Nikita 2x08

Michael (Shane West) fliegt nach London, um seinen Sohn zu sehen. Was er nicht ahnt: Cassandra (Helena Mattsson) steckt erneut in Schwierigkeiten. Ein früherer weißrussischer General, der unter ihrem verstorbenen Ex-Mann eine hohe Position innehatte, stellt ihr wegen des stolzen Sümmchens von 200 Millionen Dollar nach, von dem er vermutet, dass es Cassandra vor ihrer Abreise an sich gebracht hat.
Als Cassandra entführt wird, kommt Nikita (Maggie Q) Michael zu Hilfe, um die Angelegenheit zu klären. Dabei entdecken sie, dass Cassandra nicht ganz das ist, was sie vermutet hatten. Eine andere Erkenntnis ist für Nikita allerdings noch viel verstörender...
London Calling kann man von mindestens zwei verschiedenen Seiten aus betrachten. Von vorne oder von hinten. Entsprechend unterschiedlich wird das Urteil über die Folge ausfallen.
Von vorne betrachtet ist die Episode - gerade nach dem überragenden Clawback aus der Vorwoche - gelinde gesagt unterwältigend: Ein osteuropäischer Schurke, der hinter Cassandra her ist - das macht doch einen arg abgegriffenen Eindruck. Als Nikita und Michael zu dem Ex-General in die Bar kommen und seine Leute aufmischen, konnte man sich an eine Szene aus dem „A-Team“ erinnert fühlen. Die bad guys werden verprügelt, bekommen die Warnung auf den Weg, sich von Cassandra fern zu halten, aber natürlich schlagen sie diese, wie bad guys das nun einmal so tun, in den Wind.
Diesen Plot hat man nun wahrlich schon viel zu oft gesehen, um ihm auch nur ansatzweise irgendeinen Spannungswert abgewinnen zu können. Oder mit anderen Worten: Gähn.
Umso überraschender sind dafür natürlich die Haken, welche die Handlung auf einmal in der zweiten Episodenhälfte zu schlagen beginnt: Cassandra ist in Wahrheit eine Agentin des MI6 und ihr Agentenführer ist der eigentliche Schurke. Ja, da beginnt die Folge, doch schon wesentlich mehr Spaß zu machen.
Die größte Überraschung hat London Calling jedoch am Ende parat: Nikita macht mehr oder minder Schluss mit Michael. Didn't see that coming! Dabei ist es, wenn man sich die Grundverfassheit der Charaktere anschaut, eigentlich durchaus folgerichtig. Michael ist im Prinzip ein Familienmensch. Der Verlust seiner Frau und seiner Tochter ist eines der zentralen Motive für sein gesamtes bisheriges Handeln gewesen (seine Liebe zu Nikita war das andere). Nun bietet sich in Sachen Familie mit Cassandra und Max die Chance auf einen Neuanfang. Ganz klar, dass ihn das in Versuchung führen muss.
Das entgeht auch Nikita nicht. Sie sieht die Bilder des Familienidylls. Sie sieht, wie Max und seine Vater eine Bindung eingehen (dabei hat sie noch nicht einmal die ganz weit oben auf der Süß-Skala rangierende Keks-Teilung mitbekommen). Und ihr ist klar, dass sie Michael das nicht verwehren darf. Wieder und wieder ist uns insbesondere in dieser Staffel gesagt und gezeigt worden, wie sehr Nikita Michael liebt. Doch noch nie so eindrücklich wie in London Calling.
Ihre Liebe zu ihm ist so groß, dass sie ihm nicht bei seinem Wunsch nach einer Familie im Weg stehen will. Nur zu gerne würde sie, wie wir aus 343 Walnut Lane wissen, diesen Wunsch mit ihm gemeinsam verwirklichen. Aber sie ist Realistin genug, um sich der vor ihnen liegenden Gefahren bewusst zu sein. Wenn Michael an ihrer Seite weiterkämpft, dann besteht tatsächlich ein nicht geringes Risiko, dass er seinen Sohn niemals wiedersehen wird - und auch niemals eine andere Familie haben wird. Das kann Nikita nicht zulassen, auch wenn es ihr selbst das Herz bricht. Und dem Zuschauer gleich mit.
Percy (Xander Berkeley) verfolgt Alex (Lyndsy Fonseca) derweil bis in ihre Albträume - und benutzt sie zur raffinierten Übermittlung eines Codes qua Banküberweisung. Während er genüsslich ausnutzt, dass er sie in der Hand hat, beißt sich Sean (Dillon Casey) an ihr die Zähne aus: Er versucht, den Verführer zu mimen, um über sie an Nikita heranzukommen, doch es gelingt ihm nicht, ihr Misstrauen zu überwinden, was uns immerhin die wahrscheinlich lustigste Szene der Episode beschert: „You never said, where...“
Fazit
London Calling präsentiert sich als etwas unebene, trotzdem alles in allem unterhaltsame Episode, die uns gespannt auf die Fortsetzung warten lässt: (Wann) werden Nikita und Michael wieder zueinander finden? Was verbirgt sich hinter dem „sekundären Protokoll“?
Verfasser: Christian Junklewitz am Sonntag, 13. November 2011(Nikita 2x08)
Schauspieler in der Episode Nikita 2x08
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?