Nikita 2x14

Ein wegen des Verlusts von Division hochgradig verstimmter Percy (Xander Berkeley) nimmt via Senatorin Pierce (Alberta Watson) Kontakt mit Nikita (Maggie Q) auf. Er lässt sie wissen, dass er ihr wehtun will, indem er Carla Bennett (Erica Gimpel, Veronica Mars) aufs Korn nimmt. Carla ist die Frau, die versucht hatte, Nikita dabei zu helfen, clean zu werden. Nachdem Nikita rückfällig geworden war und einen Polizisten erschossen hatte, hatte Carla wegen einer ausstehenden Anklage jedoch selbst die Flucht ergreifen müssen. Nikita ahnt, dass es sich bei Percys Ankündigung um eine Falle handeln muss. Was sie nicht ahnt, ist jedoch, für wen die Falle bestimmt ist.
Alex (Lyndsy Fonseca) geht unterdessen mit Nikitas Zustimmung auf Amandas (Melinda Clarke) Vorschlag ein, gemeinsam mit Division ihre Mutter aus Russland herauszuholen und Semak auszuschalten. Während sie die Operation vorbereitet, entdeckt Alex jedoch, dass eine gewisse Carla Bennett ganz weit oben auf Amandas Abschussliste steht...
Folgen, welche in Rückblenden die Vergangenheit eines Protagonisten beleuchten, haben die Tendenz, den Zuschauer aus dem aktuellen Geschehen herauszureißen. Man erfährt zwar etwas über die Hintergründe der Figur, die Haupthandlung legt in diesen Momenten jedoch meistens eine kreative Pause ein. Nicht so in Rogue. Der Folge gelingt das seltene Kunststück, dass man als Zuschauer die Rückblenden geradezu herbeisehnt, da sie uns nicht nur verraten, wie Nikita ursprünglich überhaupt erst ins Gefängnis gekommen ist, sondern wir uns zugleich aus ihnen Aufschluss darüber erhoffen, was in der Handlungsgegenwart überhaupt vor sich geht.
Percy stellt also eine Falle auf, die jedoch nicht für Nikita, sondern für Carla gedacht ist, die er außerdem keineswegs töten, sondern offenbar als Verbündete (zurück-) gewinnen will, da er von Roan (Rob Stewart) weiß, wie schlecht Amanda auf sie zu sprechen ist. Das alles führt nicht nur uns, sondern natürlich auch Nikita zur unweigerlichen Frage: Wer ist diese Carla überhaupt? Was hat es mit ihr auf sich? Ist sie eine frühere Division-Agentin, die entkommen konnte? Aber das ist doch angeblich niemandem vor Nikita gelungen?
Die Antwort auf diese Fragen lässt einem schier die Kinnlade herunterfallen: Carla ist keine ehemalige Division-Agentin, sondern die Schöpferin des Division-Agentenprogramms! Ausgerechnet die Frau, der gegenüber Nikita so große Schuldgefühle hatte, weil sie der Auffassung war, sie in Schwierigkeiten gebracht zu haben, ist in Wahrheit gleich in doppeltem Sinne die Ursache für alles, was Nikita in den letzten Jahren widerfahren ist: Durch Carla ist Division (wenn auch unabsichtlich) überhaupt erst auf Nikita aufmerksam geworden. Und sie ist es, die das Rekrutierungsprogramm zu allererst ersonnen hat.
Das Konfliktpotenzial zwischen den beiden Frauen könnte damit kaum größer sein. Die besondere emotionale Brisanz liegt dabei wohl vor allem in einem Punkt, den Carla bereits in der Schlussszene von Rogue anspricht: Vor Division war Nikita nichts als ein Junkie, trotz größter therapeutischer Bemühungen seitens Carla nicht in der Lage ihr eigenes Leben in den Griff zu bekommen. Erst Division hat die „Wüstenblume“ aufblühen lassen und das Potenzial in ihr freigesetzt. Die große Frage ist nur: Kann diese Wandlung, welche durch Division in Nikita eingetreten ist, das Leid rechtfertigen oder entschuldigen, welches durch Division über Nikita (die Ermordung Daniels) und über andere gekommen ist? Das ist sicherlich ein Punkt, auf den die Serie in der nächsten Folge (Origins) zurückkommen wird.
Was Rogue so unterhaltsam macht, ist das herrliche Katz-und-Maus-Spiel, welches hier nicht nur zwischen zwei, sondern gleich drei Parteien - Percy, Nikita und Amanda - vor sich geht und in einem großartigen Shootout seinen Höhepunkt findet. Letzterer bietet Xander Berkeley die Gelegenheit unter Beweis zu stellen, dass er nicht nur beim Schmieden sinisterer Pläne, sondern auch mit der Maschinenpistole im Anschlag eine gute Figur macht. Ähnliches gilt auch für William deVry, der hier so ungekünstelt tough herüberkommt, dass man sich kaum vorstellen kann, dass dies der gleiche Schauspieler ist, der in In Security den depperten Agenten-Chef spielt.

Ein Kritikpunkt an der Folge, der jedoch kaum ins Gewicht fällt: Als Amanda erfährt, dass Carla nun in der Hand von Nikita ist, müsste sie da nicht Alex im Verdacht haben, erneut mit ihrer ehemaligen Verbündeten zusammenzuarbeiten? Schon die Tatsache, dass Alex auf die Idee gekommen ist, Percy über dessen Dead Man Switch aufzuspüren, kam ihr schließlich (obwohl jetzt gar nicht mal so außergewöhnlich originell) ungewöhnlich vor. Trotzdem scheint sie anschließend keinerlei Argwohn gegen Alex zu haben. Oder ist das lediglich der Eindruck, den sie erwecken möchte? Bei Nikita kann man sich da ja nie so ganz sicher sein.
Fazit
Rogue ist eine spannende, temporeiche Folge, welche durch mitreißende Wendungen und ein grandioses Action-Finale glänzt. Gleichzeitig beleuchtet die Folge einen entscheidenden Moment in Nikitas Vergangenheit - und macht große Lust, mehr über die Origins von Division zu erfahren. Weshalb hat Carla sich abgesetzt? Und warum ist Amanda so versessen auf ihre Ermordung?
Verfasser: Christian Junklewitz am Sonntag, 12. Februar 2012(Nikita 2x14)
Schauspieler in der Episode Nikita 2x14
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