Once Upon a Time 2x01

Once Upon a Time 2x01

Once Upon a Time ist endlich wieder zurück. Während auf der einen Seite die Folgen des Staffelfinales zu feiern und zu verarbeiten sind, warten auf die Figuren in Storybrooke anderereits aber schon neue Probleme und Aufgaben.

Bürgermeisterin Regina (Lana Parrilla, r.) sollte wohl eher nicht mit ihrer Wiederwahl rechnen... / (c) ABC
Bürgermeisterin Regina (Lana Parrilla, r.) sollte wohl eher nicht mit ihrer Wiederwahl rechnen... / (c) ABC

Das passiert in der Once Upon a Time-Folge Broken:

Der Fluch ist gebrochen. Alle Märchenfiguren erinnern sich wieder daran, wer sie sind. Und was Regina (Lana Parrilla) ihnen angetan hat. Emma (Jennifer Morrison) kann gerade noch verhindern, dass ein wütender Mob, angeführt von Dr. Whale (David Anders), über die Evil Queen herfällt. Rumpelstilzchen (Robert Carlyle) hat da viel effektivere Methoden, sich an Regina zu rächen: Er hat zwar Belle (Emilie de Ravin) versprochen, die böse Königin nicht zu töten. Das heißt für ihn aber nicht, dass er nicht einen seelenaussaugenden Geist in diese Welt holen kann, der den Job für ihn erledigen soll. Wozu hat Rumpelstilzchen schließlich sonst die Magie freigesetzt?

Viele Einwohner fragen sich, warum sie immer noch in Storybrooke sind, statt ins Märchenland zurückzukehren. Regina erklärt ihnen, dass das Märchenland mit dem Fluch zerstört wurde. Das stimmt allerdings nicht so ganz: Zumindest ein Teil davon gibt es noch. Mit Hilfe von Mulan (Jamie Chung) findet Prinz Phillip (Julian Morris) sein Dornröschen, Prinzessin Aurora (Sarah Bolger), und küsst sie wach. Doch das Glück ist nur von begrenzter Dauer: Denn der Geist, der die Seele eines jeden aussagt, der mit dem Siegel eines bestimmten Medaillons gezeichnet ist, treibt auch in der Märchenwelt sein Unwesen...

Nervosität vor dem Neustart

Once Upon a Time ist endlich wieder zurück! In die (Vor-) Freude darüber mischt sich allerdings unweigerlich auch eine gewisse Nervosität: Wird die Serie an das anknüpfen können, was sie mit ihrer fantastischen ersten Staffel vollbracht hat? Das Problem, welches A Land Without Magic, das Finale der ersten Staffel, den Autoren schließlich eingebrockt hat, ist ja kein geringes. Die Kernidee der Serie lautete, dass Märchenfiguren durch einen Fluch vergessen haben, wer sie in Wahrheit sind - und dass nur die Tochter von Schneewittchen (Ginnifer Goodwin) und Prinz Charming (Josh Dallas) diesen Fluch brechen kann, was sich jedoch als etwas schwierig darstellt, weil sie gar nicht an den Fluch glaubt.

Damit hatte die Serie eine klare dramaturgische Richtung: Es ging darum, Emma zum Glauben an die Märchenwelt zu bewegen, und darum, den Fluch zu brechen, der über den Einwohnern von Storybrooke liegt. Beides ist am Ende der ersten Staffel bereits geschehen, womit die Serie im Grunde auch hätte zu Ende sein können. Zu Beginn der zweiten Staffel stehen die Autoren nun vor dem Problem, dass ihnen die zentrale erzählerische Triebfeder abhanden gekommen ist - und sie etwas Neues finden müssen, das die Geschichten vorantreibt. Das können sie aber auch nicht Hals über Kopf tun. Schließlich müssen sie zunächst mal den Figuren etwas Zeit und Raum geben, um mit den Konsequenzen des alles umwälzenden Ereignisses vom Ende der letzten Staffel klarzukommen.

Das ist die Zwickmühle, in der die Autoren stecken - und aus der es wahrscheinlich gar keinen perfekten, für alle Zuschauer befriedigenden Ausweg gibt. Obwohl die Lösung, die Edward Kitsis und Adam Horowitz wählen, schon ziemlich gut ist: Mit dem Unbekannten in New York (Michael Raymond-Jones), der von wem auch immer eine Postkarte aus Storybrooke erhält, und mit der Dornröschen-Szene, die zwar in der Märchenwelt spielt, landschaftlich aber klar von dem abgegrenzt ist, was wir bisher von dieser kennen gelernt haben, signalisiert uns die Folge gleich von Beginn weg, dass es noch mehr zu erzählen gibt, auch wenn wir zunächst nicht verstehen, in welche Richtung das Ganze gehen soll.

Emotionale Ehrlichkeit

In Storybrooke ist dagegen erst mal großes Umarmen angesagt. Figuren, die einander verloren glaubten, haben sich (als sie selbst) wieder. Das ist natürlich schön. Zugleich zeigt Once Upon a Time aber auch, dass nach dem Ende des Fluchs nicht alles Friede Freude Eierkuchen ist. Natürlich kann Emma rational nachvollziehen, was ihre Eltern dazu bewogen hat, sie auszusetzen. Aber das ändert nichts daran, dass sie für 28 Jahre allein und in dem Glauben aufgewachsen ist, von ihren Eltern verstoßen worden zu sein. Das sind Gefühle, die wischt man nicht einfach über Nacht beiseite. Es wäre ein Leichtes gewesen, sich hier in Hollywood-Kitsch zu ergehen. Doch Once Upon a Time geht den Weg der emotionalen Ehrlichkeit (was natürlich zugleich für das Erzählen neuer Geschichten gut ist).

Ebenso verhält es sich mit Gold/Rumpelstilzchen, der auch nicht von einem Augenblick zum anderen ändern kann, wer er ist - und wie er handelt. Um Belle zu gefallen, kann er versuchen, seine Schritte zu verschleiern. Aber es ändert nichts grundsätzlich an seinen Intentionen. Man könnte es fast eine Art emotionales Leitmotiv von Broken nennen: Die Wahrheit unserer Gefühle lässt sich nicht auf ewig verbergen, so gerne wir dies manchmal auch hätten. Diese Erfahrung muss schließlich auch Mulan machen, der wir als Zuschauer genau das anmerken, was auch Aurora bei ihr spürt, dass sie nämlich mehr als bloße Kameradie für Philip empfindet.

Der lustigste Moment in der Aufarbeitung des in Storybrooke Geschehenen ist fraglos Charmings Reaktion, als Snow die One Night Stands erwähnt, über die sie sich - als Mary Margaret - mit Emma unterhalten hat. Das ist natürlich ungemein witzig (übertroffen nur noch von Snows lockeren „Schwamm drüber!“-Haltung), lässt einen aber auch irgendwo sofort am Kopf kratzen: wenn jemand schließlich ganz ruhig sein sollte, wenn es um sein Verhalten unter Einfluss des Fluches geht, dann ist das ja wohl Charming! Oder hat da etwa einer schon vergessen, was für ein feiges, zweigleisiges Spiel er gespielt hat? Dagegen ist ein kleiner One Night Stand mit Whale doch wirklich kaum der Rede wert!

Von Letzterem wissen wir immer noch nicht so genau, wer er eigentlich in der Märchenwelt gewesen ist. Wie überhaupt Identität eine großes Fragezeichen in Broken ist. Wer sind die Figuren jetzt? Sie erinnern sich an das, was in der Märchenwelt geschehen ist, aber natürlich auch an ihre Zeit in Storybrooke. Henry nennt Snow gegen Ende auch mal Mary Margaret. Das scheint nahezulegen, dass die Figuren jetzt beides sind. Ein Amalgam ihrer beiden Identitäten. Dazu würde auch passen, dass Charming vor allem in dem Moment, als er Regina dem Geist zum Fraß vorwerfen will, eher etwas von David als vom edlen Prinzen zu haben scheint. Das dürfte ein recht interessanter Aspekt sein, den die Serie in den kommenden Episoden weiterverfolgen könnte.

Ebenso die Frage, wie die Gesetzmäßigkeiten der Magie in unserer Welt ausschauen. Regina konnte das Portal nicht öffnen, bis Emma sie am Arm berührt hat. Heißt das, dass Emma nun über magische Fähigkeiten verfügt? Oder war einfach nur eine Berührung nötig, damit Reginas eigene Kräfte (die ja, wie wir sehen, jetzt wieder voll da zu sein scheinen) „aktiviert“ werden konnten?

Was nun die neue erzählerische Triebfeder von Once Upon a Time angeht, so liefert der Cliffhanger von Broken zumindest einen starken Hinweis darauf, in welche Richtung es zunächst gehen wird: Nachdem Emma so lange nicht an die Märchenwelt geglaubt hat, hat es sie jetzt selbst dorthin verschlagen. Werden sie und Snow einen Weg zurück finden? Und wie soll es in Storybrooke weitergehen, jetzt, wo Sheriff Emma nicht mehr da ist, dafür aber eine böse Königin, die ihre Kräfte wieder hat? Doch, das klingt auf jeden Fall nach einer guten Ausgangslage für weitere spannende Folgen von Once Upon a Time!

Fazit

In Serien, die mit Staffelbögen arbeiten, dauert es immer etwas, bis sich die Serie zu Beginn der neuen Staffel wieder sortiert und eine neue Richtung gefunden hat. Das ist geradezu unvermeidlich. Once Upon a Time löst dieses strukturelle Problem aber sehr gut, indem Broken einerseits genug Raum für die Figuren lässt, andererseits jedoch vom Start weg dem Zuschauer hinreichend neues Material (neue Figuren, neue Handlungselemente) an die Hand gibt, um die Narration in Gang zu halten.

Trailer zu Folge 2x02 „We Are Both“

Verfasser: Christian Junklewitz am Dienstag, 2. Oktober 2012
Episode
Staffel 2, Episode 1
(Once Upon a Time 2x01)
Deutscher Titel der Episode
Der neue Fluch der Freiheit
Titel der Episode im Original
Broken
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 30. September 2012 (ABC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Dienstag, 4. Juni 2013
Autoren
Edward Kitsis, Adam Horowitz
Regisseur
Ralph Hemecker

Schauspieler in der Episode Once Upon a Time 2x01

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