Outer Range 1x01

© zenenfoto aus der Serie Outer Range (c) Amazon Prime Video
Was ist los?
Rancher Royal Abbott führt seine Farm in Wyoming mit Leidenschaft und Familiensinn. Sein Leben wird jedoch von der Tatsache überschattet, dass seine Enkeltochter Rebecca spurlos verschwunden ist. Außerdem gibt es da seinen Nachbarn Tillerson, einen gewinnorientierten Farmer, der es auf sein Land abgesehen hat.
Als wären dies nicht schon Probleme genug, findet Royal auch noch mitten auf seinem Grundstück ein riesiges, schwarzes und unergründlich tiefes Gebilde, das einige mysteriöse Eigenschaften offenbart.
Als Abbotts Sohn Perry in einem Wutanfall einen der Tillersons mit bloßen Fäusten erschlägt und sein Vater die Leiche ins Loch wirft, geraten die Dinge außer Kontrolle. Was hat es mit dem übernatürlich erscheinen Phänomen auf sich und wer ist die seltsame junge Frau, die auf Royals Grundstück campt und ausgerechnet in dem Augenblick auftaucht, als er den toten Tillerson-Jungen verschwinden lassen will?
Eine frische Idee

In der Science-Fiction ist die Verknüpfung etwa von Space Opera und Western nichts Neues, zumal Ersteres unmittelbar aus der sogenannten Horse-Opera hervorging. Im Fantasy- und Mystery-Genre sieht die Sache hingegen etwas anders aus.
Amazon Prime Video machte sich diese Tatsache zunutze, indem der Streaming-Gigant dem Newcomer Brian Watkins die Idee zu Outer Range abkaufte und ihn ebenso eine achtteilige Staffel als Versuchsballon produzieren ließ.
Watkins verknüpft New-Western, Mystery- und Fantasy-Elemente, die in der ersten Episode The Void einen recht interessanten und gefühlt neuartigen Look hinterlassen.
Auf der einen Seite haben wir ein klassisches Modern-Western-Setting mit starken Männern in Jeans und Cowboystiefeln, die gerne mal einen heben und mit Quads oder Pferden über die Prärie pflügen. Royal Abbott (routiniert von Josh Brolin vorgetragen) ist ein Typ, der nicht viel redet, es sei denn, er muss es.
Seine Söhne Perry (Tom Pelphrey) und Rhett (Lewis Pullman) sind ganze Kerle, die auch vor einer zünftigen Prügelei nicht zurückschrecken. Ihnen stehen in der Pilotfolge die arroganten Luke Tillerson (Shaun Sipos) und dessen Bruder Billy (Noah Reid) gegenüber. Andererseits punktet die Serie mit einem spannungsvollen, Mystery-typischen Score, dem Rätsel eines tiefen schwarzen Loches mit übernatürlichen Eigenschaften und der jungen Autumn (Imogen Poots), die auf Abbotts Land campt und mehr weiß, als sie vorgibt.
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Just a Hole?

Ein Mysterium und ein Bedrohungsmoment lediglich mit Hilfe eines bodenlosen Lochs mitten auf einem Grundstück zu ersinnen, scheint auf den ersten Blick vielleicht zu simplifiziert, um Spannung zu erzeugen. Doch dem ist nicht unbedingt so.
Das Verschwinden von Royals Enkeltochter Rebecca spielt in das Phänomen mit hinein und ist nur eine der zahlreichen Fragen, die es im Verlauf der Staffel zu erforschen gilt. Abbott nimmt vor allem nachts häufig eine geheimnisvolle Geräuschkulisse wahr, die von nirgendwo und überall gleichzeitig an sein Ohr zu dringen scheint.
Die Oberfläche der unergründlichen Merkwürdigkeit mitten auf seinem Land offenbart zudem ein unerklärliches Phänomen. In der Nähe des Lochs erhascht Royal einen kurzen Blick in die Zukunft. Auch taucht immer wieder ein Büffel auf, dem zwei Indianerpfeile in der Flanke stecken, ein Hinweis darauf, dass die Regeln der Zeit nahe dem übernatürlichen Gebilde möglicherweise aufgehoben sind.
Highlight
Der Farmer steht dem Geheimnis zunächst hilflos gegenüber und hält es vor seiner Familie geheim. Wie das möglich ist, verrät die Pilotepisode allerdings nicht. Immerhin nimmt das schwarze Loch beeindruckende Ausmaße an und ist, wie sich später noch zeigt, nicht zu übersehen.
Der sich langsam aber stetig steigernden Spannung tut das jedoch keinen Abbruch und als Royals Söhne einen der Tillersons erschlagen fällt dem alten Farmer eine vermeintlich elegante Lösung ein.
Er lässt den Leichnam frei nach dem Motto „aus den Augen, ab ins Loch“ verschwinden. Bis hierher gibt sich die Folge zwar durchaus ansehnlich, aber auch nicht so spannungsgeladen, dass man dem zweiten Teil atemlos entgegenfiebern würde.
Mit Abbotts Tat ändert sich das allerdings, denn er wird von Autumn, die auf seinem Land campt, auf frischer Tat ertappt. Als sie das Mysterium erblickt, erzählt sie ihrem Gegenüber die Geschichte des griechischen Gotts Chronos, der eine Sichel bei sich trug, um ein tiefes Loch zu graben, das die diesseitige von der jenseitigen Welt trennt.
Nun kristallisiert sich langsam ein Hintergrund mit Sinn heraus, denn Chronos (nicht Kronos wohlgemerkt) ist in der altgriechischen Mythologie der Gott der Zeit, dessen Markenzeichen, abgesehen von der bereits erwähnten Sichel, auch ein Stundenglas ist. Die Folge endet mit einem heftigen Schockmoment, der gleichzeitig als Cliffhanger dient und letztlich doch Lust auf den zweiten Teil versprüht.
Die technische Seite
Auf visueller Ebene orientiert sich der bisher noch recht unbekannte Regisseur Alonso Ruizpalacios, der für die ersten beiden Episoden verantwortlich zeichnet, eindeutig am Western- und auch am Road-Movie-Genre. Weite Landschaftsaufnahmen, wilde Ritte aus der Sicht des Reiters gefilmt, eine rasante Verfolgungsjagd mit Quad und Truck, eine Supertotale, als Autumn und Royal vor dem Loch miteinander reden, Halbnahe, die den Helden und seinen Antagonisten ins rechte Licht rücken etc.
Das Mystery-Element trägt hauptsächlich die Beleuchtung, denn das Geheimnisvolle spielt sich vornehmlich nachts ab. Der Score schwankt zwischen cooler Country und Westernmusik und delphischen Klängen.
Computergenerierte Spezialeffekte sind spartanisch eingesetzt und dienen bislang überwiegend der Sichtbarmachung der Oberflächenstruktur des Phänomens. Die Elemente passen gut zusammen und erzeugen ein stimmiges Bild von einer vertrauten Welt, über die das Unbekannte hereinbricht. Auf schauspielerische Ebene zeigen Josh Brolin („Dune“, 2021), Imogen Poots (Roadies), Tom Pelphrey (Iron Fist), Lewis Pullman (Catch-22) solide, aber auch nicht herausragende Leistungen.
Fazit

Die Pilotfolge der Serie Outer Range bietet eine interessante Prämisse, die in ein für Mystery-Verhältnisse relativ unverbrauchtes Setting gebettet ist. Die Geschichte geht in Ordnung, ist aber andererseits bisher auch nicht so herausragend erzählt, dass sie die Zuschauer unbedingt zum Weiterschauen animiert.
Und doch. Vor allem das Ende wirft Fragen auf, die man gerne beantwortet wissen möchte. Ob das genügt, die Staffel über acht Episoden lang verfolgen zu wollen, muss sich indes noch zeigen. Gute Ansätze sind auf jeden Fall vorhanden.
Hier abschließend noch der englische Trailer zur Serie „Outer Range“:
Verfasser: Reinhard Prahl am Freitag, 15. April 2022Outer Range 1x01 Trailer
(Outer Range 1x01)
Schauspieler in der Episode Outer Range 1x01
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