Orange Is the New Black 2x08

Orange Is the New Black 2x08

In Appropriately Sized Pots zieht die Gefängnisleitung die disziplinarischen Zügel an, was sowohl Wärter als auch Insassinnen betrifft. Eine liebenswerte Figur muss den Hut nehmen und wird durch ihr genaues Gegenteil ersetzt. Derweil verwundert die auffallende Abwesenheit einer Hauptdarstellerin.

Miss Rosa (Barbara Rosenblat) bekommt im Krankenhaus noch einmal einen Adrenalinschub. / (c) Netflix
Miss Rosa (Barbara Rosenblat) bekommt im Krankenhaus noch einmal einen Adrenalinschub. / (c) Netflix

Ich freute mich sehr über die Nachricht, Taryn Manning würde in ihrer Rolle als „Pennsatucky“ fortan zum Hauptcast von Orange Is the New Black gehören. Doch davon ist in der zweiten Staffel leider kaum etwas zu sehen. Ihre Figur war zwar schon zuvor comichaft überzeichnet. In den neuen Episoden ist sie jedoch kaum mehr als eine Stichwortgeberin. In der ersten Staffel hatte sie noch einen eigenen Handlungsbogen, nun ist davon nichts zu sehen.

People get soft when they're dying

Mit Brook Soso (Kimiko Glenn) scheint ein Nebencharakter ihren Platz eingenommen zu haben, der Pennsatuckys Verve jedoch nicht gleichwertig ersetzen kann. Viel mehr als ein leichtes Schmunzeln können Brooks Allüren bei mir nicht hervorrufen. Die immer gleiche Geschichte vom renitenten Gutmenschen entfernt sich mit jeder Episode immer weiter von der Realität. Diesem vorlauten Gör wäre doch im echten Frauengefängnis schon längst der Kopf gewaschen worden - ganz so, wie es Piper (Taylor Schilling) nach ihrer Ankunft ergangen ist.

Deren Handlungsbogen entfachte bei mir ebenso wenig Begeisterung. Wie zu erwarten war, löst die Nachricht über ihren erfolgreichen Antrag auf Freigang bei ihren Mithäftlingen Neid und Missgunst aus. Die Fraktion der Afroamerikanerinnen wittert Rassismus, woraufhin Piper erst eine flammende Verteidigungsrede hält und sich dann doch dazu entschließt, den Antrag zurückzuziehen. Nun fällt Healy die Rolle zu, Piper zu ihrem Glück zu überreden.

Die ganze Sequenz hat bei mir nicht richtig gezündet. Pipers Plädoyer hinterließ keinen bleibenden Eindruck, was vor allem daran liegt, dass sie hier klar im Unrecht ist und es sich um eine ungerechte Zuteilung eines Freigangs handelt. Der Aufschrei der dunkelhäutigen Insassinnen ist gerechtfertigt. Wenn die Autoren es nun bei dieser missratenen Brandrede und Suzannes (Uzo Aduba) Dessertanschlag belassen hätten, wäre das noch hinnehmbar gewesen. Aber warum kann Piper dann nicht in ihrer vorgegebenen Charakterzeichnung bleiben und stark sein? Die Piper vom Anfang ihres Gefängnisaufenthalts wäre ganz sicher wieder zu Healy gestürmt, die neue Piper aber eher nicht. Und woher hat Healy die Motivation, Piper zu überreden? Hätte ein figurentreuer Healy nicht viel eher die Schnauze voll von solchem Benehmen?

Figueroa (Alysia Reiner) lebt ihren Frust an den Untergebenen aus. © Netflix
Figueroa (Alysia Reiner) lebt ihren Frust an den Untergebenen aus. © Netflix

Am Ende bekommt Piper die Nachricht, dass ihre geliebte Großmutter bereits verstorben ist. Ob ihr Freigang nun weiterhin Bestand hat - vielleicht, um an ihrer Beerdigung teilzunehmen? Sie könnte ihre 48 Stunden in Freiheit ebenso dazu nutzen, sich um die freigelassene und völlig hilflose Jimmy zu kümmern. Dann könnte sie ihrer Bestürzung darüber endlich auch mal Taten folgen lassen. Oder darüber im Gefängnisnewsletter berichten.

It's never enough

Die Rückblenden in Appropriately Sized Pots erzählen die Vorgeschichte von Miss Rosa (Barbara Rosenblat). Wie sie ihrem Kumpel aus dem Krankenhaus bereits in A Whole Other Hole berichtet hatte, sitzt sie wegen mehrerer Bankraube im Gefängnis. Der angebliche Fluch, der auf ihren Ehemännern und Freunden lastete, wird ebenso aufgeklärt: Gleich zwei ihrer Liebhaber starben nach einem Bankraub und ihrem Ritual, sich vor und nach dem Coup zu küssen.

Nun erlebt sie im Krankenhaus noch einmal den Adrelaninkick, der sie damals in den Größenwahn trieb. Ihr Kumpel bekommt gute Nachrichten, was sie dazu veranlasst, den Fluch für gebannt zu erachten. Dieser Flashback versteht es zwar, Vergangenheits- und Gegenwartserzählstrang miteinander zu verbinden, löst bei mir jedoch den Wunsch nach weniger breiter Streuung der Rückblenden aus. So viele Fragen bleiben offen, dabei könnten sie interessant umgesetzt werden: Hat Rosa irgendwo Beute versteckt? Was macht der einzige Typ, der ihr Kussritual verweigerte und danach nicht starb?

Vielleicht wären die Rückblenden effektiver, würden sie auf wenige Charaktere begrenzt sein. Die Vorgeschichten von Poussey (Samira Wiley), Gloria (Selenis Leyva) oder auch Piper haben auf den weiteren Handlungsverlauf keinerlei Einfluss, lediglich bei Vee (Lorraine Toussaint), Suzanne und Taystee (Danielle Brooks) haben die Rückblenden einen bleibenden Eindruck hinterlassen.

Guess who%26#039;s back: Pornstache (Pablo Schreiber) bei seiner Rückkehr. © Netflix
Guess who%26#039;s back: Pornstache (Pablo Schreiber) bei seiner Rückkehr. © Netflix

Die Hinterzimmergespräche zwischen Vee, Gloria und Red (Kate Mulgrew) gehen unterdessen weiter. Vee versucht, Gloria mit Zigaretten auf ihre Seite zu ziehen, während Red weiterhin die Argumente für einen Zugang zum Gewächshaus postuliert. Deren Verhandlungsposition wird jedoch kurzzeitig geschwächt, als Caputo (Nick Sandow) ins Gewächshaus stürmt und die Töpfe nach Schmuggelware durchwühlt. Red ist ihm jedoch einen Schritt voraus und hat rechtzeitig dafür gesorgt, dass dort nichts gefunden werden kann.

Pack your shit and get the fuck out of here

Caputo verspürt großen Druck seitens seiner frustrierten Vorgesetzten Figueroa (Alysia Reiner) und sieht sich daher gezwungen, die Gefängnisregeln noch strenger durchzusetzen. Fortan bekommen auch seine Untergebenen strengere Vorgaben. Luschek (Matt Peters) soll die gebührende Distanz zwischen sich und den Insassinnen wahren, Fischer (Lauren Lapkus) keine Widerworte machen. Caputos angestauter Frust entlädt sich schließlich während einer Auseinandersetzung mit seiner Angebeteten, an deren Ende er sie entlässt.

Auch dieser Handlungsbogen erscheint reichlich plotgetrieben. Eine der Wachen muss entlassen werden, damit Platz ist, um Pornstache (Pablo Schreiber) zurückzubringen. Diese Wache kann eigentlich nur Fischer sein, weil man bei ihr den Vorwand etabliert hat, dass Caputo in sie verliebt ist und seine Avancen auf wenig Gegenliebe stoßen. Die Motivation mag hinreichend sein, die arbeitsrechtlichen Aspekte werden jedoch ziemlich stark vernachlässigt. Wenngleich in den USA laxere Arbeitnehmerschutzregeln gelten, ist es doch sehr unwahrscheinlich, dass eine Regierungsangestellte so einfach entlassen werden kann.

Pornstache war aber nun mal einer der beliebtesten Charaktere der ersten Staffel und so wollten die Autoren ihn unbedingt wieder zurückholen. Der Handlungsbogen erinnerte mich ein wenig an diverse, wenig nachvollziehbare Handlungsbögen aus der zweiten Staffel von House of Cards. Beim Binge-Modell von Netflix setzt man offensichtlich darauf, dass Zuschauer die Serien in einer großen Sitzung durchschauen und dadurch weniger Zeit haben, sich über fragwürdige Erzählstränge zu wundern. Orange Is the New Black verfügt indes über fantastische Dialoge und Charakterbeziehungen (in dieser Episode: Nicky und Luschek, Fischer und Luschek, Nicky und Fischer), wodurch manch dramaturgischer Lapsus aufgefangen wird.

Verfasser: Axel Schmitt am Sonntag, 6. Juli 2014
Episode
Staffel 2, Episode 8
(Orange Is the New Black 2x08)
Deutscher Titel der Episode
Die richtigen Töpfe
Titel der Episode im Original
Appropriately Sized Pots
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Freitag, 6. Juni 2014 (Netflix)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Dienstag, 16. September 2014
Autoren
Alex Regnery, Hartley Voss
Regisseur
Daisy von Scherler Mayer

Schauspieler in der Episode Orange Is the New Black 2x08

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