Once Upon a Time 2x06

Das passiert in der Once Upon a Time-Folge Tallahassee:
Emma (Jennifer Morrison), Snow (Ginnifer Goodwin), Aurora (Sarah Bolger), Mulan (Jamie Chung) und Hook (Colin O'Donoghue) erreichen die Bohnenranke, die bis in den Himmel wächst - und an deren oberen Ende ein vermeintlich böser Riese (Jorge Garcia) residiert, der einen gigantischen Goldschatz bewacht, zu dem auch jener magische Kompass gehört, den sie laut Hook unbedingt benötigen, um nach Storybrooke zurückkehren zu können. Er und Emma machen sich gemeinsam an den Aufstieg, um den Kompass zu stehlen.
Es ist nicht das erste Mal, dass sich Emma als Langfinger betätigt. Schon vor elf Jahren hat sie sich mit Diebereien durchs Leben geschlagen. Dabei traf sie, gerade als sie einen knallgelben VW-Käfer kurzschließen wollte, den nicht minder gesetzeslosen Herumtreiber Neal (Michael Raymond-James), mit dem sie schon bald eine „Bonnie & Clyde“-Romanze verband. Bis er sie einiges Tages aus heiterem Himmel sitzen ließ...
Rückblende einmal anders
Tallahassee stellt das gewohnte Muster von Once Upon a Time auf den Kopf: Bislang befanden wir uns normalerweise in Storybrooke in der Gegenwart, während in der Märchenwelt die Rückblenden in die Vergangenheit stattfanden. Diesmal ist es genau umgekehrt: In der Märchenwelt spielt sich die Gegenwart ab, während wir in „unserer“ Realität eine Rückschau in die Vergangenheit von Emma Swan erhalten. Von der wir nun wissen, dass sie möglicherweise genau deshalb eine so gute Kopfgeldjägerin und Gesetzeshüterin ist, weil sie aus eigener Erfahrung weiß, wie es ist, auf der anderen Seite des Gesetzes zu stehen.
Die Folge liefert die lang erwartete Origin-Geschichte: Wie hat Emma Henrys (Jared Gilmore) Vater kennen gelernt? Warum ist er verschwunden? Und mindestens ebenso wichtig: Wie ist Emma bloß an dieses Auto gekommen?
Once Upon a Time erfüllt hier ganz die hohen Erwartungen des Publikums. Das Drehbuch von Christine Boylan und Jane Espenson, diesmal angelehnt an das englische Märchen „Hans und die Bohnenranke“ („Jack and the Beanstalk“), erzählt eine tempo- und wendungsreiche Geschiche, welche uns die ganze Tragik im Leben von Emma Swan begreiflich macht. Als hätte sie als Findelkind nicht schon genug mit Verlustängsten zu kämpfen, wird sie auch noch von ihrer großen Liebe - und wie sich später zeigt: dem Vater ihres Kindes - nicht nur verlassen, sondern auch, wie es für sie aussehen muss, auf übelste Weise verraten.
August, der Beziehungskiller
Dass es ausgerechnet August (Eion Bailey) ist, der Neal dazu anstiftet, wirft ein völlig neues - und keineswegs nur positives - Licht auf Gepettos Holzknaben. Er bezeichnet sich selbst zwar als „Schutzengel“ von Emma. Tatsächlich aber handelt er genau so, wie es zuvor schon ihre Eltern getan haben: Um Emmas Mission wegen stürzt er sie in Einsamkeit und Unglück. Dabei ist keineswegs klar, warum Neal überhaupt aus Emmas Leben verschwinden muss. Warum sollte nicht auch eine Emma Swan in einer glücklichen Beziehung den Fluch brechen können? Okay, man könnte sicherlich zu Recht argumentieren, dass eine dringende und fundamentale Änderung ihres Lebenswandels vonnöten war. Aber hätten sie und Neal das nicht auch gemeinsam schaffen können?
Was dessen Identität angeht, so ist keineswegs ausgeschlossen, dass diejenigen Fans Recht behalten werden, die in ihm den verschollenen Sohn Rumpelstilzchens vermuten. So schnell und mit so wenigen Worten, wie er sich von August und dem mysteriösen Inhalt jenes Holzkastens überzeugen lässt, Emma zu verlassen, kann er, so sollte man meinen, eigentlich nur selbst der Märchenwelt entstammen. Doch das klärt sich sicherlich bald auf. Immerhin hat August Wort gehalten und, wie wir in Broken gesehen haben, Neal tatsächlich eine Postkarte geschrieben. Das sollte ihn dann doch in absehbarer Zukunft nach Storybrooke führen.
Abgehärtet
Es gibt, wie in den Kommentaren immer wieder zu lesen ist, Fans von Once Upon a Time, welche mit Jennifer Morrison nie so ganz warm geworden sind. In Tallahassee müsste es ihr eigentlich gelingen, diese Zuschauer von sich zu überzeugen. Nicht nur ist sie in den Rückblenden, welche sie mit einer Brille auf der Nase zeigen, ungemein süß.
Sie versteht es auch sehr gut, die Übergänge zu spielen - von der jungen Frau, die bei aller Emma-Swan-Skepsis, die wir auch in ihr schon vorfinden, eine Unbeschwertheit und Ausgelassenheit zeigt, die wir so von ihr nicht kannten, über die seelisch vollkommen zerrüttete, geradezu apathische Gefängnisinsassin, hin zu der abgehärteten Actionheldin, die sich nicht mehr so ohne Weiteres von ein bisschen Bad-Boy-Charme einwickeln lässt. Und nun ihrerseits ziemlich abgebrüht agiert, als sie Hook in der Gefangenschaft des Riesen belässt. Jetzt ist sie es, die hinter die Mission, sich und vor allem Snow nach Hause zu bringen, alles andere hintenan stellt.
Ein neues Geheimnis
Lost-Alumnus Jorge Garcia macht seine Sache als ebenso Furcht einflößender wie letztlich auch Mitleid erweckender Riese gut. Einzig auf die Einstellungen, welche ihn nah in Untersicht beim Heranstürmen zeigen, hätten die Macher vielleicht lieber verzichten sollen, da er darin eher etwas tapsig herüberkommt. Auch erscheint etwas unglaubwürdig, dass er in seine eigene Falle tappt. Doch das sind letztlich Detailfehler in einer Folge, die alles in allem sehr gut und überraschend zu unterhalten weiß.
Sogar für Aurora scheint sich auf einmal eine Funktion abzuzeichnen, die über das dekorativ in der Landschaft herumstehen und -gehen hinausreicht. So stellt sich jetzt die Frage: Was steckt hinter ihrem und Henrys gemeinsamen Albtraum? Wenn es denn tatsächlich nur ein Albtraum war. Und nicht etwa eine Zukunftsvision.
Es bleibt auf jeden Fall spannend.
Trailer zu Folge 2x07 „Child of the Moon“
Verfasser: Christian Junklewitz am Dienstag, 6. November 2012(Once Upon a Time 2x06)
Schauspieler in der Episode Once Upon a Time 2x06
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?