Once Upon a Time 1x16

Für Mary Margaret (Ginnifer Goodwin) sieht es schlecht aus: Der Kasten, in dem das Herz gefunden wurde, enthält nicht nur ihre Fingerabdrücke, er gehört ihr sogar. Emma (Jennifer Morrison) bleibt nichts anderes übrig, als ihre Mitbewohnerin vorläufig festzunehmen. Ausgerechnet als sie nach Beweisen für Mary Margarets Unschuld sucht, findet sie auch noch die vermutliche Tatwaffe, ein langes Jagdmesser, versteckt in der Wohnung. Mr. Gold (Robert Carlyle) bietet seine Dienste als Anwalt an. Derweil versucht David (Josh Dallas), sich mit Archies (Raphael Sbarge) Hilfe an das zu erinnern, was während seiner Blackouts passiert ist. Vor seinem inneren Auge sieht er, wie er Mary Margaret versucht hat, davon abzuhalten, „sie“ zu töten.
Was David nicht ahnt: Diese Erinnerung stammt aus einem ganz anderen Leben, in dem er Schneewittchen davon abbringen wollte, die Böse Königin (Lana Parrilla) aus Rache wegen der Ermordung ihres Vaters zu töten. Seit Schneewittchen den Vergessenstrank von Rumpelstilzchen geschluckt hat, um nicht mehr an Prinz James denken zu müssen, hat sie sich sehr gewandelt, ist reizbar und überaus aggressiv geworden. Die sieben Zwerge erkennen sie gar nicht mehr wieder. Einzig der wahren Liebe Kuss soll sie wieder zu ihrem alten Selbst zurückversetzen können...
Mit Heart of Darkness nimmt Once Upon a Time eine Wende zum Düsteren: Nachdem Rotkäppchen (Meghan Ory) in der vergangenen Folge bereits als böser Werwolf entlarvt worden ist (ihre zweite Natur in dieser Episode jedoch zum Guten einsetzen darf), wird das das bis dahin so bezaubernde Schneewittchen beinahe zur eiskalten Killerin.
Man muss der ungewohnt konzilianten Regina in der Tat beipflichten: Das Böse wird nicht geboren, es wird getan. Eine Winzigkeit, wie die Erinnerung an die Gefühle für einen anderen Menschen, reicht aus, um einen zu einer völlig anderen Person werden zu lassen, die anders denkt und handelt. Ohne ihre Gefühle für Prinz Charming ist Schneewittchen ein ziemlich fieses Ding, welches süßen Singvögeln nach dem Leben trachtet, gemein zu ihren Freunden ist - und auch vor ein bisschen Folter nicht zurückschreckt, um ihr Ziel zu erreichen. Snow White Goes Jack Bauer.
Und auch die Handlung in Storybrooke bekommt etwas sehr Düsteres: Es ist also tatsächlich Kathryns Herz in der Box. Da diese Mary Margaret gehört (also der Storybrooke-Realität entstammt), dürfte damit wohl auch die Theorie hinfällig sein, dass es sich um Abigails Herz und Schneewittchens Fingerabdrücke handelt (wie die auch immer auf den Kasten gekommen sein mögen). Kathryn ist also tatsächlich, wie es scheint, ermordet worden. Und man kann es eigentlich niemandem verdenken, wenn er Mary Margaret für verdächtig hält. Die Beweislage ist in der Tat erdrückend. Selbst David, dessen Verhalten in der Vergangenheit in vielerlei Hinsicht zu wünschen übrig ließ, kann man nicht wirklich einen Vorwurf daraus machen, dass er seine Erinnerungen so deutet, wie er es jetzt tut.
Umgekehrt ist natürlich Mary Margarets Enttäuschung über ihn nur all zu verständlich. Etwas weniger verständlich ist dagegen, dass sie auch ihr Vertrauen in Emma verliert. Sie verschweigt ihr nicht nur, dass ihr jemand einen Schlüssel zu ihrer Zelle hat zukommen lassen, sie benutzt ihn am Ende sogar, um das Weite zu suchen. Es hat schon etwas Tragisches: Ausgerechnet in dem Augenblick, in dem Emma (wenn auch inspiriert durch das Indiz von Reginas Schlüsselbund) mit dem Glauben beginnt, erlischt Mary Margarets Glauben in ihre Mitmenschen im Allgemeinen und in Emma im Besonderen.
Mary Margarets Flucht muss unweigerlich wie ein Schuldeingeständnis aussehen. Was sicherlich auch der Plan der Person war, die ihr den Schlüssel zugesteckt hat. Dass es sich dabei um Regina handelt, können wir zwar annehmen. Richtig sicher können wir uns der Sache aber nicht sein. Vor allem, weil es ja noch jemanden gibt, der ein langfristiges Interesse an Mary Margarets / Schneewittchens Zukunft ausdrückt und am Ende sogar noch die hilfesuchende Emma als Verbündete oben drauf erhält: Mr. Gold alias Rumpelstilzchen.
Inmitten all der Düsternis aus Mord, Rache und Verdächtigungen vergisst Once Upon a Time allerdings auch nicht, dass man ja eigentlich eine Märchenserie ist und zumindest hin und wieder mal den Zuschauern auch einen märchenhaften Moment zubilligen kann: In diese Kategorie fällt sowohl die Erkenntnis Scheewittchens, dass Charming für ihr Seelenheil sein Leben gegeben hätte, samt anschließendem Märchenkuss, als auch die Versöhnung zwischen Snow und ihren sieben bad ass Zwergen. Deren Versuch einer Intervention, unterstützt von Jiminy Cricket, zu Beginn gehört derweil fraglos zu den lustigsten Szenen der Folge.
Fazit
Eine vergleichsweise düstere, aber äußerst mitreissende Episode, die ihre Spannung vor allem daraus bezieht, dass sie Schneewittchen / Mary Margaret einmal in einem ganz anderen Licht erscheinen lässt. Nur Rumpelstilzchen bleibt wie eh und je: Ihm kann man keinen Mantel überlassen, ohne dass man nicht von einem Hintergedanken ausgehen müsste...
Verfasser: Christian Junklewitz am Dienstag, 20. März 2012(Once Upon a Time 1x16)
Schauspieler in der Episode Once Upon a Time 1x16
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