Once Upon a Time 2x02

Once Upon a Time 2x02

Die letzten winzigen Zweifel, ob die zweite Staffel von Once Upon a Time an die erste anschließen kann, werden von We Are Both fulminant beiseite gewischt. Eine Folge, die pure Unterhaltungs-Magie ist.

Die Bevölkerung von Storybrooke ist verunsichert. / (c) ABC
Die Bevölkerung von Storybrooke ist verunsichert. / (c) ABC

Storybrooke ist in Aufruhr: Zwar ist der Fluch gebrochen. Doch noch längst ist nicht alles so, wie es sein sollte. Die Einwohner der Stadt können sich zwar an ihre Märchen-Existenz erinnern, sie sind jedoch immer noch in Storybrooke. Und so wie es aussieht, sind sie dort auch gewissermaßen Gefangene: Versucht jemand die Stadt zu verlassen, verliert er prompt wieder alle Erinnerungen an sein Märchen-Selbst. So ergeht es jedenfalls dem armen Sneezy (Gabe Khouth), nachdem Grumpy (Lee Arenberg) ihn zum Versuchskaninchen auserkoren hat. Raue Sitten bei den sieben Zwergen!

Ohne Schneewittchen (Ginnifer Goodwin) an seiner Seite ist Prinz Charming (Josh Dallas) mit der Lage völlig überfordert. Zwar gelingt es ihm, mit Rumpelstilzchens (Robert Carlyle) Hilfe, den Mad Hatter (Sebastian Stan) aufzuspüren. Doch dieser weiß auch keinen Weg, wie man Schneewittchen und Emma (Jennifer Morrison) zurückholen kann. Oder behauptet dies zumindest.

Regina (Lana Parrilla) ist unterdessen fest entschlossen, ihre magischen Kräfte dauerhaft zurückzuerlangen. Sie glaubt, dadurch Henry (Jared Gilmore) wieder an sich binden zu können. Ein Glaube, für den das überaus schlechte Vorbild ihrer Mutter (Barbara Hershey) verantwortlich ist...

Charming auf sich allein gestellt

In Broken hatte sich Once Upon a Time erst mal neu sortieren und einen dramaturgischen Pfad für die zweite Staffel finden müssen, was am Ende mit Emmas und Snows unfreiwilliger Reise in die Märchenwelt auch vorzüglich gelungen ist. Mit We Are Both (Buch: Jane Espenson) ist die Serie nun wieder ganz und gar bei sich - und gibt sowohl Charming als auch Regina überaus spannende und emotional engagierende Storylines.

Nachdem der Fluch gebrochen ist und der Wraith in der vergangenen Folge für zusätzliches Chaos und Zerstörung in der Stadt gesorgt hat, herrscht in Storybrooke einfach nur ein wildes Durcheinander. Rotkäppchen (großartig: Meghan Ory) versucht die Dinge notdürftig zusammenzuhalten. Doch was die Bewohner der Stadt jetzt brauchen, ist eine Autorität, die ihnen Orientierung gibt. Prinz Charming wäre dazu eigentlich berufen. Doch er ist selbst überfordert. Das macht die Inszenierung mehr als deutlich: In dem Gewusel an Menschen, die alle auf ihn einreden, verliert er - schön akzentuiert von der hektischen Kamera - den Überblick und kann seine Untertanen nur auf später vertrösten.

Es ist schließlich so, wie er selbst später sagt: Schneewittchen ist die Rednerin und - so möchte man fast hinzufügen - die Denkerin und Planerin. Er dagegen macht, was man später auch in der Szene in Reginas Haus wieder sehr schön sieht, eher mit dem Schwert eine gute Figur. We Are Both zwingt Charming nun dazu, über sich hinauszuwachsen und den Bewohnern der Stadt - in Abwesenheit von Emma und Snow und trotz der Bedrohung durch Regina - Mut und Zuversicht zu geben, obwohl er selbst nicht weiß, wie. Das ist es, was seinen Plot in dieser Folge so spannend macht. Jemand ist mit einer Aufgabe konfrontiert, für die er überhaupt nicht die nötigen Fähigkeiten hat (oder zu haben glaubt), findet dann aber doch die Stärke, die Aufgabe zu bewältigen. So einfach kann es sein, eine ebenso mitreißende wie am Ende erhebende Geschichte zu erzählen!

Wie die Mutter so die Tochter?

Auch Regina wächst in We Are Both ein Stück weit über sich hinaus: Während zunächst alles danach ausschaut, dass sie die Fehler ihrer Mutter wiederholt, ist sie am Ende doch in der Lage, den Kreis zu durchbrechen - und Henry gehen zu lassen. So ganz schwört sie von ihren dunklen Wege allerdings nicht ab, was dadurch deutlich wird, dass sie das Zauberbuch nicht etwa verbrennt, sondern aufbewahrt. Regina gewinnt dadurch in We Are Both nochmals an emotionaler Komplexität, wozu natürlich auch der Flashback in die Märchenwelt beiträgt, der uns nach The Stable Boy einen weiteren Schlüsselmoment auf ihrem Weg auf die dunkle Seite vor Augen führt.

In The Stable Boy war ihr die Liebe ihres Lebens genommen worden (wofür sie - welch wunderbarer kleiner Einschub - Schneewittchen am liebsten erdrosseln würde). Ihr Tagtraum zeigt, welche Aggression sich in ihr angestaut hat. Und sich schließlich, angeleitet von Rumpelstilzchen, in dem Augenblick Bahn bricht, als sie ihre Mutter durch den Spiegel (ver-) stoßen kann. Lana Parrilla liefert hier erneut eine Glanzleistung an, indem sie die Übergänge in der Figur zwischen der ursprünglich guten Regina und der Evil Queen, so wie wir sie kennen, mit einer unglaublich feinen Abstufung darstellt.

Ungeahnte Konsequenzen

We Are Both ist eine Folge so voller großartiger Momente, dass man gar nicht weiß, wo man überhaupt anfangen sollte, sie aufzuzählen: Nicht nur Gepetto (Tony Amendola), auch die Autoren haben August (Eion Bailey) / Pinocchio nicht vergessen. Dr. Whale (David Anders) behält die wirklich wichtigen Dinge des Lebens im Auge. Großmutter (Beverly Elliott) ist mit ihrer Armbrust einfach nur pure bad ass. Reginas feuriger Auftritt bei der Bürgerversammlung, der mit der gleichen Musik unterlegt ist, wie ihr ungeladenes Erscheinen auf Snows und Charmings Hochzeit in der Pilotfolge. Und schließlich darf sich Robert Carlyles Rumpelstilzchen geradezu als Mephisto gebärden - und gibt als Mr. Gold einen äußerst gerissenen Verhandlungspartner.

Bemerkenswert ist jedoch, dass auch er offenbar nicht alles überschaut. Dass man Storybrooke nicht länger verlassen kann, ohne dabei das Gedächntnis an seine Märchenidentität zu verlassen, ist offenbar eine Konsequenz, die auch er, der schon dabei war, Reisen in die große weite Welt zu planen, nicht bedacht hat. Das reduziert, sondern im Gegenteil erhöht das Vergnügen an Once Upon a Time aber nur noch. Es gibt nicht den einen Antagonisten, der alle Fäden in der Hand hält, sondern es ist ein Spielfeld, auf dem die Machtkonstellationen bisweilen einem äußerst schnellen Wandel unterliegen. Genau das ist es, was die gespannte Aufmerksamkeit des Publikums stets wachhält.

Und dabei haben wir noch nicht einmal vom Cliffhanger gesprochen, der das dramatische Spielfeld um noch zahlreiche weitere Möglichkeiten erweitert: Werden Emma und Snow nun etwa ausgerechnet in Reginas Mutter eine Verbündete finden?

Fazit

Spannend, witzig, emotional bewegend, clever und vielschichtig - We Are Both stellt einige der besten Qualitäten von Once Upon a Time unter Beweis. 45 Minuten pure Unterhaltung, die einen nach mehr lechzen lässt.

Trailer zu Folge 2x03 „Lady of the Lake“

Verfasser: Christian Junklewitz am Dienstag, 9. Oktober 2012
Episode
Staffel 2, Episode 2
(Once Upon a Time 2x02)
Deutscher Titel der Episode
Zwei Seelen in der Brust
Titel der Episode im Original
We Are Both
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 7. Oktober 2012 (ABC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Dienstag, 11. Juni 2013
Autor
Jane Espenson
Regisseur
Dean White

Schauspieler in der Episode Once Upon a Time 2x02

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