Once Upon a Time 2x05

Once Upon a Time 2x05

Once Upon a Time übertrifft sich mit The Doctor selbst: Emma & Co. treffen den letzten Überlebenden eines Massakers, der uns jedoch schon wohl vertraut ist. Regina wird unterdessen von ihrer Vergangenheit eingeholt, in der auch Dr. Whale eine bedeutende Rolle spielte.

Emma & Co. bietet sich bei der Rückkehr ins Lager ein grausamer Anblick. / (c) ABC
Emma & Co. bietet sich bei der Rückkehr ins Lager ein grausamer Anblick. / (c) ABC

Das passiert in der Once Upon a Time-Folge The Doctor:

Mulan (Jamie Chung), Aurora (Sarah Bolger), Snow (Ginnifer Goodwin) und Emma (Jennifer Morrison) kehren in der Märchenwelt in das Flüchtlingslager zurück, nur um festzustellen, dass Cora alle, die sie dort zurückgelassen hatten, ermordet hat. Sie finden nur einen Überlebenden: Hook (Colin O'Donoghue). Dieser gibt sich als einfacher Schmied aus, der nur durch Zufall dem Massaker entkommen sei. Doch Emma und Snow misstrauen ihm. Emma bringt schließlich aus ihm heraus, dass er mit Cora unter einer Decke steckt, weil er nach Storybrooke will, um dort an Rumpelstilzchen (Robert Carlyle) Rache zu nehmen. Er bietet ihnen an, die Seiten zu wechseln - und sie zu einem magischen Kompass zu führen, der für die Reise nach Storybrooke unerlässlich sei. Aber sagt er wirklich die Wahrheit - oder ist das Ganze nur eine neue Falle?

In Storybrooke versucht Regina (Lana Parrilla) unterdessen mit Hilfe ihres Therapeuten Dr. Hopper (Raphael Sbarge) ihre Abhängigkeit von der Magie zu überwinden. Ihre Bemühungen erleiden jedoch einen Rückschlag, als Dr. Whale (David Anders) mit einem Experiment fortfährt, mit dem er schon in der Märchenwelt begonnen hatte. Damals hatte er natürlich noch einen anderen Namen: Victor Frankenstein...

Der Doktor

Brillant! So lässt sich The Doctor in einem Wort zusammenfassen. Bereits der Trailer hatte ja bereits den Verdacht nahegelegt, dass es sich bei Dr. Whale um Dr. Frankenstein handelt. Ob es von den Serienmachern tatsächlich beabsichtigt war, diese Information schon vorab herauszugeben, oder ob es sich dabei um einen Schnitzer in der ABC-On-Air-Promotion gehandelt hat, sei dabei einmal dahin gestellt. Die Art und Weise, wie die Bestätigung der Vermutung in der Folge selbst hinausgezögert und nur peu à peu preisgegeben wird (erst „Doctor“, dann „Victor“ und schließlich „Frankenstein“) scheint eher dafür zu sprechen, dass die Produzenten das noch nicht so klar vorab adressieren wollten.

Aber letztlich spielt es keine Rolle. Denn die Folge funktioniert auch so ganz wunderbar, egal ob man durch den Trailer schon einen Anfangsverdacht hatte oder nicht. Die große Frage unter den Fans ist ja schon in der vergangenen Woche gewesen: Passt Frankenstein überhaupt in das Märchensetting von Once Upon a Time? Kluge Analysen über die fantastischen Grundzüge der Romantik wurden diskutiert. Geradezu wehmütig musste der Rezensent da an die lebhaften Genredebatten zurückdenken, die sich auch in seinen Uni-Tagen schon an Mary Shelleys bahnbrechenden Werk an der Schwelle zwischen gothic novel und Science Fiction entzündet haben.

Magie vs. Wissenschaft

Doch die Autoren von Once Upon a Time machen es sich viel einfacher. Und manchmal ist die einfachste Lösung in der Tat die beste. Frankenstein wird in The Doctor bereits als ein Fremdkörper in der Märchenwelt inszeniert, der aus einem anderen Land stammt - und eine Kunst ausübt, von der er behauptet, dass sie noch viel mächtiger sei als die Magie: nämlich die Wissenschaft! (Auch wenn er, als es darum geht, schnell wieder seinen Arm in die ursprüngliche Position zurückzubringen, dann doch auf magische Hilfe zurückgreift.)

Once Upon a Time macht damit eine sehr beliebte Opposition auf, die sicher in Zukunft noch von Bedeutung sein wird. Denken wir nur an die erste Szene in Broken zurück! Irgendwann - spätestens wenn der neuerliche Fluch, der Storybrooke umgibt, gebrochen ist - werden unsere wissenschaftlich-rationale Welt und die Welt des Märchenhaften und Magischen kollidieren. Und dann haben die Autoren mit Frankenstein den Vertreter, ja das Synonym für die finstersten Aspekte von Wissenschaft bereits in Storybrooke an Bord.

Sollte Dr. Whale tatsächlich nach James Whale, dem Regisseur der „Frankenstein“-Verfilmung von 1931, benannt sein, so würde das bedeuten, dass die Autoren von Once Upon a Time ihn von Anfang an als Frankenstein im Sinn hatten - und entsprechend weit vorausplanen, was für den Zuschauer auf jeden Fall sehr vertrauenserweckend ist. Kitsis und Horowitz scheinen einen genauen Plan zu verfolgen, was sie hier erzählen wollen.

Regina

Dafür spricht auch, wie großartig und scheinbar mühelos die einzelnen Teile von The Doctor ineinandergreifen. Für Regina ist der Tod von Daniel (Noah Bean) in The Stable Boy der zentrale Wendepunkt in ihrem Leben gewesen. Doch solange sie sich aus Liebe zu ihm an die Hoffnung klammert, dass sie ihn mittels Magie vielleicht ins Leben zurückholen kann, ist Rumpel nicht in der Lage, sie den Weg zum Bösen hinabzuführen. Weshalb er den teuflischen Plan ausbrütet, ihr durch Frankenstein erst Hoffnung zu machen, dass es einen anderen Weg gibt, Daniel wiederzubeleben, und diese dann brutalstmöglich zu enttäuschen. Für die Regina in der Storybrooke-Realität wiederum ist die Auseinandersetzung mit diesem wunden Punkt ihrer Vergangenheit und das endgültige Abschiednehmen von Daniel der einzige Weg, wie sie ihre dunkle Seite hinter sich lassen kann.

Dass Davids (Josh Dallas) in Lady of the Lake begonnenes Unternehmen, seinen Enkel Henry (Jared Gilmore) zum Ritter auszubilden, diesen in den Stall führt, was ihn schließlich in höchste Gefahr bringt, als Daniel seine alte Wirkungsstätte aufsucht, ist dabei das Sahne-Tüpfelchen einer wunderbar mehrsträngig geflochtenen Geschichte. Die Figuren - allen voran Regina - werden bis zum Äußersten unter Druck gesetzt. Da steht sie plötzlich im Stall und muss mit ansehen, wie die Monster-Version ihres geliebten Verlobten ihren geliebten Sohn bei der Kehle packt.

Würde die Academy of Television Arts & Sciences eine Serie wie Once Upon a Time jemals mit der ihr gebührenden Ernsthaftigkeit betrachten, so wäre The Doctor die Folge, die Lana Parrilla einen Emmy - oder mindestens die Nominierung dazu - eintragen würde. Sie spielt sich ja förmlich die Seele aus dem Leib!

Es wird blutig

Auch sonst ist The Doctor eine Folge der Extreme: Vor allem eine Folge, die - wohl nicht zuletzt dank Halloween - für eine Familienserie ungewohnt brutal daherkommt. Angefangen mit den Opfern des Massakers zu Beginn (wobei nicht an Blut gespart wird) bis hin zu Dr. Whales abgerissenem Arm. Es geht in dieser Folge schon enorm zur Sache. Bei Super RTL wird das sicherlich einige Kopfschmerzen verursachen, sobald die Folge in Deutschland zur Ausstrahlung ansteht.

Auch an anderen Horroreffekten wird nicht gespart. Ganz großes Kino bietet die Folge beispielsweise am Schluss, als die Bilder so weit farbentsättigt werden, dass man den Eindruck erhält, einen klassischen Horrorfilm in Schwarz-Weiß zu sehen.

Fazit

Viel zu viel musste in diesem Review unerwähnt bleiben. Zum Beispiel, dass Emma ihre Fähigkeit aus der Pilotfolge wiederentdeckt hat, Lügner zu enttarnen. Doch auch so wird hoffentlich deutlich: The Doctor ist eine ungemein dicht gepackte, wendungs- und facettenreiche Episode voller Charakterdrama, Spannung und Horror, welche sich sechs Sterne verdient hätte, wenn wir diese vergeben könnten.

Trailer zu Folge 2x06 „Tallahassee“

Verfasser: Christian Junklewitz am Dienstag, 30. Oktober 2012
Episode
Staffel 2, Episode 5
(Once Upon a Time 2x05)
Deutscher Titel der Episode
Der Doktor aus einem anderen Land
Titel der Episode im Original
The Doctor
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 28. Oktober 2012 (ABC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Dienstag, 2. Juli 2013
Autoren
Edward Kitsis, Adam Horowitz
Regisseur
Paul A. Edwards

Schauspieler in der Episode Once Upon a Time 2x05

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?