Once Upon a Time 2x15

Once Upon a Time 2x15

Ist es richtig einen Menschen zu retten, wenn man dafür einen anderen opfern muss? Mit schwerwiegenden moralischen Fragen beschäftigt sich Once Upon a Time in dieser Woche. Am besten ist es natürlich, dass man sich gar nicht erst in die Verlegenheit bringt, vor solche Fragen gestellt zu sein.

Ist Snow (Ginnifer Goodwin) wirklich so gut, wie sie von sich selbst glaubt? / (c) ABC
Ist Snow (Ginnifer Goodwin) wirklich so gut, wie sie von sich selbst glaubt? / (c) ABC

Das passiert in der Once Upon a Time-Folge The Queen is Dead:

Schneewittchen (Ginnifer Goodwin) hat Geburtstag. Doch aus Gründen, die wir in der Märchenwelt-Rückblende kennen lernen, ist sie keineswegs in Feierlaune. Sie freut sich allerdings sehr, als sie von einer ehemaligen Magd (Lesley Nicol, Downton Abbey) am Hofe ihrer Eltern hört. Ein Besuch bei ihr führt zu der eher zufälligen Entdeckung, dass Regina (Lana Parrilla) mit ihrer Mutter Cora (Barbara Hershey) unter einer Decke steckt. Ein Umstand, mit dem Snow ihre Stiefmama wohl besser nicht so direkt konfrontiert hätte.

In New York ist Henry (Jared Gilmore) damit beschäftigt, seinen Vater Neal (Michael Raymond-James) näher kennen zu lernen, während Emma (Jennifer Morrison) und Mr. Gold (Robert Carlyle) nicht mehr tun können, als etwas betröpfelt hinterher zu trotten und zu hoffen, dass ihre jeweiligen Sprösslinge ihnen vergeben werden. Da taucht auf einmal Captain Hook (Colin O'Donoghue) in New York auf und attackiert Rumpel mit seinem in Gift getränkten Haken...

Das Vertrauen schwindet

Houston, wir haben ein Problem! Über anderthalb Staffeln hinweg erweckten die Autoren von Once Upon a Time den Eindruck, dass sie genau wussten, was sie da taten - und wohin die Reise der Serie gehen soll. Dieser Kredit wird in der zweiten Hälfte der zweiten Staffel zunehmend verspielt. Das liegt zum einen daran, dass die dramaturgische Triebfeder bislang nicht sonderlich stark ist. Emma und Snow - gefangen in der Märchenwelt, auf der Suche nach einem Weg zurück nach Storybrooke. Das war ein drängendes Problem, welches dem Handlungsbogen im ersten Teil der Staffel eine klare Richtung gab. Die Bedrohung durch Cora in der zweiten Staffel-Hälfte funktioniert dagegen noch bei weitem nicht so gut, was vor allem den ständigen Verzögerungen und Ablenkungen geschuldet ist.

Ursprünglich schlotterten allen die Knie, dass Cora nach Storybrooke gelangen könnte - und sie beschworen fortwährend, welche Katastrophe es bedeuten würde. Seitdem sind sechs Episoden vergangen, ohne dass sonderlich viel passiert ist. Das Problem, welches Cora darstellt, ist so wenig drängend, dass Emma, unsere Haupt-Protagonistin, in gänzlich anderer Angelegenheit nach New York gereist ist. Und Cora selbst? Sie hat sich auf die Suche nach einem Dolch gemacht, den sie jetzt auch gefunden hat. Und nun wartet sie darauf, dass Rumpel zurückkehrt, weil sie vorher eigentlich gar nichts so recht mit dem Dolch anfangen kann. Der Plot leidet damit zusehends unter einem „The Boy Who Cried Wolf“-Problem. Es wird ein bedrohliches Szenario beschworen, welches dann aber überhaupt nicht so recht zum Tragen kommt, was klar auf Kosten der Spannung geht.

So blöd kann doch keiner sein!

Zum anderen bereitet auch Kummer, wie wenig pfleglich Autoren mit den Figuren umgehen. Gerade im Falle Snows stellt sich in The Queen is Dead oft weniger die Frage nach Gut und Böse als vielmehr danach, ob sie noch ganz bei Trost ist.

Erstens, nachdem sie entdeckt hat, dass Regina und Cora gemeinsam nach Rumpels Dolch suchen, will sie probieren, einen Keil zwischen die beiden zu treiben. Das ist zunächst mal eine richtig prima Idee. Deren Umsetzung allerdings ganz brutal daran scheitert, dass es wohl kaum gelingen kann, Regina auf die eigene Seite zu ziehen, wenn man ihr mit herablassenden, selbstgerechten Predigten kommt. WTF! Snow offenbart hier ein kommunikatives Unvermögen, das man mit der ursprünglich als doch so einfühlsam geschilderten Schullehrerin Mary Margaret so gar nicht in Einklang bringen kann.

Zweitens, nicht genug, dass Snow Regina - eigentlich völlig unnötigerweise - darauf aufmerksam macht, dass sie von ihrer Suche nach Rumpels Dolch weiß. Nein, sie und Charming (Josh Dallas) führen Cora und Regina auch noch genau zu dessen Versteck! Weil sie sich offenbar nicht denken konnten, dass die beiden sie jetzt natürlich im Auge behalten würden, wo sie doch nun wussten, dass die Gegenseite bemüht sein würde, den Dolch anderweitig zu deponieren. Das Mindeste, was man von Snow und Charming hätte erwarten können, ist ja wohl, dass sie dazu einen Strohmann, Grumpy zum Beispiel, eingesetzt hätten, der sich als Arbeiter unauffällig im Turm hätte aufhalten können. Aber nein, sie mussten es ja unbedingt selbst erledigen - und in die Falle tappen.

Dilemma

Und hier kommen wir dann zur Frage von Gut und Böse. Snow gibt den Dolch her, obwohl Johanna klar ihre Bereitschaft signalisiert hatte, sich zu opfern. Was Johanna macht, ist wohl unzweifelhaft als gut zu bezeichnen: Sie ist bereit, ihr Leben hinzugeben, damit Cora nicht an eine Waffe gelangt, mit der sie viel Leid und Vernichtung über Storybrooke bringen könnte. Was Snow macht, ist dagegen schon deutlich problematischer: Ja, sie will ein Leben retten, das ist schon mal nicht schlecht. Aber letztlich geht es hier um den gleichen Handel, den ihr Cora - maskiert als die blaue Fee (Keegan Connor Tracy) - schon einmal angeboten hat. Ein Leben retten, wofür sie jedoch ein anderes (oder mehrere) opfert (oder zumindest in größte Gefahr bringt). Als Kind hatte sie die Klugheit besessen, den Handel abzulehnen, auch wenn ihr das großen Kummer bereitet hat. Als Erwachsene entscheidet sie sich, diesen Kummer zu vermeiden. Richtig gut im Sinne von selbstlos ist das nicht.

Entsprechend falsch klingt es, wenn sie ausgerechnet jetzt davon anfängt zu klagen, wie wenig es ihr eingebracht hat, gut zu sein. Als ob es darum ginge!

Wirklich so gut, wirklich so böse?

Es steht zu hoffen, dass die Autoren diesen Widerspruch - zwischen dem stets behaupteten Gutsein Snows und ihrer Belohnungserwartung - weiter thematisieren und problematisieren werden. Und nicht, wie es in The Queen is Dead zu oft geschehen ist, bei letztlich inhalsleerem Gefasel von „Gut“ und „Böse“ stehen bleiben. Der Cliffhanger wie auch die Rückblende, in der sie sich schon im frühesten Kindesalter als aristokratischer Snob erwiesen hat, geben jedenfalls Anlass zur Hoffnung, dass den Autoren bewusst ist, dass Snow eben nicht einfach nur gut ist.

Woher kommt die Magie?

Rumpel ist derweil extra fies zu seinem Enkel. Ob er wirklich glaubt, die Erfüllung der Prophezeiung dadurch aufhalten zu können, dass er Henry anschnauzt? Na ja. Trotz der Erfahrung, die ihnen eines Besseren belehren sollte, scheint er die Vorhersage der Seherin ja recht wörtlich zu interpretieren - und Henry nun als Bringer seines Untergangs zu sehen.

Dabei ist es doch Hook, der ihm einen giftigen Haken in die Brust rammt. Wobei es schon etwas seltsam ist, wie dieser mit einem magischen Gift versehen kann. Magie funktioniert doch außerhalb Storybrookes nicht? Wie kann Hook also ein magisch wirkendes Gift applizieren? Ja, wie konnte er überhaupt getarnt in den Hafen von New York einfahren?

Lichtblicke

Nun soll das aber auch kein völliger Verriss werden: Denn die Folge hat sehr wohl auch einige gute Momente. Allen voran die Enthüllung, dass Cora sowohl hinter dem Tod von Snows Mutter als auch hinter dem späteren Beinahe-Pferdeunfall steckt und so ihrer Tochter (und sich selbst) den Weg an den Hof gebahnt hat. Zu hören, wie gründlich ihre Mutter ihr ganzes Leben verplant, manipuliert und skrupellos in eine bestimmte Richtung gelenkt hat, ohne ihr etwas davon zu sagen, scheint nun doch bei Regina gewisse Zweifel zu wecken, was Coras Motive angeht.

Sehr schön ist natürlich auch zu sehen, wie Emma und Rumpel sich anfangs in einer sehr ähnlichen Situation wiederfinden: beide sind bei ihren Kindern in Ungnade gefallen. Und beide sind sich unsicher, wie sie damit am besten umgehen sollen.

Captain Eyeliner muss derweil wieder tüchtig einstecken, als Emma ihm eine Metallkiste über den Schädel zieht. So langsam würde es sich für ihn lohnen, einen Sturzhelm zu tragen. Allerdings kommt er in The Queen is Dead immerhin auch mal dazu, selbst einen Treffer zu landen (wenn auch mit einer üblen Attacke auf David aus dem Hinterhalt).

Fazit

Noch vor kurzem hätte ich die Vermutung, dass die Quotenprobleme von Once Upon a Time nicht nur auf die fatale Programmierung von ABC, sondern auch auf inhaltliche Gründe zurückgehen, als üble Ketzerei zurückgewiesen. Aber so langsam bin ich mir da nicht mehr so sicher...

Trailer zu Folge 2x16 „The Miller's Daughter“

[videosj=ouat-2x16-trailer]

Verfasser: Christian Junklewitz am Dienstag, 5. März 2013
Episode
Staffel 2, Episode 15
(Once Upon a Time 2x15)
Deutscher Titel der Episode
Vom Verlöschen des Guten
Titel der Episode im Original
The Queen Is Dead
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 3. März 2013 (ABC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Dienstag, 10. September 2013
Autoren
Daniel T. Thomsen, David H. Goodman
Regisseur
Gwyneth Horder-Payton

Schauspieler in der Episode Once Upon a Time 2x15

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