie Adam Braverman auch ohne weiteren Ärger nie langweilig werden.
Das Finale des Zeek
Dann wäre da als weiteres Glanzlicht des Finales sowie zahlreicher Episoden dieser Staffel Zeek (Craig T. Nelson), der eine erstaunliche Entwicklung durchgemacht hat. Er ist es, der Sarah (Lauren Graham) aus ihrem Loch geholt und angetrieben hat; ihm gelingt es auch am Ende der Episode, zu seiner Enkelin Amber durchzudringen, nachdem selbst der schwere Unfall sie nicht auf den Boden zurückzuholen vermochte.
Bei einer Serie mit einem so großen Ensemble wie Parenthood passiert es zwangsläufig, dass Charaktere hin und wieder verschwinden. Während etwa Joel und Julia zuletzt beinahe zu Nebenfiguren degradiert wurden, hatte Zeek nach langer gefühlter Abwesenheit einige großartige Momente in dieser Staffel. Etwa, als er zum ersten Mal alleine mit Max' (Max Burkholder) Asperberger-Syndrom konfrontiert wird. Und eben auch die Szene, als er Amber auf dem Schrottplatz warnt, nicht seine Träume für die Familie zu zerstören. Mae Whitman hat im Staffelfinale vielleicht ein paar Mal zu viel auf die Tränendrüse gedrückt, aber in diesem Moment und im Zusammenspiel mit Nelson sich wieder einmal ihres Wertes erwiesen.

Überhaupt lassen die letzten paar Episoden dieser Staffel nur eine Schlussfolgerung zu: Parenthood mag immer fragmentiertere Geschichten haben, die nicht immer sein müssen und ganz sicher nicht immer interessant sind, bleibt aber eine sehr starke Ensembleserie. Was wäre Crosbys Betrug gewesen ohne die komplizierten Konsequenzen für die Familie seines Bruders? Und wie sähe Sarahs Skript wohl aus, wenn sie nicht - was ganz offensichtlich geschehen ist - vom Drama der Familie hätte zehren können?
Das Finale war wie die gesamte Staffel: Dramatisch und kuschelig zugleich, über lange Strecken fast ein wenig belanglos, was jedoch meistens zu verschmerzen ist, angesichts wiederkehrender, starker Szenen wie Sarahs und Drews Reaktion auf Ambers Unfall oder Zeeks Rede auf dem Schrottplatz. „Parenthood“ war stets unterhaltsam und einfühlsam, könnte aber durchaus mal einen soapigen Schicksalsschlag vertragen, der nicht wie Ambers Absturz doch noch gut ausgeht.
Doch wer weiß, wie der Unfall ausgegangen wäre, wenn NBC schon eine Entscheidung über die Zukunft der Serie getroffen hätte, als die Folge gedreht wurde. So traut sich „Hard Times Come Again No More“ nicht sehr viel, sondern bleibt versöhnlich. Wenn dies tatsächlich das Ende sein sollte, wovon wir nicht ausgehen, dann dürften Fans immerhin milde gestimmt sein.
Verfasser: Carolin Neumann am Mittwoch, 27. April 2011(Parenthood 2x22)
Schauspieler in der Episode Parenthood 2x22
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