Once Upon a Time 1x22

Once Upon a Time 1x22

Dieses Staffelfinale hat es in sich: Zum Ende der ersten Runde von Once Upon a Time muss Emma einen Weg finden, Henry zu retten. Und begibt sich dazu auf ein Abenteuer, das sie nicht so schnell vergessen wird.

Emma (Jennifer Morrison) muss mit dem Schlimmsten rechnen. / (c) ABC
Emma (Jennifer Morrison) muss mit dem Schlimmsten rechnen. / (c) ABC

Henry (Jared Gilmore) wird ins Krankenhaus eingeliefert. Emma (Jennifer Morrison) ist davon überzeugt, dass das Apfel-Gebäck vergiftet war. Doch Dr. Whale (David Anders) kann überhaupt keine klassischen Vergiftungssymptome feststellen. Was mit Henry geschehen ist, ist ihm ein absolutes Rätsel. In ihrer Angst um Henry greift Emma zu seinem Märchenbuch. Und auf einmal durchfährt sie die Erkenntnis. Sie begreift, dass alles, was er ihr die ganze Zeit versucht hat zu erklären, die Wahrheit gewesen ist.

Als Regina (Lana Parrilla) im Krankenhaus auftaucht, konfrontiert Emma sie mit dieser neuen Erkenntnis. Und da die Böse Königin viel zu sehr davon geschockt ist, dass der magische Apfel, der eigentlich Emma ausschalten sollte, nun Henry getroffen hat, macht sie sich erst gar keine Mühe zu leugnen. Sie selbst hat keine Magie mehr. Ihre einzige Hoffnung ist Mr. Gold (Robert Carlyle), der tatsächlich noch etwas Magie für schlechte Zeiten beiseite geschafft hat. Die Einzige, welche diese wiederbeschaffen kann, ist jedoch Emma, die dafür auf eine nicht ganz ungefährliche Mission gehen muss...

Die Konvertitin

Im Grunde müsste man A Land Without Magic umgehend noch mal anschauen. Das Staffelfinale von Once Upon a Time ist so prall gefüllt, dass einem Augen und Ohren übergehen. Und natürlich das Herz.

Wie schon letzte Woche vorhergesehen „39946“, ist es tatsächlich die Liebe zu beziehungsweise Angst um Henry, welche Emma den entscheidenden Anstoß gibt, zum Glauben an Märchen und Magie zu finden. Davon geben ihr die Autoren dann auch umgehend eine gehörige Packung mit auf den Weg: In kürzester Zeit beratschlagt sie sich nicht nur mit der Bösen Königin und Rumpelstilzchen; sie sieht auch August (Eion Bailey) dabei zu, wie er sich in eine Holzpuppe zurückverwandelt. Und schließlich muss sie Maleficient (Kristin Bauer van Straten) in Drachenform erlegen.

Letztgenannte Sequenz ist nicht nur deshalb großartig, weil hier richtig tüchtig in die CGI investiert wurde und sie in einem fließenden Übergang mit Charmings (Josh Dallas) Drachenkampf parallel montiert ist, sondern auch weil darin die Prozesshaftigkeit von Emmas Entwicklung sichtbar wird. Sie glaubt zwar inzwischen an das Märchen-Universum. Als sie sich dem Drachen gegenübersieht, ist ihr erster Instinkt aber trotzdem der Griff zu ihrer Dienstwaffe. Erst als sie merkt, dass mit Pistolenkugeln gegen ein Fabelwesen wenig auszurichten ist, schaltet sie gedanklich um - und benutzt eine Märchenwaffe, um ein Märchenungeheuer zu töten.

Mitleid mit der Queen

Um Henry zu retten, müssen sich Emma und Regina zusammentun - trotz der mehr denn je feindseligen Gefühle, die sie einander entgegenbringen. Emma weiß nun um Reginas wahre Identität - und was Regina ihr antun wollte. Regina wiederum ist voller Ärger, dass ihr Plan misslungen ist - und muss mehr denn je fürchten, Henry zu verlieren. Entweder dadurch, dass er (durch ihre Schuld) stirbt. Oder weil Emma ihn ihr wegnimmt. So oder so stehen die Karten schlecht für sie.

Als Emma - analog zu der im Staffelfinale wieder aufgegriffenen Szene aus dem Piloten mit Schneewittchen und Prinz Charming - den tot geglaubten Henry durch einen Kuss auf die Stirn wieder zum Leben erweckt, da könnten die Emotionen beim Zuschauer kaum widersprüchlicher sein. Einerseits ist man voller Freude für die beiden: Henry lebt, der Fluch ist gebrochen, Mutter und Sohn teilen endlich eine Perspektive auf die Realität. Das ist der verdiente Pay Off für eine ganze Staffel voller (gezielter) Frustrationen.

Andererseits verspürt man fast so etwas wie Mitleid mit Regina. Die Liebe zu Henry, so besitzergreifend sie auch daherkommt, ist eine der wenigen genuin positiven, prosozialen Emotionen, welche die Böse Königin je gezeigt hat. Als Zuschauer glaubt man ihr, dass sie Henry wirklich liebt. Und man kann ihren Schmerz darüber, dass sie ihn (endgültig?) an Emma verloren hat, sehr gut nachvollziehen. Gerade die Szene, in der sie in Henrys Schlafzimmer sein Kopfkissen an sich drückt, ist ungemein ergreifend.

Verlorenes findet sich wieder

Gleichzeitig bleibt sich Regina aber auch durchaus treu. Im negativen Sinne. Als Jefferson (Sebastian Stan) den Lohn für seine Mühen in An Apple Red as Blood einfordert, da denkt die Königin gar nicht daran, ihrer Verpflichtung nachzugehen. Ihr Plan hat nicht funktioniert; damit ist in ihren Augen die Vereinbarung mit dem verrückten Hutmacher „null und nichtig“. Und sie liegt richtig: Er hat es nicht in sich, sie zu töten. Aber er kennt jemand anderen, der dazu in der Lage wäre. Und dem er dafür in Gestalt von Storybrooke-Belle (Emilie de Ravin) Grund dazu gibt, ihm dankbar, der Königin dagegen böse zu sein. Das ist ein cleverer Plan - und eine hübsche Wendung in der Geschichte.

Bevor dies jedoch gänzlich zum Tragen kommt, befasst sich Mr. Gold erst einmal damit, die von Emma beschaffte Essenz von Wahrer Liebe dazu einzusetzen, das wiederzuholen, was ihm, Mr. Gold, in der Welt am wichtigsten ist: Das ist traurigerweise offenbar nicht sein Sohn, sondern die Magie - und die Macht, die mit ihr einhergeht. Wie ein neuer Fluch kommt die Magie über Storybrooke und sorgt dafür, dass wir mit einem Cliffhanger in die Sommerpause gehen, welcher vielfältige erzählerische Möglichkeiten für die zweite Staffel offen lässt.

Fazit

Das ist es, was man ein perfektes Staffelfinale nennt: Ein zentrales Handlungs- und Figurenziel (Henry will Emma dazu bringen, an die Märchenwelt zu glauben und Storybrooke vom Fluch zu erlösen) wird erreicht. Die Rückbezüge auf die Pilotepisode und die Gastauftritte von Kristin Bauer Van Straten und Jamie Dornan (als Jäger) schaffen ein Gefühl der Gänze und Erfüllung. Inszeniert wird das alles in Form einer mitreissenden und hoch emotionalen Abenteuergeschichtte voller Action, Drama und Magie, welche am Ende zugleich die Voraussetzungen für eine zweite Staffel schafft.

Besser geht es einfach nicht. Once Upon a Time hat sich damit endgültig einen Platz unter den Top-Serien des aktuellen US-Fernsehens gesichert. Die Sommerpause wird lang und hart. Versüßt wird sie allenfalls durch die Erkenntnis, dass Once Upon a Time, wenn sich die Serie weiterhin auf diesem qualitativen Level präsentiert, wohl noch viele Jahre auf der Matttscheibe zu sehen sein wird.

Verfasser: Christian Junklewitz am Dienstag, 15. Mai 2012
Episode
Staffel 1, Episode 22
(Once Upon a Time 1x22)
Deutscher Titel der Episode
Ein Land ohne Magie
Titel der Episode im Original
A Land Without Magic
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 13. Mai 2012 (ABC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Mittwoch, 23. Januar 2013
Autoren
Reagan Dale Neis, Daniel Roebuck
Regisseur
Dean White

Schauspieler in der Episode Once Upon a Time 1x22

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