Once Upon a Time 2x17

„I am not happy.“ / „I believe Dr. Hopper's office is down the street.“
(Wer als Kunde in Mr. Golds Laden nicht glücklich ist, ist ein Fall für den Psychiater...)
Das passiert in der Once Upon a Time-Folge Welcome to Storybrooke:
Wir schreiben das Jahr 1983: Kurt Flynn (John Pyper-Ferguson, Deception) ist mit seinem Sohn Owen (Benjamin Stockham) zum Campen in den Wald gefahren. Eines Nachts bricht ein gewaliger Sturm über sie herein. Und als sie am Morgen aufwachen, finden sie auf einmal ganz in der Nähe eine Stadt, die am Tag davor noch nicht dagewesen - und die auch auf keiner Karte zu finden ist. Der Sheriff (Jamie Dornan) heißt sie willkommen in Storybrooke. Die Bürgermeisterin (Lana Parrilla) ist zunächst nicht ganz so freundlich: sie ist höchst irritiert, woher die beiden bloß kommen. Schließlich aber wächst ihr vor allem der kleine Owen so sehr ans Herz, dass sie ihn und seinen Papa kaum wieder wegfahren lassen möchte.
In der Gegenwart ist Snow (Ginnifer Goodwin) vollkommen am Boden zerstört, weil sie Cora (Barbara Hershey) getötet hat. Mr. Gold (Robert Carlyle) warnt Emma (Jennifer Morrison) und David (Josh Dallas) davor, dass sich Regina an Snow rächen will. In ihrer Gruft finden sie Hinweise darauf, dass sie an einem Zauberspruch arbeitet, der dafür sorgen würde, dass Henry (Jared Gilmore) sie auch dann noch liebt (oder zumindest der Überzeugung wäre, dass er es tut), wenn sie ihre Rache an Snow vollendet...
Willkommen in den 80ern!
Bevor wir wieder in die Diskussion um die Ursachen für Reginas Unglück einsteigen, welche in Welcome to Storybrooke um zwei sehr interessante Aspekte erweitert wird, möchte ich doch zu allererst die Aufmerksamkeit auf den 80er Jahre Flashback lenken: Hier haben sich die Macher von Once Upon a Time wirklich selbst übertroffen. Nicht nur, dass die Ausstattung (die Autos, das PC-Werbeplakat - „Make 1983 the start of your personal digital revolution“!) die Zeit perfekt zum Leben erweckt. Auch die Inszenierung leistet dazu ihren Beitrag: zunächst mal über die Nachbearbeitung der Bilder. Die Farben in den 80er Rückblenden sind leicht entsättigt, die Bilder körnig und sporadisch mit Unreinheiten versetzt. So wie man das kennt, wenn man eine 80er Jahre Serie heute auf DVD anschaut.
Für mehr Verfolgungsjagden in Serien!
Und dann die Verfolgungsjagd! Als wäre sie direkt aus „Ein Colt für alle Fälle“ oder „Das A-Team“ entliehen. Die Fahrmanöver mit dem Ausreißen des Hecks; der Versuch, den Kontrahenten zu rammen; irgendwas aus Holz (in diesem Falle eine Bank), das beim Überfahrenwerden zersplittert; die Kameraeinstellungen - einfach alles erinnert an die guten alten 80er Jahre Actionserien! Da kann man wirklich nur sagen: Danke, Once Upon a Time, Danke! Das ist echt famos! Gefehlt hat mir eigentlich nur noch die klassische Einstellung Kamera-auf-Höhe-der-Hinterachse-mit-Blick-auf-den-Verfolger. Das wäre das i-Tüpfelchen gewesen. Aber auch so ist die Szene für den 80er Serien Connoisseur ein Fest!
Sie erinnert einen auch daran, wie selten Auto-Verfolgungsjagden in US-Serien geworden sind. Selbst in Produktionen wie Hawaii Five-0 machen sie sich rar. In Deutschland haben wir ja zumindest noch Alarm für Cobra 11 - Die Autobahnpolizei, die in dieser Hinsicht eine Planübererfüllung gewährleistet. Aber in aktuellen US-Serien? Da gibt es klassische Verfolgungsjagden eigentlich kaum noch. Muss mal eine Kolumne darüber schreiben.
Glück und Unglück
Aber zurück zur Folge. Diese beginnt für Regina genau am entgegengesetzten Ende des Emotionsspektrums. Sahen wir sie am Schluss von The Miller's Daughter voller Trauer und Rachsucht, so ist sie am Anfang von Welcome to Storybrooke voll des Glücks: ihr Plan hat perfekt funktioniert. Charming liegt im Koma, Snow erinnert sich nicht mehr an ihn. Außerdem ist sie ein verschüchtertes Mäuschen, das bei jedem Wort der Bürgermeistern zusammenzuckt; ein bloßer Schatten ihres aufsässigen Märchen-Selbsts. Regina hat über alles und jeden die Kontrolle - und mit Sheriff Graham außerdem noch einen sehr feschen Bettwärmer. Es ist der Augenblick ihres größten Triumphes, in dem aber schon der Samen ihres künftigen neuen Unglücks liegt.
Denn wie ihr im Laufe dieser kleinen hübschen „Und täglich grüßt das Murmeltier“-Sequenz klar wird, ist die Welt, die sie sich da geschaffen hat, auf die Dauer von einer tödlichen Langeweile. So sehr Kurt und Owen sie am Anfang irritieren und ärgern („Ey, Kleiner, Du sitzt auf meinem Stuhl!“), so willkommen sind die beiden ihr letzten Endes als eine Abwechslung, gerade weil sie sie nicht kontrolliert. Aber um ihres eigenen Glücks wegen würde sie die beiden schließlich doch gerne unter ihre Gewalt bringen. Hier verortet Welcome to Storybrooke einen der entscheidenden Gründe für Reginas Unglück: dass sie alles zugleich will, selbst wenn es sich dabei um einander ausschließende Dinge handelt.
Regina will aus freien Stücken geliebt werden. Aber sie will auch darüber die Kontrolle haben - und sichergehen, dass es passiert. Das wollte sie bei Owen und das will sie bei Henry. Was so natürlich nicht funktioniert. Aus freien Stücken geliebt zu werden, heißt, Kontrolle aufzugeben.
Magie - die Wurzel allen Übels?
Doch die Folge lokalisiert das Problem nicht bloß bei Regina, sondern geht noch einen Schritt weiter: sie stellt - vertreten durch Henry - die Magie als solches in Frage. Sicher, man kann einwenden: Magie tötet keine Menschen. Menschen töten Menschen. Andererseits ist es jedoch die Magie, die (darin Schusswaffen nicht ganz unähnlich) einem problematischen Konfliktlösungsverhalten Vorschub leistet. Es ist die Magie, die Regina glauben lässt, dass sie alles haben kann. Dass sie nicht - wie alle anderen Menschen - Zielprioritäten setzen und sich in Aushandlungsprozesse mit ihrem Gegenüber begeben muss. Sie umgeht das einfach, weil sie über magische Kräfte verfügt.
Wie hätte sich eine Regina ohne Magie gegenüber Kurt und Owen verhalten, nachdem diese das Angebot ausgeschlagen hatten, dauerhaft in Storybrooke zu bleiben? Sie hätte sie einladen können, ihren nächsten Urlaub wieder hier zu verbringen. Sie hätte anbieten können, sie mal in New Jersey - übrigens großartig, wie Regina die Springsteen-Referenz „The Boss“ entgeht! - besuchen zu kommen. Oder sie hätte mit Graham überlegen können, eine eigene Familie zu gründen, jetzt wo sie auf den mütterlichen Geschmack gekommen ist. Aber nein, weil sie über Magie und damit über die notwendige Macht verfügt, versucht sie das Glück zu erzwingen.
Und Henry widerspricht dankenswerterweise Emma, als diese behauptet, dass so etwas doch nur „böse, böse Menschen“ tun. Nein, Magie kann jeden - siehe Schneewittchen - dazu verführen, sich auf moralisch fragwürdiges Territorium zu begeben.
Henry - (Half) Man of Action
Im Grunde ist Henry der eigentliche Held von Welcome to Storybrooke: er durchschaut die Lügen, die ihm seine Mutter und sein Opa auftischen wollen, und lässt sich auch von seinem Papa (Michael Raymond-James) nicht täuschen. Er nimmt eine sehr überzeugende Analyse der Situation vor - und schreitet ungeachtet aller Gefahren beherzt zur Tat (Mann, die sieben Zwerge müssen ihr Dynamit in Zukunft aber wirklich sicherer aufbewahren! Noch nicht mal ein Schild „Eltern haften für ihre Kinder“ war vorhanden...).
Am Ende schafft Henry es sogar, Regina dazu zu bringen, vom Zauber abzulassen. Er macht in dieser Folge wirklich einmal fast alles richtig. Fast, sage ich. Weil ganz zum Schluss - da verbockt er es dann doch wieder ein bisschen: Regina ist diejenige, die über ihren Schatten springt. Und er belässt es bei einem mageren „Dankeschön“, bevor er dann Emma, die in dieser Folge nun wirklich nicht sehr produktiv mitgearbeitet hat, umarmt.
Das wäre nun wirklich nicht nötig gewesen, zumal vor Reginas Augen. Ich weiß nicht, ob es ein Moment war, in dem er Regina hätte umarmen sollen. Das vielleicht nicht. Aber irgendeine deutlichere Geste der Anerkennung (ohne dass diese gleich verblasst, weil er sich in Emmas Arme wirft) wäre schon nett gewesen.
Schau mir ins Herz, Kleines
Immerhin: Regina hat am Ende der Folge so weit dazugelernt, dass sie die Kontrolle auch mal abgeben kann. Als sie das Herz der suizidal nach Erlösung lechzenden Snow betrachet, stellt sie fest, dass diese einen dunklen Fleck in sich trägt - und deshalb ganz von allein für ihre eigene Zerstörung und für die ihrer Familie sorgen wird. Das ist unglaublich fies, vor allem als sie Snow wie einen räudigen Köter von ihrer Türschwelle verjagt, aber zugleich auch unglaublich souverän. Seht Ihr: It does not always suck to be you, Regina.
Der Fremde
Ein Aspekt von Welcome to Storybrooke, von dem im Augenblick noch schwer zu sagen ist, wie man ihn finden soll, ist die Enthüllung, dass Greg (Ethan Embry) in Wahrheit der erwachsene Owen ist. Einerseits ist das ja sicher eine ganz hübsche Idee. Andererseits kollidiert es mit dem bisher kultivierten Eindruck, dass Greg jemand ist, der wirklich nur durch Zufall nach Storybrooke geraten ist - und hier der Magie auf die Spur kommt.
Irgendwie hätte, zumindest dem Rezensenten, diese Version besser gefallen, als dass er gezielt auf der Suche nach seinem Vater ist (wofür es in seinem bisherigen Verhalten eigentlich keinen richtigen Ansatzpunkt gab).
Fazit
Ein grandios in Szene gesetzter Zeitsprung, eine interessante und originell realisierte Charakterstudie, dazu (wieder mal) herausragende schauspielerische Leistungen - und ein Wiedersehen mit Sheriff Graham: Welcome to Storybrooke lässt nahezu keine Wünsche offen.
Trailer zu Folge 2x18 „Selfless, Brave and True“
[videosj=ouat-2x18-trailer]
Verfasser: Christian Junklewitz am Dienstag, 19. März 2013(Once Upon a Time 2x17)
Schauspieler in der Episode Once Upon a Time 2x17
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?