Once Upon a Time 2x07

Once Upon a Time 2x07

Eine Maus muss dran glauben und ein Kind des Mondes gerät in Verdacht. Once Upon a Time erzählt von der Angst, die Kontrolle zu verlieren. Und stellt Freundschaft als ein überaus wirksames Gegenmittel vor.

Beste Freundinnen: Rotkäppchen und Schneewittchen in „Once Upon a Time“. / (c) ABC
Beste Freundinnen: Rotkäppchen und Schneewittchen in „Once Upon a Time“. / (c) ABC

Das passiert in der Once Upon a Time-Folge Child of the Moon:

Die sieben Zwerge können buchstäblich einen Durchbruch vermelden: Sie stoßen auf ein reichhaltiges Diamantenvorkommen. Das ist deshalb so wichtig, weil Diamanten der Rohstoff sind, aus dem sich Feenstaub raffinerieren lässt. Und Feenstaub wird ja benötigt, um mit dem lädierten Hut des Mad Hatters erneut eine Passage zwischen den Welten herzustellen und Schneewittchen (Ginnifer Goodwin) und Emma (Jennifer Morrison) zurückzuholen.

Während die ganze Stadt sich über den Erfolg freut, ist Rotkäppchen (Meghan Ory) hochgradig nervös. Der erste Vollmond seit dem Ende des Fluchs steht an - und Ruby fürchtet, dass sie sich, da sie ihr rotes Cape nirgendwo finden kann, des Nachts in einen mörderischen Wolf verwandeln wird. Sie lässt sich deshalb von Großmutter (Beverley Elliott) in einen Käfig sperren. Doch die Tür ist für ihre Werwolf-Kräfte kein Hindernis. Sie bricht aus. Was für sich genommen noch kein Problem wäre, würde nicht der Abschleppwagen-Fahrer Billy (Jarod Joseph) am nächsten Morgen brutal ermordet aufgefunden. König George (Alan Dale) macht unter der Bevölkerung von Storybrooke Stimmung gegen Ruby: Nur sie könne die Mörderin gewesen sein. Vor allem Charming (Josh Dallas) will das aber nicht glauben - und kämpft vehement gegen eine Vorverurteilung der Werwölfin...

Nahtloser Anschluss

Bevor wir auf die aktuelle Folge zu sprechen kommen, sollte doch noch mal ein Punkt erörtert werden, den man gar nicht oft genug betonen kann: High-Concept-Serien, die mit Staffelbögen erzählt werden, haben normalerweise ein riesiges Problem, sobald die erste Staffel durch ist. Das originelle Handlungskonzept, das sie bis hierhin getragen hat, ist ganz oder zumindest zu einem großen Teil zu Ende erzählt. Und weder die Macher noch die Zuschauer wissen so richtig, was überhaupt in einer zweiten Staffel noch kommen soll. So ist es Veronica Mars ergangen, nachdem der Mord an ihrer besten Freundin aufgeklärt war. So war es mit Heroes, nachdem Cheerleader und Welt gerettet waren. Und so ähnlich ließ es sich auch in Prison Break und Desperate Housewives beobachten. Überall folgte auf eine starke erste eine weitaus schwächere zweite Staffel.

Nicht so bei Once Upon a Time. Es ist vermutlich die erste Serie seit 24, der es gelungen ist, qualitativ nahtlos an die Premierenstaffel anzuschließen. Sicher, Broken hat als Exposition etwas Anlaufzeit in Anspruch genommen. Seitdem hat die Serie jedoch wieder einen Lauf gefunden, der sich in nichts von dem der ersten Staffel unterscheidet. Außer dass Once Upon a Time dramaturgisch vielleicht noch ein bisschen stringenter geworden ist.

Nicht der Delta-Quadrant

In den Kommentaren ist neulich kritisiert worden, dass das Konzept, verloren gegangene Menschen den Weg nach Hause zurückfinden zu lassen, doch schon in Star Trek: Voyager nicht so richtig funktioniert hätte. Dem ist jedoch entgegenzuhalten, dass gerade der Vergleich sehr gut sichtbar macht, wo die dramaturgisch bedeutsamen Unterschiede liegen. Zum einen hatte die Heimreise der Voyager für den Zuschauer nie eine wirklich hohe emotionale Dringlichkeit, da das Zuhause der Crew hauptsächlich nur Backstory war. Bei Once Upon a Time sind es jedoch menschliche Beziehungen, die zerrissen wurden, um die sich der Zuschauer sorgt, weil er bereits eine Staffel lang emotional in diese Beziehungen „investiert“ hat. Damit ist der Wunsch des Publikums nach einer gelingenden Wiedervereinigung der Figuren weitaus intensiver.

Zum anderen hat Once Upon a Time dadurch auch den Vorteil, die Geschichte abwechselnd von beiden Seiten aus erzählen zu können - aus der Perspektive von Emma und Snow, die einen Weg nach Hause finden, und aus der Perspektive von David und Henry (Jared Gilmore), die ihnen eine Passage bauen wollen. Das schafft Variation und Dynamik (in Star Trek: Voyager fand diese Zweiseitigkeit erst mit den sporadischen Gastauftritten von Dwight Schultz alias Lt. Barclay Einzug) - und eröffnet die Möglichkeit, einer überraschenden Interaktion, so wie sie sich mit dem gemeinsamen Albtraum von Henry und Aurora (Sarah Bolger) andeutet.

Der Albtraum ist nämlich gar kein Albtraum per se, sondern, wie Rumpelstilzchen in Child of the Moon erklärt, eine Nebenwirkung des Schlafzaubers, dem ja sowohl Aurora als auch Henry unterlagen. Clever, wie die Folge hier noch mal auf A Land Without Magic Bezug nimmt! Der Schlafzauber lässt laut Rumpel die Seele in eine Art Zwischenwelt gleiten, wohin es sie auch dann noch zieht, wenn der Zauber gebrochen ist und nur der ganz natürliche Schlaf einsetzt. Dank eines Amuletts des ungewöhnlich großzügigen Rumpels ist Henry nun jedoch in der Lage, in der Zwischenwelt auch im Schlaf noch die Kontrolle über sich zu behalten, was einen Erstkontakt mit Aurora ermöglicht - und damit eine Kommunikation zwischen den Welten.

Kontrollverlust

Wie diese unseren Figuren dabei helfen wird, wieder zusammenzukommen, werden die kommenden Folgen zeigen. Zunächst mal bleibt festzuhalten, dass auch im Haupthandlungsstrang von Child of the Moon das Thema Kontrollverlust eine große Rolle spielt. Wieder einmal gelingt den Autoren, was das angeht, eine schöne thematische Parallelführung der Plots. In diesem Fall zwischen Henry, der so große Angst vor seinen Albträumen bekommt, dass er zum Kaffee greift, um nicht einschlafen zu müssen, und Rotkäppchen, die große Angst davor hat, zu einem unberechenbaren Monster zu werden.

Die Rotkäppchen-Geschichte erzählt - sowohl in der Storybrooke-Gegenwart als auch in der Märchen-Vergangenheit - auf ungemein spannende und ergreifende Weise davon, wie sie lernt, sich selbst so zu akzeptieren, wie sie ist, und die Angst vor ihrer anderen, scheinbar unkontrollierbaren Seite zu überwinden. Zugleich ist es eine sehr berührende Geschichte über Freundschaft. Wir sehen, wie sich sowohl David als auch Belle (Emilie de Ravin) für Ruby einsetzen, ihr beistehen und an ihre Unschuld glauben. Vor allem David macht dabei eine sehr gute Figur: Er verhält sich so tapfer und edel wie ein echter Prinz - und leistet damit nicht zuletzt ein Stück Wiedergutmachung für sein schäbiges Verhalten in der vergangenen Staffel. Explizit erinnert er daran, dass er Mary Margaret nicht geglaubt hat, als sie unter Mordverdacht stand, und dass ihm das nicht noch einmal passieren soll.

Rührung und Grauen

Wunderschön und sehr Herzen gehend ist die innige Freundschaft, welche die Folge zwischen Rotkäppchen und Schneewittchen erzählt. Snow ist die einzige Person auf der Welt, die Rotkäppchen als das akzeptiert, was sie ist: Mensch und Wolf zugleich. Rotkäppchen wiederum kann es unmöglich zulassen, dass ihre Mutter Snow etwas antut - und geht sogar so weit, ihre Mutter zu töten. Als sie später zu Schneewittchen sagt, dass sie ihre Familie nicht verloren, sondern beschützt habe, da schämt sich der Rezensent nicht zuzugeben, dass ihm dicke Tränen der Rührung in den Augen standen.

Dabei ist Child of the Moon ansonsten keineswegs rührselig. Ganz im Gegenteil: Ähnlich wie schon in The Doctor geht es wieder in einem - für eine Familienserie - ganz erstaunlichen Maße zur Sache. Sowohl der Tod von Rotkäppchens Mutter (von hinten durchbohrt) als auch der Fund der zweigeteilten Leiche (Korpus auf der Straße, Beine im Müllcontainer) sind von einer bemerkenswerten Drastik.

Das fliegende Wolfsrudel

Eigentlich hat man sich ja schon daran gewöhnt. Aber bei Child of the Moon kommt man nicht umhin es trotzdem noch mal anzusprechen: Den einen großen Wermutstropfen von Once Upon a Time. Die Spezialeffekte. Allen voran die schlicht erbärmlich animierten Wölfe. Himmel, was sehen die übel aus! Vom ungemein struppigen, manchmal fast stachelig aussehenden Fell bis hin zu den knochenverbiegenden Bewegungsabläufen stimmte an ihnen aber so absolut rein gar nichts!

Creature Animation war schon in der Vergangenheit die große Achillesferse von Once Upon a Time. In Child of the Moon hat es nun endgültig die Schwelle zur Peinlichkeit überschritten. Bitte, ABC, daran muss sich doch etwas ändern lassen! Schaut Euch mal die Wölfe in Game of Thrones an, da hat man in manchen Einstellungen Schwierigkeiten zu erkennen, ob die nun echt oder computeranimiert sind. Es ist also möglich. Und wirklich: Bei einer Serie wie Once Upon a Time, die Ihr noch in Jahren verkaufen könnt, solltet Ihr doch jetzt wirklich nicht beim Geld knausern!

Fazit

Von der Story her absolut top, die darstellerischen Leistungen - siehe beispielsweise Alan Dale als rachsüchtiger Aufwiegler - durchweg sehenswert. Nur die Spezialeffekte machen Kummer - und sorgen so für einen Punktabzug in der B-Note.

Trailer zu Folge 2x08 „Into the Deep“

[videosj=ouat-2x08-trailer]

Verfasser: Christian Junklewitz am Dienstag, 13. November 2012
Episode
Staffel 2, Episode 7
(Once Upon a Time 2x07)
Deutscher Titel der Episode
Kinder des Mondes
Titel der Episode im Original
Child of the Moon
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 11. November 2012 (ABC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Dienstag, 16. Juli 2013
Autoren
Ian Goldberg, Andrew Chambliss
Regisseur
Anthony Hemingway

Schauspieler in der Episode Once Upon a Time 2x07

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