Once Upon a Time 2x14

Das passiert in der Once Upon a Time-Folge Manhattan:
Rumpelstilzchen (Robert Carlyle), Emma (Jennifer Morrison) und Henry (Jared Gilmore) erreichen das Haus in Manhattan, in dem laut Rumpels Globus sein Sohn Baelfire leben soll. Dieser macht sich jedoch, als Emma bei ihm klingelt, sofort auf und davon. Doch Emma ist ihm dicht auf den Fersen. Als sie ihn schließlich schnappt, kann sie kaum fassen, wem sie sich da gegenüber sieht: Baelfire ist Neal (Michael Raymond-James), der Mann, der sie - im doppelten Wortsinn - sitzen gelassen hat. Und der außerdem Henrys Vater ist. Wovon sie ihm aber zunächst nichts erzählt. Umgekehrt sagt sie auch Rumpel nichts davon, dass sie seinen Sohn gefunden hat.
In Storybrooke machen sich Regina (Lana Parrilla), ihre Mutter Cora (Barbara Hershey) und der Pirat Hook (Colin O'Donoghue) auf die Suche nach Rumpelstilzchens Dolch. Wer den Dolch besitzt, der hat Macht über den Finsteren, also Rumpel. Cora plant, diese Macht für einen perfiden Dreifachmord einzusetzen, der ihrer Tochter das geben soll, was sie sich am meisten wünscht: Henry. Auf der Suche nach Hinweisen durchsucht Regina auch die Sachen von Belle (Emilie de Ravin). Sie ahnt jedoch nicht, dass sie bei ihrem magischen Treiben beobachtet wird...
Enthüllungen
Die ganz große Überraschung war die Enthüllung, dass Neal tatsächlich Baelfire ist, nun nicht mehr. Das hätte man sich selbst ohne den Promo-Trailer der vergangenen Woche eigentlich schon fast denken können. Die Produzenten hätten schon jemand gänzlich Neues aus dem Hut zaubern müssen. Ansonsten blieb von den bekannten Figuren ja eigentlich kaum jemand anders übrig.
Aber letztlich geht es in Manhattan ja auch gar nicht so sehr darum, den Zuschauer damit zu überraschen, wer Baelfire ist. Das ist relativ schnell zu Beginn bereits abgefrühstückt. Nein, was die Folge so interessant macht, ist zu sehen, wie unsere Figuren - eine nach der anderen - auf diese Enthüllung und alles, was mit ihr auf den Tisch kommt, reagieren.
Verkorkst
„We're all messed up“ - „Wir sind alle verkorkst.“ Wahrere Worte sind in Once Upon a Time selten gesprochen worden. Aber genau das ist ja auch irgendwie das Schöne an der Serie, dass ausgerechnet sie, eine Märchenserie, die Figuren gerade nicht plakativ als einerseits nur gut und andererseits nur böse zeichnet, sondern die vielen Graustufen dazwischen berücksichtigt. Die Wechselfälle des Lebens, die uns immer wieder Entscheidungen treffen lassen, deren letzte Konsequenz - selbst wenn wir die Zukunft zu kennen glauben - nicht wirklich absehen können.
In Manhattan hat im Manhattan-Plot nahezu jede Figur gegen eine andere Vorwürfe zu erheben. Berechtigte Vorwürfe wohlgemerkt. Gleichzeitig ist kaum eine der Figuren selbst frei von Schuld. Genau dieses Einerseits und Andererseits ist es, das die Folge so interessant und - auf einer emotionaen Ebene - spannend macht.
Wer ohne Sünde ist...
Wer Tallahassee gesehen hat, der kann es Emma kaum verdenken, dass sie diesen Teil ihres Lebens - und den Mann darin - am liebsten vergessen würde. Natürlich ist es falsch, dass sie ihren Sohn und den Vater ihres Sohnes anlügt - und dadurch beide voneinander fernzuhalten versucht. Aber bei Gott! So, wie sie - aus ihrer Wahrnehmung heraus - von Neal/Bael verraten worden ist, ist das auch kaum ein Wunder. Da helfen auch seine Erklärungsversuche wenig („You left me and let me go to prison because PINOCCHIO told you to???“. Wir verstehen, warum Emma so handelt, wie sie glaubt, handeln zu müssen. Gleichzeitig ist aber auch Henrys Enttäuschung nachvollziehbar, der Emma - im Gegensatz zu Regina - bislang über jeden (moralischen) Makel erhaben glaubte.
Bael hat die Erfahrung machen müssen, dass sich sein Vater gegen ihn und für die Magie entschieden hat. Dass er Rumpel nun nicht mit offenen Armen empfängt, ist vollkommen begreiflich. Gleichzeitig erinnert ihn Emma daran, dass auch er schon ein Herz gebrochen hat, nämlich ihres. Der biblische Satz „Wer von Euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein“ ging zumindest dem Rezensenten mehr als einmal während der Folge durch den Kopf.
Es ist das Kunststück von Manhattan, diese Verstrickungen von Schuld - was uns angetan wurde und was wir anderen antun - überaus anschaulich vor Augen zu führen.
Rumpels Dilemma
Gleichzeitig behandelt Once Upon a Time wieder einmal eines seiner großen übergreifenden Themen, vielleicht sogar das Thema der Serie schlechthin: Elternschaft - und die niemals endende Frage: Was ist für mein Kind das Richtige? Was soll ich tun?
Emma steht, wie bereits gesehen, vor diesem Problem, aber nicht nur sie. Rumpel befindet sich im Märchenland-Flashback in einem im Grunde unlösbaren Dilemma. Da er die Prophezeiung der Seherin so verstanden hat, dass er den Ausflug aufs Schlachtfeld nicht überleben wird, bleiben ihm nur zwei Möglichkeiten: Lässt er es zu, dass sein Sohn ohne Vater aufwächst? Oder drückt er sich vor der Schlacht, muss dann aber fürchten, dass sein Sohn - genau wie er selbst - stets unter dem Trauma leiden wird, einen Feigling zum Vater zu haben? Was ist - konfrontiert mit einem solchen Dilemma - das Richtige für einen Vater zu tun? Für Milah (Rachel Shelley) ist die Sache klar: „Hättest Du nicht einfach sterben können?“ (mit diesem Satz ist auch der letzte Funke Mitleid, den der Rezensent wegen ihres späteren Schicksals hatte, verflogen).
Später stellt sich Rumpel erneut die Frage: Was ist das Richtige für ihn als Vater zu tun? Wie kann er seinen Fehler Bael gegenüber wieder gutmachen? Es ist ja geradezu mitleiderregend, wie er unbeholfen von einer schlechten Idee zur nächsten irrlichtert. Klar, Rumpel, nachdem Du Deinen Sohn wegen der Magie im Stich gelassen hast, wird der Vorschlag, ihn mittels Magie nun wieder in einen 14-Jährigen zu verwandeln, Bael bestimmt in Begeisterung versetzen!
Eine schrecklich nette Familie
Tja, nicht alle haben es in Sachen Elternschaft so leicht wie Cora: Ihre Idee von Mutterliebe schließt ein, einfach den größten Teil der Verwandtschaft ihres Adoptivenkels / Ur-Ur-Stiefenkels ermorden zu lassen, damit ihre Tochter ihn wieder für sich allein haben kann. Was für eine herzige Oma sie doch ist! (Kleidungsmäßig macht sie in dieser Folge übrigens nicht mehr auf alte Zauberin, sondern hat sich dem Business-Look ihrer Tochter angepasst)
Coras raffinierter Plan könnte auch sehr gut die Grundlage für die letzte Prophezeiung der Seherin sein (wegen Henry wollen Cora und Regina an Rumpels Dolch, was zu seinem Verderben führt). Wenn Rumpel nicht schon vorher eine Dummheit begeht und tatsächlich Hand an seinen Enkel zu legen versucht - und das, nachdem die beiden gerade erst in Manhattan ein paar schöne Opa-Enkel-Momente miteinander hatten. Man kann nur hoffen, dass Rumpel seine Lektion gelernt hat, nichts auf möglicherweise unvollständige Prophezeiungen zu geben.
Die mit Abstand lustigste Szene in Manhattan ist die mit Snow (Ginnifer Goodwin) und Charming (Josh Dallas) in der Küche, als die beiden versuchen, die nochmals komplizierter gewordenen Familienverhältnisse zu durchschauen. Und Charming seine Erleichterung zum Ausdruck bringt: „It's a good thing we don't have Thanksgiving in our land, because that dinner would suck...“
Da kann man ja fast nur hoffen, dass sich die Autoren an diesen Satz erinnern - und pünktlich zum nächsten Thanksgiving ein kleines Festmahl mit illustren Gästen veranstalten werden!
Geht's noch umständlicher?
Kritik gibt es an Manhattan auch. Die bezieht sich jedoch vor allem auf Kleinigkeiten. Als so faul hatten wir Regina beispielsweise bislang gar nicht in Erinnerung, dass sie nicht um Belles Bett herumgeht, um selbst in ihrer Tasche nachzusehen, sondern den Inhalt der Tasche magisch durch die Luft fliegen lässt. Damit der mysteriöse Autofahrer (Ethan Embry) sein Handy-Video schießen konnte, musste wohl einfach eine Magie-Szene her, egal wie plausibel oder unplausibel der Magie-Einsatz in diesem Moment war.
Na, und dann der Blick in die Kiste: Das hatten die Autoren in Tallahassee wohl nicht ganz zu Ende gedacht, was überhaupt drin sein sollte. Da hat August (Eion Bailey) unseren lieben Neal mit allem Möglichen zugetextet, aber den Satz „Ich weiß, dass Du Baelfire bist“ muss er ihm durch ein Blatt Papier mitteilen, welches noch in einer Schreibmaschine steckt, welche wiederum in einer Kiste verborgen ist. Das ist so voller übertriebener Theatralik, dass es leider komisch wirkt, aber unfreiwillig komisch.
Fazit
Manhattan ist im vordergründigen Sinne keine besonders mitreißende oder actiongeladene Folge, dafür ist sie jedoch emotional im Hinblick auf die behandelten Themen wie Elternschaft, Schicksal und Schuld eine umso interessantere Episode, welche den Zuschauer nachdenklich zurücklässt.
Trailer zu Folge 2x15 „The Queen Is Dead“
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Verfasser: Christian Junklewitz am Dienstag, 19. Februar 2013Once Upon a Time 2x14 Trailer
(Once Upon a Time 2x14)
Schauspieler in der Episode Once Upon a Time 2x14
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?