Once Upon a Time 2x12

Once Upon a Time 2x12

In the Name of the Brother schließt unmittelbar an die vorangegangene Folge an, was bedeutet, dass gleich mehrere Figuren einen Arzt benötigen. Leider ist Dr. Frankenstein von seiner Fähigkeit, Leben zu schenken, nicht mehr sonderlich überzeugt.

Hat Emilie de Ravin nicht schon einmal in einer Serie das Gedächtnis verloren und ihren Liebsten verstoßen? „Lass mich in Ruhe, Charlie...“ / (c) ABC
Hat Emilie de Ravin nicht schon einmal in einer Serie das Gedächtnis verloren und ihren Liebsten verstoßen? „Lass mich in Ruhe, Charlie...“ / (c) ABC

Das passiert in der Once Upon a Time-Folge In the Name of the Brother:

Rumpelstilzchen (Robert Carlyle) heilt Belles (Emilie de Ravin) Schussverletzung, was die junge Frau, nachdem sie ihr Gedächtnis verloren hat, aber nur noch mehr in Panik versetzt. Statt Liebe empfindet sie gegenüber Rumpel nur noch Angst. Emma (Jennifer Morrison) und David (Josh Dallas) können ihn gerade noch daran hindern, dem schwer verletzten Hook (Colin O'Donoghue) den Rest zu geben. Dieser sonnt sich - trotz seines üblen Zustands - geradezu in seiner Tat.

Eine Ambulanz bringt unterdessen den ebenfalls schwer verletzten Autofahrer aus Pennsylvania (Ethan Embry, Brotherhood) ins Krankenhaus, wo Dr. Whale alias Frankenstein (David Anders) nicht zuletzt auf Grund seines beträchtlichen Alkoholkonsums nicht ganz OP-tauglich ist. Im Führungszirkel von Storybrooke entbrennt außerdem eine Diskussion darüber, wie mit dem Fremden umzugehen ist. Offenbar ist das, was Storybrooke über all die Jahre von der Außenwelt abgeschirmt hat, nicht mehr in Kraft. Was passiert, wenn der Fremde gesehen hat, wie Rumpelstilzchen Magie eingesetzt hat, und anfängt, anderen davon zu berichten?

Dr. Frankenstein in den OP, bitte!

Nach der doch eher enttäuschenden Episode aus der Vorwoche (The Outsider) macht In the Name of the Brother alles wieder wett. Jane Espenson (Buffy the Vampire Slayer) weiß vielleicht nicht, wie man für Torchwood schreibt. Ihre Drehbücher für Once Upon a Time sind jedoch durchweg klasse. Und da macht dieses keine Ausnahme.

Dr. Frankenstein steht zwar nominell und durch die Rückblenden etwas stärker im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit, aber im Grunde handelt es sich um eine jener All-Cast-Folgen, in denen allen Figuren eine wichtige Rolle zukommt. Entsprechend hoch sind Plotdichte und Erzähltempo. Gerade bei den Szenen im Krankenhaus gewinnt man den Eindruck, dass die Figuren sogar schneller als gewohnt sprechen, um überhaupt alles in eine Folge packen zu können.

Hippokrates zur Disposition

Fangen wir dort - im Krankenhaus - auch direkt mal an: In den Kommentaren zur letzten Folge ist unter anderem darüber diskutiert worden, dass auch die Guten in Once Upon a Time ja keineswegs durchweg gut und sympathisch sind. Und In the Name of the Brother könnte diesen Punkt nicht treffender unterstreichen. Da diskutieren unsere Helden doch tatsächlich darüber, ob sie das Unfallopfer nicht lieber sterben lassen sollen, weil sonst das Geheimnis von Storybrooke herauskommen und sie in Gefahr bringen könnte!

Sie sagen nicht: „Lasst uns abwarten, ob er überhaupt etwas gesehen hat“ / „Und selbst wenn, dann kann man ja vielleicht mit ihm reden und es so hinbiegen, dass er nichts verrät.“ Nein, sie überlegen direkt: Ach, lasst ihn doch an inneren Blutungen krepieren - und das wäre doch noch nicht mal Mord, oder? Man glaubt fast, seinen Ohren nicht zu trauen! Aber wenn es um die eigene Sicherheit und eine (vermeintliche) Bedrohung geht, da brennen offenbar auch Märchenfiguren alle Sicherungen im Hirn durch.

Ausgerechnet David, der in der ersten Staffel zu Moral und Anstand ein recht zweifelhaftes Verhältnis hatte, ist es hier, der sich nachdrücklich für die gute Sache einsetzt - und qua royalem Machtwort sicherstellt, dass dem Unfallopfer geholfen wird.

Die Diskussion rückt unsere Helden in kein gutes Licht. Was für die Episode selbst aber gar nicht mal schlecht ist: Im Gegenteil, der Konflikt macht die Figuren nur umso lebendiger (wie langweilig wäre es, wenn unter den Guten immer Friede, Freude, Eierkuchen herrschen würde!) und macht die Serie als solche nur noch aufregender. Als Märchenserie steht Once Upon a Time naturgemäß im Verdacht der Harmlosigkeit; nette kindgerechte Unterhaltung. Doch in Wahrheit ist es so, dass sie auch vor harten Themen und schwierigen moralischen Fragen nicht zurückscheut. Sie werden natürlich nicht so präsentiert, dass es das jüngere Publikum verstört, aber doch so, dass man sich auch als erwachsener Zuschauer herausgefordert fühlt.

Von Monster zu Monster

In einer moralischen Grauzone bewegt sich auch Dr. Frankenstein in den - wie schon in The Doctor - passenderweise in Schwarz-weiß gehaltenen Rückblenden. Er will Leben schaffen, doch aus der Hybris des wissenschaftlichen Machbarkeitsglaubens heraus und auf dem Hintergrund der anhaltenden Kränkung, die er durch seinen Vater (Gregory Itzin, 24) erfährt, zeitigt seine Arbeit genau die entgegengesetzten Resultate. Mit dem Roman von Mary Shelley hat die Story, die hier erzählt wird, zwar nicht sehr viel zu tun. Als Background für Whale funktioniert sie jedoch ganz großartig.

Sie verleiht seiner Figur eine Tragik, die uns den zuvor als so oberflächlich gezeichneten Schürzenjäger wirklich nahe bringt - und die er nirgendwo besser zusammenfasst als in dem sehr bewegenden kleinen Dialog mit Ruby (Meghan Ory) - „von Monster zu Monster“: Er wollte, dass sein Name für Leben steht. Stattdessen wird Frankenstein - wie es etwa auch Emma tut - nur mit dem Monster in Verbindung gebracht.

Scherben, die kein Glück bringen

Wer von Tragik spricht, der darf natürlich von Rumpelstilzchen und Belle nicht schweigen. Sie hat ihren Liebsten nicht nur vergessen, sondern fürchtet sich, seit sie ihn hat Magie einsetzen sehen, geradezu vor ihm. Es könnte einem fast das Herz zerreißen: In dieser Hinsicht besonders brutal ist natürlich die Szene im Krankenhaus. Rumpel hofft, dass der wahren Liebe Kuss Belles Vergessenszauber vielleicht aufheben kann. Und für einen Augenblick scheint es fast so, als hätte er Erfolg, doch dann realisiert Belle auf einmal, wer sie da geküsst hat. Und die Lage ist für Rumpel schlimmer denn je. Als sie schließlich sogar die Tasse zerschmettert, die bislang das Band zwischen ihnen symbolisierte, da wird es wohl nicht wenigen Zuschauern so gegangen sein wie dem Rezensenten, der sich die Tränen aus den Augen wischen musste.

Die Kunst der Verführung

Es scheint fast so, als käme in In the Name of the Brother sowohl für Rumpel als auch für Regina (Lana Parrilla) jeweils das Worst Case Scenario wahr, das sich die Zuschauer in den letzten Folgen schon für sie ausmalen konnten. Rumpel verliert den Rückhalt, den Belles Liebe ihm gab. Und Regina scheint tatsächlich auf ihre Mutter Cora (Barbara Hershey) hereinzufallen.

Unsere liebe Cora geht aber auch schlau vor! Zuerst schließt sie mit Rumpel, dem einzigen Zauberer, der ihr wohl wirklich gefährlich werden könnte, einen Waffenstillstand (wobei zudem - welch pikante Enthüllung am Rande! - auch noch herauskommt, dass sie und Rumpel in der Vergangenheit wohl noch mehr als nur Lehrer und Schülerin waren). Dann schleicht sie sich in Gestalt von Henry (Jared Gilmore) in das Geheimversteck der Bürgermeisterin ein (auf den Einfall, in der unterirdischen Grabanlage nachzuschauen, hätte der echte Henry allerdings auch mal kommen können!). Statt weiterhin die Konfrontation mit ihrer Tochter zu suchen, gibt sie sich einsichtig, schuldbewusst, reumütig - mit einem Wort: geläutert. Und sie macht das wirklich gut. Nicht eine Spur ihrer sonst so herrischen Art ist mehr übrig. Es ist, als habe Cora sich tatsächlich gewandelt.

Für jemanden, der sich so sehr danach sehnt, geliebt zu werden, und dabei auf so viel Abweisung gestoßen ist, muss das, was Cora sagt, unglaublich verführerisch wirken. Deshalb kann man Regina auch eigentlich keinen Vorwurf machen, als sie sich schließlich an die Mutterbrust schmiegt und für Coras Ideen empfänglich zeigt, wie sie Henry zurückgewinnen könne. Es steht zu befürchten, dass dabei kaum etwas Gutes herauskommen wird.

Fazit

In the Name of the Brother ist eine mitreißende Folge - tragisch und düster, welche für mehrere Figuren einen zentralen Wendepunkt markiert: Rumpel verliert Belles Liebe, findet dafür aber einen Weg, wie er seinen Sohn aufspüren kann. Regina lässt sich von Cora einlullen. Und Storybrooke steht durch den nicht ganz aufrichtigen Autofahrer aus Pennsylvania die Entdeckung bevor. Nur für einen, nämlich für Dr. Frankenstein, nimmt das Geschehen durch sein Gespräch mit Ruby eine Wendung zum Guten. Dass nun wieder drei Wochen Wartezeit anstehen, ist unschön. Aber In the Name of the Brother hat uns erneut gezeigt, warum sich bei Once Upon a Time das Warten auch wirklich lohnt!

Trailer zu Folge 2x13 „Tiny“

[videosj=ouat-2x13-trailer]

Verfasser: Christian Junklewitz am Dienstag, 22. Januar 2013
Episode
Staffel 2, Episode 12
(Once Upon a Time 2x12)
Deutscher Titel der Episode
Das Leben, der Tod und die Alternativen
Titel der Episode im Original
In the Name of the Brother
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 20. Januar 2013 (ABC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Dienstag, 20. August 2013
Autor
Jane Espenson
Regisseur
Milan Cheylov

Schauspieler in der Episode Once Upon a Time 2x12

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