Outcast 1x06

In der Episode From the Shadows It Watches der US-Serie Outcast gehen Kyle (Patrick Fugit) und der Reverend (Philip Glenister) nach ihrer Konfrontation zunächst getrennte Wege. Anderson will beweisen, dass er auch im Alleingang einen erfolgreichen Exorzismus durchziehen kann, während Kyle des Nachts eines unverhoffte Begegnung mit Mildred (Grace Zabriskie) hat.
The Warning
Die harschen Worte aus der vorigen Episode zeigen Wirkung, denn Anderson versucht, einen Exorzismus im Alleingang zu bewältigen, während Kyle im lokalen Straßenbau sich etwas dazuverdienen und Normalität für sich schaffen will. Als Patricia (Melinda McGraw) Zeuge der Bemühungen des Reverends wird, wendet sie sich hilfesuchend an Kyle, da sie spürt, dass Anderson mit der schwierigen Aufgabe überfordert sein könnte.
Doch der weigert sich zunächst, sich in die Angelegenheiten des Priesters einzumischen. Erst ein nächtlicher Besuch von Mildred macht ihm klar, dass er sich nicht vor der allgegenwärtigen Dunkelheit Romes verstecken kann. Diese Erkenntnis kommt keine Sekunde zu spät, denn der Reverend ist gerade im Begriff, sich eine ordentliche Abreibung oder Schlimmeres von seinem gewalttätigen „Patienten“ zu holen. Überraschenderweise verfällt dieser nach Kyles Einschreiten nicht in einen vegetativen Zustand, sondern kehrt etwas benommen, aber dennoch gesund zurück an die Oberfläche seines Bewusstseins.
Während Chief Giles (Reg E. Cathey) durch das Auftreiben einer potentiellen Zeugin den Druck auf Ogden (Pete Burris) verstärkt, muss Megan sich mit einer Drohung beziehungsweise einem unmoralischen Angebot von Donny (Scott Porter) auseinandersetzen, damit dieser nicht vom Krankenbett aus dafür sorgt, dass Mark (David Denman) für seinen Angriff im Gefängnis landet.
Am späten Abend nach den Ereignissen in der Kirche bekommt auch Anderson ungebetenen Besuch in Form von Sidney (Brent Spiner), der eine unmissverständliche und rasiermesserscharfe Warnung für den Priester parat hat.
Die Dunkelheit am Horizont
From the Shadows It Watches startet mit Reverend Anderson, der in wütender Verzweiflung in erster Linie sich selbst zu beweisen versucht, dass seine bisherigen Erfolge kein Wunschdenken gewesen sind.
Gleichzeitig steckt Kyle, wie schon zu Beginn von Outcast, den Kopf in den Sand. Der einzige Indikator, dass er allmählich aus seinem Winterschlaf aufwacht, ist, dass er dem Ruf des Geldes folgt, um sein Leben in den Griff zu bekommen. Doch auch das muss er schnell über Bord werfen, als er erkennt, dass er niemals ein normales Leben führen kann, wenn er sich nicht seinen (den) Dämonen stellt.
Trotz seiner Hilfeleistung wird es wohl etwas dauern, bis er und Anderson ihre Beziehung reparieren und eine Freundschaft aufbauen können. Zwar reagiert der Priester mit gewohnt farbenfroher Sprache und dem Griff zum Alkohol, doch die Inbrunst, mit der er seine Überzeugung und seinen Glauben gegenüber Kyle verteidigt, machen deutlich, dass er sich in die Enge getrieben fühlt und Kyles Worte eine sehr empfindliche Stelle getroffen haben. Doch zumindest einigen sich beide auf ein neues Arrangement, in dem Kyle vorhat, das Zepter und die Initiative in die Hand zu nehmen.
Zusätzlich finden wir noch heraus, dass die vermeintlichen Opfer die Besetzung ihres Körpers keinesfalls zwangsläufig als unangenehm empfinden müssen. Ob sie für ihre Taten in diesem Zusammenhang Reue empfinden, könnte möglicherweise von Person zu Person verschieden sein. Was die Aussage des Geretteten nun tatsächlich bedeutet und über die Wesen aussagt, darüber kann man zu diesem Zeitpunkt lediglich spekulieren. Jedenfalls ist das definitiv nicht das, was Anderson hören wollte, denn seine dunklen Gegner zu verteufeln, steht quasi bereits in seiner Jobbeschreibung und macht es einfach, seinen moralischen Kompass auf Kurs zu halten.
Mark (David Denman) hat Megan durch sein unüberlegtes Handeln in eine extrem prekäre Lage manövriert, doch die beiden setzen ihr Kommunikationsproblem fort, denn sie beschließt, ihren Ehemann nicht weiter zu involvieren und schickt sich an, das Problem mit Donnie erneut selbst in die Hand zu nehmen. Zudem schwebt dieser Handlungsstrang momentan noch komplett neben den eigentlichen Geschehnissen in Rome, weswegen zu hoffen ist, dass noch eine Verknüpfung dazu geschaffen wird, bevor beides zu sehr voneinander abdriftet.
Darüber hinaus lernen wir, dass Chief Giles (Reg E. Cathey) bis zu einem gewissen Grad in das Vorgehen des Priesters eingeweiht ist. Doch die Skepsis, die in den Fragen und Kommentaren gegenüber durchdringt, macht deutlich, dass er bisher bei keinem dieser Ereignisse anwesend war.

Diese Woche ist es vor allem Philip Glenister, der mit besonders hervorzuhebenden Leistungen Eindruck schinden kann. Nach nur kurzer Zeit ist es ihm gelungen, seine Figur mit vielen Nuancen und einer einmaligen Intensität zu versehen. Sidney (Brent Spiner) strahlt weiterhin eine ruhige Boshaftigkeit aus, die wir zum ersten Mal mit eigenen Augen miterleben können. Doch an dieser Stelle befindet sich auch das größte Fragezeichen der Episode: Wieso lässt er Anderson lediglich mit einer Warnung davonkommen? Wie an Mildreds Tod zu sehen ist, hatte er bisher keine wirklichen Probleme damit, drastische Maßnahmen zu ergreifen und zu töten.
Es scheint, als ob er wesentlich mächtiger ist als die „guten“ Kräfte von Rome. Warum erstickt er eine potentielle Gefahr wie den Priester nicht gleich im Keim? Nicht, dass dies wünschenswert wäre, denn schließlich ist Anderson einer der charismatischsten Figuren der Serie. Vielleicht jedoch habe ich mir von der ersten offenen Konfrontation des Reverends und des bösartigen Strippenziehers noch ein wenig mehr Eindruck erhofft. Jetzt, da ihr Widersacher mit offenen Karten spielt beziehungsweise zumindest aus dem Schatten getreten ist, wird es dafür umso interessanter zu sehen, wie Kyle und Anderson mit der neuen Situation umgehen.
Fazit
Outcast fokussiert sich diese Woche auf die Krise zwischen Kyle und dem Reverend. Trotz einiger interessanter Entwicklungen fehlt an manchen Stellen etwas der Schwung und auch von der ersten offenen Begegnung mit dem „Big Bad“ der Serie hätte man sich etwas mehr versprechen können, was allerdings keineswegs an der starken Performance von Brent Spiner liegt. Dennoch schafft man sich eine Ausgangssituation, welche Spannung für die kommenden Episoden verspricht.
Verfasser: Tim Krüger am Samstag, 16. Juli 2016Outcast 1x06 Trailer
(Outcast 1x06)
Schauspieler in der Episode Outcast 1x06
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