Orphan Black 3x10

Orphan Black 3x10

Nach einem aufregenden und besonders ereignisreichen Staffelfinale ist es Zeit, einen Blick auf den Klonclub und seine Freunde und Feinde zu werfen, um damit die dritte Staffel von Orphan Black noch einmal Revue passieren zu lassen.

„Orphan Black“ / (c) BBC America
„Orphan Black“ / (c) BBC America

In der dritten Staffel von Orphan Black tummelten sich mehr Klone als je zuvor. Abgesehen von einer ordentlichen Portion Tatiana Maslany lag der Fokus dieses Mal zusätzlich auf ihrem männlichen Konterpart (Ari Millen), der die Sprösslinge des Castor-Projekts verkörpern durfte.

Krystal & Rachel

Mit Krystal durfte Tatiana Maslany zum ersten Mal das blonde Dummchen mimen, auch wenn Sarah ihr mehr Intelligenz unterstellt, als es zunächst den Anschein hat. Ungünstigerweise wird sie zum Opfer des Täuschungsmanövers der Neolutionisten, woraufhin sie im Dyad Institut landet und dort nun möglicherweise ein paar Antworten erhält, nachdem sie zuvor bereits eine unangenehme Begegnung mit zwei Castor-Klonen hatte.

Rachel war nach ihrer Notoperation zunächst nur noch ein Schatten ihrer selbst. Trotz allem, was man über sie wusste, konnte sie einem beinahe leid tun, denn das Mitleid ihrer Besucher im Dyad Institut hielt sich nicht nur in Grenzen. Ihr schlug vielmehr eine beinahe allgegenwärtige Antipathie entgegen, gegen welche sie sich aufgrund ihres Gesundheitszustands kaum zu wehren vermochte. Doch jetzt, da sie ihr schickes neues Auge erhalten hat und mit der Ehefrau von Aldus Leekie höchstwahrscheinlich kooperieren wird, steht sie wieder auf der anderen Seite des Zauns, nachdem sie ein kurzes Erlebnis innerhalb ihrer verloren gegangenen Klonfamilie erleben durfte. In den letzten Szenen scheint ihr Sprachzentrum wieder einigermaßen intakt zu sein, so dass eigentlich nur wenig Zweifel bestehen, dass sie stärker als je zuvor zurückkehren wird.

Felix

Felix (Jordan Gavaris) teilte sich seine stärkste Szene der Staffel mit Rachel. Dabei zeigt er aus der Verzweiflung eine Grausamkeit, die verständlich, aber so untypisch ist, dass die Art, wie er mit ihr umgeht, sehr unerwartet kommt. Eben aus diesem Grund wirkt diese Szene schließlich auch so außergewöhnlich intensiv. Ansonsten durfte er nicht nur Türen eintreten, er ist auch durch seine aktive Hilfe für Alison und Sarah ein konstanter Faktor gewesen, der die Schwestern zusammenhielt.

Dr. Coady & Paul

Dr. Coady (Kyra Harper) repräsentierte die Militäroperation, welche die Kontrolle über Projekt Castor und die Experimente der Brüder als potentielle Biowaffen hatte. Doch die moralisch mehr als grenzwertigen Methoden, um ebendieses Ziel zu erreichen, brachten Paul gegen sie auf, was einen Großteil ihrer Operation in Mexiko schließlich zu Fall brachte.

Dass Paul und seine Storyline noch ein dermaßen starkes Ende erhalten, hätte ich nicht vermutet. Sein Konflikt mit den Methoden von Dr. Coady und sein ultimatives Opfer tragen maßgeblich dazu bei, dass ich Certain Agony of the Battlefield als die beste Episode der Staffel empfand, in der sich Orphan Black in Hochform zeigte.

Donnie & Alison

Wie schon in der letzten Staffel sorgten Donnie (Kristian Bruun) und Alison (Tatiana Maslany) für ein angenehmes Maß an Unterhaltung. Während ihr Aufstieg als Drogendealer diesen gewissen Spaßfaktor behielt, wirkte die Story rund um ihre Kandidatur etwas aufgedrängt, um Felix und Cosima außerhalb ihrer Geschichten noch etwas zu tun zu geben und wieder einmal „Klon wechsel dich“ spielen zu können. Wohin genau das Eifersuchtsdrama mit Jason (Justin Chatwin) führt, ist ebenfalls nicht so klar. Merklich war dessen Abwesenheit im Staffelfinale. Zudem wäre es gut zu wissen, was eigentlich passiert ist, nachdem Helena bei Pouchy (Tony Cianchino) aufgeräumt hat. Schließlich sollte die Entdeckung des Tatorts sicherlich die Aufmerksamkeit der Polizei und der Presse erwecken.

Orphan Black © BBC America
Orphan Black © BBC America

Cosima, Delphine & Shay

Die Dreiecksbeziehung zwischen Cosima, Delphine (Evelyne Brochu) und Shay (Ksenia Solo) kam nur äußerst langsam in Fahrt und bildete somit eine Storyline, welche nicht vollkommen überzeugen konnte. Es ist erstaunlich, dass Shay nach Delphines unangenehmem Besuch inklusive Morddrohungen nicht bereits das Weite gesucht hat, so dass es durchaus immer noch möglich ist, dass sie mehr als nur romantische Motive für ihre Beziehung zu Cosima hat. Vielleicht ist sie auch am dramatischen Tod von Delphine beteiligt, deren letzte Worte an ihren Mörder „What will happen to her?“ waren, was sich möglicherweise auf Cosima beziehen könnte.

Cosima musste wieder gesundheitliche Rückschläge hinnehmen - und ihren Beziehungen den Status „Es ist kompliziert“ zu geben, ist noch vorsichtig formuliert. Doch durch die Proben der ursprünglichen Castor/Leda gibt es wieder Hoffnung am Horizont, falls sie sich von Delphines Tod erholt und Shay ihr nicht in den Rücken fallen sollte. Es scheint so, als ob ihr Liebesleben seine tragische Note beibehalten wird.

Delphine (Evelyne Brochu) wurde zwischenzeitlich zu „Hellphine“, denn, um ihre Rolle an der Spitze des Dyad Instituts einzunehmen, musste sie sich eine emotionale Rüstung zulegen, um die harten, aber nötigen Entscheidungen treffen zu können. Dabei bröckelte ihre Fassade immer öfter bei ihren Interaktionen mit Cosima, wodurch immer wieder zum Vorschein trat, welchen Tribut sie für diese Position zwischen den Fronten durch ihre Gefühle gegenüber Cosima und ihren Schwestern bezahlen musste. Auch wenn sie zwischenzeitlich zu weit ging, lenkte sie rechtzeitig mit einer großen Geste gegenüber Shay und Cosima ein, was das drohende Unheil schon vermuten ließ. Eine interessante Charakterentwicklung, ein dramatisches Ende und eine tolle Leistung von Evelyne Brochu. Ich werde sie in der nächsten Staffel vermissen, denn Serienschöpfer John Fawcetts Anmerkungen nach der letzten Episode lassen wenig Hoffnung auf ihr Überleben zu.

Ferdinand & Siobhan

Who's a dirty clone?“ Ferdinands (James Frain) Auftritte waren stets ein Vergnügen und sein sich anbahnender Wechsel vom mörderischen Antagonisten ins Team „Clone-Club“ dürfte enormes und aus Autorensicht exzellentes Konfliktpotential mit Ms. S. Versprechen. Schließlich hat er einen ihrer guten Freunde auf dem Gewissen. Seine Involvierung in der nächsten Staffel ist dementsprechend ein Grund zur Vorfreude.

Siobhan (Maria Doyle Kennedy) musste hart dafür arbeiten, sich das Vertrauen von Sarah und vor allem auch Helena im Verlauf der dritten Staffel wieder zu erkämpfen. Vor allem aber löste die Begegnung mit ihrer Mutter (Alison Steadman) ein nicht unerhebliches Gefühlschaos in ihr aus. Dass diese schließlich auftaute und ihr genug Informationen offenbarte, die eine Versöhnung möglich machten, tat ihr offensichtlich gut. Es war auch ein verdienter Schluss, nachdem sie von Sarah lange Zeit großes Misstrauen und böse Blicke hinnehmen musste. Auch interessant war die kurze Gesangseinlage im Pub, welche Maria Doyle Kennedy die Gelegenheit gab, ihr Talent, welches sie als Folksängerin auf ihren Alben unter Beweis stellt, zum Besten zu geben.

Helena

Helenas erste Staffelhälfte beinhaltete den sehr unangenehmen Aufenthalt in Mexiko, bei dem ihr immerhin der ebenfalls von Tatiana Maslany gesprochene Skorpion zur Seite stand. Dieser scheint letztendlich für ihren Überlebensinstinkt gestanden zu haben, da er ihr aus praktischen Gründen davon abgeraten hatte, sowohl Sarah mitzunehmen als auch einem der Castor-Klone den Gnadenstoß zu geben. Dafür ist der imaginäre Achtbeiner dementsprechend auch verspeist worden. Zusätzlich durfte Helena sowohl bei der „Geldzurückerstattung“ bei Pouchy als auch in ihrem kurzen Kampf gegen Rudy glänzen, dem sie vor seinem Ableben noch einem Moment der Verbundenheit gewährte. Dies legte nach ihrem Kommentar zu den Unterschieden zwischen ihnen den Pfad der Empathie, auf dem sie zu schreiten versucht, noch einmal deutlich dar.

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Die Castor-Klone & Gracie

Die Castor-Klone traten vorwiegend in Form von Rudy (Ari Millen) und Mark auf. Rudy blieb dabei stets loyal zur Agenda von Dr. Coady und bekam statt eines großen Kampfes aufgrund seiner Krankheit eher ein poetisches Ende spendiert.

Mark schlug sich immer wieder auf die Seite seiner Schwestern und hatte im Vergleich zu seinen Brüdern als einziger ein wirkliches Gewissen. Ausschlaggebend dafür ist seine Beziehung zu Gracie (Zoe De Grand Maison), die nach großem Hin und Her die Proletheans hinter sich ließ, um mit Mark zusammen sein zu können. Allerdings nicht, ohne ihrem Mann zuliebe dem Klonclub in den Rücken zu fallen.

Sarah

Für Sarah stand in dieser Staffel die Entwicklung ihrer Familie im Vordergrund. Mittlerweile ist es ihr gelungen, alle ihre Schwestern (selbst die schwierigeren Fälle) in ihr Herz zu schließen, während sie gleichzeitig alles daran setzte, diese vor Gefahren zu beschützen und deren Gesundheit zu bewahren. Ob sie dabei selbst in die Schusslinie und in Schwierigkeiten geriet, war ihr egal. Dabei erfuhr sie von Paul und auch Art (Kevin Hanchard), dass sowohl Beth als auch sie selbst den Männern in ihrem Leben wesentlich mehr bedeutet, als sie es geahnt hatte. Dabei war unter anderem ihr therapeutisches Traumgespräch mit Beth eines der Highlights, welches zu ihrer persönlichen Weiterentwicklung als Mensch beitrug.

Fazit

Es ist mittlerweile fast schon obligatorisch, Tatiana Maslany für ihre großartige Darstellung zu loben. Trotzdem führt kein Weg daran vorbei, es zu erwähnen. Denn die Hingabe und die Detailverliebtheit, die in kleinsten Nuancen in Körpersprache und anderen Akzenten merklich ist, bleibt auch nach drei Staffeln noch großartig. Ihr männliches Pendant in Form von Ari Millen macht seine Sache ebenfalls ziemlich gut, kommt aber nicht ganz an ihre Leistung heran.

Nach einem langsamen Start und ein paar kleinen Handlungssträngen, die nur teilweise überzeugen konnten, lieferte Orphan Black eine wirklich gelungene dritte Staffel ab. Der qualitative Höhepunkt war dabei in der Mitte der Staffel in der Episode Certain Agony of the Battlefield) zu spüren, welche selbst vom starken Staffelfinale History Yet to Be Written nicht getoppt werden konnte. Dabei bildete das harmonische Dinner, ähnlich wie die Tanzeinlage es der letzten Staffel, einen angenehmen Abschluss. Die Luft ist noch nicht raus aus der Serie und was bleibt, ist die Vorfreude auf die kommende Staffel.

Verfasser: Tim Krüger am Dienstag, 23. Juni 2015

Orphan Black 3x10 Trailer

Episode
Staffel 3, Episode 10
(Orphan Black 3x10)
Deutscher Titel der Episode
Adam und Eva
Titel der Episode im Original
History Yet to Be Written
Erstausstrahlung der Episode in Kanada
Samstag, 20. Juni 2015 (Space)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Dienstag, 15. März 2016
Autoren
Graeme Manson, Aubrey Nealon
Regisseur
John Fawcett

Schauspieler in der Episode Orphan Black 3x10

Darsteller
Rolle
Jordan Gavaris
Kevin Hanchard
Art
Ari Millen
Evelyne Brochu
Maria Doyle Kennedy

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