On My Block 1x01

© ??On My Block“ (c) Netflix
Coming-of-Age und Netflix - da haben sich zwei gefunden. Zumindest hat der globale Streaminganbieter in den letzten Jahren eine Serie nach der anderen aus diesem Genre rausgepumpt, von kolossalen Erfolgsgeschichten wie 13 Reasons Why oder Stranger Things bis hin zu vergleichsweise kleineren Produktionen wie Atypical oder das erst kürzlich erschienene Everything Sucks! Dabei variiert man stets zwischen Drama, Comedy oder irgendetwas dazwischen, im Fall von „Stranger Things“ packt man sogar noch ein gehörige Portion Science Fiction, Mystery und Nostalgie obendrauf. Letzteres ist auch ein integraler Bestandteil von „Everything Sucks!“, das so die Herzen vieler 90s-Kids erwärmen konnte.
Der Serienneustart On My Block von Lauren Iungerich, Eddie Gonzalez und Jeremy Haft ist da schon weitaus zeitgenössischer. Die Prämisse könnte für das Genre, in dem sich die halbstündige Dramedy bewegt, klassischer nicht sein. Grundsätzlich hat man das alles - eine Gruppe Freunden stellt sich zusammen den Ängsten und Sorgen des Älterwerdens - schon etliche Male zuvor gesehen. Das soll jedoch keine Kritik sein, denn das zeichnet nun mal das Genre Coming-of-Age aus. Die Kunst ist es, aus dieser einfachen, gewöhnlichen Formel etwas Besonderes zu machen, Charaktere zu erschaffen und Geschichten zu erzählen, die uns zwar vertraut vorkommen, zu denen man aber als Zuschauer rasch eine emotionale Verbindung aufbaut und sich identifizieren kann. Und siehe da, genau das gelingt in der ersten Episode von „On My Block“.
I came to conquer
Das 30-minütige Format profitiert davon, dass es nicht durch irgendeine Art Retro-Filter glatt gezogen ist und eine populäre Zeitepoche nostalgisch verklärt wird. Wir streifen hier durch die brüchigen Straßen eines Problemviertels im Herzen von Los Angeles, wo Bandenkriminalität zum harten Alltag gehört und die ansässigen Bewohner mit Leichtigkeit Waffen an ihrem Schussgeräusch erkennen können. Dies mag etwas überzeichnet sein, doch der Serie tut es gut, sein Publikum und die Hauptcharaktere permanent mit einer unerbittlichen Lebensrealität zu konfrontieren, die ihr Heranwachsen und ihren zukünftigen Weg maßgeblich beeinflussen. Zwar wird „On My Block“ eher der Kategorie Comedy zugeordnet, mehr als einmal weht jedoch ein Hauch von authentischem Sozialdrama und Milieustudie durch die Serie, die sich durch diesen Genremix ein Alleinstellungsmerkmal im Kreise ihrer Netflix-Kollegen sichert.
Dass man recht schnell in diese Welt eintaucht, ist auch der guten Besetzung und der Figurenzeichnung zu verdanken. Ein paar der Nebenfiguren wirken etwas karikaturesk, der Kern der Serie, die drei Freunde Monse, Ruby und Jamal, schließt man aber sogleich ins Herz. Die Erzählung konzentriert sich auf dieses Trio, das sich am Ende der Folge vornimmt, ihrem guten Freund Cesar zu helfen, der eigentlich mal ihrer Truppe angehört hat. Er wurde jedoch in die Gang-Machenschaften seines Bruders verwickelt, aus denen er keinen Ausweg sieht. Ihn aus dieser Misere zu befreien, stellt eine Art übergeordnete Handlung in „On My Block“ dar, nebenbei geht es aber vor allem auch darum, wie unsere Protagonisten ihr aufregendes, jugendliches und nicht immer angenehmes Leben bestreiten.

Stick together
So hakt man wiederum ein paar Elemente ab, die in einer Coming-of-Age-Serie nicht fehlen dürfen: Die erste Liebe. Die Irrungen und Wirrungen der Pubertät, mitsamt sexuellen Erwachen und die Frage nach der eigenen, sexuellen Orientierung. Versagensängste aufgrund von auferlegten Druck durch die Eltern. Gewünschte Freiheiten und nervige Einschränkungen als Teenager. Der turbulente Beginn eines neuen Lebensabschnittes, wenn man auf die Highschool kommt... Das klingt sehr lehrbuchartig, das Umfeld, in dem diese Geschichte stattfindet und die Charaktere, mit denen wir uns auf diese Reise machen, geben „On My Block“ aber seinen eigenen Reiz. Allen voran Newcomerin Sierra Capri, die die furchtlose Monse spielt, reißt einen immer wieder mit und avanciert unverzüglich zu einer treibenden Kraft - für die Freundesgruppe wie auch für die Erzählung. Jason Genao und Brett Gray übernehmen als Ruby und Jamal zunächst eher die Comic-Relief-Momente, doch auch bei diesen beiden merkt man früh, dass sie lebensechte Probleme, Ängste und Sorgen mit sich herumtragen, durch die ein jeder schon einmal selbst gegangen ist.
Und so gelingt es eben On My Block eine authentische, charmante, herzliche Coming-of-Age-Geschichte mit interessanten Charakteren zu präsentieren, die komische, tragische, emotionale und absurde Momente gut miteinander vereint. Handwerklich zeigt Regisseurin Lauren Iungerich, die übrigens die MTV-Coming-of-Age-Serie Awkward. geschaffen hat, dass sie ein paar nette Tricks im Ärmel hat, so zum Beispiel eine schicke Plansequenz gleich zu Beginn der Pilotfolge. Abgerundet wird das Ganze dann noch von einem coolen Soundtrack und einer cleveren Songauswahl, die die Handlung wunderbar ergänzt. Außerdem überstrapaziert man den Einsatz von Musik nicht, was zu oft ein Problem in derartigen Serien ist. Gute Gründe gibt es also mehr als genug, „On My Block“ eine Chance zu geben.
Trailer zu „On My Block“:
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Verfasser: Felix Böhme am Freitag, 16. März 2018(On My Block 1x01)
Schauspieler in der Episode On My Block 1x01
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