Once Upon a Time 2x18

Das passiert in der Once Upon a Time-Folge Selfless, Brave and True:
Mary Margaret (Ginnifer Goodwin) steht wegen dem, was sie getan hat, immer noch neben sich. Um sich abzulenken, geht sie für etwas Bogen-Schießtraining in den Wald, wo sie - buchstäblich - August (Eion Bailey) trifft. Pinocchio haust in einem Wohnwagen. Er kann sich zwar inzwischen bewegen, ist aber immer noch von oben bis unten aus Holz. Was seinen Grund hat, wie die blaue Fee (Keegan Connor Tracy) weiß: als sie ihn in einen „richtigen“ Jungen verwandelt hat, da geschah das unter der Maßgabe, dass er „selbstlos, tapfer und wahrheitsliebend“ handeln würde. Wie wir nicht zuletzt in den Rückblenden vor seiner Zeit in Storybrooke sehen, war er jedoch alles andere als ein guter, selbstloser Junge. Er hat noch nicht einmal davor zurückgeschreckt, eine Krebspatientin zu bestehlen. Oder zumindest jemanden, den er zu diesem Zeitpunkt für eine Krebspatientin halten musste.
Neal (Michael Raymond-James) kann unterdessen ohne seine Verlobte Tamara (Sonequa Martin-Green) nicht leben - und lässt sie nach Storybrooke kommen. Emma (Jennifer Morrison) fragt sich, ob das so eine gute Idee ist. Und ahnt nicht, wie Recht sie mit ihren Bedenken hat...
Ein guter Rat
August / Pinocchio ist zurück! Sonderlich intensiv scheint aber niemand nach ihm gesucht zu haben. Denn ein Wohnwagen im Wald ist nun wirklich nicht gerade das einfallsreichste und entdeckungssicherste Versteck. Sei es wie es sei. Selfless, Brave and True ist eine schöne und zu Herzen gehende Folge rund um das Thema Buße und Wiedergutmachung, welche natürlich insbesondere von der inhärenten Ironie lebt, dass ausgerechnet Snow, die selbst so voller Schuldgefühle steckt, dass sie in der vergangenen Episode (Welcome to Storybrooke) bereit, ja begierig gewesen ist, sich von Regina (Lana Parrilla) umbringen zu lassen, nun August darüber belehrt, dass jeder eine zweite Chance verdient hat.
Der Doppelsinn, dass das, was sie zu ihm sagt, ja letztlich ganz ähnlich auf ihre eigene Situation anwendbar ist, macht gerade die Anfangspassage der Episode so vergnüglich.
Die zerknirschte Holzpuppe
Gerade in emotionaler Hinsicht sehr gelungen ist auch die Erzählung rund um Pinocchio selbst. Nach der Enthüllung in Tallahassee, dass er es gewesen ist, der - aus höchst selbstsüchtigen Motiven - Neal und Emma auseinandergebracht hat, konnten die Macher davon ausgehen, dass die Empfindungen des Publikums ihm gegenüber wohl nicht sonderlich positiv - mindestens aber zwiespältig - sein dürften. Dem tragen sie Rechnung, indem sie uns Pinocchio in Selfless, Brave and True als einen Mann zeigen, der von sich selbst, seiner Selbstsucht und den daraus erwachsenen Taten angewidert ist - und seinen hölzernen Zustand als Schande und verdiente Strafe begreift.
Wahrhaft erschütternd ist die Szene in der Gasse in Hongkong, als sich August vor Scham weinend zusammenkauert, nachdem Tamara ihm den Zaubertrank wieder abgenommen hat. Einerseits ist es begreiflich, was er getan hat: Er hat verzweifelt versucht, sein Leben zu retten. Andererseits gibt es Dinge, die man auch in dieser Situation nicht tut: Etwa eine Mitpatientin durch Diebstahl um ihre Chance auf Heilung zu bringen (auch wenn sich besagte Mitpatientin hinterher selbst als Betrügerin herausstellt).
Ein echter Junge
Dass seine Rückverwandlung in eine Holzpuppe eine unmittelbare Konsequenz aus seinem alles andere als selbstlosen Verhalten ist, steht übrigens - auch das ein schöner Seitenaspekt - im Geiste der „Pinocchio“-Originalgeschichte von Carlo Collodi, in der, wie wir uns erinnern, das Wachstum von Pinocchios Nase eine direkte Folge seiner Lügen ist.
Am Ende findet August seine Erlösung durch sein eigenes Handeln: Statt der Aussicht auf Rettung durch einen Zaubertrank nachzujagen, kehrt er nach Storybrooke zurück, um Emma vor Tamara zu warnen. Er wird, bevor es ihm gelingt, zwar von Tamara getötet, doch, weil er selbstlos gehandelt hat, gelingt es der blauen Fee, aus ihm wieder einen kleinen Jungen aus Fleisch und Blut zu machen. In einem ganz wörtlichen Sinne erhält August seine zweite Chance, einen neuen Anfang. Das ist einerseits irgendwo sehr rührend.
Konstruiert
Andererseits nutzen die Autoren den Pinocchio-Reboot für einen sehr bequemen Ausweg: Sie lassen ihn kurzerhand vergessen, dass es Tamara war, die ihn umgebracht hat - und vor der er Emma warnen wollte. Wie so Vieles in Selfless, Brave and True macht das leider einen etwas konstruierten Eindruck.
Nach Greg/Owen (Ethan Embry) ist also Tamara die nächste Fremde in Storybrooke, die nicht das ist, was sie zuerst zu sein schien. Und um dem Ganzen noch die Krone aufzusetzen, stellt sich am Ende heraus, dass sie „Her“ ist, mit der Greg schon die ganze Zeit über in Kontakt stand. Und weil es noch nicht ausreicht, dass ihre gesamte Beziehung mit Neal - vom ersten Kennenlernen bis zur Verlobung - eine einzige Scharade gewesen ist, müssen sie und Greg auch noch ein Paar sein.
Jump the Dragon
Das ist alles ein bisschen... viel. Schon nach der letzten Folge hatte ich moniert, dass Gregs Verhalten bis zu diesem Punkt nahezulegen schien, dass er wirklich nur ein zufällig nach Storybrooke verirrter Autofahrer war, der plötzlich mit Magie in Kontakt kommt. Nichts schien darauf zu schließen, dass er auf der Suche nach jemandem ist. Nun ist er also nicht nur auf der Suche nach seinem Vater, sondern steckt auch noch mit einer skurpellosen Magie-Jägerin unter einer Decke. Ja, Once Upon a Time ist eine Fantasyserie, schon klar. Aber trotzdem wirkt das alles - auch und gerade im Rahmen der dort erzählten Fantasywelt - doch etwas an den Haaren herbeigezogen.
Jede der beiden Figuren-Geschichten für sich genommen wäre ja noch okay gewesen, aber sie dann auch noch zu verknüpfen... das hat eine Jump-the-Shark-esque Qualität (womit ich nicht sagen will, dass Once Upon a Time als solches damit über den Hai gesprungen ist, sondern nur dass dieser eine Plot einem ein bisschen so vorkommen könnte).
Ach so, und dann sind da natürlich auch noch die beiden Morde, die Tamara begeht: Statt sich zügig in den Drachen zu verwandeln, wartet Tzi Ma (24) so lange, dass sie seinem menschlichen Oberkörper noch einen Stromschlag mitgeben kann. Und August fällt ebenfalls ihrem Taser zum Opfer - trotz der notorisch geringen elektrischen Leitfähigkeit von Holz. Irgendwie wäre eine Motorsäge als Mordwaffe hier bedeutend plausibler gewesen (nicht zu sagen: auch wesentlich cooler!).
Geradezu unfreiwillig komisch fällt die anschließende Szene aus, als die Mutter Oberin / blaue Fee genau in dem Moment zur Stelle, als Henry (Jared Gilmore) meint, dass sie sie jetzt gut gebrauchen könnten.
Menüempfehlungen der Bürgermeisterin
Keineswegs unter den Tisch fallen sollen unterdessen die guten Momente, die einige der anderen Figuren in Selfless, Brave and True: Allen voran Reginas souveräner Auftritt Snow gegenüber im Diner. Aber auch Emmas Entschuldigung bei Henry - samt dem Versprechen, ihm künftig nur noch die Wahrheit zu sagen. Na, mal sehen, wie lange das hält!
Fazit
Selfless, Brave and True ist keine schlechte Folge, auf Grund der angesprochenen Kritikpunkte aber bei weitem nicht so stark wie die beiden Episoden zuvor.
Nun heißt es, vier (!) Wochen bis zur nächsten „richtigen“ Folge von Once Upon a Time zu warten.
Trailer zur Fortsetzung der Serie im April
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Verfasser: Christian Junklewitz am Dienstag, 26. März 2013(Once Upon a Time 2x18)
Schauspieler in der Episode Once Upon a Time 2x18
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?