Outcast 1x01

Die Pilotepisode A Darkness Surrounds Him der Serie Outcast fĂŒhrt uns in das kleine amerikanische StĂ€dtchen Rome. Dort lernen wir Kyle Barnes (Patrick Fugit) kennen, der im wahrsten Sinne des Wortes sein Leben lang mit DĂ€monen zu kĂ€mpfen hatte. Als er erfĂ€hrt, dass ein kleiner Junge (Gabriel Bateman) Symptome zeigt, die ihn an schmerzhafte Ereignisse in seiner Vergangenheit erinnern, erwacht er aus seiner Lethargie und ist bereit zu helfen.
Worum geht es?
Kyles Leben ist sicherlich kein Ponyhof. Als kleiner Junge wurde er Opfer der exzessiven GewaltausbrĂŒche seiner Mutter, deren dunkle Stimmungsschwankungen keinen Seltenheitswert hatten. Doch eines Tages entschied sich Kyle, sich zu wehren, woraufhin seine Mutter unter ominösen UmstĂ€nden in einen vegetativen Zustand verfiel und der Junge in einer Pflegefamilie landete.
Viele Jahre spĂ€ter scheint er zunehmend befreit von den traumatischen Ereignissen, denn er ist glĂŒcklich verheiratet und Vater einer kleinen Tochter. Doch die Vergangenheit droht sich zu wiederholen, denn bei seiner Frau Allison (Kate Lyn Sheil) scheinen sich Ă€hnliche Anzeichen einer psychischen Erkrankung mit gewalttĂ€tigen Tendenzen zu manifestieren. Da sie eine akute Gefahr fĂŒr sich und andere darstellt, beschlieĂt Kyle auch hier einzugreifen.
Der Sprung in die Gegenwart zeigt uns, dass all diese Geschehnisse deutliche Spuren an Kyle hinterlassen haben. Er lebt alleine im alten Haus seiner Eltern, dessen desolater Zustand die mentale Verfassung des Protagonisten deutlich widerspiegelt. Einzig seine Adoptivschwester Megan (Wrenn Schmidt) kĂŒmmert sich noch um ihn und versucht stetig ihn zu integrieren und zu unterstĂŒtzen.
Als Kyle erfĂ€hrt, dass Reverend Anderson, (Philip Glenister) der örtliche Priester, sich mit dem kleinen Jungen Joshua befasst, der Symptome aufweist, die ihm nur allzu bekannt vorkommen, beschlieĂt er sich die Sache aus der NĂ€he anzuschauen. Waren seine Mutter und seine Ehefrau einfach nur krank, oder steckt mehr hinter dem Ganzen? Was er gemeinsam mit Anderson im Haus von Joshua erlebt, stellt seine Welt vollends auf den Kopf: Es scheint sich tatsĂ€chlich etwas ĂbernatĂŒrliches im Körper des Jungen zu befinden und es kennt Kyle, in dem ein ungeahntes Potential schlummert, sich den dunklen KrĂ€ften entgegenzustellen.
Die Story
Die Pilotepisode von Outcast lĂ€sst keinen Zweifel an Robert Kirkmans PrĂ€ferenz, seine Geschichten in einem gemĂ€chlichen ErzĂ€hltempo vorzutragen, denn man nimmt sich die Zeit, die Grundstrukturen der Serie zu etablieren, ohne dabei zu hetzen. WĂ€hrend andere Serien ihre PrĂ€misse dem Zuschauer bereits nach 5-10 Minuten vor Augen fĂŒhren, verteilt sich dieser Prozess der Comicadaption ĂŒber die gesamte Folge.
Das resultiert allerdings streckenweise in einer gewissen Langatmigkeit der ca. 54-minĂŒtigen Pilotepisode, fĂŒr die der Zuschauer ein wenig Geduld mitbringen muss. Doch das lohnt sich, denn obwohl zunĂ€chst viele Fragen aufgeworfen werden, bekommen wir genug PuzzlestĂŒcke und Fortschritt zum Ende hin geliefert, um Interesse an den kommenden Geschehnissen zu wecken.
Bisher unterscheidet sich die Story jedoch noch nicht sonderlich von den zahlreichen Filmen, die sich rund um das Thema âExorzismusâ drehen. Wir werden sehen, was der Schöpfer von The Walking Dead noch alles parat hat, um seine Geschichte und sein Setting von den anderen Genrevertretern zu unterscheiden.
Kirkmans Comicvorlage ist momentan noch kein zuverlĂ€ssiger Indikator um herauszufinden, wohin die Reise gehen wird, da der dritte Sammelband mit wenig Vorsprung in den USA im Juli erscheint und die Comics somit mehr oder weniger parallel zur Serie veröffentlicht werden. Ob Kyle und Reverend Anderson jede Woche von Fall zu Fall ziehen oder die Struktur der Story sich hauptsĂ€chlich auf folgenĂŒbergreifende Handlung konzentriert, werden wir bald feststellen.

Der Cast
Die Darsteller von Outcast erweisen sich als relativ unverbrauchte Gesichter. Protagonist Kyle wird durch Patrick Fugit verkörpert, bei dem es sich zeigen wird, ob er eine Dramaserie dieses Kalibers tragen kann. Bisher macht er einen durchaus fÀhigen Eindruck.
An seiner Seite sehen wir den Briten Philip Glenister, der ĂŒber reichlich Erfahrung im Serienbereich in England verfĂŒgt, auf dem amerikanischen Markt jedoch noch ein ziemlich unbeschriebenes Blatt ist.
Wrenn Schmidt als Kyles Adoptivschwester Megan spielte bereits in kleinen Rollen in bekannten Produktionen wie The Americans, Boardwalk Empire oder Person of Interest mit.
Die schauspielerischen Leistungen in der Pilotepisode sind durchaus anstĂ€ndig, wobei man noch lobend Gabriel Bateman erwĂ€hnen sollte, der es schafft, den von DĂ€monen besessenen kleinen Jungen Joshua mit einem nicht unerheblichen GĂ€nsehautfaktor rĂŒber zu bringen.
Die Technik
Die stilisierte Introsequenz kĂŒndigt bereits an, dass âProduction Valueâ bei Outcast groĂ geschrieben wird. Thematisch passend sind die Aufnahmen in vielen Grautönen mit geringer FarbsĂ€ttigung gehalten. Das Setting in der Kleinstadt klingt zwar nicht spektakulĂ€r, doch die simplen, teils trostlosen Aufnahmen, fangen auf wunderbare Weise die Stimmung der Serie ein.
Die kurzen Actionsequenzen wirken wuchtig und das Zusammenspiel von Kameraaufnahmen und Schnitt funktioniert auch hier sehr effektiv. Ăhnlich gute QualitĂ€t lĂ€sst sich auch den unterstreichend bedrohlichen Tonaufnahmen attestieren. Es wird schnell klar, dass das gesamten Produktionsteam Experten auf ihren jeweiligen Gebieten aufbieten kann.
FĂŒr die Inszenierung von A Darkness Surrounds Him nahm Adam Wingard im Regiestuhl Platz, der im Horrorgenre bereits durch Filme wie „You're Next“ Erfahrung sammeln konnte und demnĂ€chst fĂŒr die Realfilmadaption des Anime-Kultklassikers Death Note verantwortlich zeichnen wird.
Welchen Eindruck vermittelt die Pilotepisode?
Outcast wurde von Cinemax bereits vor der Premiere der ersten Episode um eine zweite Staffel verlĂ€ngert. Das ist natĂŒrlich ein enormer Vertrauensvorschuss fĂŒr Robert Kirkman und sein Team. Die Serie besticht bereits jetzt durch eine extrem dichte AtmosphĂ€re und könnte frischen Wind in das angestaubte Konzept des Exorzisus-Horrors bringen.
Die Handschrift des Schöpfers von The Walking Dead zeigt sich nicht nur im ErzÀhltempo, sondern auch in der schonungslosen Gewaltdarstellung. Zwar halten sich die Gore-Effekte in Grenzen, doch Protagonist Kyle geht mit dem besessenen Joshua alles andere als zimperlich um, so dass dieser seine MilchzÀhne nach dem Kampf neu sortieren muss.
Eine gute Balance aus aufkommen Fragen und genĂŒgend Antwortfragmenten liefert ausreichend Motivation, weiteren Episoden eine Chance zu geben. Protagonist Kyle ist eine angeschlagene Figur auf dem Tiefpunkt ihres Lebens, deren Lebensmut aufgebraucht zu sein scheint. Simple Konversationen oder die direkte Ehrlichkeit eines Kindes können die tiefen Wunden in ihm jederzeit erneut aufreiĂen. Er ist ein introvertierter, fragiler Charakter, der durch die Geschehnisse neue Lebenskraft schöpfen und einen Platz in der Welt finden könnte. Es werden bereits zahlreiche komplexe Nuancen aufgebaut, die ihn zu einer interessanten Hauptfigur machen werden.
Die Bewohner von Rome im US-Bundestaat West Virginia sprechen mit einem fĂŒr die Appalachen typischen Akzent, der das GefĂŒhl, sich in einer Kleinstadt zu befinden, unterstreicht. Wie stark Glaube und Religion als ein zentrales Thema dargestellt werden, bleibt abzuwarten, mit Reverend Anderson haben wir zumindest einen desillusionierten Priester vor uns, der fĂŒr einen Geistlichen einige Laster sein Eigen nennt, was ihn aber nahbarer und durchaus sympathisch wirken lĂ€sst.
Fazit
A Darkness Surrounds Him ist ein gelungener, atmosphĂ€rischer Einstand mit kleinen LĂ€ngen. Technisch bewegt sich Outcast auf höchstem Niveau und lĂ€sst auf diesem Gebiet bisher keine WĂŒnsche offen. Der unverbrauchte Cast sowie vielschichtige Charaktere bergen definitiv Potential. Diverse gruslige Momente und dĂŒstere Stimmung machen Lust auf mehr. Es bleibt nur zu hoffen, dass es den Machern um Robert Kirkman gelingt, die generische Exorzismus-PrĂ€misse genug aufzuwerten, damit die Serie sich nicht im Schatten eines angestaubten Untergenres verliert. Wem die Mischung aus Drama, Mystery und Horror grundsĂ€tzlich zusagt, fĂŒr den lohnt es sich auf jeden Fall, einen Blick zu riskieren.
Der Trailer zur ersten Staffel von âOutcastâ:
Verfasser: Tim KrĂŒger am Donnerstag, 26. Mai 2016Outcast 1x01 Trailer
(Outcast 1x01)
Schauspieler in der Episode Outcast 1x01
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei EpisodenfĂŒhrern?