Outcast 2x01

Outcast 2x01

Der Albtraum geht weiter: Das Gruseldrama Outcast zeigt in der atmosphärisch dichten Auftaktepisode zu seiner zweiten Staffel, dass man seinen Dämonen einfach nicht entkommen kann - ob nun im übertragenen oder wie im Falle der Serie auch wortwörtlichen Sinne.

Patrick Fugit in „Outcast“ / (c) Cinemax
Patrick Fugit in „Outcast“ / (c) Cinemax
© atrick Fugit in „Outcast“ / (c) Cinemax

Welcome to my nightmare, I think you're gonna like it...“ Passender und vielsagender könnte die erste Folge der zweiten Staffel von Outcast nicht abgerundet werden, als mit diesem Klassiker von Rockröhre Alice Cooper. Wer gedacht hat, dass „Outcast“ Kyle Barnes (Patrick Fugit) nach dem fulminanten, teilweise verstörenden Finale der ersten Staffel zusammen mit seiner Tochter Amber (Madeleine McGraw) dem Dämonennest Rome einfach so entkommen kann, hat sich schwer getäuscht.

Wenn die erste Episode der neuen Staffel eines zeigt, dann, dass die Flucht vor den eigenen Dämonen unmöglich ist, ob man sich diese nun aufgrund von Schuldgefühlen selbst auferlegt hat oder aber ob sie einen tatsächlich heimsuchen, wie nicht nur Kyle, sondern zum Beispiel auch seine Schwester Megan leidvoll am eigenen Körper hat erfahren müssen. Wo andere Serien nach einer derartig düsteren, mitunter extrem demoralisierenden Premierenstaffel zum Startschuss neuer Episoden eventuell etwas Hoffnung säen würden, bleibt sich das von Tausendsassa Robert Kirkman geschaffene Format treu: Es sieht düster aus in der beschaulichen Kleinstadt Rome. Und kurzfristig scheint eine Besserung der Lage auch nicht wirklich in Sicht zu sein.

When in Rome

Vielmehr widmet sich der Auftakt der zweiten Staffel von „Outcast“ - seit heute Abend übrigens auch wieder wöchentlich hier in Deutschland auf dem Pay TV-Sender FOX Channel Deutschland zu sehen - den verheerenden Folgen der Episode This Little Light, dem Staffelabschluss aus dem letzten Jahr. Viel Handlungszeit ist seitdem in der Serie nicht vergangen. Zumindest merkt man jedem einzelnen Charakter noch deutlich die dämonischen Auswüchse jener Nacht an, als sich Kyle und Reverend Anderson (Philip Glenister) den Ausgeburten der Hölle stellten, während man zuvor geschockt der besessenen Megan (Wrenn Schmidt) beim Totschlag ihres eigenen Mannes zugesehen hatte.

The Beacon

Kyle, in Sorge um seine junge Tochter Amber, die in den diabolischen Plänen des mysteriösen, wenn auch abwesenden Sidney (Brent Spiner) noch eine größere Rolle spielen könnte, wagte zunächst die Flucht aus seinem Heimatort. Dies ist jedoch keine Lösung auf Dauer, denn die Dämonen folgen ihm auf Schritt und Tritt. Also sucht er nun sein Glück in der Offensive und möchte dem Spuk ein für alle Mal ein Ende bereiten. Auch wenn die teuflischen Geister in „Outcast“ nicht nur Einbildung oder mentale Manifestationen persönlicher Traumata sind, sondern wirklich physisch in Form von besessenen Menschen auftreten, ist die Botschaft klar: Man kann seinen eigenen Dämonen nicht davon rennen, sie werden einen immer wieder einholen.

Es ist nur verständlich, dass Kyle seine Tochter um keinen Preis in Gefahr bringen will. Doch ebenso ist er sich bewusst, dass Sidney und seine Brut nie von ihm ablassen werden, solange er sich ihnen nicht stellt und den Beelzebub mit aller Macht austreibt. Vor dieser besonderen Verantwortung kann er nicht Reißaus nehmen, was auch immer ihn zum „Outcast“, zum unfreiwilligen Auserwählten gemacht hat (und das bereits sehr früh, wie ein kleiner Flashback zu Beginn der Folge zeigt, als wir auch eine verdächtige Frau in aller Ruhe ihren Kaffee schlürfen sehen), weglaufen ist keine Option. Für sich, für seine Liebsten, ja vielleicht sogar für ganz Rome, scheinbar eine Art Heimathafen des absoluten Bösen, muss er sich diesem Kampf stellen.

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The Devil took my life

Während Kyle also fest entschlossen fleischgewordenen Dämonen Paroli bietet, haben die Menschen um ihn herum es eher mit den metaphorischen Auswüchsen dunkler Schattenwesen zu tun. Allen voran Reverend Anderson sieht sich gewaltiger Schuldgefühle und einer handfesten Glaubenskrise ausgesetzt, nachdem er seine Gemeinde nicht vor dem Einfluss des Bösen hat bewahren können. Hinzu kommt, dass er womöglich den frechen Sohn Aaron von Patricia (wie wir uns erinnern ein furchtbar nerviges Balg) auf dem Gewissen haben könnte, nachdem er am Ende der ersten Staffel den Trailer von Sidney in Brand setzte.

Ob die verkohlten Leichenreste am Tatort tatsächlich zu Aaron gehören, muss noch eindeutig bestätigt werden. Anderson ist so oder so bereit, Buße zu tun und für seine Taten geradezustehen. Dem gebrochenen Prediger merkt man in der Tat eine Art Hilflosigkeit und Akzeptanz seines Versagens an. Kann ihm eventuell eine kleine Glaubensgemeinschaft in den Wäldern um Rome helfen, zu alter Stärke zurückzufinden? Seine Überzeugungen haben ohne Frage unter dem Kampf gegen Sidney gelitten. Diese Auseinandersetzung hat ihm seine Glaubwürdigkeit und das Vertrauen seiner „Schäfchen“ gekostet. Gleichzeitig hat er sich aus falscher Überzeugung verleiten lassen, schreckliche Dinge zu tun, was seiner Profession nicht würdig ist.

Cast out the darkness

Kyle kämpft also gegen echte, Anderson mit seinen eigenen Dämonen. Und Megan? Wrenn Schmidt, in der ersten Staffel zum Ende mit einer atemberaubenden schauspielerischen Leistung, die einem das Blut in den Adern gefrieren ließ, tritt vergleichsweise wenig in dieser Episode auf. Doch die wenigen Szenen von ihr, die sie traumatisiert ans Bett gefesselt zeigen, sitzen. Sie war komplett hilflos, wie eine Marionette, die von einem Puppenspieler zum Undenkbaren getrieben wurde: den Mord an ihrem Mann Mark. Auch sie macht sich verständlicherweise Vorwürfe, wobei ihr sicherlich auch bewusst ist, dass sie wehrlos war. Doch macht es das besser? Keinesfalls. So wird sie sowohl mit sich selbst in Reine kommen als sich auch den dunklen Einflüssen in Rome erwehren müssen, die sie nach wie vor umgeben. Vor allem hinsichtlich der kleinen Amber werden unheilvolle Andeutungen gemacht, die eventuell wie ein Magnet auf böse Mächte wirkt.

No going back

Man merkt es jeder einzelnen Einstellung und Aufnahme an, dass sich in Outcast die Tore der Hölle gerade erst geöffnet haben. Wie bereits viele ihrer Kollegen in Staffel 1 führt Regisseurin Tricia Brock (die auch schon für die Episode From the Shadows It Watches verantwortlich zeichnete) die besonderen visuellen Stil des Formats makellos fährt. Nicht eine Sekunde vergeht, in der nicht das Gefühl entsteht, dass die Charaktere von irgendjemand beobachtet werden. In den finsteren Ecken lauert die Gefahr und wartet nur darauf, gnadenlos zuzuschlagen. Dieser atmosphärischen, gespenstischen Inszenierung (nur einmal greift man auf die gute alte Horrortrope des unheimlichen Dachbodens zurück, wo auch noch alte Spielpuppen rumliegen) lässt einen nicht so einfach los und so jagt es einem schon bei den kleinsten, dubiosen Szenen einen Schauer über den Rücken.

Als vermeintlicher Fels in der Brandung präsentiert sich da abermals Reg E. Cathey als Chief Giles, Romes pflichtbewusste Ordnungshüter mit altbekannter „no bullshit“-Attitüde. Er möchte sein Städtchen irgendwie zusammenhalten, auch wenn er keinerlei Vorstellung davon hat, dass er es dabei mit monströsen Höllenwesen zu tun bekommen könnte, wie ein wuchtiger, für Kyle recht schmerzhafter Kampf mit dem besessenen Vater des kleines Joshuas (in der Pilotepisode noch von Kyle und Anderson exzorziert) zeigt. Vielleicht kann Giles ja von seiner Ehefrau unterstützt werden, die ihre Schrotflinte sicherlich nicht nur zur Zierde trägt... Der Kampf gegen das Böse, das sich in Rome eingenistet hat, geht unverändert weiter und droht neue Ausmaße anzunehmen. Unsere Charaktere müssen sich dieser Bedrohung nun mit aller Macht entgegensetzen, während sie gleichzeitig persönliche Hürden und wahrgewordene Albträume überwinden müssen. Die Vorzeichen könnten zu Beginn der zweiten Staffel von Outcast durchaus besser aussehen. Doch gerade dies macht den gelungenen Auftakt auch so spannend.

Trailer zur zweiten Staffel von „Outcast“:

Verfasser: Felix Böhme am Montag, 10. April 2017

Outcast 2x01 Trailer

Episode
Staffel 2, Episode 1
(Outcast 2x01)
Deutscher Titel der Episode
Der Leuchtturm
Titel der Episode im Original
Bad Penny
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Montag, 10. April 2017 (Cinemax)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 10. April 2017
Autor
Chris Black
Regisseur
Tricia Brock

Schauspieler in der Episode Outcast 2x01

Darsteller
Rolle
Philip Glenister
Wrenn Schmidt

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