Once Upon a Time 2x16

Once Upon a Time 2x16

Hashtag, Hashtag an der Twitter-Wand, welcher Spoiler ist der Raffinierteste im ganzen Land? Na Ihr, One Will Die... Once Upon a Time verblüfft den Zuschauer mit einer ungemein dramatischen Wende.

#OneWillDie - Einer wird sterben... / (c) ABC
#OneWillDie - Einer wird sterben... / (c) ABC

Das passiert in der Once Upon a Time-Folge The Miller's Daughter:

Emma (Jennifer Morrison), Neal (Michael Raymond-James) und Henry (Jared Gilmore) kapern das Schiff von Captain Hook (Colin O'Donoghue), um den verwundeten Mr. Gold / Rumpelstilzchen (Robert Carlyle) auf dem schnellsten Wege zurück nach Storybrooke zu schaffen. Dort angekommen, werden sie von Snow (Ginnifer Goodwin) und Charming (Josh Dallas) in Empfang genommen. Gemeinsam bereitet man sich auf den unausweichlich scheinenden Kampf gegen das Mutter-Tochter-Gespann Cora (Barbara Hershey) und Regina (Lana Parrilla) vor.

Die beiden müssen sich beeilen: Vom Gift geschwächt ist Rumpel für ihren ursprünglichen Plan nicht mehr zu gebrauchen. Sie müssen ihn mit dem Dolch töten, damit Cora seine Macht an sich nehmen und zur Dark One werden kann. Doch dazu müssen sie ihn erreichen, so lange er noch am Leben ist. Stirbt er nämlich einfach so, ohne vom Dolch durchbohrt zu werden, verpufft seine Magie. Gemeinsam mit Snow heckt Rumpel jedoch einen Plan aus, wie sie gleichzeitig ihn retten und Cora töten können...

Achterbahn

Once Upon a Time gleicht derzeit - qualitativ - einer Achterbahnfahrt. Nach dem Tal der vergangenen Woche, geht es dank The Miller's Daughter wieder rasant aufwärts. Die Handlung in der Storybrooke-Gegenwart läuft auf einen dramatischen und wahrhaft überraschenden Höhepunkt zu. Die ´Märchenwelt-Rückblende erzählt derweil eine emotional überaus packende Geschichte über Demütigung, Verführung, Liebe und Verrat. Und als wären wir wieder in der ersten Staffel, passen Storybrooke- und Märchenwelt-Plot auch noch wunderbar zusammen - und greifen wie ein Zahnrad ins andere (siehe etwa die parallelen Magie-Lektionen, die Rumpel Emma und der jungen Cora erteilt).

Einer. Wird. Sterben.

ABC hat keine Kosten und Mühen gescheut, diese Botschaft im Vorfeld der Ausstrahlung unters Volk zu bringen. Es ist ein Spoiler, aber einer, dessen Kenntnis den Genuss der Folge nicht verringert, sondern eigentlich sogar noch erhöht. Es hat ein bisschen was von der Art und Weise, wie Steven Moffat zu Beginn der siebten Staffel von Doctor Who mit der Einführung von Jenna-Louise Coleman als neuer Companion verfahren ist: Du streust Spoiler, welche die Erwartung des Publikums in eine bestimmte Richtung lenken, die Du dann durch den tatsächlichen Verlauf der Geschichte unterläufst.

The Miller's Daughter aus der Feder von Torchwood-Autorin Jane Espenson verfährt ganz ähnlich. Das unheilvoll in den Trailern geraunte „One Will Die“ lenkt die Erwartungshaltung dahingehend, dass wir annehmen müssen, dass einer der Protagonisten die Folge nicht überlebt. Mein Verdacht vor Beginn war der, dass der ohnehin nicht sonderlich viel beanspruchte Archie Hopper (Raphael Sbarge) wohl ins Gras beißen müsse (was irgendwie sogar ziemlich cool gewesen wäre: erst stirbt er nur zum Schein und dann in Wirklichkeit). Wen wohl niemand auf der Rechnung hatte, ist Cora. Auch hier wiederum wegen der Erwartungshaltung, dass sie doch The Big Bad dieser Season ist und dass das Staffelfinale auf die große Auseinandersetzung mit ihr hinausläuft. Das tut es nun offenbar nicht.

Das kann man wohl mit Fug und Recht eine gelungene Überraschung nennen. Die Frage lautet nun natürlich: Welche Konsequenzen hat das für den Rest der Staffel? Wie geht es von hier an weiter, wenn einem die primäre Antagonistin abhanden gekommen ist? Oder soll Regina mit ihrem Rachedurst diese Position jetzt wieder einnehmen? Wir werden sehen.

Das mörderische Schneewittchen

Snow hat, so ist unter früheren Reviews in den Kommentaren argumentiert worden, bereits in der Vergangenheit getötet: etwa die Wachen, die sie bei der Befreiung Charmings gemeuchelt hat. Das stimmt. Allerdings ist es nicht ihre primäre Absicht gewesen, diese Wachen zu töten. Sie ist nicht zu diesem Zweck losgezogen, sondern zum Zweck, Charming zu befreien. Und das Töten der Wachen war dazu ein Mittel zum Zweck. In einer konsequentialistischen Ethik, in der es primär auf das Resultat von Handlungen ankommt, würde das keine Rolle spielen. Tot ist tot.

Die Macher von Once Upon a Time vertreten jedoch offensichtlich eine Gesinnungsethik, in der es auf die Intention des Handelns ankommt. Und in dieser Sichtweise hat Schneewittchens Auftreten in The Miller's Daughter tatsächlich eine neue Qualität: sie handelt vorsätzlich („premeditated“), um Cora zu töten. Ja, sie denkt sogar darüber nach, Rumpel über die Klinge springen zu lassen, und wird von diesem Gedanken offenbar nur durch die mögliche negative Konsequenz für sie selbst (nämlich Henrys Reaktion, wenn er feststellen sollte, dass sie seinen Opa hat sterben lassen) abgebracht. Ihre Figur offenbart hier schon ziemlich finstere Züge (welche sich perfekt in der gequält-verzerrten Mimik von Ginnifer Goodwin widerspiegeln).

Grausam

Dabei ist die Tatsache, dass Schneewittchen Cora tötet, per se noch nicht mal das Schlimmste. Wir erinnern uns: Cora hatte ursprünglich den Plan, Rumpelstilzchen als Mordinstrument zu verwenden, um damit Henrys gesamte Familie (bis auf Regina) auszulöschen. Man kann hier durchaus mit einer gewissen Berechtigung darauf verweisen, dass es sich für Snow um einen Kampf um Leben und Tod handelt. Wir haben in der letzten Folge gesehen, wie Cora vor Snows Augen einen kaltblütigen Mord begangen hat. Snow handelt aus Rache, aber ganz eindeutig auch aus einer Art von Notwehr heraus. Schließlich zieht sie erst in dem Augenblick los, Coras Herz zu verfluchen, als Cora und Regina Feuerbälle werfend in Rumpels Laden stehen.

Wirklich übel ist etwas Anderes: Snow benutzt Regina, um deren Mutter zu töten. Und das auf die perfideste Weise, die überhaupt nur vorstellbar ist: Unter dem Vorwand, dass Cora erst mit ihrem Herz wieder in der Lage sei, Regina zu lieben. Snow nutzt die Sehnsucht einer Tochter nach mütterlicher Zuwendung und Liebe aus, um sie zu einem ahnungslosen Mordwerkzeug gegen ihre Mutter zu wenden. Das ist so kalt und grausam, dass einem die Worte fehlen.

Ja, vermutlich hätte es für Snow keinen anderen Weg gegeben, ähnlich nahe an Cora heranzukommen, um ihr das Herz einzusetzen. Vermutlich war sie dazu tatsächlich auf diese List angewiesen. Das macht die Sache allerdings nicht weniger entsetzlich. Und zeigt - mehr noch als die bloße Tötungsabsicht an sich -, wie dunkel es in Schneewittchens Herz geworden ist. Als eine von den „Guten“ kann man sie nach dieser Folge eigentlich nicht mehr sehen. Und das ist für eine Kinder-/Familienserie doch schon ziemlich starker Tobak.

Kein Herz für Cora

Und auch die Märchenwelt-Rückblende ist nicht ohne: da wirft die junge Cora (Rose McGowan, Charmed) dem König (Joaquim de Almeida), der seinen Sohn meistbietend zu verheiratet sucht, vor, er würde ihn zur Hure machen („whore out“). Für eine Disney-Serie sind das schon ziemlich deftige Worte. Ihr Verhältnis zu Rumpelstilzchen ist derweil ganz unmissverständlich als eines der erotischen Verführung charakterisiert. Auch hier gilt: für eine Disney-Produktion treibt es The Miller's Daughter ganz schön weit. Was eindeutig als Kompliment zu verstehen ist!

Gleich die erste Szene liefert einen starken, emotional durch und durch nachvollzieh- und empfindbaren Hintergrund für Coras Machtstreben: Sie, die hart arbeitende Tochter eines recht nutzlosen Säufers wird unter dem ständischen Hochmut der royalen Gesellschaft gedemütigt und um die Früchte ihrer Arbeit gebracht. Ihr widerfährt zweifelsohne eine schwere Ungerechtigkeit (für die das kindische Verhalten von Schneewittchens Mutter in ihren Jugendjahren der Auslöser ist). Leider ist ihr politisches Bewusstsein nicht so weit entwickelt, dass sie sich nun für einen Umsturz der Verhältnisse einsetzen und etwa zur Vorkämpferin eines demokratischen Republikanismus werden würde. Nein, mit der Ständeordnung per se hat sie kein Problem. Sie will nur nie wieder in dieser Ordnung unten, sondern eben oben stehen. Ihr Machtstreben - es ist vor allem dadurch motiviert, dass sie sich nie wieder ohnmächtig fühlen will.

Dass ist psychologisch durchaus überzeugend. Ebenso wie der Umstand, dass sie dem Mann erliegt, der ihr das magische Instrumentarium in die Hand gibt, mit dem sie dieses Ziel zu erreichen vermag. Sich am Ende aber, als sie vor der Wahl zwischen Macht und Liebe steht, für Ersteres entscheidet. Das ist eine ungemein bewegende Geschichte, die den Zuschauer sowohl über die Tragödie berührt, die Cora widerfährt: die Frau, deren anfangs begreifliche Motivation nach Überwindung ihrer Machtlosigkeit so weit über das Ziel hinausschießt, dass sie ihr eigenes Herz aus der Brust reißt, um nicht länger Liebe zu empfinden. Als auch über Rumpel, der sich am Ende übertölpelt und verraten vorkommen muss.

Was umgekehrt seine Wertschätzung für Belle (Emilie de Ravin) nur noch steigert. Sein Abschiedstelefonat mit ihr gehört zu den fraglos ergreifendsten Momenten in der Episode, welcher allenfalls noch von dem Augenblick getoppt wird, in dem Bael nach der Hand seines Vaters greift (das „Still Angry...“ von Michael Raymond-James kommt absolut perfekt herüber: als würde man einen kleinen, verheulten Jungen hören).

Fazit

Ja, natürlich hat The Miller's Daughter da und dort auch gewisse Schwächen und Ungereimtheiten (Wieso wirkt das Gift auch noch, nachdem Rumpel wieder in Storybrooke ist? Müsste er sich nicht als der Dark One selbst heilen können? Und wieso hat er den Verrat Coras nicht kommen sehen, wo er doch offenbar so viel aus ihrer Zukunft vorab gewusst hat, dass ihm sogar die Ironie wegen des „schneeweißen“ Hochzeitskleids aufgefallen ist?). Aber das kann den Gesamteindruck einer überaus spannenden, actiongeladenen und wieder mal sehr emotionalen Folge nicht trüben, welche sich in überraschend dunkle Gefilde begibt.

Trailer zu Folge 2x17 „Welcome to Storybrooke“

[videosj=ouat-2x17-trailer]

Verfasser: Christian Junklewitz am Dienstag, 12. März 2013
Episode
Staffel 2, Episode 16
(Once Upon a Time 2x16)
Deutscher Titel der Episode
Das Herz von Cora
Titel der Episode im Original
The Miller's Daughter
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 10. März 2013 (ABC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Dienstag, 17. September 2013
Autor
Jane Espenson
Regisseur
Ralph Hemecker

Schauspieler in der Episode Once Upon a Time 2x16

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