Once Upon a Time 1x15

Ruby (Meghan Ory) hat die Nase voll davon, dass ihre Oma (Beverley Elliott) sie mit Arbeit überhäuft und ihr scheinbar jeden Spaß im Leben zu verleiden sucht. Als sie Ruby sogar bei einem kleinen, unschuldigen Flirt mit Mr. Booth (Eion Bailey) dazwischenfunkt, ist das Maß voll. Ruby kündigt. Sie will weg aus Storybrooke, weiß aber noch nicht wohin. Emma (Jennifer Morrison) bietet ihr an, vorübergehend in der Polizeistation auszuhelfen. Schließlich hat sie nach wie vor alle Hände voll mit der Suche nach Kathryn zu tun. Tatsächlich erweist sich Ruby - trotz aller Selbstzweifel, die sie plagen - als eine große Hilfe. Sie hat nicht nur ein natürliches Talent, Lebensmittel herbeizuschaffen, sondern stellt auch andere erstaunliche Fähigkeiten unter Beweis...
In der Märchenwelt plagt Rotkäppchen ein ähnliches Problem wie ihr Alter Ego in Storybrooke: Ihre Oma will sie partout nachts im Haus eingeschlossen wissen. Und auf gar keinen Fall soll Rotkäppchen sich mit Jungs wie dem Schmiedegesellen Peter (Jesse Hutch) abgeben. Was die Oma so sehr fürchtet ist ein Wolf, der die ganze Gegend in Angst und Schrecken versetzt - und der bereits mehrere Jäger auf dem Gewissen hat, die versucht hatten, ihn zu erlegen. Rotkäppchen und Schneewittchen (Ginnifer Goodwin) begeben sich auf eine gewagte Mission, um den Wolf auf eigene Faust zu erledigen. Dabei machen sie eine bemerkenswerte Entdeckung: Tagsüber scheint der Wolf auf zwei Beinen unterwegs zu sein.
Lange schon haben die Fans danach gerufen, jetzt haben sie sie endlich bekommen: die Rotkäppchen-Episode. Und Once Upon a Time enttäuscht uns nicht. Rotkäppchen ist zwar weit weniger slutty, als man von ihrem Auftreten in Storybrooke her hätte vermuten können (mehr als ein züchtiges Küsschen ist für Peter nicht drin). Voller Überraschungen steckt sie dafür aber in einem ganz anderen Sinne.
Wenn es um Rotkäppchen und den bösen Wolf geht, so sind in der Geschichte des Märchenfilms sicherlich schon manche Variationen durchgespielt worden. Dass Rotkäppchen jedoch in Wahrheit selbst der böse Wolf ist, war aber - ich lasse mich gerne korrigieren - wohl noch nie da. So oder so handelt es sich um eine faustdicke Überraschung. Dass die Liebesgeschichte zwischen Rotkäppchen und Peter ihr Ende darin findet, dass sie ihren Liebsten verspeist, dürften wohl nur die allerwenigsten erwartet haben. Es gibt der Redewendung „Jemanden zum Fressen gern zu haben“ auf jeden Fall eine Wendung, die für eine Familienserie höchst ungewöhnlich ist.
Der Twist stellt die anfangs gebildeten Erwartungen auch noch auf eine weitere Art auf den Kopf: Die Oma, in der ebenfalls Werwolf-Blut steckt, will also nicht Rotkäppchen vor der Welt da draußen, sondern die Welt da draußen vor Rotkäppchen beschützen. Wer hätte das gedacht? Dabei hat die Folge zu genüge Hinweise darauf gegeben: Der Kratzer, den die Oma abbekommen hat, dazu der auffällige Spürsinn von Ruby. Doch die Autoren konnten sich wohl darauf verlassen, dass zumindest bei einem Großteil der Zuschauer das Erzählmuster Rotkäppchen auf der einen, Wolf auf der anderen Seite so fest verankert ist, dass kaum jemand auf den Gedanken kommen würde, die Verbindung herzustellen, dass es sich bei beiden um ein und das gleiche Wesen handelt.
Red-Handed ist eine auch darüber hinaus sehr vergnügliche, weil spannende und wie immer emotional sehr bewegende Episode: Wir können Rubys Frustration über die Enge des großmütterlichen Familienbetriebs sehr gut nachvollziehen. Wir freuen uns mit ihr, dass sie in der Lage ist, unter Emmas Fittichen und dank ihrer Ermutigung etwas Selbstvertrauen zu tanken. Und man kann fast ein wenig wie die Großmutter Stolz emfinden, dass Ruby am Ende nicht wegläuft, sondern sich ihrer größten Angst stellt: daran zu scheitern, ebenso wie ihre Oma zu werden. Schade ist nur, dass es deshalb mit der Frauen-WG vorbei ist, bevor es überhaupt erst richtig angefangen hat. Ruby, Mary Margaret und Emma in einem Haushalt - das wäre sicherlich unterhaltsam geworden!
Der Fall um die verschwundene Kathryn nimmt derweil ebenfalls eine überraschende Wendung. Eigentlich sogar zwei. Oder vielmehr drei. David (Josh Dallas) irrt durch den Wald, als würde er schlafwandeln. Als er später von Ruby und Emma gefunden wird, hat er keine Erinnerung mehr daran. Was hat es damit auf sich? Besteht eine Verbindung zu seinem Koma (samt Gedächtnisverlust) zu Beginn der Staffel? Wir erinnern uns: David war ja derjenige, der nicht nur seine Märchenexistenz vergessen, sondern der auch zunächst keine Erinnerungen an sein Leben in Storybrooke hatte.
Dann ist da das Herz, welches Ruby in der verbuddelten Kiste findet. Das Behältnis erinnert frappierend an das Gefäß, in dem die Böse Königin das Herz des Jägers aufbewahrt hatte. Bevor sie es zu Staub zermalen hat. Seines ist es also nicht. Aber wem gehört es dann? Und wieso finden sich daran Mary Margarets Fingerabdrücke? Oder sind es in Wahrheit die von Schneewittchen...?
Fazit
Eine tolle Folge mit einem grandiosen Twist - und einigen sehr interessanten neuen Fragen.
Verfasser: Christian Junklewitz am Dienstag, 13. März 2012(Once Upon a Time 1x15)
Schauspieler in der Episode Once Upon a Time 1x15
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