Outcast 1x02

In der Episode (I Remember) When She Loved Me der Serie Outcast versucht Kyle einen sehr persönlichen Exzorzismus (Patrick Fugit) in der Hoffnung durchzufĂŒhren, seine Mutter Sarah (Julia Crockett, Elle Trapkin) aus ihrem katatonischen Zustand zu erwecken. Reverend Anderson (Philip Glenister) versucht derweil die Mitglieder seiner Gemeinde auf den Kampf gegen die Schrecken der Dunkelheit vorzubereiten.
We were all we had
In Flashback-Szenen erleben wir die zwei Tage in Kyles Leben, die ihn und seine Familie monumental verÀnderten: Zum einen sehen wir, wie das Böse zum ersten Mal von Besitz von Sarah ergriff, und zum anderen werden wir Zeuge, wie es nach langer Zeit wieder aus ihr entwich, als sie und der junge Kyle nach einem gewalttÀtigen Ausbruch ihrerseits miteinander rangen.
All dies liefert die Grundlage fĂŒr Kyles Entschluss, Sarah aus dem Pfelegeheim zu holen, dessen Kompetenz und Sorgfalt er in Frage stellt. Doch schnell muss er feststellen, dass er nicht in der Lage ist, seine Mutter in dem Umfang zu betreuen, den sie benötigt.
Verzweifelt versucht er mit Reverend Anderson an seiner Seite, mögliche dĂ€monische RĂŒckstĂ€nde, die ihren Geist gefangen halten können, aus ihr auszutreiben. Dies ist jedoch nicht von Erfolg gekrönt, so dass Kyle sich schweren Herzens entscheidet, Sarah wieder zurĂŒck in die Obhut des Pflegeheims zu geben. Dort bekommt sie kurze Zeit spĂ€ter Besuch von einem ominösen Vertreter der dunklen Seite.
Anderson trifft Vorkehrungen, um die Gemeinde auf eine mögliche bevorstehende Konfrontation mit dem Bösen vorzubereiten, wĂ€hrend Chief Giles (Reg E. Cathey) im Wald einen grausigen Pfad entdeckt, der nichts Gutes fĂŒr die Bewohner von Rome verheiĂen kann.
Church will fortify us against the darkness
(I Remember) When She Loved Me behĂ€lt das bedĂ€chtige ErzĂ€hltempo der ersten Episode bei, bleibt dabei aber glĂŒcklicherweise interessant und unterhaltsam. Wir tauchen tiefer in die Vergangenheit von Kyle ein und können immer leichter nachvollziehen, warum seine von Terror geprĂ€gte Kindheit diese offensichtlich tiefen Wunden in seiner Psyche hinterlieĂ.
Dabei offenbart sich der Kern mit den zentralen Themen von Outcast, der vielmehr auf psychologische Aspekte als auf audiovisuelle Schockeffekte ausgelegt ist: Isolation, Verzweiflung, Hoffnung sowie der Umgang mit Traumata sind alles wichtige Elemente, die Protagonist Kyle zu schöpfen beziehungsweise zu ĂŒberwinden versucht.
Dieses Netz aus Emotionen spannt sich um die Frauen in seinem Leben, welche ihm die nötige Motivation verleihen, die Löcher in seiner Seele zu flicken und dem Abgrund zu entkommen, in den er als Kind hineingezerrt wurde. WĂ€hrend er versucht, die UnterstĂŒtzung seiner Adoptivschwester Megan (Wrenn Schmidt) zurĂŒckzuzahlen, indem er wieder Ordnung in sein Leben bringt und dezenten und vorsichtigen Kontakt zu seiner Familie aufnimmt, gelingt es ihm, hinter die Geschehnisse der Vergangenheit zu blicken und zu erkennen, dass seine Mutter nicht die damals offensichtlich wirkende Schuld fĂŒr ihre Taten trug.
Vielmehr erfÀhrt der Zuschauer sogar noch expliziter in einer ergreifenden und gleichzeitig unangenehmen Szene, dass Sarah sich gegen ihren Zustand mit all ihrer Kraft stemmte. Dies teilt uns die mysteriöse Figur (Brent Spiner) mit, welche die bisher erste konkrete Verkörperung der dunklen Seite in Outcast reprÀsentiert.

Dadurch wird die Frage aufgeworfen, wieso das Böse behauptet, Kyle in seinem Griff zu haben, scheint er doch die FĂ€higkeit zu besitzen, sich gegen diese finsteren MĂ€chte zu stellen. Dies muss er dank Reverend Anderson nicht alleine tun, der seine Gemeinde mobilisiert, um dem WĂŒrgegriff zu trotzen, in dem sich Rome schon Zeit langer Zeit befindet, ohne dass die Bewohner es mitbekommen haben.
Patrick Fugit und Philip Glenister gelingt es weiterhin, durch starke schauspielerische Leistungen aufzufallen und die Hoffnung aufrecht zu erhalten, dass Outcast das Exzorzismus-Genre, welches oftmals ein willkommenes Ziel von Spott durch unfreiwilligen Humor darstellte, mit neuer Kraft und Ernsthaftigkeit zu versorgen, um dem Zuschauer eine ordentlichen Portion GĂ€nsehaut zu liefern.
Auch technisch bleibt die Serie ihrem hohen Standard weiterhin treu: Das wirksame Spiel mit Licht und Schatten ist dabei ein auffallend gelungener Aspekt, der die Essenz der Serie wunderbar auffÀngt und symbolisiert.
Wer nach der ersten Episode Bedenken hatte, die Serie wĂŒrde nicht schnell genug in die GĂ€nge kommen, könnte diese auch weiterhin mit sich tragen und argumentieren, dass in er Episode eigentlich nicht wirklich viel geschieht. Es stimmt, (I Remember) When She Loved Me nimmt sich Zeit, die Charakterzeichnung weiter voran zu treiben und die Weichen fĂŒr kommende Geschehnisse zu stellen, was beispielsweise an den Entdeckungen im Wald zu sehen ist. Das sollte man allerdings wohlwollend betrachten, da wir so auf turbulentere Ereignisse vorbereitet werden und uns eben dank dieses ErzĂ€hlstils nicht mit uninteressanten und oberflĂ€chlichen Figuren abgeben mĂŒssen, wenn das Tempo von Outcast anzieht. Und wenn man den Trailer fĂŒr die Episode betrachtet, scheint genau dies der Fall zu sein.
Fazit
Auch wenn klar ist, dass Gewalt und Schockmomente ein Teil der Welt von Outcast sind und auch bleiben werden, so baut die aktuelle Episode deutlich mehr auf die psychologischen Aspekte des Horrorgenres und konzentriert sich darauf, eine packende AtmosphĂ€re zu kreieren und seinen Figuren mehr Kontur zu verpassen, bevor es fĂŒr die Bewohner von Rome ungemĂŒtlicher wird. Es gelingt vor allem, ein allgegenwĂ€rtiges GefĂŒhl der Bedrohung zu erzeugen, was es wert machen sollte, die Serie und ihre Entwicklung weiterhin im Auge zu behalten.
Der Trailer zur nĂ€chsten Episode âOutcastâ:
Verfasser: Tim KrĂŒger am Samstag, 11. Juni 2016Outcast 1x02 Trailer
(Outcast 1x02)
Schauspieler in der Episode Outcast 1x02
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