Orange Is the New Black 2x12

Orange Is the New Black 2x12

In It Was the Change zeigt eine Figur endgültig ihr wahres Gesicht und versucht, die Macht im Gefängnis an sich zu reißen. Indes werden die Wärter und Insassinnen von Litchfield von einem horrenden Sturm in Atem gehalten, was mehrere Konflikte verschärft.

Wegen des Unwetters müssen die Häftlinge mitsamt ihren Matratzen in den obersten Stock umziehen. / (c) Netflix
Wegen des Unwetters müssen die Häftlinge mitsamt ihren Matratzen in den obersten Stock umziehen. / (c) Netflix

Der Einsatz eines Sturms ist ein beliebtes Stilmittel unter Serienschaffenden. Es wurde beispielsweise schon in Dawson's Creek (Hurricane) oder bei The Sopranos (I Dream of Jeannie Cusamano) eingesetzt. Diverse Konfliktparteien werden durch das Aufkommen eines Unwetters oftmals dazu gezwungen, unbestimmte Zeit auf engstem Raum miteinander zu verbringen, was die Konflikte natürlich noch einmal ordentlich anheizt.

Something's gonna fuck you: The system, the man, Vee

Nun ist ein Gefängnis sowieso schon ein Ort, an dem Menschen auf engstem Raum zusammenleben müssen. Aber auch hier gibt es noch einmal eine Steigerung. Weil an der Spitze des Frauengefängnisses in Litchfield die korrupte Leiterin Figueroa (Alysia Reiner) sitzt, sind Reparatur- und Instandhaltungsarbeiten jahrelang vernachlässigt worden. Schlimmer noch: Die für solche Maßnahmen bestimmten Gelder sind von ihr veruntreut und in die Wahlkampagne ihres (schwulen) Ehemanns Jason (Peter Rini) umgeleitet worden.

Also bleibt den Wärtern nichts anderes übrig, als die Insassinnen auf kleinstem Raum im obersten Stockwerk zusammenzupferchen. Der Keller ist schon überflutet, und das Wasser droht, als nächstes die Bibliothek zu erreichen. Was jedoch viel schlimmer wiegt: Das gesamte Abwassersystem des Gefängnisses ist unbrauchbar geworden. Die Häftlinge müssen ihr Geschäft also in Eimer erledigen und eigenhändig entsorgen. Während sie in unhaltbaren sanitären Zuständen vor sich hin vegetieren, vergnügt sich Figueroa auf einer Wahlkampfparty ihres Ehemannes mit dem ehemaligen Footballstar der New York Giants, Tiki Barber (der hier wirklich einen Auftritt hat).

Die Episode nutzt die nunmehr dritte Rückblende in die Vergangenheit von Vee (Lorraine Toussaint), um deren Verschlagenheit eingehend zu porträtieren. Den Tod ihres ehemaligen Ziehsohnes und Handlangers RJ (Eric D. Hill Jr.) hatten wir schon in einer früheren Episode aus der Sicht von Taystee (Danielle Brooks) mitbekommen, nun wird der Hintergrund dazu beleuchtet. Weil RJ Ambitionen hat, eigene Drogengeschäfte zu betreiben, lässt sich Vee eine ödipal angehauchte Hinterlist einfallen. Sie verführt ihren Laufburschen und treibt ihn danach direkt vor die Pistole des korrupten Polizisten, der für sie arbeitet.

Zwischen Red (Kate Mulgrew; l.) und Vee (Lorraine Toussaint) kommt es zum endgültigen Showdown. © Netflix
Zwischen Red (Kate Mulgrew; l.) und Vee (Lorraine Toussaint) kommt es zum endgültigen Showdown. © Netflix

Dass die Figur der Vee zum Interessantesten gehört, was die zweite Staffel von Orange Is the New Black zu bieten hat, liegt zu einem großen Teil am Schauspiel Toussaints. Dank ihrer famosen Darstellung wissen wir Zuschauer nie genau, woran wir bei ihr wirklich sind - so können wir uns blendend in die Rolle ihrer Widersacherinnen einfühlen. Sie verkörpert eine besonders perfide Form des Bösen, die Form, die ihren Gegenspielerinnen vordergründig Honig um den Mund schmiert, um sie dann hinterrücks niederzuschlagen.

Are you gonna let all the men die out?

Genau so ergeht es in der letzten Szene der Episode schließlich Red (Kate Mulgrew), die sich zuvor bei ihrem Mordversuch an Vee allzu dämlich angestellt hatte und nun die erneute Quittung dafür kassiert, dass sie ihrer Widersacherin einmal mehr vertraut hat. Besonders elegant oder taktisch ausgeklügelt ist Vees Vorgehensweise nun nicht mehr. Trotzdem weiß sie genau, welchen Zeitpunkt sie wählen muss, um sich unbemerkt an Red heranschleichen zu können - und welche Vorbereitungen dafür nötig sind. Beinahe jedes Mal, wenn Vee in den vergangenen Folgen eine Schwäche zeigte, war dies reines Theater, um den jeweiligen Antagonisten in Sicherheit zu wiegen. Und wenn sie doch einmal eine echte Schwäche zeigte (wie ihre Sorge um die eintretende Menopause), dann wusste sie sich anderweitig Bestätigung zu holen (indem sie einfach einen viel jüngeren Mann verführte).

Zwischen Daya (Dascha Polanco) und John Bennett (Matt McGorry) kommt es indes ebenfalls zu großen Spannungen. Nachdem sie eine Panikattacke dank der Hilfe von Wärter Donaldson (Brendan Burke) überwunden hat, fordert sie John erneut dazu auf, die unbequeme Wahrheit zu gestehen, seine Strafe anzunehmen und nach abgesessener (wahrscheinlicher) Haftzeit ein gemeinsames Leben mit ihr zu beginnen. Seine andere Option sei, sie, das Baby und Litchfield hinter sich zu lassen und sich woanders ein neues Leben aufzubauen. Bennett entscheidet sich vorerst für keine der beiden Optionen.

It Was the Change schafft es, beinahe sämtlichen Haupt- und Nebenfiguren zumindest kurze Spielzeit einzuräumen. Die beiden Junkies Angie (Julie Lake) und Leanne (Emma Myles) knallen sich auf ihrer verzweifelten Suche nach Rauschmitteln Muskatnuss in die Rübe, Pennsatucky (Taryn Manning) lässt sich von Verschwörungstheoretiker Healy (Michael Harney) und Boo (Lea DeLaria) zur Schwulenaktivistin ausbilden, und Brook Soso (Kimiko Glenn) unterhält die Zusammengepferchten mit Popsongs von Meredith Brooks („Bitch“) und Lisa Loeb („Stay (I Missed You)“).

Für Gefängnisleiterin Natalie Figueroa (Alysia Reiner) wird die Lage brenzlig. © Netflix
Für Gefängnisleiterin Natalie Figueroa (Alysia Reiner) wird die Lage brenzlig. © Netflix

Die stets besorgte Lorna (Yael Stone) erkundigt sich nach dem Gesundheitszustand der todkranken Miss Rosa (Barbara Rosenblat) und schenkt ihr einen Lolli. Auch an anderer Stelle geht es endlich wieder versöhnlicher zu. Poussey (Samira Wiley) und Taystee werden dazu abgeordnet, die Bücher der Bibliothek vor den nahenden Wassermassen zu retten. Erst beschuldigt Taystee ihre ehemalige Freundin, für ihren Ausschluss aus Vees Schmuggelbande verantwortlich zu sein. Nach einem kurzen, handfesten Streit vertragen sich die beiden aber wieder.

Do I hear light jazz?

Piper (Taylor Schilling) lotet indes alle Möglichkeiten aus, eine Verlegung nach Virginia abzuwenden. Sie ist sich sicher, dass sie dort keinen Besuch mehr von ihren Verwandten, Freunden oder von Alex (Laura Prepon) bekommen würde. Zunächst versucht sie, sich mit Maria Ruiz (Jessica Pimentel) zu verbünden, die auch dorthin verlegt werden soll, an einer Verbrüderung (Verschwesterung?) jedoch wenig Interesse zeigt. Sie macht sich viel eher Sorgen um ihr Baby und ihren Freund Yadriel (Ian Paola), der kein gesteigertes Interesse zeigt, sich mit dem Kind eingehend auseinanderzusetzen.

Die auf einer Reparaturmission mit Luschek (Matt Peters) und Nicky (Natasha Lyonne) erhaltene Erkenntnis, dass die Ersatzgeneratoren leer sind und offensichtlich kein Diesel nachbestellt wurde, veranlasst sie schließlich zu einer einfachen Erkenntnis: „This place is bullshit“ („Dieser Ort ist Schwachsinn“). Zu ihrem Ärger über vernachlässigte Instandhaltung gesellt sich die Gewissheit darüber, dass Figueroa sie mit der Verlegung für ihr journalistisches Engagement bestrafen und eine weitere kritische Stimme unterdrücken will. Also nutzt Piper den tiefen Schlaf von Wärterin Wanda (Catherine Curtin) aus, um in Figueroas Büro einzubrechen. Dabei wird sie von Caputo (Nick Sandow) erwischt, der jedoch ebenfalls großes Interesse daran haben dürfte, die korrupten Machenschaften Figueroas endlich aufzudecken.

Diese vorletzte Episode der zweiten Staffel von Orange Is the New Black findet einmal mehr die beinahe perfekte Balance zwischen Humor und Drama. Doch für mich verharrt die Serie weiterhin auf dem Niveau einer sehr guten Dramedy - für den Sprung unter die besten Dramaserien fehlt momentan einfach eine gesteigerte Dramatik, eine größere Fallhöhe für die Protagonisten. Mag sein, dass die Autoren gar nicht das Ziel verfolgen, ihr Format dramatischer, wirkungsvoller, eindringlicher zu gestalten. Ich glaube aber, dass sie die Fähigkeit dazu hätten. Stellenweise ist mir „OITNB“ einfach zu harmlos. Viel Spaß macht diese muntere Harmlosigkeit aber trotzdem.

Verfasser: Axel Schmitt am Samstag, 26. Juli 2014
Episode
Staffel 2, Episode 12
(Orange Is the New Black 2x12)
Deutscher Titel der Episode
Die Wechseljahre
Titel der Episode im Original
It Was the Change
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Freitag, 6. Juni 2014 (Netflix)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Dienstag, 16. September 2014
Autor
Sara Hess
Regisseur
Phil Abraham

Schauspieler in der Episode Orange Is the New Black 2x12

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